Dokumentation in 5 Teilen, Folge 1–5

    • Folge 1 (45 Min.)

      Die Ägypter gehören zu den ersten, die die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen werden. Denn ein Großteil des überbevölkerten Nildeltas droht bis zum Jahr 2100 von den Fluten des Mittelmeers überschwemmt zu werden. Mehr als 40 Millionen Ägypter leben weniger als zwei Meter über dem Meeresspiegel. Dr. Mohamed Bahnassi von der Universität Alexandria hat nachgewiesen, dass das Meer bei Rosetta seit 14 Jahren 100 Meter pro Jahr ins Land vordringt.

      Doch für die vorhergesagte Katastrophe ist nicht nur die globale Erwärmung verantwortlich. Seit 1963 hält der Assuan-Staudamm Millionen von Tonnen des fruchtbaren Lehms zurück, den der Nil aus Äthiopien mitbringt. Früher hielt das Nildelta dem Ansturm des Meeres Stand, weil jener Lehm das ersetzte, was von den Fluten weggeschwemmt worden war. Zudem sinkt das Nildelta stetig ab – in den letzten zehn Jahren des 20. Jahrhundert um zehn Millimeter pro Jahr. Und zwei Drittel der ägyptischen Bauern müssen Anbauflächen bewirtschaften, die wegen zunehmender Versalzung kaum noch Ertrag bringen. Außerdem ist das Wasser des Nils stark verschmutzt, weil zahlreiche Betriebe und Städte ihre Abwässer ungeklärt in den Strom leiten.

      Es stellt sich die Frage, ob es Ägypten gelingen wird, eine Lösung für diese lebenswichtigen Probleme zu finden. Nur einige wenige Vorreiter im Land haben konkrete und oft auch sehr erfinderische Vorschläge für eine wirklich nachhaltige Entwicklung. (Text: arte)

      Deutsche ErstausstrahlungMo 06.10.2008arte
    • Folge 2 (45 Min.)

      Das Rhein-Maas-Delta im Süden der Niederlande, das zur Hälfte unter dem Meeresspiegel liegt, wurde zwischen 1950 und 1997 völlig umgestaltet. Die Deltawerke, deren Planung schon vor der großen Sturmflut 1953 begann, bestehen aus einem ausgeklügelten Dammsystem, dass zwar heftigen Sturmfluten widersteht, sich langfristig aber negativ auf das Ökosystem auswirkt. Seit Jahren forschen Wissenschaftler, um Abhilfe zu schaffen. Heute ist in Anbetracht des steigenden Meeresspiegels und der sich ändernden Niederschlagsverhältnissen mit noch größeren Katastrophen als in der Vergangenheit zu rechnen. Deshalb plant die niederländische Regierung eine wahre Revolution: Das Wasser soll nicht mehr bekämpft werden, sondern die Niederländer sollen mit dem Wasser leben.

      Um dramatische Überschwemmungen in Zukunft zu verhindern und den zunehmenden Sauerstoffmangel im Deltawasser infolge des Stausystems rückgängig zu machen, soll der Austausch zwischen Süß- und Meerwasser wieder ermöglicht werden. Einige Dämme sollen sogar zwecks Ausweitung der Wasserreservoirs entfernt werden.

      Diese Entpolderung stellt eine Wende im Denken der Holländer dar, das Jahrzehnte lang auf Festlandgewinnung ausgerichtet war. Schon bevor die niederländische Regierung diese Politik gegen den Widerstand der Landwirte umzusetzen begann, hatten Wissenschaftler des staatlichen Instituts für Umweltforschung ein Programm unter dem Namen „Help Nature“ entwickelt. Diese natürliche Selbsthilfe sieht unter anderem die Bepflanzung der Küsten vor.

      Vor dem Hintergrund zahlreicher Experimente dieser Art – einschließlich schwimmender Häuser und Städte – machen die Niederländer ihrem Ruf als Herren des Wassers alle Ehre. Architekten, Stadt- und Raumplaner aus aller Welt kommen hierher, um sich Anregungen für die Lösung der Probleme in ihren Ländern zu holen. (Text: arte)

      Deutsche ErstausstrahlungDi 07.10.2008arte
    • Folge 3 (45 Min.)

      Venedig droht nicht nur zu versinken, sondern gerade die zur Erhaltung der Dogenstadt ergriffenen Maßnahmen gefährden nun die Lagune. Die Nord-Süd-Ausdehnung der Lagune beträgt 55 Kilometer. Damit ist sie das größte Feuchtgebiet Italiens, eines der größten Europas und gleichzeitig ein Paradies der Artenvielfalt.

      Aufgrund der historischen Rolle Venedigs haben sich Forscher aller Fachgebiete mit dem Küstensystem der Region intensiv befasst. Durch die starke Bodenerosion und die häufigen Überschwemmungen besteht die Gefahr, dass sich die Lagune in einen Meeresarm verwandelt. Denn innerhalb von 100 Jahren ist der Wasserspiegel der früher im Schnitt nicht mehr als drei Meter tiefen Lagune um 23 Zentimeter gestiegen. Heute befindet sich der tiefste Punkt der nördlichen Adria mit 40 Metern mitten in der Lagune.

