bisher 12 Folgen
1. Kleines Universum
Folge 1 (35 Min.)Einst gehörte Amena der Himmel über Afghanistan. Sie erklärte Mädchen an den Schulen das Weltall. Dann kamen die Taliban, und sie musste fliehen. Seit 2021 lebt die Endzwanzigerin in einer süddeutschen Kleinstadt. Als studierte Ingenieurin versucht sie, sich ein neues Leben, auch in der Wissenschaft, aufzubauen. Ihren Traum, eines Tages selbst zum Mond zu fliegen, trägt sie weiter in ihrem Herzen. In Afghanistan gilt die Astronomie heute Vielen als sündhaft, Diskussionen über die Theorie des Urknalls waren und sind gefährlich.Der Blick in den Nachthimmel erweitere den Horizont, wecke Träume und Sehnsüchte und könne damit die Ordnung der Welt ins Wanken bringen, so Amena. Die Himmelskundlerin studierte als eine der wenigen Frauen ihres Landes Ingenieurwissenschaften und gründete „Kayhana“ – das „Kleine Universum“ – die erste astronomische Vereinigung für Mädchen am Hindukusch. Nachdem internationale Organisationen darauf aufmerksam geworden waren, wurde der Verein in die Internationale Astronomische Union (IAU) aufgenommen. Amena konnte Artikel in internationalen Fachzeitschriften publizieren. Der britische Sender BBC zeichnete sie als eine der 100 inspirierendsten Frauen der Welt aus. Der Film begleitet Amena bei ihrem Neuanfang in Deutschland, wo es eine Akademikerin ohne die notwendigen Diplome trotz aller Unterstützung nicht einfach hat. Amena unterrichtet weiterhin, von Deutschland aus, ihre Schülerinnen in Afghanistan über Onlinekurse und Handygespräche. Denn der totale Ausschluss junger Mädchen von Wissenschaft und Bildung bereitet der jungen Frau im Exil große Sorge. Nele Dehnenkamp arbeitet als freie Autorin und Regisseurin für Dokumentarfilme und Radio-Features. Sie studierte Sozialwissenschaften in Berlin und New York sowie Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihre Filme wurden auf international renommierten Festivals gezeigt und ausgezeichnet. Für ihren Kurzfilm „Seepferdchen“ (2020) erhielt sie unter anderem den Adolf-Grimme-Preis und den CIVIS-Medienpreis. Ihr Langfilmdebüt „For the Time Being“ (2023) wurde mit dem Gedankenaufschlusspreis auf dem Festival „DOK Leipzig“ ausgezeichnet. (Text: 3sat) Deutsche Streaming-Premiere So. 02.02.2025 3sat-Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 03.02.2025 3sat 2. Stahlarbeiterin
Folge 2 (30 Min.)Maschinenbautechnikerin Lotti arbeitet in einer der letzten Männerdomänen, der Stahlbude von Thyssenkrupp. Im Betriebsrat kämpft sie für die Zukunft ihres Standorts. Sie setzt sich für die grüne Transformation ein und organisiert mit der IG-Metall-Jugend zum 1. Mai eine Aktion gegen den Rechtsruck in der Region. Doch die bestehenden Verhältnisse in der Fabrik geraten ins Wanken und privat hat Lotti Sorgen. An einem Freitagvormittag stehen die Anlagen in der Stahlbude am Schalker Markt für Wartungsarbeiten still.Ann Catherine Meyer (27), die alle mit ihrem Spitznamen „Lotti“ ansprechen, führt einen Rollenwechsel an der Streifenschere durch, wo das hauchdünn beschichtete Elektrostahlband nach Kundenwunsch zugeschnitten wird. Eigentlich könnte es nicht besser laufen. Nach vier anstrengenden Jahren im Schichtbetrieb und an der Abendschule hat Lotti endlich den Techniker-Titel in der Tasche und ist bei Thyssenkrupp zu ihrem Traumjob aufgestiegen. Dort setzt sie sich – seit ihrer Wahl in den Betriebsrat – für die grüne Transformation des Betriebs ein. Die hier produzierten Stahlrollen bilden den Kern von Hochleistungs-Trafos und sind damit essentiell für die Mobilitätswende. Und ohne den Umstieg auf grünen Stahl hat die deutsche Stahlindustrie keine Zukunft. Am Gelsenkirchener Standort des kriselnden Konzerns hat Lotti auch nach sechs Jahren in der Produktion ausschließlich männliche Kollegen. Mit ihnen teilt sie gerne das technische Interesse und die Leidenschaft