Lärm – die unterschätzte Gefahr?
45 Min.

Bild: NDR/Simona Dürnberg/Philipp Nöhr
Dichter Straßenverkehr, riesige Baustellen oder startende Flugzeuge über dem Hausdach: Lärm gehört für viele Menschen zum Alltag. Doch was für die einen bloß ein Hintergrundrauschen ist, bedeutet für andere schlaflose Nächte, Stress und Angst. In Deutschland ist es nachweislich zu laut, doch die Belastung durch Lärm ist ungleich verteilt und nicht alle Menschen können sich gleichermaßen schützen. Warum ist das so? Welche Folgen hat permanenter Lärm? Und welche Lösungen kann es geben? Hannover-Langenhagen, Hamburg oder Lütgenrode: Die „NDR Story“ besucht laute Orte in Norddeutschland und trifft Menschen, für die Lärm ein ständiger Begleiter geworden ist.
Mit ihrer Belastung sind sie nicht allein: In Deutschland leben Millionen Menschen, die unter gesundheitlich belastendem Lärm leiden. Laut dem Umweltbundesamt sind rund 21 Millionen Menschen tagsüber und über 14 Millionen nachts dauerhaft Schallpegeln ausgesetzt, die als gesundheitlich kritisch gelten (https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-belastung-der-bevoelkerung-durch#die-wichtigsten-fakten).
Wie geht es Menschen, die alltäglich von Lärm betroffen sind? Welche Einschränkungen erleben sie? Welche gesundheitlichen Schäden haben sie? Und vor allem: Warum können sie nicht besser geschützt werden? „Manchmal habe ich vor der Nacht richtig Angst“, sagt Renate Wilhelms. Wenn die 70-Jährige schlafen geht, weiß sie nie, wie viel Ruhe sie bekommen wird. Renate Wilhelms wohnt in Osterwald Oberende, direkt neben dem Flughafen Hannover-Langenhagen.
Während der Zeit, seitdem Renate Wilhelms dort lebt, haben die Nachtflüge dort deutlich zugenommen. Denn während es an vielen deutschen Flughäfen nachts Flugverbote gibt, darf in Hannover-Langenhagen auch nach Mitternacht geflogen werden. Der Fluglärm mache Renate Wilhelms oft gereizt und unruhig. Es ist schon vorgekommen, dass sie morgens nach dem Aufstehen stark gezittert und einen hohen Blutdruck gehabt habe. Sie kämpft für mehr Ruhe, fordert vor allem Einschränkungen für die Nacht.
Doch das mache sie nicht nur für sich und ihren Mann, sagt Renate Wilhelms. Große Sorgen würden ihr vor allem die Kinder in der Nachbarschaft bereiten. In der Tat kann Lärm für Kinder besonders gefährlich sein, da sich ihr Gehirn, ihre Sprach- und Lernfähigkeiten in entscheidenden Entwicklungsphasen befinden und kontinuierliche Lärmeinwirkung diese Prozesse stören kann. Darüber hinaus können physische Stressreaktionen und sogar erhöhte Blutdruckwerte auftreten.
Kinder haben zudem weniger Kontrolle über ihre Umgebung, was sie im Vergleich zu Erwachsenen besonders gefährdet. Das bestätigt auch Tobias Lucht von der Arche in Hamburg-Jenfeld. Er erlebt täglich Kinder, die zu Hause Lärm durch Straßenverkehr oder beengte Wohnverhältnisse erfahren, und davon erschöpft und müde wirken. „Manchmal schlafen Kinder am Nachmittag bei uns ein, weil sie hier endlich Ruhe finden“, erzählt Lucht. Die „NDR Story“ begleitet den Alltag in der Arche und spricht mit Kindern, die sich für die Zukunft mehr Ruhe wünschen.
Grundsätzlich mehr Ruhe bzw. ein größeres Verständnis dafür, dass Lärm großen Schaden anrichten kann – das wünscht sich auch der Mainzer Kardiologe und Lärmexperte Professor Thomas Münzel. Medizinisch betrachtet sei Lärm für ihn eine Form von Körperverletzung und keine bloße Belästigung. Anhaltender Lärm löse im Körper Stressreaktionen aus, vor allem im Schlaf. Die Folge: ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Depressionen und Angststörungen.
Besonders problematisch sei es, dass die Schäden durch Lärm auch dann entstehen, wenn Betroffene glauben, sich an den Lärm gewöhnt zu haben. Die „NDR Story“ ist während eines Lärm-Experiments dabei und erfährt, dass bereits eine durch Lärm gestörte Nacht gesundheitliche Folgen aufzeigen kann. „Ich möchte noch lange gesund bleiben und für mich sorgen“, sagt Hermann Fröchtenicht aus Lütgenrode. Der Rentner weiß um die möglichen Folgen des Lärms und kämpft seit Jahren für mehr Ruhe in seinem Heimatort.
