Schauspieler Gernot Endemann ist tot

    Schorsch aus der „Sesamstraße“ wurde 77 Jahre alt

    Dennis Braun – 30.06.2020, 09:30 Uhr

    Gernot Endemann (1942 – 2020)

    Als Sohn Rudi der von Inge Meysel verkörperten Käthe Scholz wurde er 1965 in der Serie „Die Unverbesserlichen“ bekannt, ab 1974 spielte er in der erfolgreichen Vorabendserie „Die Grashüpfer“ mit. Dem damals jungen und heute erwachsenen Publikum ist er als Schorsch aus der „Sesamstraße“ bekannt. Nun ist Schauspieler und Synchronsprecher Gernot Endemann kurz vor seinem 78. Geburtstag verstorben, wie die Bild-Zeitung berichtet.

    Gernot Endemann wurde am 24. Juli 1942 in Essen geboren und absolvierte nach seiner Schulzeit eine kaufmännische Lehre, ehe er sich an der Essener Folkwang-Hochschule drei Jahre lang zum Schauspieler ausbilden ließ. Im Anschluss betätigte er sich als Bühnendarsteller und hatte Engagements etwa am Theater Oberhausen, am Stadttheater Rheydt, an den Bühnen der Stadt Köln und am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater. Am Theater Bremen spielte er 1966 das Peterchen im Märchenklassiker „Peterchens Mondfahrt“. Später wechselte er zu den Hamburger Kammerspielen, wo er bis 1984 den Beckmann in „Draußen vor der Tür“ porträtierte.

    Schon in jungen Jahren wurde er von Regisseur John Olden entdeckt und seitdem immer wieder für Fernsehfilme besetzt. Der Durchbruch gelang ihm im Jahr 1965, als der damals 23-jährige Endemann eine durchgehende Rolle in der ARD-Serie „Die Unverbesserlichen“ erhielt. Als Sohn Rudi der Hauptfigur Käthe Scholz stand er für sechs Jahre neben Inge Meysel vor der Kamera, die durch ihre Darstellung in der Presse und in der Bevölkerung zur „Mutter der Nation“ wurde. Weitere Bekanntheit erlangte er ab 1974 in der kanadisch-französisch-deutschen Produktion „Die Grashüpfer“, in der er das deutsche Fliegerass Hans Meister spielte. Ebenfalls in den 1970er Jahren trat er erstmals in der „Sesamstraße“ auf, zunächst allerdings nur in Kurzfilmen als Vater der Taxifamilie Sauer.

    Seine mit Abstand längste und bekannteste Rolle ist aber die des Schorsch, den er ab 1986 in der NDR-Kindersendung verkörperte. An seiner Seite war Hildegard Krekel als Bettina zu sehen, die jedoch kurz darauf wieder ausstieg. Nach einem Großbrand in den Wandsbeker Produktionsstudios 1988 wurde ein neues Set gebaut, Schorsch erhielt darin einen eigenen Fahrradladen. 1990 übernahm Kirsten Sprick die Rolle der Bettina, zusammen waren sie in knapp 700 Folgen bis 1999 neben Puppen wie Bär Samson, Vogel Tiffy, Eule Buh, Schnecke Finchen und Rumpel aus der Regentonne zu sehen. In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen berichtete Endemann vor drei Jahren über die damaligen Auswirkungen dieses Erfolgs: Ich konnte mit meinen Kindern nicht mehr irgendwo essen gehen, ohne dauernd angesprochen zu werden.

    Gernot Endemann (r.) als Schorsch und Bär Samson in der „Sesamstraße“ NDR/Screenshot

    Doch auch als Synchronsprecher in der Hörspielbranche hat sich Endemann einen Namen gemacht. Als erfolgreichste Rolle gilt die des Major Hoffmann in der Reihe „Commander Perkins“. Vor der Kamera ließ er es ab den 1990er Jahren etwas ruhiger angehen und übernahm nur noch einzelne Episodenrollen in Serien wie „Dr. Stefan Frank“, „Großstadtrevier“, „Löwenzahn“ oder „Das Duo“. Zwei seiner letzten Stationen waren 2011 im TV-Film „Carl und Bertha“ über das Leben der Familie Benz und in einigen Theaterstücken von „Heißmann + Rassau“ im BR Fernsehen.

    Laut Bild habe der 77-Jährige bereits seit drei Jahren mit gesundheitlichen Problemen gekämpft und am vergangenen Sonntag einen Herzinfarkt erlitten, woraufhin er ins Koma gefallen sei. Laut seiner Patientenverfügung habe er sich gegen lebenserhaltende Maßnahmen entschieden. Im Siloah-Krankenhaus in seiner Wahlheimat Hannover sei er dann am Montagmorgen verstorben.