für ihren Beruf, aber auf das Label „einzige Frau“ hat sie schon lange keine Lust mehr. Die Medien und das firmeneigene Marketing feiern sie als Vorbild für Gleichstellung, anstatt sich um weiteren weiblichen Nachwuchs zu bemühen. Seit der überraschenden Übernahme von Thyssenkrupp Electrical Steel durch einen tschechischen Investor steht die Zukunft des Betriebs auf dem Spiel. Der Bau des Wasserstoff-Hochofens in Duisburg, den der Bund mit einer Rekordsumme von zwei Milliarden Euro subventioniert, verzögert sich. Auch privat steht bei Lotti alles Kopf. Ihr Vater ist unheilbar an Krebs erkrankt. Während die Betriebsrätin zwischen Beruf, Politik und queerem Lebensentwurf jongliert, überschlagen sich rund um den 1. Mai die Ereignisse. Die Umgebung des Stahlbetriebs scheint in einer anderen Zeit stehen geblieben zu sein, aber Lotti ist mit ihr tief verbunden. Aus Lottis Umfeld kam immer wieder die Frage: „Warum tust du dir denn so einen Job an? Musst du wirklich ausgerechnet in so ein Hardcore-Umfeld?“ Lotti hat ihren Beruf nicht gewählt, weil sie „die einzige“ sein wollte. Das Problem liegt in der Frage. „Stahlarbeiterin“ erzählt Lottis Erfahrung deshalb nicht als Widerspruch, sondern als gelebte Wirklichkeit, in der ein junger, politisch aktiver Mensch voller Visionen auf eine anachronistische Umgebung stößt. Durch Lottis Augen erleben wir die komplexe Schnittstelle von persönlicher Identität, industriellem Erbe und sozialem Wandel. Ihre Geschichte ist ein Mikrokosmos der Herausforderungen, mit denen wir in Deutschland heute konfrontiert sind – der Kampf für ökologische Nachhaltigkeit, der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit, der Widerstand gegen rechtsextreme Strömungen und die sozialen Kosten wirtschaftlicher Umbrüche. Während Lotti privat und beruflich durch schwierige Zeiten steuert, zeigt sie sich als komplexe Figur – die entschlossen ist, einen neuen Weg zu beschreiten und die nicht nur für ihre eigene Zukunft, sondern auch für die Zukunft ihrer Gemeinschaft kämpft. Durch Lottis Geschichte wirft die Autorin Lea Schlude Fragen der Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit in Räumen auf, die sich lange gegen Veränderungen gesperrt haben. Lotti gestaltet Strukturwandel – in jeder Hinsicht. Lea Schlude hat Film und Philosophie an der Universität Hildesheim, der Universidade Federal do Parà in Belem, Brasilien und an der Freien Universität Berlin studiert. Ihr erster Dokumentarfilm „Via San Cipriano“ (2019) wurde auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Für die Recherche für ihren zweiten langen Dokumentarfilm „Hazy Valley“ erhielt sie das Wim-Wenders-Stipendium. (Text: 3sat) Deutsche Streaming-Premiere So. 02.02.2025 3sat-Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 03.02.2025 3sat 3. Ungeheuerhof
Folge 3 (30 Min.)Wo früher Tiere grasten, stehen heute Maschinen. Wo einst Bauernfamilien in dritter Generation lebten, sind heute nur noch der studierte Agrarwirt Jürgen und seine Mutter übrig. Der Film begleitet Jürgen und seine Mutter auf dem „Ungeheuerhof“ in Baden-Württemberg über drei Wochen am Ende eines Sommers. Die Tage sind von körperlicher Arbeit geprägt, aber auch von Selbstzweifeln, Krisen und Einsamkeit. Vor allem Jürgen verbringt gefühlt endlose Stunden allein auf seinem modernen Traktor, der als Hocheffizienz-Maschine Segen und Fluch zugleich zu sein scheint.Wie die meisten Bauern möchte der Landwirt, der gegen den Willen des Vaters ein Agrarstudium absolvierte, einmal seinen gut bestellten Hof einem Erben übergeben, zumal er das Anwesen technisch auf die Höhe der Zeit gebracht hat. Doch sein kleiner Sohn Max hat mit gravierenden psychischen Problemen zu kämpfen. Er lebt bei seiner Mutter und kommt nur selten auf den Hof des Vaters. Ohne zu urteilen, zeichnet der Film das Bild einer modernen Bauernfamilie, die