Kevin Spacey verwirrt mit Internetvideo nach Anklageerhebung

    Schauspieler drohen wegen sexueller Nötigung bis zu fünf Jahren Haft

    Kevin Spacey verwirrt mit Internetvideo nach Anklageerhebung – Schauspieler drohen wegen sexueller Nötigung bis zu fünf Jahren Haft – Bild: Netflix/MRC
    Kevin Spacey als Frank Underwood in „House of Cards“

    Während „House of Cards“ in diesem Jahr recht sang- und klanglos ohne Kevin Spacey zu Ende gegangen ist, muss sich der Schauspieler demnächst im US-Bundesstaat Massachusetts vor Gericht verantworten. Als dies am 24. Dezember bekannt wurde, reagierte der Oscar-gekürte Schauspieler darauf in recht eigenwilliger Form, mit der Veröffentlichung eines Videos via Twitter, in dem Spacey scheinbar noch einmal in die Rolle des intriganten Frank Underwood schlüpft.

    Laut eines Berichts des Boston Globe, der an Heiligabend erschien, wird gegen Spacey am 7. Januar 2019 vor dem Bezirksgericht von Nantucket Anklage wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung erhoben. So soll der Schauspieler vor zwei Jahren den 18-jährigen Sohn einer früheren Nachrichten-Moderatorin aus Boston zu sexuellen Handlungen genötigt haben. Auf die Kapitaldelikte stehen bis zu fünf Jahren Haft und die Registrierung in der US-Datenbank für Sexualverbrecher.

    Kurz nach Veröffentlichung des Berichts über die Anklage meldete sich Kevin Spacey nach über einjähriger Abwesenheit aus der Öffentlichkeit wieder auf Twitter zurück und postete das kryptische Video unter dem Titel „Let Me Be Frank“ (doppeldeutlig als „Lasst mich direkt sein“/“Lasst mich Frank [Underwood] sein“). Es zeigt Spacey in einer Küche, komplett mit Weihnachtsschürze, wo er im für Frank Underwood typischen Südstaatenakzent in lakonischer Weise über Beweispflicht und Unschuldsvermutung sinniert.

    Letztendlich bleibt unklar, ob sich der Inhalt des Videos auf die kommende Anklage in Massachusetts bezieht, oder ob es sich bei dem Veröffentlichungstermin um einen Zufall handelt. Mit Frank Underwoods Stimme spricht Spacey in dem Clip zu seinem Publikum: „Ich verriet Ihnen meine tiefsten, dunkelsten Geheimnisse. Ich zeigte Ihnen genau, zu was Menschen fähig sind. Ich schockierte Sie mit meiner Ehrlichkeit, aber vor allem forderte ich Sie heraus und brachte Sie zum Nachdenken. Und Sie haben mir vertraut. Obwohl Sie wussten, dass sie das nicht tun sollten.“

    Der aktuelle Fall reihte sich im November 2017 in die anderen Vorwürfe gegen Kevin Spacey ein, die erstmals im vergangenen Jahr bekannt wurden und als einer der Auslöser für die #metoo-Bewegung gelten. In diesem Fall ging die ehemalige Nachrichtensprecherin Heather Unruh aus Boston mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit und berichtete von den Erlebnissen ihres 18-jährigen Sohnes.

    Dieser habe im Juli 2016 den Schauspieler in einem Bostoner Restaurant kennengelernt. Spacey habe ihm immer wieder Drinks spendiert: vier bis fünf Biere, gefolgt von vier bis fünf Gläsern Whisky. Legal dürfen Amerikaner erst im Alter von 21 Jahren Alkohol konsumieren. Als ihr Sohn dann vollkommen betrunken gewesen sei, habe Spacey seine Hand in die Hose des Teenagers gesteckt und dessen Genitalien begrabscht. Dem 18-Jährigen sei es nicht gelungen, sich Spacey in diesem Moment zu entziehen.

    Erst wenig später habe Unruhs Sohn das Restaurant verlassen können, nachdem Spacey sich zur Toilette begab und eine Zeugin den Teenager dazu aufforderte, das Weite zu suchen. Er sei daraufhin zum Haus seiner Großmutter gerannt und habe seiner Schwester von dem Vorfall berichtet. Noch im Herbst 2017 erstattete Unruhs Sohn dann Anzeige bei der Polizei von Nantucket.

    Der Tweet von Kevin Spacey war sein erster seit dem vom 30. Oktober 2017. Damals outete sich der Schauspieler als schwul, nachdem er von Schauspieler Anthony Rapp („Star Trek: Discovery“) des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden war (fernsehserien.de berichtete). Kurz danach war Spaceys Karriere als Frank Underwood Geschichte.

    27.12.2018, 12:00 Uhr – Ralf Döbele/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • zynicus am 06.01.2019 18:51

      Ich frage mich jedoch, warum hat er rein gar nichts gegen seine Rauswürfe unternommen?
      Bei HoC war er ja auch (Executiv) Producer und bei Alles Geld der Welt sich rausschneiden lassen, entspricht so gar nicht seinem Charakter bzw diesem Video.

