„Love Island“ wird in die USA exportiert

    Dating-Trashshow wird zum Verkaufsschlager

    "Love Island" wird in die USA exportiert – Dating-Trashshow wird zum Verkaufsschlager – Bild: ITV2
    „Love Island“: Die Teilnehmer der vierten Staffel in Großbritannien

    Manche Trends lassen sich nur schwer nachvollziehen. Dazu zählt sicherlich die Dating-Trashshow „Love Island“, die im vergangenen Jahr das erste Mal in Deutschland lief. Seinen Ursprung hat das Format in Großbritannien, wo es nach einem erfolglosen ersten Anlauf mittlerweile zu einer der erfolgreichsten TV-Sendungen des Jahres wurde. Dies hat man auch in Übersee mit Interesse wahrgenommen. Nun gab das US-Network CBS bekannt, sich die Rechte an einer nationalen Adaption gesichert zu haben, die von ITV Entertainment produziert wird.

    In Großbritannien war die gerade zu Ende gegangene vierte Staffel von „Love Island“ die bislang erfolgreichste. Mehr als vier Millionen Zuschauer – vor allem die junge Zielgruppe – sahen das Finale, das dadurch zur meistgesehenen Sendung in der Geschichte des Kanals ITV2 wurde. Zahlreiche Medien berichteten täglich über die Sendung und sogar angesehene Promis outeten sich als Fans. Unumstritten ist das Format jedoch keineswegs: Denn während etwa „Big Brother“ auf eine möglichst facettenreiche Zusammenstellung unterschiedlichster Bewohner Wert legt, ist die Auswahl der „Love Island“-Kandidaten klischeebehaftet und heteronormativ. Sämtliche Teilnehmer entsprechen optisch einem bestimmten Stereotyp (Modelmaße, durchtrainiert, tätowiert, nicht älter als 30 Jahre) und sind kaum voneinander zu unterscheiden. Die mangelnde kulturelle Vielfalt ist ebenso fragwürdig wie das völlige Fehlen der LGBTQ+-Community. Nach Angaben der Produzenten sei dies mit dem Konzept kaum vereinbar.

    Dieses funktioniert so: Männliche und weibliche Singles, die sich nach einem neuen Partner sehnen, treffen auf einer traumhaften Insel aufeinander und leben gemeinsam in paradiesischen Verhältnissen in einer prunkvollen Villa. Mehrere Wochen lang haben sie Zeit, sich kennen- und im besten Fall auch lieben zu lernen. Doch es gilt nicht nur die Sympathien der Mitbewohner zu gewinnen, sondern auch jene des Publikums vor dem Fernsehbildschirm. Die Zuschauer bestimmen, wer es verdient hat, weiter auf Love Island zu bleiben und wer seine Koffer packen soll. Nach und nach werden die Bewohner herausgewählt, bis am Ende nur noch ein Pärchen übrig bleibt, das die Chance auf einen hohen Geldgewinn erhält. Während ihres gemeinsamen Aufenthalts soll sich herausstellen, wer wirklich auf der Suche nach der wahren Liebe ist und wer lediglich ein falsches Spiel spielt.

    Interessanterweise entwickelte sich „Love Island“ in Großbritannien erst spät zum Hit. Die ersten beiden Staffeln liefen 2005 und 2006 auf ITV. Damals wirkten allerdings noch Z-Prominente mit. 2015 wurde das Format vom kleineren Schwestersender ITV2 neu aufgelegt – nun mit unbekannten Kandidaten. Lag die Reichweite der ersten Staffel noch bei durchschnittlich 500.000 Zuschauern, steigerte man sich 2016 auf 1,5 Millionen. 2018 durchbrach das Format die 4-Millionen-Zuschauermarke.

    Neben den USA wurde „Love Island“ bereits nach Australien, Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland verkauft. Inwiefern sich die US-amerikanische Adaption von der britischen Version unterscheiden wird, bleibt abzuwarten. In Großbritannien und Deutschland ist „Love Island“ ein tägliches Format, in den Vereinigten Staaten sind tägliche Realityshows allerdings unüblich – selbst „Big Brother“ wird dort nur drei Mal die Woche ausgestrahlt.

    In Deutschland strahlte RTL II im Herbst 2017 drei Wochen lang die erste Staffel aus. Die Quoten fielen mit durchschnittlich 5,9 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen ordentlich, aber keineswegs überragend aus. Allerdings sollen die Online-Abrufe in der Mediathek weit überdurchschnittlich gewesen sein, weshalb der Sender eine zweite Staffel bestellt hat. Diese startet im September und wird erneut von Jana Ina Zarrella moderiert.

    09.08.2018, 16:59 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

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