sich den Herausforderungen der Zeit sowohl wirtschaftlich als auch familiär stellen muss. Regisseurin Gretel Ribka studiert seit 2021 Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Auch Co-Regisseur Jonas Riedinger ist dort seit 2021 im Fach Dokumentarfilm eingeschrieben. Mit ihrem ersten gemeinsamen Film „Ungeheuerhof“ waren die beiden Nachwuchsfilmemacher unter anderem 2023 zu den „Internationalen Hofer Filmtagen“ und 2024 zum „Bundesfestival junger Film“ eingeladen. (Text: 3sat) Deutsche Streaming-Premiere So. 02.02.2025 3sat-Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 03.02.2025 3sat 4. Eine Insel in der Zeit
Folge 4 (40 Min.)Der junge kubanische Tänzer Luis emigriert illegal in die USA auf der Suche nach dem besseren Leben im Kapitalismus und um seinen Traum einer Karriere als Dragqueen zu verwirklichen. Luis strandet in Memphis und kommt nur dank der Hilfe seiner langjährigen kubanischen Freunde Elisabeth und Mosito, beide Teil der queeren Community, durchs Leben. Er jobbt als Putzkraft und bereitet sich auf den großen Auftritt in einem Dragclub vor. Schon in Kuba hatte sich Luis die Figur der Valentina geschaffen, die er bei seinen Auftritten als Dragqueen verkörpert. Für ihn ist Drag eine Kunstform, mit der er anerkannt werden möchte.Doch als Drag fühlt er sich sogar in der homosexuellen Community diskriminiert. Als Luis’ Mutter von Valentina erfuhr, schmiss sie ihn zu Hause raus, mit den Worten, er sei nicht mehr ihr Sohn. „Dank Valentina bin ich hier“, erklärt Luis, sie hat ihn motiviert, sich auf eine mehrwöchige und lebensgefährliche Flucht in die USA zu begeben. Seine beiden kubanischen Freunde, selbst ehemalige Drags, unterstützen ihn mit Ratschlägen in allen Lebenslagen. Elisabeth hat ein privates Frisörstudio, in dem täglich tiefgreifende und temperamentvolle Gespräche über Sozialismus, Kapitalismus, Gender, Nationalität und Haarextensions geführt werden. In Memphis findet Luis auch einen Boyfriend, muss aber mit einfachen Jobs seinen Lebensunterhalt sichern, weil seine wenigen Auftritte als Dargqueen kaum Geld einbringen. Er führt kein glamouröses Leben, und das Geld liegt für einen Migranten nicht auf der Straße. Einmal hat Luis einen Auftritt in einer kleinen Latino-Bar. Er performt grandios – vor nur vier Gästen. Alle reden von Miami, dem Paradies für kubanische Exilanten und Exilantinnen – dort sei alles besser. Glanz und Elend des Kapitalismus zeigen sich Luis immer wieder in schönster Brutalität: In einem hektargroßen Perückenladen verliert er sich in den Gängen ob der tausend Varianten. Es gibt alles! Aber Luis kann sich nichts davon leisten. „Ein Insel in der Zeit“ ist die ungeschönte Bestandsaufnahme der inneren Zerrissenheit von Luis. Dafür ist auch der Ort sinnbildlich, an dem er gestrandet ist: Auf den Straßen gibt es nur Autos, keine Menschen. Als Ursprungsort von FedEx ist Memphis durchkreuzt von Gleisen, und der Himmel ist voller Flugzeuge. Ein Ort des Transits. Die Güterzüge schneiden sich durch Luis’ Hinterhof, schrill und vibrierend arbeiten sie sich durch seinen Kopf, und durch den Film. Luis lebt in dem Gefühl des Stillstands, obwohl sich alles um ihn herum bewegt. Nachts schleichen sich Erinnerungen an Havanna in Luis’ Träume. Die Straßen dort sind voller Menschen, Gemeinschaft und Zärtlichkeit, alle tanzen und sind glücklich. Erinnerungen sind oft trügerisch, das weiß auch Luis, aber vielleicht helfen sie beim Überleben und Kraftschöpfen. Nach Kuba kann er nicht zurück, dort gibt es für ihn keine Zukunft, es ist „eine Insel in der Zeit“, sagt Luis. Doch fühlt sich Amerika so anders an, wenn man als Migrant keine Möglichkeit hat mitzuhalten? Manchmal will Luis sogar Valentina aufgeben, weil er keine Kraft mehr für sie hat. Aber sein Freund Mosito, ein begnadeter Tänzer, motiviert ihn mit dem Hinweis, dass die Show für sie alles sei und sie nur durch sie lebten. Und wenn sie für Valentinas Auftritt vor Mositos Haus proben, entsteht auch bei Luis ein fröhliches Gefühl. Tanz und Aufbruch liegen in der Luft. Luis’ große Karriere als Dragqueen liegt vielleicht doch noch vor ihm: in Miami. Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss studierte im Jahr 2007/2008 an der EICTV, der Filmhochschule Kubas. Seither kehrt sie regelmäßig nach Havanna zurück und realisierte bisher zwei mittellange Filme auf der Insel. Luis traf sie 2022, als er noch Tänzer des berühmten Kabaretts „Tropicana“ war. Sie blieben im Austausch, und eines Tages schrieb ihr Luis: „Ich bin jetzt in den USA!“ Elke Margarete Lehrenkrauss hat für ZDF/3sat bereits den Film „Fehler und Irritation“ für die Reihe „Ab 18!“ realisiert. (Text: 3sat) Deutsche Streaming-Premiere So. 02.02.2025 3sat-Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 10.02.2025 3sat 5. Für Thea
Folge 5 (30 Min.)Kurz nach ihrem 24. Geburtstag wird Thea nachts in ein Auto gezerrt und für mehrere Stunden vergewaltigt. Im Tanz und einer Therapie sucht sie nun nach einem Weg der Aufarbeitung. Der bewegende Dokumentarfilm begleitet Theas mutigen Versuch, wieder zu sich selbst zu finden – körperlich wie emotional. Doch inwiefern ist nach der traumatisierenden Erfahrung sexueller Gewalt Heilung überhaupt möglich? Tanz ist Theas Passion und Beruf und wird zu einem heilsamen Ausdrucksmittel, das ihr hilft, mit den seelischen und körperlichen Narben umzugehen.Ihre Gedanken und Gefühle hält sie in persönlichen Videotagebüchern fest, in denen sie ihre inneren Kämpfe und Fortschritte teilt. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Freund Thiago, dessen stille und liebevolle Präsenz ihr Halt und Trost gibt, sowie von ihrem Hund Mandinga, der sie mit bedingungsloser Zuneigung auf ihrem Weg begleitet. Gemeinsam schaffen sie einen Raum, der es Thea ermöglicht, langsam wieder Vertrauen in sich selbst und ihre Umwelt zu gewinnen. Gemeinsam erleben sie die Höhen und Tiefen von Theas Heilungsprozess und erreichen einen erfreulichen Wendepunkt: Mit ihrer Schwangerschaft findet Thea eine neue Verbindung zu ihrem Körper, die es ihr ermöglicht, sich ein Stück weit von ihrer Vergangenheit zu lösen und in eine hoffnungsvolle Zukunft zu blicken. Der Nachwuchsfilmemacher Felix Rier kennt Thea seit seiner Kindheit. Beide sind im gleichen Dorf in Südtirol aufgewachsen, zusammen zur Schule gegangen und haben sich als junge Erwachsene in Berlin wieder getroffen. Ihre langjährige Freundschaft und das gegenseitige Vertrauen ermöglichen es ihnen, einen zutiefst persönlichen Dokumentarfilm zu realisieren, der das kraftvolle Porträt einer Überlebenden zeichnet. Felix Rier ist freiberuflicher Regisseur, Kamera- und Tonmann für Kinodokumentarfilme. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Berlin studierte er von 2019 bis 2022 Kamera und Licht an der ZeLIG – Schule für Dokumentarfilm in Bozen. Im Rahmen des Filmstudiums produzierte er seinen ersten Kurzfilm „Ein Mann zu sein“ (2021). (Text: 3sat) Deutsche Streaming-Premiere So. 02.02.2025 3sat-Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 10.02.2025 3sat 6. Laura, Linda, Gera und ich
Folge 6 (35 Min.)Mit einem alten Fotoalbum unterm Arm macht sich die Filmemacherin Katrin Rothe auf den Weg in ihre Heimatstadt Gera, um ihre Großnichte Laura zu porträtieren. Doch es kommt anders. Denn die 22-Jährige, die mit ihrem TikTok-Kanal „creepyfacee“ über 100.000 Follower hat, zieht sich aus dem Filmprojekt zurück. So streift die Autorin allein durch die Stadt ihrer Kindheit und erkundet Orte, die ihr einmal wichtig waren. Viele dieser Orte existieren nicht mehr, sie sind verschwunden, wurden abgerissen oder umbenannt. Die Filmemacherin ist konfrontiert mit den Ruinen ihrer persönlichen Vergangenheit und stellt an sich ein Gefühl