      Und selbst wenn ihn ganz Hollywood und seine Entourage haßt, aber irgend ein findiger (Star-)Rechtsanwalt hätte sich doch gefunden, um ihn medienwirksam vor diesen Rauswürfen zu bewahren (oder zumindest versucht).

      Naja, vielleicht kommt das ja jetzt alles noch. Vor allem wenn er in keinem der Fälle belangt werden kann. Es wäre ja fast schon wünschenswert, wenn er dann eine 7. Staffel HoC dreht <eg>.
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      • Leonard (geb. 1974) am 31.12.2018 06:38

        Ich frage mich, warum Kevin Spacey so etwas tun sollte. Er hat viel Geld
        und man kann sich vorstellen, dass es in Hollywood viele junge Männer
        gibt, die sich freiwillig auf ihn einlassen würden. Vielleicht ist er ja
        ein Macho-Typ, der glaubt, sich nehmen zu können, was ihm gerade passt.
        Angeblich griff Spacey dem jungen Mann in die Hose, ohne dass der sich
        wehren konnte - in einem Restaurant? Also wenn mir jemand in der
        Öffentlichkeit ans Gemächt greift, sind meine Hände aber schnell dabei,
        um das zu verhindern. Aber angeblich war der junge Mann zu betrunken -
        konnte aber doch noch zu Omas Haus laufen ... Für mich klingt das doch
        ziemlich weit hergeholt. Da bleiben noch einige Fragen offen. Sicher,
        Spacey hat damals Mist gebaut, als er sich an Anthony Rapp vergangen
        hat. Aber man sollte doch erst den oder die Prozesse abwarten, bevor ihn
        wieder alle voreilig verurteilen.
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        • Rudison am 29.12.2018 05:22

          Ich finde das Video überhaupt nicht verwirrend somderm ansolut gelungen. Spacey übernimmt in seiner Paraderolle die Selbstverteidigung, und das ziemlich geschickt und doppeldeutig.
          Btw., die Unschuldsvermutung gilt auch für Stars, die Hexenjagd erinnert ein wenig an Kachelmann und der wurde frei gesprochen.
          Warten wir's ab.
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          • User_676007 am 28.12.2018 00:25

            @ Vritra
            Mit 18 ist man in den USA nicht volljährig.
            Was metoo bewirkt? Sicher keinen Geldsegen bei, offenbar nach Meinung vieler Männer, lügenden Opfern.
            Die vielen Frauen, die sich bezüglich Cosby gemeldet haben, haben kein Geld erhalten. Nur in dem dem einen Fall, in dem er verurteilt wurde, könnte Geld fliessen, wenn noch eine Zivilklage angestrengt würde.
            Alle anderen Fälle sind verjährt.
            Die Opfer brauchen eine Stimme. Oder möchte jemand, dass z.B. der Peiniger seines Kindes freikommt, weil ja "erst mal die Unschuldsvermutung greifen sollte" und es ja sein könnte, dass Zeugen/Opfer gelogen haben? Kein System ist perfekt, aber ein System des Schweigens und Verschweigens und damit des Schutzes derTäter ist eine Schande die niemand sich wünschen sollte - vor allem nicht falls er selbst mal das Opfer von Belästigung oder gar Vergewaltigung werden sollte.
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            • Boris (geb. 1948) am 27.12.2018 17:12

              Na ja, seit dieser #meetoo Scheisse werden vor allem Schauspieler, Produzenten etc oder einfach gesagt Leute (Männer) mit viel Geld angeklagt, die einfachste Methode an Geld zu kommen, und wie war das bei Kevin Spacey? der Junge war anscheinend vollkommen betrunken und konnte dann nach Hause rennen?!!? da kann ich nur noch sagen, viel Glück Kevin Spacey beim Prozess!!
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              • Vritra am 27.12.2018 13:31

                Tolles Video! Ganz ehrlich. Ja es ist verstörend und auch ein bisschen abstoßend. Dennoch haben die Vorgänge um Spacey einen schalen Beigeschmack und das in vielerlei Hinsicht.


                Was ist aus der Unschuldsvermutung geworden? Warum zeigt die Mutter Spacey an und nicht ihr damals bereits volljähriger Sohn? Will da jemand seine zu Ende gegangene Karriere (Unruh, nicht Spacey) wiederbeleben? Warum kommt es erst über ein Jahr nach dem Vorfall zur Anzeige?


                Der Fall wirft bei mir ebenso viele Fragen auf, wie die Behauptungen von Rapp, bei dem ich mich gefragt hatte, was ein pubertierender Teenager um diese Uhrzeit auf einer Party lauter Erwachsener betrunken zu suchen hatte...


                Ich will hier keine Schuldumkehr nach dem Motto "wer sich in Gefahr begibt kommt darin um" betreiben und auch nicht verharmlosen, was Spacey angeblich getan haben soll, doch das klingt für mich erst einmal zumindest nach ernstzunehmenden mildernden Umständen. Auf jeden Fall ekelt mich diese Vorverurteilung ebenso sehr an, wie sexuelle Delikte!
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