Happy Birthday, Hugo Egon Balder! – Der Gaukler feiert seinen 70. Geburtstag

    Großer Rückblick auf die Karriere des Comedy-Cowboys

    Glenn Riedmeier – 03.04.2020, 13:09 Uhr

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    Ein großer Entertainer wurde am 22. März 70 Jahre alt: Mit etwas Verspätung würdigt Sat.1 Hugo Egon Balder und beschert ihm am heutigen Freitagabend (3. April) eine große Geburtstagsshow namens „Senil daneben – Happy Birthday Hugo“. Auch fernsehserien.de gratuliert mit einem ausführlichen Rückblick auf die facettenreiche Karriere des Unterhalters, Produzenten, Musikers, Schauspielers und Gauklers, der mit Shows wie „Alles Nichts Oder?!“, „Tutti Frutti“, „RTL Samstag Nacht“ und „Genial daneben“ Fernsehgeschichte schrieb.

    Anfänge

    Hugo Egon Balder, der eigentlich Egon Hugo Balder heißt, wurde am 22. März 1950 in West-Berlin geboren. Schon im frühen Alter von vier bis zwölf Jahren nahm er Klavierunterricht, daran schlossen sich zwei Jahre Schlagzeugunterricht an. Als Jugendlicher war er Schlagzeuger bei der Band The Earls, 1967 war er Gründungsmitglied in der legendären Krautrockband Birth Control, die sich aus The Earls und The Gents zusammensetzte. Balder spielte Schlagzeug, verließ die Band jedoch schon 1968 wieder, bevor diese im Jahr 1972 mit „Gamma Ray“ ihren Durchbruch hatte. Stattdessen begann Balder ein Kunst- und Grafikstudium und besuchte ab 1973 die private Schauspielschule von Else Bongers in Berlin. Parallel war er bis 1979 Ensemble-Mitglied des Berliner Schillertheaters.

    Wie viele andere große Entertainer sammelte auch Hugo Egon Balder seine ersten Erfahrungen als Moderator im Radio. Er präsentierte diverse Hörfunksendungen auf den „4 fröhlichen Wellen“ von Radio Luxemburg. Das Format „Mahlzeit“, in dem Balder auch in Sketchen zu hören war, wurde zur erfolgreichsten Sendung. In den 1980er Jahren erfolgte der Schritt ins Fernsehen. 1982 präsentierte Balder den Song „Schwarzfahrn“ in der legendären Musikshow „disco“ von Ilja Richter.

    Kurz darauf wurde die Sendung eingestellt und Balder wurde vom ZDF engagiert. Er lieh der Handpuppe Herr Feldmann in der von Frank Zander moderierten Nachfolgesendung „Vorsicht, Musik“ seine Stimme. Nebenbei versuchte sich Balder als Schlagersänger, sang „Elvira, hol’ dein Strumpfband ab“ und coverte den Titel „Erna kommt“ von Wolfgang Lippert, mit dem er 1984 einen kommerziellen Erfolg landete und in der „ZDF-Hitparade“ auftrat.

    Im gleichen Jahr ging der Privatsender RTLplus an den Start, wo Balder seit dem Gründungsjahr auftrat. Parallel moderierte er im ZDF „Die Rück-Show“, eine musikalische Nostalgiesendung. Im Jahr 1985 wurde Balder an der Seite von Lore Lorentz und Harald Schmidt Teil des Kabarett-Ensembles im Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“.

    Alles Nichts Oder?!

    MG RTL D

    Den Durchbruch erlebte Hugo Egon Balder 1988, als er mit der Nonsens-Comedyshow „Alles Nichts Oder?!“ den ersten großen Erfolg für den damals noch jungen Sender RTLplus landete, die bis zu vier Millionen Zuschauer erreichte und bis heute Kultstatus hat. Die Klamaukshow war ein ausgelassener Kindergeburtstag für Erwachsene und zugleich die Geburtsstunde des kongenialen Duos aus Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen. Pro Sendung musste sich ein prominenter Gast diversen wahnwitzigen und betont albernen Wort- und Aktionsspielen stellen, darunter Partyklassiker wie „Reise nach Jerusalem“, „Zungenbrecher“, „Kommando trommele“ oder „Ich packe meinen Koffer“ – wobei man das, was man einpackte, auch darstellen musste. Hugo Egon Balder glänzte fast immer mit seinem Kondomapparat und die aufwendig kostümierte Hella von Sinnen begeisterte mit ihrem Blutsbruder aus Timbuktu.

    Im TV-Raten stülpten sich Hella und Hugo einen Papp-Fernsehrahmen über und imitierten Werbejingles oder ähnliches. Beim Telefonspiel bestand die Aufgabe des Prominenten darin, einen zufällig aus dem Telefonbuch ausgewählten Menschen anzurufen und diesen davon zu überzeugen, dass er wirklich mit einem Prominenten spricht. Legendär ist das Spiel „Schwampf“, bei dem der Gast mehrere Sätze vervollständigen musste, wobei der erste Satz mit „Schwampf“ ergänzt werden musste, und alle weiteren Sätze mit der Antwort des jeweils vorhergehenden Satzes. Man musste sich also die eigentlich richtige Antwort für den nächsten Satz merken. Einige Gäste, insbesondere Joy Fleming („im Kranggehaus“), hatten mit diesem Spielkonzept Probleme, das bis heute noch diverse Radiosender als Call-in-Gewinnspiel durchführen. Autor der Show war Klaus de Rottwinkel, der auch die Spiele für „Geld oder Liebe“ erfand.

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    Nach einem verlorenen Spiel gab es eine Torte für den Gast, nach einem gewonnenen Spiel eine Torte für die Moderatoren. Sieger war derjenige, der am wenigsten Torten bekam. Meist verloren Balder und von Sinnen, die dann am Ende der Show ihre Köpfe durch eine bemalte Pappwand mit zwei Löchern stecken mussten, um die Torten von ausgewählten Personen aus dem Publikum ins Gesicht geworfen zu bekommen.

    Das Moderatenpaar entwickelte sich zum Dreamteam, siezte und beleidigte sich gegenseitig („Sie magersüchtiges Frettchen!“ – „Sie kleine fette Schnecke!“). Unvergessen bleibt auch Hella von Sinnens „Tschaka Tschaka“, bei der sie sich mit tänzelnden Bewegungen in Richtung Kamera bewegte und die Einprägezeit bei Merkspielen unterhaltsam überbrückte.

    Insgesamt 107 Ausgaben und diverse Specials wurden produziert, die zunächst freitags um 23 Uhr und wenig später samstags um 22 Uhr im 14-tägigen Rhythmus im Wechsel mit „Dall-As“ gezeigt wurden.

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