von Scham in Bezug auf ihre Identität als Ostdeutsche fest.Sie wollte ihrer Großnichte eigentlich auch ihr Gera zeigen, die Orte und Geschichten, die sie geprägt haben. Aber da sich Laura kurzfristig entschließt, doch nicht vor eine Kamera zu treten, die nicht ihre eigene ist, steht die Filmemacherin allein vor dem Kulturpalast in Gera – einem der wenigen verbliebenen Orte ihrer Jugend mit Symbolkraft. Dort hatte sie als Jugendliche unter dem Zeichen von Hammer und Sichel auf der Bühne getanzt und in der „Galerie der Freundschaft“ ausgestellt. Dort entwickelt sich während der Dreharbeiten ein neu empfundener Stolz auf die gelebte Vergangenheit. Daran hat auch die Begegnung mit der 18-jährigen Linda Anteil, die den Blick der Filmemacherin auf Gera positiv verändert. So unerwartet, wie Laura sich zurückgezogen hat, beginnt Linda, sich für Katrins Geschichten zu interessieren, und begleitet sie auf ihren Erkundungen. Linda bringt das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein einer jungen Generation aus Gera mit, deren Verhältnis zu ihrer Heimatstadt unbelastet ist. Katrin Rothe, geboren 1970 in Gera, hat experimentelle Filmgestaltung an der Universität der Künste Berlin und am „Central Saint Martins College of Art and Design“ in London studiert. Sie lebt und arbeitet als Autorin von Dokumentar-, Spiel- und Hybridfilmen in Berlin. Ihre Filme wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Adolf-Grimme-Preis. Filme (Auswahl): „Dunkler Lippenstift macht seriöser“ (2003), „Betongold – Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam“ (2013), „1917 – Der wahre Oktober“ (2017), „Johnny & me – Eine Zeitreise mit John Heartfield“ (2023). (Text: 3sat) Deutsche Streaming-Premiere So. 02.02.2025 3sat-Mediathek Deutsche TV-Premiere Mo. 10.02.2025 3sat 7. Speara
Folge 7 (40 Min.)In der Tiefe des Meeres wie ein Fisch: Die Speerfischerin Mitsuki auf der Jagd nach Beute.Bild: ZDF und Johannes WaltermannHeldenreise unter Wasser: Die 26-jährige Mitsuki ist Weltmeisterin im Speerfischen (Spearfishing) an der Küste Kaliforniens. Gefahr für Leib und Leben nimmt die Japanerin dabei in Kauf. Als Kind hatte Mitsuki noch Angst vor dem Wasser, da sie beinahe ertrunken wäre. Mit 16 Jahren verließ sie Japan nach der Trennung ihrer Eltern, wagte zunächst in England einen Neustart. Dann zog es sie in die USA, wo sie als Köchin arbeitete. Der Dokumentarfilm von Florian Baron beeindruckt mit atmosphärischen Unterwasseraufnahmen, die Mitsuki schwerelos bei der Jagd zeigen.Mitsuki empfindet die Schönheit des Ozeans als Kraftquelle, die ihr half, große persönliche und emotionale Hürden zu überwinden. Die einsame und minimalistische Unterwasserjagd, ohne Atemgeräte und mit nur einem Speer bewaffnet, ist für sie eine existenzielle Erfahrung. In den sozialen Medien postet Mitsuki Videos, in denen sie selbst gefangene Fische ausnimmt, kunstvoll filetiert und zubereitet. Für die Umweltaktivistin und Köchin zählen absolute Transparenz und Ehrlichkeit in ihrem Handeln zu ihrem Credo. Sie tötet nur soviel, wie sie später auch selbst verwerten kann. Florian Baron hat die ungewöhnliche junge Frau während seines Stipendiatenaufenthalts in der Villa Aurora in Pacific Palisades kennengelernt. In seinem Dokumentarfilm macht er entscheidende Fragen unserer Zeit an ihrer Person fest. Denn Mitsukis Leben konfrontiert mit Fragen der Nachhaltigkeit und Lebensführung sowie nach Identität und kultureller Zugehörigkeit. Der Dokumentarfilmer war für 3sat bereits mit seinem Porträt über den Kriegsveteranen „Joe Boots“ erfolgreich, das 2017 unter anderem den Deutschen Menschenrechtspreis verliehen bekam. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mo. 23.02.2026 3sat 8. Rosina. Ein Leben mit Tieren
