Prosit, Pumuckl! 40 Jahre Necken und Verstecken im Fernsehen

    Großer Rückblick auf die Geschichte des Kult-Kobolds mit dem roten Haar

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 24.09.2022, 09:00 Uhr

    „Meister Eder und sein Pumuckl“ feiert 40-jähriges TV-Jubiläum – Bild: Pumuckl Media GmbH
    „Meister Eder und sein Pumuckl“ feiert 40-jähriges TV-Jubiläum

    Geburtstag ist ein schöner Tag, ich jeden Tag Geburtstag mag, sang ein kleiner, frecher Kobold mit rotem Haar, der genau heute vor 40 Jahren, am 24. September 1982, zum ersten Mal auf dem Fernsehbildschirm auftauchte: In der ARD lief die legendäre erste Folge „Spuk in der Werkstatt“ aus der bis heute populären und zeitlosen Kinderserie „Meister Eder und sein Pumuckl“. Grund genug für fernsehserien.de, auf die Geschichte des berühmten Nachfahren der Klabautermänner zu blicken, der weit über die Grenzen seiner bayerischen Heimat hinaus Beliebtheit erlangte.

    Geburtsstunde im Radio – Anarchie im Kinderzimmer

    Zwar feiert der Pumuckl heute sein 40-jähriges TV-Jubiläum, doch seine Geschichte reicht viel weiter zurück. Der genaue Geburtstag des Kobolds ist unbekannt, schließlich haben Unsichtbare keinen Geburtstag. Doch in der Folge „Pumuckl will Geburtstag haben“ behauptet er, auf einem Segelschiff während eines großen Sturms auf die Welt gekommen zu sein, „genau vor siebzigdreizehn Jahren“.

    Pumuckl feiert Geburtstag BR/​Infafilm/​Original-Pumuckl-Entwurf Barbara von Johnson

    Ganz so alt ist er noch nicht, doch bereits im Jahr 1961 wurde die Figur von Ellis Kaut erfunden. Die Schriftstellerin wurde einige Jahre zuvor vom Bayerischen Rundfunk verpflichtet, um Kindersendungen und Hörspiele zu entwickeln, darunter auch ihre Reihe „Geschichten vom Kater Musch“. Schließlich erhielt Kaut den Auftrag für eine neue Hörspielserie. Bei einer Redaktionsbesprechung suchte sie nach einem Bleistift, den sie gerade noch in der Hand gehalten hatte und der plötzlich verschwunden war. Sie lachte und fragte: Was, wenn nicht ich den Bleistift verlegt hätte, sondern ein Kobold? Die Redakteurin war davon begeistert und die Idee für die Serie geboren.

    Ellis Kaut BR/​Historisches Archiv

    Die erste Geschichte wurde dann am 21. Februar 1962 um 15:45 Uhr vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt, nachdem sich Kaut den ganzen Winter über Geschichten für ihn ausgedacht hatte. Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt, waren die ersten Worte des kleinen Hausgeistes im allerersten Hörspiel „Spuk in der Werkstatt“, begleitet von seinem frechen Lachen. Pumuckl bleibt in einer Schreinerwerkstatt irgendwo in München eines Tages am Leimtopf kleben und wird nur für den Meister Eder sichtbar. Laut Koboldsgesetz muss der Pumuckl bei dem bleiben, der ihn gesehen hat – und die Schreinerwerkstatt wird Pumuckls neues Zuhause. Fortan werden Meister Eder, seine Kunden und Stammtischfreunde regelmäßig Opfer der Streiche des Kobolds.

    Ellis Kaut legte ihren Humor in die Figur, dichtete dem Pumuckl den Hang zum Reimen und seine Abneigung gegen Katzen, Heinzelmännchen und Gartenzwerge an und verlieh ihm seine leicht anarchischen Züge, die natürlich bei Kindern sofort auf Gegenliebe stießen. Für die Figur des Meister Eder nahm sich Kaut einen Schreiner zum Vorbild, der ihr selbst im wirklichen Leben zu dieser Zeit gerade ein Regal anfertigte. Der Name „Pumuckl“ stammt laut Ellis Kaut von ihrem Ehemann. Er gab ihr diesen Spitznamen, als sie einen winterlichen Spaziergang machten und Kaut ihrem Ehemann Schnee von den Ästen in seinen Nacken geschüttelt hatte. Daraufhin sagte er zu ihr: Du bist ja ein rechter Pumuckl!

    Ein Pumuckl – viele Meister Eder

    BR/​Infafilm/​Original-Pumuckl-Entwurf Barbara von Johnson

    Das Geheimnis des Erfolgs liegt begründet im kongenialen Kontrast zwischen dem kindlichen und hochdeutsch sprechenden Pumuckl auf der einen Seite und dem etwas derben, gestandenen Bayern Franz Eder auf der anderen Seite – die perfekte Grundlage für Spannungen und damit für spannende Geschichten. Von Anfang an lieh Hans Clarin dem Pumuckl seine Stimme, zunächst im Radio, dann auf den LPs und Hörspielkassetten und später auch in der Fernsehserie. Gustl Bayrhammer, der für die meisten Zuschauer und Zuhörer der Meister Eder schlechthin ist, kam allerdings erst viel später dazu.

