Kommentare 1–3 von 3

    • (geb. 1971) am melden

      Der Film schildert den Aufstieg des 1912 in Altona geborenen Axel Cäsar Springer vom Sohn eines mittelständischen Druckers und Verlegers zum beherrschenden Pressemagnaten der Bundesrepublik Deutschland.

      Was an diesem offen propagandistisch angelegten Film Fiktion, Realität oder Halbwahrheit ist, möchte ich mangels ausreichendem Hintergrundwissen nicht entscheiden, doch unterhält dieser Fünfteiler auf ganz ausgezeichnete Weise.
      Dazu tragen in erster Linie die Darsteller bei, wobei die Besetzungsliste deutlich macht, dass nahezu alles, was in der damaligen DDR Rang und Namen hatte, in diesem Film mitwirkte.

      Horst Drinda, der später in der wohl berühmtesten DDR-Fernsehserie “Zur See” als Kapitän Hans Karsten mit väterlicher Warmherzigkeit, entschlossener Führungsstärke sowie trockenem Witz agierte und dafür zahlreiche Fans - auch
      mich übrigens - gewann, begegnet dem Zuschauer hier in einer gänzlich anderen Rolle.
      Er verkörpert Axel Springer auf faszinierende Weise. Einerseits zeigt er die Gefährlichkeit eines machtbesessenen Mannes, der um jeden Preis Karriere machen will und dafür alles zu tun bereit ist - ohne sich um die Legalität oder um die
      Interessen anderer Menschen auch nur im geringsten zu kümmern. Eiseskälte vermittelt sich dem Zuschauer, wenn er mit verkniffenem Mund und haßerfülltem Blick sein zynisches Weltbild offenlegt. Dann wieder entfaltet er mit strahlendem
      Lächeln einen schier unwiderstehlichen Charme, um Menschen, die seinem Aufstieg dienlich sein können, für sich einzunehmen.
      Jago und Richard III. hätten ihre helle Freude an diesem Mann.

      Andererseits läßt Horst Drinda den von ihm gespielten Verleger auch immer wieder als Karikatur erscheinen.
      Bei Rückschlägen verkriecht sich sein manisch-depressiv und paranoid anmutender Springer ins Bett, betäubt sich mit Alkohol und muß von seinen Getreuen mit einer
      Wasserdusche oder Aufputschmitteln wieder aktiviert werden.
      Wie ein verwöhntes Kind, das alles haben möchte und von allen geliebt werden will, buhlt er zum Zuneigung und Einfluß und reagiert sogar mit Wutausbrüchen und Tränen, wenn er nicht bekommt, was er will.
      In kleinen Momenten macht Horst Drinda aus dem scheinbar allmächtigen Mann eine alberne Figur, etwa wenn er beim allzu scharfen Galopp aus dem Sattel eines Pferdes fällt, wenn er bei der Zurechtweisung seiner Gattin Rosemarie in einen
      See platscht oder wenn eine für eine Nacht in einer Kneipe geschlossene Mädchenbekanntschaft ein für beide unbefriedigends Ende nimmt.

      Neben Horst Drinda glänzt vor allem Otto Mellies, der gegen sein sonst übliches Rollenklischee als positiver Held hier als homosexueller Industriellensohn Horst- Herbert Alsen besetzt wurde und diese Rolle offensichtlich genießt. Liebevoll nennt Alsen Springer “mein Cäsar” und unterstützt ihn entscheidend bei seinem Aufstieg.
      Dass die beiden von ihnen verkörperten Charaktere eine sehr intensive Beziehung unterhalten, spielen Horst Drinda und Otto Mellies zwar subtil, aber dennoch mit unterschwelliger Sinnlichkeit. Die Karikatur entfaltet sich dann, wenn Alsen
      Springer bei ihrer ersten Begegnung verführen will, dieser sich jedoch wieder einmal bis zur Besinnungslosigkeit betrunken hat und zeigt sch auch, wenn Alsen Springer seine Gattin aus finanziellen und machtpolitischen Interessen “abtritt”.

      Ebenfalls bemerkenswert gegen seinen sonstigen Typ als Negativfigur besetzt, spielt Herwart Grosse hier einen Kommunisten, der Springer Paroli bieten will und Erik S. Klein liefert eine amüsante und barocke Interpretation von Strauß.

      Doch auch die übrigen Darsteller tragen zum hohen Unterhaltungswert des Films bei.

      Übrigens bestätigt das in der DVD-Box enthaltene Porträt über den Verleger, dass Springers Bemerkung “Es hat mich gewundert, dass sie für meine Rolle einen so gut aussehenden Schauspieler genommen haben.” sehr untertrieben ist.
      Horst Drinda ist bei weitem attraktiver als das Original.
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      • (geb. 1962) am melden

        Am 2. Mai wäre Axel Caesar Springer 100 Jahre alt geworden. Vor 44 Jahren drehte der Deutsche Fernsehfunk eine 5 teilige biografische Miniserie über diesen “mächtigsten, einflussreichsten und auch umstrittensten Verleger der Nachkriegszeit” (Quelle: ARD Text vom 18.04.2012). Vor einem dreiviertel Jahr war diese Serie für wenige Tage in einem der großen Internet-Videoportale zu finden.
        Ich würde mir wünschen, egal welcher öffentlich rechtliche Sender, diese Serie nochmals auszustrahlen, mit einer anschließenden kurzen Diskussion des jeweiligen Teils. Ähnliches fand 1994 mit dem Regisseur Kurt Maetzig nach der Ausstrahlung des ersten Teils “Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse”, anlässlich der damals 50. Wiederkehr der Ermordung Ernst Thälmanns, statt.
        • (geb. 1962) am melden

          Nachtrag: Auch im Berliner Zeughauskino werden in unregelmäßigen Abständen Filme gezeigt, welche im dritten Reich entstanden und nach 1945 verboten wurden. Diese VORBEHALTSFILME werden kurz eingeführt und anschließend mit den Zuschauern diskutiert.
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      • (geb. 1948) am melden

        Ich hatte Gelegenheit diese Serie kürzlich noch einmal komplett zu sehen und ich war überrascht von der Aktualität dieses Filmes. Das hervorragende Schauspielerensemble tat ein weiteres. Die größte Überraschung war die Tatsache, daß in einem Gespräch mit dem Krupp-Manager Beitz Springer die inzwischen vollzogene Wende präzise mit Ende der 80iger oder Anfang der 90er Jahre vorher gesagt hat. Ist doch interessant wie der Autor zu diesem Datum gekommen ist...
        • (geb. 1989) am melden

          Hallo,
          ich bin schon lange auf der Suche nach allen 5 Teilen des Filmes - können Sie mir da weiter helfen oder einen Tip geben, wo ich noch suchen könnte? - Ich wäre Ihnen sehr verbunden. Benjamin Schürmann
        • (geb. 1966) am melden

          Hallo,
          ich suche diese Serie auch schon länger aus persönlichem Interesse. Wo hast Du das denn gesehen? Besten Dank schonmal für Infos.
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