Folge 8 (45 Min.)Angstfrei und von Empathie getragen, gelingt es Rosina eine ungewöhnliche Nähe zu Tieren herzustellen.Bild: ZDF und Lisa BülowRosina ist 28 und lebt auf einem Bauernhof in Niedersachsen – ein stiller, unscheinbarer Ort, der für sie zu einem Experimentierraum wird. Hier teilt Rosina ihren Alltag mit geretteten Kühen, Schweinen, Gänsen und Ziegen. Der Film zeigt Momente tiefer Verbindung zwischen Rosina und ihren Tieren, erzählt aber auch von den Schwierigkeiten, die ein solcher Lebensweg mit sich bringt. Was passiert, wenn man mit Tieren lebt, ohne sie zu benutzen? Ohne Hierarchien, ohne Kontrolle, ohne die Rollen, die wir Menschen ihnen zugeschrieben haben? Während in der Region und auch auf dem Hof ihrer Eltern Tiere konventionell gezüchtet und getötet werden, entscheidet sich Rosina für etwas Ungewöhnliches: Sie schaut nicht weg.Sie bleibt und hält fest, was geschieht, während die Follower auf ihrem Social Media Kanal beobachten, wie aus scheinbar kleinen Gesten ein stiller Aufstand gegen tief verankerte Normalität entsteht. So wird ein Dorf in Niedersachsen zu einem Ort, an dem sich etwas verschiebt: unser Blick auf Tiere, auf uns selbst, auf Macht und Nähe. Die Filmemacherin Angelika Herta begleitet Rosina durch die Jahreszeiten und zeigt, wie mutig es ist, gängige Vorstellungen von Zusammenleben zu sprengen. Und wie provozierend ein Alltag wird, der sich weigert, Tiere als Ressourcen zu betrachten. Ihre Protagonistin Rosina stellt eine einfache, aber tiefgehende Frage: Wenn wir Tiere als Gefährten sehen würden – was würde das an uns selbst verändern? Angelika Herta, in Österreich geboren, absolvierte nach einem Studium der vergleichenden Literaturwissenschaften ein Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für ihre künstlerische Arbeit wurde sie mit dem „SHOOT“ Nachwuchspreis für Künstlerinnen von KHM & IFFF Dortmund+Köln 2021 ausgezeichnet. Mit dem Kurzfilm „Wir Tiere“ (2022) begann ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch und Tier. 3sat zeigt „Rosina. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mo. 23.02.2026 3sat 9. Mama Micra
Folge 9 (25 Min.)Porträt der Mutter als animierte Filzfigur.Bild: ZDF und Frédéric SchuldEin kleiner schwarzer Rabe führt in die Vergangenheit einer unkonventionellen Mutter und beschreibt den Begriff „Rabenmutter“ einmal anders. Der Vogel nimmt die Zuschauer mit in eine Art Zauberwelt und auf die Suche einer ungewöhnlichen Frau nach sich selbst zwischen Einsamkeit und Liebe. Formal ergänzen sich dokumentarisches Material mit kunstfertigen Figuren, die von der Filmemacherin geformt sind. Denn in „Mama Micra“ ist die Mutter eine Puppe aus Filz, die mit ihrer eigenen Stimme von ihrem starken Drang nach Freiheit erzählt, und sich aus dem Off als „echte Vagabundin“, beschreibt, die Nomaden in der Wüste um ihren Freiraum beneidete.Die letzten zehn Jahre ihres Lebens lebte sie ihren Traum vor allem in der Enge eines Nissan Micra, mit dem sie offenbar rastlos durch die Welt fuhr. Sie wusch sich morgens in Hotelbädern und schlich sich gelegentlich auch in Frühstücksräume, um dort zu essen. Irgendwann hatte die Mutter in ihrem Micra dann den Kontakt zu ihrer Tochter verloren, die als Filmemacherin die Erzählung ihrer Mutter mit ihren eigenen Erinnerungen kontrastiert. Aber kein Verschwinden scheint für immer unversöhnlich zu enden, zumindest nicht in dieser liebevollen Stop-Motion-Produktion. Der Film feierte 2024 seine Premiere auf dem „International Documentary Film Festival Amsterdam“ (IDFA) und war 2025 sowohl für den „Deutschen Kurzfilmpreis“ als auch für den Preis der „Internatioal Film Association“ (IDA) in Los Angeles nominiert. Das Hamburger Studio „Fabian&Fred“ produziert seit 2015 erfolgreich Animationsfilme für den internationalen Markt, wobei auch stets dokumentarische Formen ihren Platz haben. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mo. 23.02.2026 3sat 10. Hello New Body, how are you today?
