„Asterix“ verliert zweiten Vater: Albert Uderzo ist tot

    Comic-Schöpfer im Alter von 92 Jahren entschlafen

    Bernd Krannich – 24.03.2020, 11:58 Uhr

    Szenenfoto aus dem Film „Asterix bei den Briten“

    Im Alter von 92 Jahren ist der französische Zeichner Albert Uderzo verstorben. Das berichtet die Tagesschau. Demnach sei er friedlich in seinem Haus in Neuilly eingeschlafen. Die Familie teilte mit, dass der Künstler schon längere Zeit sehr müde gewesen sei. Ein Zusammenhang zur aktuellen Corona-Krise bestehe nicht, stellte die Familie klar.

    Uderzo hatte die weltbekannten Geschichten um „Asterix, den Gallier“ zusammen mit dem ebenfalls aus Frankreich stammenden Autoren René Goscinny (1926 – 1977) geschaffen. Nach Goscinnys Tod hatte Uderzo die Reihe lange Jahre alleine weitergeführt, 2011 hatte er sich zur Ruhe gesetzt.

    Uderzo wurde als Italiener geboren, zog mit der Familie aber bereits im Kleinkindalter nach Frankreich. Dort erlebte er Rassismus gegen die Migrantenfamilie. Insgesamt hatte Uderzo fünf Geschwister. Nach der Schule folgte Albert zunächst in den Fußstapfen seines älteren Bruders Bruno, der als Luftfahrtingenieur arbeitete.

    Anfang der 1950er lernten sich Uderzo und Goscinny kennen und begannen verschiedene Kollaborationen. Uderzo war dabei eher für das Künstlerische zuständig, Goscinny für Verwaltung und auch Texte. 1959, als beide für das junge Magazin Pilote arbeiteten, entwickelten sie dafür die Figur Asterix für eine Fortsetzungsgeschichte. Die koppelten die beiden 1961 mit dem ersten Album „Asterix le gaulois“ aus, das zum großen Erfolg in Frankreich wurde. Ab 1967 erlaubte die überragende Popularität der Comics den beiden Schöpfern, sich hauptberuflich ausschließlich auf dieses Projekt zu konzentrieren und etwa zwei neue Alben pro Jahr zu veröffentlichen. Nach Goscinnys Tod machte Uderzo alleine weiter, die Veröffentlichungsfrequenz wurde aber deutlich langsamer.

    Die „Asterix“-Comics handeln von einem kleinen Dorf in Gallien (dem heutigen Frankreich) um 50 vor Christus, als das Land nach einer militärischen Niederlage von Römern besetzt war. Nur die Bewohner eines kleinen Dorfes in der Bretagne leisteten noch Widerstand. Das war mit Hilfe eines magischen Trankes möglich, der übermenschliche Kraft verlieh und dessen Rezept nur der örtliche Druide Miraculix kannte. Im Zentrum der Abenteuer stehen die besten Freunde Asterix und Obelix, die teils das Dorf verteidigten, Gäste beherbergten oder die Welt bereisten.

    Asterix wurde in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt, einzelne Bände etwa auch auf Kölsch, Plattdeutsch, Schwäbisch, Neuhessisch, Ruhrdeutsch, Fränkisch, Pfälzisch, Berlinerisch und mehr.

    Seit 1967 gab es insgesamt 14 Verfilmungen von Geschichten um Asterix und das gallische Dorf, die bei ihrer deutschen Ausstrahlung seit Jahren verlässlich gute Quoten etwa für Super RTL bringen. Aus Anlass des Todes von Albert Uderzo hat der Sender angekündigt, am heutigen Dienstagabend (24. März) um 20:15 Uhr kurzfristig den Film „Asterix: Operation Hinkelstein“ ins Programm zu nehmen, gefolgt von „Asterix und die Wikinger“ im Anschluss.

    Daneben gibt es ebenso viele Brettspiele, mehr als drei Dutzend Videospiele und einen Themenpark („Parc Astérix“) in der Nähe von Paris. Uderzo ist einer der am meisten übersetzten französischen Künstler und erhielt im Laufe seiner Karriere zahllose Auszeichnungen, darunter die Aufnahme in die Hall of Fame der Comic-Industrie und den Max-und-Moritz-Preis für sein Lebenswerk durch den Comic-Salon Erlangen.

