Schauspieler Walter Schultheiß im Film „Global Player – Wo wir sind isch vorne“
Bild: 2013 / Movienet
Der deutsche Schauspieler Walter Schultheiß ist im Alter von 101 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Das meldet die Tagesschau unter Berufung auf die Familie des Künstlers, der durch Geburtsort und die Verwendung schwäbischer Mundart dem SWR besonders nahestand. Schultheiß war am 22. Dezember verstorben, die Nachricht wurde auf Wunsch der Familie erst nun und nach der Beerdigung verbreitet.
Gewürdigt wird Schultheiß als schwäbischer Volksschauspieler und wahres Original, das über sieben Dekaden hinweg auf Bühnen und Bildschirmen präsent war. Die Tagesschau hebt ein Talent hervor, den hintersinnig-humorvollen Schwaben mit einem Augenzwinkern zu porträtieren – und konstatiert, dass Schultheiß sich dabei im Wesentlichen selbst spielte. Einem größeren Publikum wurde er durch die Rolle als Vermieter Rominger im SWR–„Tatort“ um Protagonist Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck) bekannt.
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Anmerkung: Anlässlich des Todes von Walter Schultheiß hat der SWR für den heutigen 3. Januar sein Programm geändert, um den Schauspieler zu würdigen: Um 20:15 Uhr zeigt das Regionalprogramm den ausführlichen Nachruf „Ein Jahrhundert Leben! Der Schauspieler Walter Schultheiß“, um 21:00 Uhr folgt der Kinofilm „Global Player – Wo wir sind isch vorne“ aus dem Jahr 2013, in dem er den Patriarchen einer Familie spielt, deren mittelständisches Familienunternehmen durch die Globalisierung und günstige Konkurrenz aus Asien unter Druck gerät.
1924 wurde Walter Schultheiß in Tübingen im heutigen Baden-Württemberg geboren und zeigte schon vor dem Teenageralter Interesse am Theater. Nach dem Krieg verschrieb er sich der Schauspielerei und stand in seiner Geburtsstadt und später in Stuttgart auf der Theaterbühne. In Stuttgart durchlief er eine Fortbildung seiner Sprachtechniken für die schauspielerische Arbeit.
Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Trudel Wulle kennen (1924 bis 2021) – 1950 hatten die beiden geheiratet und blieben bis Trudels Tod zusammen. Das Ehepaar stand auch häufiger gemeinsam vor der Kamera. Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, in dessen Umfeld in Calw sich Schultheiß nach dem Tod seiner Frau zurückzog und seine letzten Lebensjahre verbrachte.
Parallel zu seinen ersten Theaterrollen erhielt Walter Schultheiß auch erste Hörspielrollen beim damaligen SDR. Die waren anfangs auf Hochdeutsch, jedoch setzte der Sender schnell auf Schultheiß’ Fähigkeit, in Mundart zu spielen. Ein Höhepunkt dieser Phase kam Mitte der 1960er, als die live vorgetragenen Hörspiel-Sketche um die Straßenfeger „Karle und Gottlob“ (Schultheiß zusammen mit Werner Veith) im Gebiet des SDR sehr erfolgreich waren – andererseits konnte Schultheiß wegen des festen Termins keine anderen größeren Projekte etwa am Theater oder beim Film annehmen.
Eine weitere wichtige Phase in der Karriere von Schultheiß begann durch die Zusammenarbeit mit dem Autoren Felix Huby, der ebenfalls im Kreis Tübingen geboren worden war. Er schrieb dem Landsmann diverse Rollen auf den Leib; auch die Roman-Vorlage zur „Tatort“-Figur Bienzle stammt von Huby, ebenso wie etwa die des Protagonisten aus der Serie „Köberle kommt“ (1983) und „Der Eugen“ (1982 bis 1987).
Der 2022 verstorbene Felix Huby würdigte das Ehepaar Schultheiß einst wie folgt: Walter ist ein unheimlich fleißiger und disziplinierter Schauspieler. Ich habe an ihm und seiner Frau Trudel Wulle schätzen gelernt, dass beide – im Unterschied zu den allermeisten anderen Schauspielern – auf dem Boden geblieben sind.
Ein stolzes Alter! Er war ein großartiger Komiker und Schauspieler und-nach allem was man immer wieder gehört hat-auch ein ganz toller Mensch der eine begnadet lange und glückliche Ehe geführt hat und auf eine über 70 jährige Karriere zurückblicken konnte. Erst 2019 hat er sich von der Schauspielerei verabschiedet.
Ich werde diesen großartigen Komödianten nie vergessen, der jetzt wieder mit seiner Trudel Wulle vereint ist.