Folge 10 (35 Min.)Da Laura bislang keinen Bedarf an Pflegeleistungen anerkannt bekommt, leistet ihr Lebensgefährte Övünç die Care-Arbeit.Bild: ZDF und Hannes SchulzeMit Anfang 30 erkrankt Laura Kansy an ME/CFS. Eine Erkrankung, für die noch kein Weg zur Heilung bekannt ist. Was bedeutet es, nicht zu wissen, ob und wann man wieder gesund sein wird? Wie findet man seinen Platz in dem neuen, nun kranken Körper? Der autobiografische Film ist der Versuch, das Filmemachen nicht aufzugeben, sondern es zu nutzen, um lebendig zu bleiben. Ein Versuch, in der Unfreiheit einen Raum von Freiheit zu erkämpfen. Die Filmemacherin Laura Kansy ist eine von geschätzt 500.000 Menschen in Deutschland, die an ME/CFS erkrankt sind.Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom ist eine Multisystemerkrankung, die seit 1965 von der WHO gelistet ist und meist durch Viren wie COVID oder Epstein-Barr ausgelöst wird. Obwohl die Krankheit lebenseinschneidend ist – 60 Prozent der Erkrankten sind arbeitsunfähig, 25 Prozent können das Haus oder sogar das Bett nicht mehr verlassen – gibt es kaum Forschung und keine Behandlungsmöglichkeiten. Viele Erkrankte sind auf tägliche Pflege angewiesen; die Verantwortung lastet auf pflegenden Angehörigen, die oftmals keine Unterstützung aus dem Gesundheitssystem bekommen. Laura Kansys künstlerischer Dokumentarfilm vermittelt in einer Mischform aus Beobachtungen, Elementen eines filmischen Tagebuchs und Animationen, welche Auswirkungen die Krankheit hat. Statement der Regisseurin Laura Kansy: „Dieser Film ist ein sehr persönlicher. Denn er geht um mich. Eines Morgens bekomme ich eine leichte Grippe: Gliederschmerzen, Muskel- und Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, nicht endende Müdigkeit. Diese Symptome halten bis heute – zweieinhalb Jahre später – an. Dieser Film ist ein Film über Carearbeit, über einen kranken Körper und einen Geist, der lernen muss, in ihm weiterzuleben. Er entsteht aus dem Bett heraus, in einer Zeit größter Unsicherheit: Werde ich wieder arbeiten können, wieder Filme machen, mein Leben selbstständig führen? Die Erinnerung an mein früheres, freies Leben ist nah – und zugleich fern.“ Laura Kansy hat an der Hochschule für Fernsehen und Film München, am „Satyajit Ray Film and Television Institute“ in Kalkutta, Indien, und an der Filmuniversität Babelsberg Kamera und Regie studiert. Während ihres Studiums arbeitete sie auch als Videokünstlerin im Theater und mit verschiedenen bildenden Künstler*innen. Diese Zusammenarbeiten prägten die Ästhetik ihre Filme. 3sat zeigt „Hello New Body, how are you today?“ im Rahmen der 3sat-Dokumentarfilmreihe „DocuMe“, die von Menschen in Veränderungsprozessen erzählt und mit Erzählformen abseits des medialen Mainstream experimentiert. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mo. 02.03.2026 3sat 11. Nikolai
Folge 11 (40 Min.)In der Gemeinschaft der Jugendhilfe Leimbach findet Nikolai die Hilfe zur Selbsthilfe, die es ihm ermöglicht, seinem Leben eine neue Richtung zu geben.Bild: Vita Spiess / ZDFSucht und Straftaten – mit 17 Jahren hatte Nikolai die Wahl zwischen einem Jahr Gefängnis oder Therapie: Er entschied sich für die stationäre Jugendsuchthilfe in Leimbach. Der Film begleitet Nikolai knapp zwei Jahre auf seinem Weg: vom erstem „Clean-Geburtstag“ – damit ist ein Jahr nüchtern sein gemeint – bis zum Ende der richterlichen Auflagen und erzählt von Nikolais Ringen mit Regeln und seinem Kampf mit inneren Dämonen. Die Frankfurter Kamerafrau Vita Spieß begleitete für ihren ersten Dokumentarfilm den inzwischen 20-jährigen Nikolai auf seinem langen und nicht immer einfachen Weg aus der Sucht – bis hin zu einem erfolgreichen Schulabschluss.Mit Geduld und Empathie fängt sie