„Wer sich nicht wehrt, landet am Herd“

    von Boris Klemkow

    Boris Klemkow – 09.06.2011, 15:52 Uhr

    Über die emanzipierte Hausfrau in aktuellen US-TV-Serien

    Produzenten versuchen seit langem Hausfrauen als Zuschauergruppe zu erreichen: Seifenopern gibt es seit den 1930er Jahre, damals noch im Radio. Bereits mit den ersten Geräten etablierte sich das Format auch im Fernsehbereich, stellen die Endlosserien doch eine für Werbekunden auch heute noch attraktive Möglichkeit der Produktplatzierung darstellt. Das Interesse an der werberelevanten Gruppe beschränkte sich allerdings lange Zeit nur auf die Konsumentenrolle. Obwohl die Hausfrau selbstverständlich zum Figurenarsenal der verschiedenen fiktionalen Formate gehörte, bestand ihre dramaturgische Funktion lediglich darin, den vorwiegend männlichen Hauptprotagonisten eine Hintergrundgeschichte zu liefern. Während „er“ Abenteuer bestreitet, hütet „sie“ daheim die Kinder, kocht, hängt die Wäsche auf die Leine und sorgt sich um seinen Verbleib. Sie schmiert Ernussbuttersandwiches, verarztet aufgeschlagene Knie und begleitet die Kinder zum Schulbus. Auch wenn beispielsweise Ma Waltonals Figur im Gedächtnis bleibt und ihr dramaturgisch eine vergleichsweise große Rolle eingeräumt wird, so steht sie doch wie ihre Schicksalsgenossinnen, unter Anderen die Mütter von Timmy oder Jeff (LASSIE), im Schatten ihrer Männer und Söhne. Lediglich in Sitcoms oder Zeichentrickserien erschien es zulässig, mit dem propagierten Rollenklischee zu brechen. Wilma Feuerstein, die um die Unzulänglichkeiten ihres cholerischen Gatten weiß und ihm immer wieder aus der Patsche helfen muss, ist einer dieser frühen, seltenen Präzedenzfälle. Erst drei Jahrzehnte später, so scheint es, interessierten sich die Autoren dramatischer Serien für die Gleichberechtigung ihrer weiblichen Charaktere – nun endlich wurde das volle dramaturgische Potenzial dieser ganz besonderen Bevölkerungsgruppe entdeckt.

    Lange Zeit war die Hausfrau entweder eine Nebenfigur in einer TV-Serie, die Ehefrau oder Mutter des Helden, oder sie war als Zielgruppe für die TV-Produzenten von Interesse. Doch sukzessive laufen die Heldinnen des Alltags, den (übernatürlichen) Actionhelden den Rang ab. Offensichtlich haben endlich auch die Fernsehanstalten gemerkt, dass die vermeintliche Langeweile des Alltäglichen viel Stoff für abgründige und komplexe Geschichten bietet, die den Zuschauer aufgrund der Nähe zur eigenen Situation lange fesseln kann.

    Auf den folgenden Seiten werfen wir einen Blick auf aktuelle Serienhausfrauen, ihre Rollen und ihre Entwicklung … 

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