TV-Kritik The Good Fight

    „Good Wife“-Spin-Off erinnert an die besten Tage der Mutterserie – von Jana Bärenwaldt

    Jana Bärenwaldt
    Rezension von Jana Bärenwaldt – 22.02.2017, 21:10 Uhr

    Der Cast der Serie „The Good Fight“: (v.l.) Sarah Steele, Rose Leslie, Cush Jumbo, Erica Tazel, Delroy Lindo und Christine Baranski
    Der Cast der Serie „The Good Fight“: (v.l.) Sarah Steele, Rose Leslie, Cush Jumbo, Erica Tazel, Delroy Lindo und Christine Baranski

    Als am 8. Mai 2016 die letzte Folge des Anwaltdramas „The Good Wife“ über die Bildschirme flimmerte, linderten die Serienschöpfer Michelle und Robert King sogleich den Abschiedsschmerz mit der Ankündigung eines Spin-Off. Unter dem Titel „The Good Fight“ feierte dieses bereits knapp neun Monate später Premiere. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob der Ableger den hohen Erwartungen gerecht werden kann. Dazu später mehr. Im Zentrum der neuen Serie stehen zwei Frauen, eine davon ist „The Good Wife“-Fans bereits bekannt: Diane Lockhart (Christine Baranski). Die zweite Protagonistin ist Maia Rindell (Rose Leslie), das Patenkind von Diane. Im Serienuniversum von „The Good Wife“ ist sie ein neues Gesicht, jedoch werden viele die Darstellerin aufgrund ihrer Verkörperung der Ygritte aus „Game of Thrones“ wiedererkennen.

    Die erste Folge von „The Good Fight“ beginnt auch bei den beiden Hauptfiguren. Diane Lockhart verfolgt mit fassungsloser Miene die Amtseinführung von Donald Trump im TV, während Maja ihrem ganz eigenen Albtraum ins Gesicht blicken muss: ihrer Examensprüfung. Wo Maias Weg als Anwältin gerade anfängt, endet Dianes. Sie will sich nun einen lang gehegten Traum erfüllen und in eine Villa in der Provence ziehen, um ihren wohl verdienten Ruhestand zu genießen. Ihre Ankündigung wird von den anderen Partnern, allen voran David Lee (Zach Grenier) und Howard Lyman (Jerry Adler), mit verhaltener bis offensichtlicher Freude aufgenommen. Ein Namenspartner weniger kommt allen gerade recht, da die Firma mittlerweile aus acht Namenspartnern besteht: Lockhart, Deckler, Guessman, Lee, Lyan, Gilbert-Lurie, Kagan, Tannebaum & Associates. Mit dem Zusammenschluss dreier Kanzleien ist die Firma zu einer der größten im ganzen Staat geworden, allerdings erscheinen die Machtverhältnisse chaotischer denn je zuvor. Am selben Tag fängt Maia in der Firma ihrer Patentante an. Der Druck ist groß und den neuen Anwälten wird sofort klar gemacht, dass sie alle Konkurrenten sind. Das erinnert an Alicias (Julianna Margulies) und Carys (Matt Czuchry) Anfangszeit in der Kanzlei (damals noch Stern, Lockhart & Gardner). Natürlich genießt Maia einen nicht unmaßgeblichen Startvorteil, denn ihre Patentante ist noch zwei Wochen lang Namenspartnerin und solange auch ihre Mentorin. Um ihr in der verbleibenden Zeit so viel wie möglich beizubringen, zieht Diane Maia zu ihrem ersten Fall hinzu, es geht dabei um Polizeibrutalität. Die Seite des Opfers wird dabei ebenfalls von einem bekannten Gesicht vertreten. Lucca Quinn (Cush Jumbo) ist zu einer der angesehensten Kanzleien in Chicago gewechselt und steht nun Diane Lockhart gegenüber. Dianes Frage, ob Alicia auch mit zu der neuen Firma gewechselt sei, wird von Lucca verneint. Trotzdem erhält man bei den Verhandlungen erneutes „The Good Wife“-Feeling, wo in altbekannter Manier spannende Fälle immer wieder neue Wendungen nehmen.

