Hot in Cleveland – Review

    von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Rezension von Ralf Döbele – 20.06.2010

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    Hot in Cleveland
    Muss das Leben in Hollywood nicht schön sein? Vor allem mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche, einem beneidenswerten Job im Showbiz (oder einem reichen Mann) und zwei guten Freundinnen an seiner Seite! Ja, Melanie (Valerie Bertinelli), Joy (Jane Leeves) und Victoria (Wendie Malick) hatten all dies in ihrer kuscheligen, kalifornischen Seifenblase. Dann ließ sich Melanies Ehemann von ihr scheiden, ihre Kinder gingen aufs College und fortan wartete nur noch ein leeres Haus auf sie. Joy zupft zwar Oprah Winfreys Augenbrauen und ist eine gefragte Stylistin, doch ihre echten Ansichten muss sie zur Freude ihrer Kunden tief in der Schublade lassen. Und Victoria Chase, die Victoria Chase, die Soap-Diva schlechthin, sitzt nach 27 Jahren in einer klassischen US-Daily auf der Straße, nachdem der Sender den Stecker gezogen hat.

    Die drei Damen und drei echte Männer feiern die erfolgreiche Bruchlandung.
    In all den Jahren in der Seifenblase haben die drei Frauen in ihren 40ern und 50ern eines längst vergessen: Durchschnitts-Amerika und Hollywood gleichen sich in der Realität nicht wirklich. Aber kann das auch etwas positives sein? Unsere drei Protagonistinnen werden es herausfinden. Noch wissen sie es nicht, aber nur eine Bruchlandung später sind sie bereits „Hot in Cleveland“.

    Für den amerikanische Kabelsender TV Land ist diese neue Sitcom die erste Eigenproduktion überhaupt. Bislang war er eigentlich nur auf Fernsehklassiker spezialisiert. So laufen die „Golden Girls“, „I Love Lucy“, „Die Bill Cosby-Show“, „Herzbube mit 2 Damen“ und andere Sitcom-Perlen auf dem Sender in Dauerschleife. Bei den TV Land Awards werden außerdem jedes Jahr klassische Serien vergangener Fernseh-Jahrzehnte gewürdigt.

    Dementsprechend darf man dann auch „Hot in Cleveland“ getrost als unmodern bezeichnen. Im Fall dieses Piloten aus der Feder von Autorin Suzanne Martin („Ellen“ /​ „Frasier“) und von Produzent Sean Hayes (Jack in „Will and Grace“) ist dies allerdings als großes Kompliment zu verstehen. In einer Zeit, in der Sitcoms auf den Networks immer stärker von Single-Camera-Comedies wie „Modern Family“, „Cougar Town“ oder „Parks and Recreation“ verdrängt werden, ist es erfrischend ein Format zu entdecken, das noch vor Live-Publikum aufgezeichnet wird und als Treibstoff nichts weiter braucht als Charme, Chemie, Witz und aufpolierte Lebensweisheiten.

    Der Morgen danach: Frittengeschmack und Immobilien-Jagd.
    Und eben eine Bruchlandung. Melanie, Joy und Victoria sind gerade dabei in der ersten Klasse eines Linienfluges ihre Luxus-Seifenblase nach Paris auszudehnen, als Melanie ein doppelter Schock widerfährt. Zuerst entdeckt sie in der Economy-Klasse ihren Ex-Mann mit einer neuen Freundin, die praktisch noch ein Fötus ist, und kurz danach setzt das Flugzeug auch noch zum rasanten Sturzflug an. Die Aufforderung des Piloten sich auf den Aufprall vorzubereiten löst nicht gerade Optimismus aus und so bestehen die nächsten Sekunden vor allem aus Angst, Schreien, Entsetzen und Schwüren in Zukunft ein besserer Mensch sein zu wollen. Doch statt wie ein großer Filmstar im flammenden Inferno zu zerschellen muss Victoria bald darauf feststellen, dass die Maschine sicher gelandet ist. In Cleveland, Ohio. „Cleveland?!?!?!“ rufen die drei entsetzt.

    Doch die Dankbarkeit dem Tod noch einmal entronnen zu sein kehrt recht schnell zurück und so landen unsere drei Ladys nach einer Google-Suche mit den Schlagworten „Cleveland“ und „sich besaufen“ in einer Bar. Die ist vor allem von Männern frequentiert und plötzlich können sich die ansehnlichen Damen vor lüsternen Blicken kaum noch retten – nur, dass sie das zunächst nicht schnallen. Joy geht schließlich ein Licht auf: „Ich erinnere mich! Das ist Verlangen!“ Melanie: „Die schauen uns an! In L.A. schauen sie nur an uns vorbei!“ Die Rührung bei Joy kennt daraufhin keine Grenzen mehr: „Ich hab mich so lange nicht mehr wie ein Stück Fleisch gefühlt!“ Die Gesamtdiagnose: die Männer in Cleveland sehen nicht nur aus wie richtige Männer, sie essen auch wie richtige Männer und das ohne sich zu schämen! Drei sympathische Jungs bitten Melanie, Joy und Victoria an ihren Tisch: „Sieh nur, wie niedlich heterosexuell sie aussehen! In L.A. weiß man das nie so genau!“ Für Joy geht dieses General-Problem von getrimmter Körperbehaarung aus: „Sobald ein Typ seine Brust rasiert wirft er zumindest ein Blick auf das andere Team!“

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