    In den ersten Hörspielen, die für das Radio produziert wurden, wurde Eder von Volksschauspieler Franz Fröhlich gesprochen – er ist der Meister Eder der ersten Stunde. Doch nach nur wenigen Produktionen musste er aus Krankheitsgründen kürzertreten und verstarb schließlich 1964. In seine Fußstapfen trat Alfred Pongratz, der dann zusammen mit Hans Clarin in zahlreichen Radio-Hörspielen spielte – denn „Meister Eder und sein Pumuckl“ wurde im Rundfunk ein großer Erfolg. In dieser ursprünglichen Radio-Hörspielfassung sprachen Meister Eder und die anderen Mitwirkenden (bis auf den Pumuckl) in einem noch breiteren bayerischen Dialekt als in späteren Fassungen. Diese Originale holt Bayern 2 seit einiger Zeit aus dem Archiv und veröffentlicht sie erstmals als Podcast.

    Alfred Pongratz (l.) und Hans Clarin bei den Aufnahmen des Radio-Hörspiels BR/​Fred Lindinger

    Insgesamt sind 90 Folgen der Radio-Hörspielreihe entstanden, 31 Folgen mit Franz Fröhlich und 59 Folgen mit Alfred Pongratz. 15 Geschichten, die mit Fröhlich produziert wurden, wurden noch einmal neu mit Pongratz aufgenommen. Für eine große Empörung sorgte die letzten Folge „Pumuckl geht aufs Meer zurück“, in der der Pumuckl an Bord eines Schiffs einen anderen Klabauter kennenlernt und beschließt, den Meister Eder zu verlassen, um wieder zurück ins Reich der Klabauter zu gehen. Eder musste sich mit der Erkenntnis abfinden, dass Kobolde wie Kinder eines Tages erwachsen werden und ihren eigenen Weg gehen müssen. Dieses Ende führte zu Unmengen an Zuschriften von Eltern an den Bayerischen Rundfunk, deren Kinder todtraurig darüber waren. Sie waren der Meinung, dass man Meister Eder und Pumuckl nicht trennen dürfe. Daher wurde die Folge in ihrer ursprünglichen Version danach nie wieder ausgestrahlt und später veröffentlichte Versionen wurden mit dem alternativen Ende versehen, dass sich der Pumuckl entschließt, doch beim Meister Eder zu bleiben.

    Pumuckl-Schallplatten BR/​EMI/​Ellis Kaut/​Barbara von Johnson

    Zwischen 1969 und 1977 wurde „Meister Eder und sein Pumuckl“ zusätzlich auch auf Schallplatte vertrieben. Für diese bundesweite Veröffentlichung wurden die Geschichten mit Hans Clarin und Alfred Pongratz noch einmal neu aufgenommen – nun in einem etwas weniger breiten Bairisch, damit auch Hörer außerhalb Bayerns keine Verständnisprobleme bekamen. Nach dem Tod von Alfred Pongratz, der in 66 Folgen der Tonträger-Veröffentlichungen Meister Eder sprach, erbte 1977 Gustl Bayrhammer dessen Rolle in den restlichen 12 Hörspielgeschichten, nachdem er bereits zuvor gelegentlich in Nebenrollen mitgewirkt hatte. In den 1980er Jahren folgte schließlich im Zuge des Erfolgs des ersten Kinofilms und der TV-Serie eine erneute Neuauflage der Hörspiele auf Kassette, in denen nun Gustl Bayrhammer in sämtlichen Folgen als Meister Eder zu hören war – insgesamt 86 Geschichten auf 43 Kassetten sind erschienen.

    Für die meisten der einzig wahre Meister Eder: Gustl Bayrhammer BR

    Zahlreiche Generationen von Kindern hat der Pumuckl begleitet und seine Hörspielgeschichten wurden von Familien auf unzähligen Autofahrten rauf- und runtergehört. Ausdrücke wie „Puddeling“ oder „Was sich reimt, ist gut“ wurden zu geflügelten Worten. Darüber hinaus gab es zeitweise rheinische und schweizerdeutsche Adaptionen: Die rheinische Variante „Immer dieser Fizzibitz“ wurde von 1963 bis 1966 vom Westdeutschen Rundfunk produziert. Ellis Kaut übersetzte das bayerische Drehbuch für den WDR ins Schriftdeutsche, der daraufhin eine in Köln spielende Dialektfassung auf den Weg brachte. In der Schweiz wiederum entstand von 1982 bis 1993 die Hörspielreihe „De Meister Eder und sin Pumuckl“, in der sämtliche Mitwirkenden Schwyzerdütsch sprechen – einschließlich des Kobolds und des Erzählers.

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