    Gernot Endemann hinterlässt seine dritte Ehefrau Sabine Endemann (64), mit der er seit 2009 verheiratet war, sowie vier Kinder. Während Till Endemann (44) als Regisseur und Autor in der Filmbranche unterwegs ist, ist Tochter Alicia (31) als Schauspielerin, Sängerin und Synchronsprecherin aktiv. Jannik Endemann (37) ist als Hörspiel- und Synchronsprecher tätig, schon in Kindertagen sprach er etwa das gelbe Bärchen im „Käpt’n Blaubär Club“. Auch Tochter Marine (34) war bereits in einigen Filmen als Synchronsprecherin zu hören.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1962) am melden

      Till Endemann macht auch synchron.

      Lutz
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        Er gehört für mich zu diesen Schauspielern, die einem immer jung in Erinnerung bleiben werden - da erschrickt man wieder, wie alt man selbst inzwischen ist ... R.I.P
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          Von Heinz Erhardt wurde er 1971 im Film "Willi wird das Kind schon schaukeln" im Kohlenkeller eingesperrt nach dem er, der Schwiegersohn in Spe die falschen Ehen vor der Tante aufdecken wollte.
          • am via tvforen.demelden

            Hitparadenfan schrieb:
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            > Von Heinz Erhardt wurde er 1971 im Film "Willi
            > wird das Kind schon schaukeln" im Kohlenkeller
            > eingesperrt nach dem er, der Schwiegersohn in Spe
            > die falschen Ehen vor der Tante aufdecken wollte.

            Julius :-)

            So ab Minute 50:

            https://www.dailymotion.com/video/x21cjyu
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            Richtig.
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            Gernot Endemann gehörte für mich zu den Schauspielern denen man in den 80' und 90' immer wieder begegnete ..

            Tut mir sehr leid .


            Gruß

            Sir Hilary
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          Ich kenne Ihn auch noch als Synchronsprecher bei die drei Fragezeichen und der Karpatenhund. Da diese Folgen als Hörbuch veröffentlicht werden, vor kurzem die Folge, die ich als Kind sehr oft gehört habe, nochmal gehört. Diese Folge wurde circa 1979 aufgenommen und 2019 hat er nochmal in einer Folge eine Rolle (grüne Kobold) übernommen

          http://www.hoerspielland.de/hl-2.1.636.html?layout=4

          • am via tvforen.demelden

            Interessanterweise steht im Artikel von "t-online.de" nichts über seine doch sehr bekannte Rolle bei den "Unverbesserlichen".

            Na ja, wahrscheinlich geht man davon aus, das "Generation RTL" das sowieso nicht kennt.

            https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_88150722/-sesamstrasse-star-gernot-endemann-ist-tot.html
            • (geb. 1976) am melden

              Wieder ein treuer Weggefährte meiner (Tele-)Kindheit von uns gegangen. Vor allem in der Serie "Eine Klasse für sich" und auch bei den Drei ???-Hörspielen war er bei mir präsent! Seine Stimme werde ich wohl nie vergessen...

              RIF
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              • (geb. 1989) am melden

                Danke für den Hinweis, das wurde ergänzt. (DB)
                  hier antworten
                • (geb. 1974) am melden

                  Im TV war er zuletzt noch in Theaterstücken von ,,Heissmann und Rassau" im BR zu sehen.
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                  • am via tvforen.demelden

                    Ich werde ihn in guter Erinnerung behalten. Für die Sesamstraßen-Folgen mit ihm war ich damals schon zu alt, aber aus vielen Fernsehproduktionen vor der Sesamstraße ist er mir bekannt. Da ich ihn schon ewig nicht mehr auf dem Bildschirm sah, habe ich ihn in "Carl und Bertha" wohl gar nicht erkannt. Obwohl seine Stimme eigentlich unverwechselbar war.
                    • am via tvforen.demelden

                      burchi schrieb:
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                      > Für
                      > die Sesamstraßen-Folgen mit ihm war ich damals
                      > schon zu alt, aber aus vielen Fernsehproduktionen
                      > vor der Sesamstraße ist er mir bekannt.

                      Bei mir das gleiche. Er war einer meiner Lieblingsschauspieler, diese
                      weiche, sympathische Stimme war sein Markenzeichen. Besonders in
                      Erinnerung bleiben mir folgende Rollen:

                      - In "PS" als (stotternder) Automechaniker
                      - In "Einmal im Leben" als Grundstücksmakler mit Porsche 911
                      - In einer frühen Folge von "Polizeifunk ruft" als Lehrling ("Mord im Lehrlingsheim")
                    • am via tvforen.demelden

                      Mir bleibt er natuerlich in erster Linie als Rudi Scholz in Erinnerung.
                      Als Fussballspieler bei dem Berliner Verein, wie hiess der Verein noch ?
                      Vadder Scholz machte sich ja Hoffnung, dass er gross Karriere macht als Fussballspieler,
                      doch eine schwere Verletzung warf alles ueber den Haufen. Aber Rudi hatte ja noch seinen Job Bei der Post.
                      R.i.P.

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