      Abgesehen vom allgemeinen Anstieg des Meeresspiegels gibt es viele lokale Ursachen für diese Entwicklung. Seit den 30er Jahren hat sich Marghera zu einem bedeutenden Industriehafen entwickelt, und zahlreiche Öltanker und Containerschiffe durchqueren die Lagune in dem eigens dafür angelegten 14 Meter tiefen „Ölkanal“. In den 80er Jahren machte sich die industrielle Muschelfischerei breit, bei der große Trawler Fangkörbe am Lagunenboden entlang ziehen und damit die Erosion beschleunigen, weil sie den Bewuchs zerstören. Außerdem kommen jährlich rund 18 Millionen Touristen nach Venedig. Das hat einen chaotischen Schiffsverkehr auf den Kanälen und der Lagune zur Folge. Umstritten ist schließlich auch das radikale Projekt „Mose“, eines der drei größten Infrastrukturvorhaben Italiens. Es sieht vor, die Lagune bei Hochwasser von der Adria abzuschotten. Dies soll mit 78 gigantischen Stahlbarrieren geschehen, die auf monumentalen, im Lagunenboden verankerten Betonpfeilern ruhen. Gegner des Mammutprojekts gehen davon aus, dass die Barrieren den Austausch zwischen Land und Meer beeinträchtigen, der die biologischen Abläufe reguliert. Außerdem befürchten sie, dass Venedig zu einer Art touristischem Vergnügungspark inmitten einer völlig leblosen Umwelt verkommt. (Text: arte)

      Deutsche ErstausstrahlungMi 08.10.2008arte
    • Folge 4 (45 Min.)

      Blickt man von der Höhe des Klosterberges auf die Bucht des Mont-Saint-Michel, gleicht die endlose flache Landschaft einem zeitlosen Reich der Leere. Diese Bucht hat mit 15 Metern Tidenhub den stärksten Gezeitenwechsel Europas. Das Meer zieht sich hier 18 Kilometer weit zurück und treibt sechs Stunden später mit einer Geschwindigkeit von 62 Metern pro Minute wieder gen Küste. Nur der 1879 fertiggestellte Damm, der den Mont-Saint-Michel mit dem Festland verbindet, unterbricht die natürliche Meeresströmung und führt gleichzeitig zur Verlandung der Bucht.

      Die Region ist ein Biotop, dessen Reichtum und Komplexität die Wissenschaftler gerade erst zu ermessen beginnen. Und sie ist ein Ort vielfältiger Aktivitäten. Hier leben Fischer, Austern- und Muschelzüchter, Schäfer, Landwirte und Touristikunternehmer. All deren Interessen müssen berücksichtigt werden in dem geplanten Projekt eines gigantischen Umbaus der Natur: Von der Wiederherstellung der Wattlandschaft verspricht man sich einen ebenso ästhetischen wie ökologischen Gewinn. Eine weiter landeinwärts am Fluss Couesnon gelegene Rückhalteschleuse wurde bereits in Betrieb genommen, bald soll auch der soll der für die zunehmende Verlandung verantwortliche Damm auf Stelzen gesetzt werden. Reisebusse und Autos sollen demnächst im Festlandort La Casern abgestellt werden: Touristengruppen und Besucher des Mont-Saint-Michel sollen dann den Rest des Weges mit einer Bahn zurücklegen. (Text: arte)

      Deutsche ErstausstrahlungMo 13.10.2008arte
    • Folge 5 (45 Min.)

      Die Inselgruppe der Lofoten liegt vor der zerklüfteten Küste im Norden Norwegens und ist von atemberaubender Schönheit. Die Bewohner der vielen Fischerdörfchen an den felsigen Küsten des Archipels leben in der Hauptsache vom Kabeljaufang. Denn die Dorsche aus der nahen Barentsee kommen zum Laichen hierher. Die Fanggründe sind besonders ertragreich wegen ihrer geringen Tiefe und des Zusammentreffens polaren Gewässers mit dem warmen Golfstrom.

      Wissenschaftler an Bord des „Geosars“, eines der größten ozeanografischen Forschungsschiffe der Welt, kreuzen vor den Lofoten. Sie untersuchen die zum Großteil noch unerforschten Meeresböden, erfassen die heimischen Arten und bewerten die Belastung, der sie ausgesetzt sind. Wie überall droht auch hier die Überfischung. Verantwortlich dafür sind industrieller Fischfang, Fischwilderei und die vielen Fischzuchtanlagen, die die Gewässer verschmutzen. Zusätzlich verbreiten jährlich 500.000 Lachse Krankheiten und verändern möglicherweise das Erbgut der wildlebenden Bestände.

      Noch zählt das Wasser der Region zum saubersten überhaupt. Doch die Offshore-Förderung von Erdöl und Erdgas – Norwegens wichtigste ökonomische Ressourcen – stellt eine Bedrohung für die Umwelt dar. Und die Erdöllobby möchte das Moratorium, das derzeit ökologisch gefährdete Gebiete schützt, gern vorzeitig beenden. Schon schippern die Supertanker aus dem benachbarten Russland an der norwegischen Küste entlang. Vor dem Hintergrund weltweit steigender Ölpreise wird diese Region weiter an Bedeutung gewinnen. Aber eine einzige Ölpest würde ausreichen, um das gesamte Ökosystem der Lofoten zu zerstören. (Text: arte)

      Deutsche ErstausstrahlungDi 14.10.2008arte

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