TV-Kritik: „familien duell“ – Vom Bauernhof ins Gameshow-Studio

    Inka macht den Werner bei RTLplus

    06.09.2016, 11:55 Uhr – Dennis Braun

    TV-Kritik: "familien duell" - Vom Bauernhof ins Gameshow-Studio – Inka macht den Werner bei RTLplus – Bild: RTLplus/Willi Weber
    Inka Bause begrüßt jeweils ein Mitglied einer Familie zur nächsten Spielrunde.

    Neben „Jeopardy!“ ging mit dem „familien duell“ am gestrigen Montagabend eine weitere Neuauflage eines Gameshow-Klassikers beim neuen Sender RTLplus auf Sendung. Auch in diesem Fall setzt man mit Bauern-Verkupplerin Inka Bause auf ein bekanntes Gesicht aus dem Hauptprogramm, das allerdings bereits 2008 mit der unsäglichen Neuauflage der „100.000,- Mark Show“ („Die 100.000 Euro Show“) Schiffbruch erlitten hat. Beim „familien duell“ machte sie nun einen etwas souveräneren Eindruck – der dennoch nicht über einige Schwächen hinwegtäuschen konnte.

    Am Konzept der Show hat sich im Vergleich zur Originalversion mit Werner Schulze-Erdel, die zwischen 1992 und 2003 täglich im Vormittagsprogramm von RTL lief, nichts geändert: Zwei Familien mit jeweils fünf Mitgliedern treten gegeneinander an und müssen einschätzen, was 100 Leute auf Fragen wie „Nennen Sie einen Grund, warum ein Kuss mies sein kann“ geantwortet haben. In den ersten beiden Spielrunden geht es um die einfache, in der dritten um die doppelte und in der vierten und alles entscheidenden Runde um die dreifache Punktzahl. Somit kann einer Familie, bei der bis kurz vor Schluss noch Ebbe auf dem Punktekonto herrscht, noch der Lucky Punch gelingen.

    Im Finale spielen dann nach wie vor zwei Mitglieder der siegreichen Familie nacheinander. Ihnen werden fünf identische Fragen gestellt, auf die sie erneut möglichst die Top-Antworten der 100 befragten Leute geben sollen. Der zweite Spieler darf allerdings eine zuvor genannte Antwort nicht erneut nennen. Schaffen beide zusammen die magische Zahl von 200 Punkten, gehen sie mit 3.000 Euro Siegprämie nach Hause. Gelingt es einer Familie, fünfmal hintereinander ins Finale einzuziehen, spielt sie um den Hauptgewinn von 30.000 Euro. Hier fällt die im Vergleich zur ursprünglichen Version leicht reduzierte Gewinnsumme auf: Waren es zwischen 1992 und 2001 noch 10.000 DM Tages- und 100.000 DM Maximalgewinn, wurden die Beträge zur Euroeinführung 2002 auf 5.000 Euro bzw. 50.000 Euro umgerechnet.

    Da alle vier bisher angekündigten Gameshow-Neuauflagen im selben Studioset produziert wurden, fällt auch beim „familien duell“ die deutlich beengte Kulisse auf, die sich vor allem in den kurzen Abständen zwischen den Kandidaten- und dem Quizpult in der Mitte bemerkbar macht. Optisch hat man sich am wenig überzeugenden „Familien Duell Prominenten-Special“ orientiert, das zwischen 2013 und 2014 kurzzeitig von Daniel Hartwich bei RTL präsentiert wurde.

    Im Gegensatz zu dieser lieblosen Variante kommt bei der RTLplus-Version jedoch schon gleich zu Beginn ein gewisses Retro-Feeling auf, wenn die modernisierte Ursprungsmelodie erklingt, die seinerzeit von Alan Gruner komponiert wurde und hierzulande mehr als elf Jahre lang im Einsatz war. Ein definitiver Pluspunkt, war doch im „Familien Duell Prominenten-Special“ mit „Get Lucky“ von Daft Punk lediglich ein x-beliebiger Chartsong zu hören, der dem Charme der Kult-Gameshow nicht ansatzweise gerecht wurde.

    Ebenfalls zurück sind die charakteristischen Schweinchen auf der Videowand, die die Wertigkeit der Punkte zu Beginn jeder Runde anzeigen, inklusive charmantem Grunzen im Hintergrund (der Schweinchen, NICHT der mopsfidelen Moderatorin). Nach wie vor gewöhnungsbedürftig bleiben jedoch die himmelschreiend grellen Rot- und Pink-Farbtöne, die nur von den teilweise quietschbunten Outfits von Inka Bause übertroffen werden (siehe Foto).

    Auch wenn gerade eine Gameshow wie das „familien duell“ von den Kandidaten und deren Schlagfertigkeit bzw. stellenweise humoriger Zerstreuung lebt, bedarf es einer souveränen, unaufgeregten Moderation, wie es Werner Schulze-Erdel 2275 Ausgaben lang vorgemacht hat. Ob die blonde Bauernbeauftragte Bause allerdings die Richtige für diesen Job ist, darüber lässt sich auch nach den ersten beiden Folgen vortrefflich streiten.