    Rasch erhält das Spin-Off einen neuen dramatischen Handlungsbogen: der Investor Henry Rindell (Paul Guilfoyle), Majas Vater, wird wegen Betrugs verhaftet und all seine Klienten gehen über Nacht bankrott, unter ihnen auch Diane Lockhart. Auf einmal zerplatzt ihr Traum vom Ruhestand, da sie sämtliche Rücklagen verloren hat. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als weiter in ihrem alten Job zu arbeiten. Allerdings hat sie die Rechnung ohne die anderen Partner gemacht, die ihr den Rücktritt vom Rücktritt aus der Firma verwehren. Zu allem Übel will auch keine andere Kanzlei Diane anstellen, da sie nun nur noch mit den Rindells in Verbindung gebracht wird. Aus dem selben Grund wird auch Maia von David Lee gefeuert. Diane ist fuchsteufelswild und gerade, als alles verloren scheint, bekommt sie ausgerechnet von der Firma, in der Lucca Quinn arbeitet, ein Jobangebot. Diane zögert nicht lange und geht zusammen mit Maia auf das Angebot ein. David Lee wird noch bereuen, sich gegen Diane Lockhart gestellt zu haben.

    Christine Baranski läuft als Diane Lockhart erneut zu Hochform auf
    Christine Baranski läuft als Diane Lockhart erneut zu Hochform auf

    Die zweite Folge beginnt für Diane und Maia mit einem neuen Start in einer neuen Kanzlei. Aber nicht alles ist neu: Marissa Gold (Sarah Steele), die Tochter von Eli (Alan Cumming) und ehemalige Assistentin von Alicia Florrick, bietet Diane ihre Dienste an. Die ist zunächst skeptisch, aber die clevere Marissa soll sich bald als unersetzlich erweisen. Maia macht sich sehr gut bei ihrem ersten Fall vor Gericht und überzeugt im Kreuzverhör. In ihrem Privatleben läuft es weniger rund, denn sie erwischt ihre Mutter Lenore (Bernadette Peters) mit dem Mann, der die Anschuldigungen gegen ihren Vater erhoben und ihn so hinter Gitter gebracht hat: ihrem Onkel Jack. Ist Maias Vater Henry also doch unschuldig und nur zum Opfer einer Intrige aus den eigenen Reihen geworden?

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „The Good Fight“ seiner Mutterserie in nichts nachsteht. Das Spin-Off hat Charakter und sprüht vor Humor und Charme, ist aber trotzdem etwas eigenständiges. Das neue Anwaltsdrama hat es geschafft, an die besten Elemente seiner Vorgängerserie anzuknüpfen, ohne diese einfach zu kopieren. Die Fälle der Kanzleien sind spannend und voll unerwarteter Wendungen, die Debatten vor Gericht hitzig und schlagfertig und die Figuren individuell und interessant konzipiert.

    Auch der Handlungsbogen um den Rindall Investment Skandal verspricht einiges an Spannung, genau wie die Frage, wie Maia sich persönlich und als Anwältin weiterentwickeln und wie Diane sich in eine neue Firma einfügen wird. Einen nicht unerheblichen Teil zum „The Good Wife“-Gefühl trägt auch die großartig dramatische und temporeiche Musik bei, die erneut von David Buckley stammt, und die wiederkehrenden Figuren aus dem Universum der Vorgängerserie. Bereits in den ersten beiden Folgen durfte der Zuschauer sich neben Diane Lockhart, David Lee, Howard Lyman, Lucca Quinn und Marissa Gold über ein Wiedersehen mit Dianes noch-Ehemann Kurt McVeigh (Gary Cole), dem listigen Anwalt Julius Cain (Michael Boatman) und dem liberalen Richter Charles Abernathy (Denis O’Hare) freuen.

    Man darf also gespannt sein, welche Figuren noch zurückkehren werden. Für Fans von „The Good Wife“ ist das Spin-Off ein Volltreffer auf ganzer Linie und auch für Neueinsteiger ist „The Good Fight“ durchweg zu empfehlen. In den ersten beiden Folgen wurde zumindest alles richtig gemacht und hoffentlich geht es auch in dem Tempo weiter.

    Dieser Text beruht auf Sichtung der ersten beiden Episoden von ’’The Good Fight’’

    Meine Wertung: 5/5

    © Alle Bilder: CBS All Access

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

      weitere Meldungen