1000. „Tatort“: Fun Facts zum Jubiläum

    Geburtstag des ARD-Krimidauerbrenners

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 13.11.2016, 09:00 Uhr

    1000. "Tatort": Fun Facts zum Jubiläum – Geburtstag des ARD-Krimidauerbrenners – Bild: WDR

    Heute Abend ist es soweit: Der deutsche Krimi-Dauerbrenner feiert seine 1000. Folge. Zum traditionellen Termin um 20.15 Uhr wird der Jubiläums–„Tatort“ im Ersten ausgestrahlt, der wie der legendäre erste „Tatort“ aus dem Jahr 1970 den Titel „Taxi nach Leipzig“ trägt. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Klaus Borowski (Axel Milberg) ermitteln darin gemeinsam.

    Der Jubiläums-“Tatort“

    Identisch ist allerdings nur der Episodentitel, die Handlung ist eine völlig andere: Lindholm und Borowski haben gerade ein Polizeiseminar verlassen. Zusammen mit dem alternden Polizisten Affeld (Hans-Uwe Bauer) landen sie anschließend im Taxi eines wütenden und hoch aggressiven Mannes (Florian Bartholomäi). Der Fahrer hat vor wenigen Minuten erfahren, dass seine Ex-Freundin – die Liebe seines Lebens – am nächsten Tag seinen Todfeind heiraten wird. Affeld provoziert den Mann, kurze Zeit später ist er tot. Die Hannoveraner Kommissarin und der Kieler Kommissar sitzen nun gefesselt auf der Rückbank. Sie schätzen ihre Situation unterschiedlich ein, doch in einem Punkt sind sie sich einig: Wenn sie den Fahrer – ein ehemaliger Elite-Soldat – nicht stoppen, werden auch sie sterben.

    Produziert wurde der 1000. „Tatort“ von Georg Feil und Dagmar Rosenbauer. Im Anschluss an den Jubiläums-“Tatort“ strahlt Das Erste um 21.45 Uhr die Dokumentation „Sonntagsmörder – Ermittlung über 1000 Tatorte“ aus, in der die dienstälteste Kommissarin Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts auf Ermittlungsreise durch die Geschichte des Krimiklassikers geht.

    Das Phänomen „Tatort“

    Der „Tatort“ ist ein Phänomen im deutschen Fernsehen. In einer Zeit, in der viele Menschen mittlerweile kaum noch bereit sind, zu einem vorgegebenen Termin den Fernseher einzuschalten, stellt der Sonntag um 20.15 Uhr eine Ausnahme dar. Jung und Alt versammeln sich jede Woche vor dem Bildschirm, um gemeinsam mitzufiebern – der „Tatort“ ist eines der wenigen verbliebenen TV-Lagerfeuer, über das am nächsten Tag mit Kollegen und Freunden gesprochen wird. Schon während der Ausstrahlung wird in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter rege über den aktuellen Fall diskutiert. Seit Jahren wird der „Tatort“ in einigen Bars und Restaurants jeden Sonntag sogar als Public-Viewing-Veranstaltung öffentlich aufgeführt. Und Das Erste freut sich regelmäßig über Zuschauerzahlen in zweistelliger Millionenhöhe.

    Über das Geheimnis dieses herausragenden Erfolgs ist schon viel spekuliert worden. Zwischen 1981 und 1991 drückte der Krimireihe vor allem einer seinen Stempel auf: Götz George alias Horst Schimanski. Als Ruhrpott-Kommissar und Maulheld betrat er die Krimibühne und ermittelte nicht mit Worten und psychologischer Finesse, sondern mit vollem Körpereinsatz und physischer Präsenz. Als „Schmuddelkommissar“ löste er die Saubermänner vom Dienst ab. Heutzutage schultert nicht ein Einzelner den „Tatort“, vielmehr macht den Reiz die große Vielfalt an eigenwilligen, regionalen Teams aus. Momentan sind 22 unterschiedliche Teams im Einsatz – so viele wie nie zuvor.

    Immer wieder sonntags: Der „Tatort“-Vorspann © Bild: ARD
    Immer wieder sonntags: Der „Tatort“-Vorspann © Bild: ARD

    Zahlen, Statistiken, Fakten

    In den 1000 „Tatort“-Folgen wirkten insgesamt 89 Ermittler bzw. Ermittlerteams mit. Mit 72 Einsätzen haben die meisten Fälle die Hauptkommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) aus München aufgeklärt. Auf dem zweiten Platz landen die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) mit 67 Einsätzen. Den dritten Platz belegt mit 64 Fällen die SWR-Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).