Jeden Tag fahren bis zu 17.000 Autos und Lkws an seinem Wohnzimmer vorbei. Auch in der Nacht würde er gestört werden. Der Plan? Ein Tempolimit, welches auch überprüft wird. Die „NDR Story“ begleitet Hermann Fröchtenicht bei seinem Kampf gegen den Lärm. Doch wie kann bei ansteigendem Verkehrsaufkommen und Bauvorhaben mehr Ruhe in den Alltag gebracht werden? Die Filmemacher treffen Mirco Bachmeier vom LÄRMKONTOR. Er berichtet davon, wie zumindest das Wohnen so gestaltet werden kann, dass Menschen zu Hause weniger Lärm ertragen müssen. (Text: NDR)
Mit ihrer Belastung sind sie nicht allein: In Deutschland leben Millionen Menschen, die unter gesundheitlich belastendem Lärm leiden. Laut dem Umweltbundesamt sind rund 21 Millionen Menschen tagsüber und über 14 Millionen nachts dauerhaft Schallpegeln ausgesetzt, die als gesundheitlich kritisch gelten (https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-belastung-der-bevoelkerung-durch#die-wichtigsten-fakten).
Wie geht es Menschen, die alltäglich von Lärm betroffen sind? Welche Einschränkungen erleben sie? Welche gesundheitlichen Schäden haben sie? Und vor allem: Warum können sie nicht besser geschützt werden? „Manchmal habe ich vor der Nacht richtig Angst“, sagt Renate Wilhelms. Wenn die 70-Jährige schlafen geht, weiß sie nie, wie viel Ruhe sie bekommen wird. Renate Wilhelms wohnt in Osterwald Oberende, direkt neben dem Flughafen Hannover-Langenhagen.
Während der Zeit, seitdem Renate Wilhelms dort lebt, haben die Nachtflüge dort deutlich zugenommen. Denn während es an vielen deutschen Flughäfen nachts Flugverbote gibt, darf in Hannover-Langenhagen auch nach Mitternacht geflogen werden. Der Fluglärm mache Renate Wilhelms oft gereizt und unruhig. Es ist schon vorgekommen, dass sie morgens nach dem Aufstehen stark gezittert und einen hohen Blutdruck gehabt habe. Sie kämpft für mehr Ruhe, fordert vor allem Einschränkungen für die Nacht.
Doch das mache sie nicht nur für sich und ihren Mann, sagt Renate Wilhelms. Große Sorgen würden ihr vor allem die Kinder in der Nachbarschaft bereiten. In der Tat kann Lärm für Kinder besonders gefährlich sein, da sich ihr Gehirn, ihre Sprach- und Lernfähigkeiten in entscheidenden Entwicklungsphasen befinden und kontinuierliche Lärmeinwirkung diese Prozesse stören kann. Darüber hinaus können physische Stressreaktionen und sogar erhöhte Blutdruckwerte auftreten.
Kinder haben zudem weniger Kontrolle über ihre Umgebung, was sie im Vergleich zu Erwachsenen besonders gefährdet. Das bestätigt auch Tobias Lucht von der Arche in Hamburg-Jenfeld. Er erlebt täglich Kinder, die zu Hause Lärm durch Straßenverkehr oder beengte Wohnverhältnisse erfahren, und davon erschöpft und müde wirken. „Manchmal schlafen Kinder am Nachmittag bei uns ein, weil sie hier endlich Ruhe finden“, erzählt Lucht. Die „NDR Story“ begleitet den Alltag in der Arche und spricht mit Kindern, die sich für die Zukunft mehr Ruhe wünschen.
Grundsätzlich mehr Ruhe bzw. ein größeres Verständnis dafür, dass Lärm großen Schaden anrichten kann – das wünscht sich auch der Mainzer Kardiologe und Lärmexperte Professor Thomas Münzel. Medizinisch betrachtet sei Lärm für ihn eine Form von Körperverletzung und keine bloße Belästigung. Anhaltender Lärm löse im Körper Stressreaktionen aus, vor allem im Schlaf. Die Folge: ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Depressionen und Angststörungen.
Besonders problematisch sei es, dass die Schäden durch Lärm auch dann entstehen, wenn Betroffene glauben, sich an den Lärm gewöhnt zu haben. Die „NDR Story“ ist während eines Lärm-Experiments dabei und erfährt, dass bereits eine durch Lärm gestörte Nacht gesundheitliche Folgen aufzeigen kann. „Ich möchte noch lange gesund bleiben und für mich sorgen“, sagt Hermann Fröchtenicht aus Lütgenrode. Der Rentner weiß um die möglichen Folgen des Lärms und kämpft seit Jahren für mehr Ruhe in seinem Heimatort.
Jeden Tag fahren bis zu 17.000 Autos und Lkws an seinem Wohnzimmer vorbei. Auch in der Nacht würde er gestört werden. Der Plan? Ein Tempolimit, welches auch überprüft wird. Die „NDR Story“ begleitet Hermann Fröchtenicht bei seinem Kampf gegen den Lärm. Doch wie kann bei ansteigendem Verkehrsaufkommen und Bauvorhaben mehr Ruhe in den Alltag gebracht werden? Die Filmemacher treffen Mirco Bachmeier vom LÄRMKONTOR. Er berichtet davon, wie zumindest das Wohnen so gestaltet werden kann, dass Menschen zu Hause weniger Lärm ertragen müssen. (Text: NDR)
Cast & Crew
Drehbuch: Simona Dürnberg, Philipp Nöhr
Regie: Simona Dürnberg
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