    Ursprünglich hatte Uderzo langfristig geplant, Asterix mit seinem eigenen Tod enden zu lassen. Allerdings hatte er sich Anfang der 2000er mit seiner einzigen Tochter und Managerin überworfen und die Rechte schließlich an den Verlag Hachette Livre veräußert, der dabei auch die Möglichkeit erhielt, eigene Bände zu veröffentlichen. Das geschah dann auch ab 2013, Jean-Yves Ferri zeichnet seitdem für die Texte verantwortlich. Didier Conrad ist der Zeichner.

    Nachtrag: Auch Kabel Eins hat infolge von Uderzos Tod sein heutiges Programm (24. März 2020) geändert und zeigt ab 20:15 Uhr die Realverfilmung „Asterix bei den Olympischen Spielen“ mit Clovis Cornillac und Gérard Depardieu.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Wohl nur wenigen Asterix-Lesern ist bekannt, dass eine Geschichte aus dem uns wohlbekannten gallischen Dorf von Marcel Uderzo, dem Bruder von Albert, gezeichnet worden ist: "12 Prüfungen für Asterix".

      Diese ist bis heute nicht in der bekannten Albenreihe von Egmont/Ehapa erschienen, sondern auf deutsch nur im Fachmagazin "Comixene" Nr. 24 - 29 (als Fortsetzungsgeschichte, in schwarzweiß, 1979 - 1980). In den Niederlanden etwa gibt es die Story auch in Farbe. Es handelt sich dabei um die Comicfassung des Kinozeichentrickfilms "Asterix erobert Rom". Zwar gibt es dazu auch ein Egmont-Album, aber das ist eine illustrierte Prosafassung, kein Comic.

      Zunächst hatte Marcel Albert bei seinen Comic-Projekten assistiert. Dem Vernehmen nach soll sich das Verhältnis der Brüder nach einigen Jahren aber verschlechtert haben, was durch die konsequente Nicht-Veröffentlichung obiger Geschichte gestützt wird.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Asterix_Conquers_Rome
      https://www.comedix.de/lexikon/db/marcel_uderzo.php
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        Hier ein ausführlicher Lebenslauf von Albert Uderzo:

        https://www.comedix.de/lexikon/special/albert_uderzo/index.php
        https://www.comedix.de/lexikon/special/albert_uderzo/leben.php
        https://www.comedix.de/lexikon/special/albert_uderzo/werk.php
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        Nein, nein, das ist nicht Trump! Nicht alle Amerikaner sind dumm, nein, nein!
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      Stolzes Alter, Ruhe in Frieden. Du hast uns viel Freude bereitet!
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        Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der gallische Lebensfreude und gallische Wut so herrlich darstellen konnte wie er .. und dass er es noch geschafft hat, würdige Nachfolger zu finden, wird die quirligen Gallier um Asterix weitrleben lassen, beim Teutates!
        Schon erstaunlich, was aus dem kleinen Italiener, der mit sechs Fingern an jeder Hand geboren wurde, geworden ist.Die zusätzlichen Finger wurden vorsorglich früh in der Kindheit operativ entfernt, da der Säugling Uderzo manchmal heftig an ihnen zog, wenn er wütend oder verärgert war... Wer weiss, vielleicht steckten diese kindlichen Wutimpulse noch in den Fingern, wenn er zeichnete :-) Farbenblind war er auch - man sieht also: mit solchen Handycaps kann man verdammt weit kommen.
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          Gibt es Obelix in einer Geschichte zu sehen, wie er dünn ist bevor er in den Riesentopf mit Zaubertrank fällt und eine Story, in der genau dass passiert und er dick wird? Existiert eventuell darüber sogar ein Zeichentrickfilm?
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          hakko schrieb:
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          > Gibt es Obelix in einer Geschichte zu sehen, wie
          > er dünn ist bevor er in den Riesentopf mit
          > Zaubertrank fällt und eine Story, in der genau
          > dass passiert und er dick wird?

          Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist
          "Die Geschichte hat nicht die Form eines Comic, sondern besteht aus einem bebilderten Text. Der Text stammt von René Goscinny und die Bilder von Albert Uderzo. Der Text der Erstausgabe erschien 1965 in der französischen Zeitschrift Pilote."

          Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wie_Obelix_als_kleines_Kind_in_den_Zaubertrank_geplumpst_ist

          >Existiert eventuell darüber sogar ein Zeichentrickfilm?