    Im Jahr 2015 verfolgten durchschnittlich 9,53 Millionen Zuschauer die insgesamt 40 „Tatort“-Erstausstrahlungen im Ersten. Der durchschnittliche Marktanteil des Gesamtpublikums lag mit 26,7 Prozent nur 0,1 Prozent hinter dem des Vorjahres. Bei den Unter-50-Jährigen betrug der Marktanteil ebenfalls herausragende 22,6 Prozent. Der durchschnittliche Zuschauer konsumiert laut Senderangaben pro Jahr 18 „Tatorte“.

    Der bislang erfolgreichste „Tatort“ aller Zeiten war der Fall „Rot – rot – tot“ vom SDR, der am 1. Januar 1978 im damals noch konkurrenzlosen öffentlich-rechtlichen Fernsehen von 26,57 Millionen Menschen gesehen wurde. 1996 sank der „Tatort“ auf ein Allzeit-Tief und erreichte im Jahresschnitt nur rund sieben Millionen Zuschauer. In den Folgejahren ging es jedoch stetig wieder aufwärts und seit Mitte der 2000er Jahre hat sich der „Tatort“-Kult so richtig etabliert. Die Münsteraner Ermittler Thiel und Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers ) erreichen seit 2010 als quotenstärkstes Team mit allen Erstausstrahlungen jeweils über zehn Millionen Zuschauer. Mit dem am 8. November 2015 ausgestrahlten Fall „Schwanensee“ erreichten sie gar 13,69 Zuschauer sowie 35,5 Prozent Marktanteil – die beste „Tatort“-Quote seit 1992.

    1000 Folgen oder doch schon mehr?

    Bei der Folgenzählung tun sich ein paar Ungereimtheiten auf, denn streng genommen ist „Taxi nach Leipzig“ gar nicht die 1000. Folge. Die allerersten beiden Episoden waren nämlich ursprünglich als alleinstehende Filme konzipiert gewesen, die erst nach der Produktion zur „Tatort“-Reihe zugerechnet wurden. Dies trifft auch auf den neunten Fall „Exklusiv!“ zu, der schon 1969 ausgestrahlt wurde und erst bei der Wiederholung 1971 als „Tatort“ deklariert wurde. Bei den Folgen 355 und 359 handelt es sich um Langfolgen der Serie „Die Kommissarin“, die unter der Dachmarke „Tatort“ gezeigt wurden. Die ARD klammert zudem 13 „Tatorte“ aus, die zwischen 1985 und 1989 für den ORF produziert wurden. Darüber hinaus wird der jüngste Kino-“Tatort“ mit Til Schweiger („Tschiller: Off Duty“) nicht miteingerechnet, während die beiden Schimanski-Kino-“Tatorte“ von 1985 und 1987 schon dazuzählen.

    So manche „Tatort“-Folgen würde die ARD übrigens gerne unter den Teppich kehren, bzw. lässt sie bewusst im Giftschrank. Das heißt, bestimmte Episoden werden aus unterschiedlichen Gründen seit der Erstausstrahlung nicht mehr wiederholt. Dies kann sein, weil in der Handlung Vorurteile gegenüber Minderheiten bedient werden oder eine besonders gewalttätige und menschenverachtende Darstellung unkritisch gezeigt wird. Manchmal allerdings auch schlichtweg, weil der Film als handwerklich ungenügend eingestuft wird. Dies traf etwa auf die SWR-Produktion „Der gelbe Unterrock“ zu, die erst vor Kurzem nach Jahrzehnten zum ersten Mal wiederholt wurde (fernsehserien.de berichtete). Derzeit befinden sich fünf „Tatort“-Folgen im Giftschrank. Mehr Infos dazu unter tatort-fundus.de.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.demelden

      wunschliste.de schrieb:
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      > Bei der Folgenzählung tun
      > sich ein paar Ungereimtheiten auf, denn streng
      > genommen ist "Taxi nach Leipzig" gar nicht die
      > 1000. Folge.

      Da würde ich der ARD empfehlen, als echte 1000. Folge noch mal was Besseres zu drehen, als das, was gestern mit so vielen Vorschußlorbeeren versehen, ausgestrahlt wurde.
      Auf Besserung hoffend, hielt ich es bis zum Ende am Krankenbett dieses Krimis aus, bis er dann elend dahinschied.
      Nee, das war gar nichts.
      • am via tvforen.demelden

        ..lief vorgestern auf WDR5 aus Anlaß des bevorstehenden 1000. Tatorts:

        http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-tagesgespraech/audio-wie-finden-sie-den-tatort-100.html

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