    Positiv hervorzuheben ist, dass sie nicht künstlich Spannung aufbau(s)t, wo keine ist und mit Ablauf und Regeln der Show vertraut zu sein scheint. Besonders im Umgang mit den Kandidaten fällt sie jedoch immerzu in ihr bekanntes „Bauer sucht Frau“-Muster zurück, was ihr schon bei der „100.000 Euro Show“ übel genommen wurde. Geschenkt, dass es bei Inka Bause nunmal in jeder Situation fast schon penetrant menschelt, gäbe es jedoch Weltmeisterschaften im „Tollfinden“, so wäre die 47-jährige Leipzigerin wohl nur schwer zu schlagen. Darüber hinaus hat man bei annähernd jeder leicht hölzernen Interaktion mit den Kandidaten den Eindruck, als spreche sie mit einem ihrer einsamen Bauern oder gar Erstklässlern, auf die sie ganz besonders emotional eingehen müsse. Hier vermisst man eindeutig die leicht schnoddrige Art Schulze-Erdels, der weit authentischer und flapsiger mit seinen Kandidaten umzugehen wusste.

    Apropos Kandidaten: Natürlich liegt der Reiz des „familien duells“ auch in den mitunter kuriosen Antworten, die mittlerweile wahre YouTube-Hits sind („Nennen Sie etwas, das man schlägt“ – „Kind“). Davon gab es bereits in den ersten beiden Ausgaben genügend Beispiele, als etwa ein Kandidat die Frage „Nennen Sie eine spezielle Bowle“ herrlich missverstand und eine „Gerüstbowle für ein Bauarbeitergerüst“ vorschlug (hier war wohl eher die Gerüstbohle gemeint). Leider kam im äußerst spärlich besetzten Publikum jedoch nie so etwas wie Stimmung auf; auch als sich Kandidatin Martina wunderte, weshalb auf die Frage „Nennen Sie ein Verkehrsschild, was oft ignoriert wird“ niemand ihre Antwort „Rechts vor links“ gab, hörte man nicht mehr als ein müdes Lächeln.

    Dennoch ist die Tatsache augenfällig, dass „Normalo“-Kandidaten mit ihren Eigenheiten fernab der immer gleichen X-, Y- und Z-Prominenz die Quintessenz von Spielshows dieser Art sind. Das sahen am gestrigen Abend wohl auch die Zuschauer so, mit durchschnittlich 140.000 Fernsehenden und 1,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen wurde der aktuelle Senderschnitt von RTLplus annähernd verdoppelt. Bei der Nachtwiederholung schalteten zusätzlich noch einmal 100.000 Zuschauer ein, die für gute 1,4 Prozent sorgten. Wie immer wird der Quotenverlauf in den nächsten Wochen zeigen, ob und wie viel RTLplus mit den Neuauflagen seiner Gameshows richtig gemacht hat. Im Falle des „familien duells“ ist auf jeden Fall das Konzept der Star und funktioniert auch im Jahre 2016 hervorragend, für das man Abstriche in der Moderation und der Optik verschmerzen dürfte. RTLplus zeigt täglich ab 19.25 Uhr jeweils zwei Folgen der Spielshow, im Hauptprogramm von RTL sind zusätzlich samstags ab 16.45 Uhr zwei Wiederholungen zu sehen.

    Über den Autor

    Dennis Braun

    Dennis Braun, geboren einen Tag nach dem Mauerfall, ist ein richtiges Kind der 90er und Retro-Fan. Neben schaurig-schöner Eurodance-Musik kann er sich auch heute noch an diversen Gameshows wie „Geh aufs Ganze!“, „Glücksrad“, „familien duell“ oder „Der Preis ist heiß“ erfreuen, die er damals sehr häufig bei und mit seinen Großeltern geschaut hat. Daneben hat er ein Herz für gut gemachte deutsche Comedy, die allerdings bekanntermaßen recht spärlich gesät ist. Wenngleich er kein wirklicher Serienjunkie ist, laufen ihm dennoch ab und zu ein paar Produktionen wie der „Club der roten Bänder“ oder „The Strain“ über den Weg, die ihn in ihren Bann ziehen. Bereits seit Januar 2013 für fernsehserien.de tätig, verstärkt er seit März 2016 auch die Newsredaktion und kennt sich besonders im nationalen Bereich gut aus.

    Lieblingsserien: Pastewka, Club der roten Bänder, Die Dinos

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • 4077hawkeye am 06.10.2016 20:22 via tvforen.de

      Heute habe ich mal nicht nach Jeopardy umgeschalten und ich hätte es lieber machen sollen.

      Ich finde die Bause nervig. Immer diese tolle Kommentare ist nicht so schlimm. Dann versucht sie immer so einfühlsam zu sein. Einfach nur nervig. Sie sollte lieber bei den suchenden Bauern bleiben. Das schaue ich nämlich überhaut nicht. ;)

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