          Nach meinem Wissensstand: Nein.
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          faxe61 schrieb:
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          > Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank
          > geplumpst ist
          > "Die Geschichte hat nicht die Form eines Comic,
          > sondern besteht aus einem bebilderten Text. Der
          > Text stammt von René Goscinny und die Bilder von
          > Albert Uderzo. Der Text der Erstausgabe erschien
          > 1965 in der französischen Zeitschrift Pilote."
          >
          > Quelle:
          > https://de.wikipedia.org/wiki/Wie_Obelix_als_klein
          > es_Kind_in_den_Zaubertrank_geplumpst_ist
          >
          > >Existiert eventuell darüber sogar ein
          > Zeichentrickfilm?
          >
          > Nach meinem Wissensstand: Nein.


          Danke faxe61 für deine informative Antwort!
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        TV Wunschliste schrieb:

        > Nachtrag: Auch Kabel Eins hat infolge von Uderzos
        > Tod sein heutiges Programm (24. März 2020)
        > geändert und zeigt ab 20.15 Uhr die
        > Realverfilmung "Asterix bei den Olympischen
        > Spielen" mit Clovis Cornillac und Gérard
        > Depardieu.
        >
        ... und das werden wohl dann auch die einzigen olympischen Spiele sein, die wir in diesem Jahr zu sehen bekommen...

        Albert Uderzo war ja schon länger nicht mehr aktiv, und seine letzten Asterix Bände waren auch nicht mehr so gut wie die mit Goscinny. Aber er war noch da, hat über seinen Asterix gewacht und wohl auch die Nachfolger angespornt vor ihm zu bestehen, mit ihren neuen Geschichten.
        Aber es ist schön, dass er so alt wurde, und der Welt so lange neue Geschichten gebracht hat. Danke, Albert Uderzo! Und ruhe in Frieden!
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          Mit Albert Uderzo ist der letzte der großen französisch-belgischen "Comicgötter" gestorben. René Goscinny, André Franquin, Morris, Hergé, Peyo, Jijé, Roba, Tillieux, Tabary, Will, Greg, Charlier, Remacle sind schon lange vor ihm gegangen. Die Figuren, die diese Generation geschaffen hat, sind aber (fast) alle noch quicklebendig: Asterix, Obelix, Umpah-pah, Spirou und Fantasio, Gaston, Marsupilami, Lucky Luke, Rantanplan, Jolly Jumper, die Daltons, Tim und Struppi, die Schlümpfe, Johann und Pfiffikus, Benni Bärenstark, Jerry Spring, Boule und Bill, Jeff Jordan, Isnogud, Harry und Platte, Albert Enzian, Leutnant Blueberry, Old Nick und Pirat Schwarzbart, der Rote Korsar und viele mehr.

          Der phänomenale Erfolg von "Asterix" beruhte nicht nur auf den genialen Einfällen des Szenaristen René Goscinny, sondern ebenso auf den genauso genialen Zeichnungen von Uderzo. Die beiden bildeten ein einzigartiges Team in der Comic-Geschichte! Goscinny hatte sich zunächst auch als Zeichner versucht, aber erkannte schnell, dass da nicht seine Stärken lagen. Uderzos Asterix-Texte nach dem Tod von Goscinny 1977 lösten deutlich seltener Begeisterung aus. Was die beiden aber gemeinsam, sich kongenial ergänzend, zustande bringen konnten, deutete sich spätestens 1958 an, als sie für das Magazin "Tintin" die Serie um den Indianer Umpah-pah schufen, die bereits vor Witz sprühte. Ein Jahr später kam dann - im Rahmen ihres nun eigenen Magazins "Pilote" - Asterix ...

          Wer will, kann hier das Duo Uderzo-Goscinny gemeinsam in Aktion sehen in einer französischen TV-Serie, die in jeder Folge einige frankobelgische Comic-Zeichner präsentierte ("Tac au Tac"):

          https://www.ina.fr/video/CPA75051596/du-tac-au-tac-emission-du-26-juillet-1975-video.html

          Hier sind die Links zu den anderen Folgen:
          https://www.bdgest.com/forum/emission-tac-au-tac-de-jean-frappat-t46520.html
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            Kaschi schrieb:
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            > Mit Albert Uderzo ist der letzte der großen
            > französisch-belgischen "Comicgötter" gestorben.
            > René Goscinny, André Franquin, Morris, Hergé,
            > Peyo, Jijé, Roba, Tillieux, Tabary, Will, Greg,
            > Charlier, Remacle sind schon lange vor ihm
            > gegangen.

            If you believe in forever,
            then life is just a one-night stand.
            If there's a comic artist heaven
            well you know they've got a hell of a band.

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