Momente voller Humor und Lebensfreude ein. Inmitten von Rückschlägen und kleinen Siegen offenbart sich Nikolais unerschütterlicher Wille, sich selbst neu zu finden: „Aufgeben ist keine Option für mich“, sagt er. Unterstützung findet er dabei in der Gemeinschaft der Jugendhilfe Leimbach, einer vollstationären Einrichtung für süchtige männliche Jugendliche. Grundlage für das Leimbacher Modell ist eine Lebensgemeinschaft von ehemals süchtigen Erwachsenen, die aufgrund ihrer eigenen Biografie eine Nähe zur Erlebnis- und Erfahrungswelt der Jugendlichen aufbauen können und 365 Tage im Jahr mit ihnen zusammenleben, zusammen lernen und zusammen arbeiten. Vita Spieß hat sich als Cinematografin dem künstlerischen Dokumentarfilm für Kino und Fernsehen verschrieben. Besonders interessiert es sie, Menschen zu begleiten und dabei eine besondere Nähe zu den Protagonist*innen herzustellen. Viele der von ihr fotografierten Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2021 mit dem Preis von HessenFilm und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur für die beste Bildgestaltung des Kinodokumentarfilms „Heil Dich Doch Selbst“ von Yasmin C. Rams. 3sat zeigt „Nikolai“ im Rahmen der 3sat-Dokumentarfilmreihe „DocuMe“, die von Menschen in Veränderungsprozessen erzählt und mit Erzählformen abseits des medialen Mainstream experimentiert. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mo. 02.03.2026 3sat 12. Alice in Paris
Folge 12 (35 Min.)Keine Angst vor absoluter Nähe: Die Künstlerin Alisa wagt den Schritt in die französische Metropole.Bild: ZDF und Mikhail BaryninAlisa Safina hatte eine Karriere als Künstlerin in Moskau vor sich. Doch dann hielt es sie im Land Putins nicht mehr. Mit 200 Euro in der Tasche ging sie auf volles Risiko nach Paris. Zunächst gelingt ihr eine sanfte, wenn auch nicht komfortable Landung in der Pariser Künstlerszene. Alisa betreut eine frühere Galeristin mit Parkinson, und erfindet sich als Performance-Künstlerin neu. Doch Ölfarben und das Leben in Paris sind teuer. Privat findet Alisa schnell Anschluss. Erstmals in ihrem Leben kann sie ihre Liebe zu Frauen offen zeigen, und erstmals hat sie eine feste Freundin.Es sind dann nicht nur finanzielle Gründe, die Alisa und ihre Partnerin Katya zum Umzug nach Marseille veranlassen. Alisa nimmt dort ihr „Kimono-Projekt“ in Angriff, in dem sie sich auf ihre Heimat Russland bezieht, wo Patriarchen sich traditionell gern im Morgenmantel fotografieren lassen. Auch begibt sie sich nach Phasen des Grübelns und der Selbstzweifel als eine Art Vergangenheitsbewältigung zurück in die Welt des Eiskunstlaufs, der sie als Kind einige Zeit angehörte, auch wenn ihr Körper dafür immer zu groß geraten war. Der ebenfalls aus Russland stammende Filmemacher Mikhail Barynin hat Alisa seit ihrer Ankunft in Paris begleitet. Wie er ist Alisa mittlerweile Teil einer russischen Diaspora von Künstlerinnen und Kreativen in der französischen Hauptstadt, die bereits im 19. Jahrhundert Referenzpunkt für Kunstambitionen und unkonventionelle Lebensentwürfe war. „Alice in Paris“ zeichnet das Porträt einer unangepassten jungen Frau, die gern vorgeschriebene Rahmen sprengt und als Künstlerin versucht, in einem fremden Land Fuß zu fassen. Mikhail Barynin, Jahrgang 1985, ist Absolvent der renommierten „Moscow International Film School“. Sein Dokumentarfilm „24 Snow“ über die harten Lebensbedingungen eines Pferdezüchters in der Arktis wurde 2017 auf der Berlinale gezeigt. 3sat zeigt „Alice in Paris“ im Rahmen der 3sat-Dokumentarfilmreihe „DocuMe“, die von Menschen in Veränderungsprozessen erzählt und mit Erzählformen abseits des medialen Mainstream experimentiert. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mo. 02.03.2026 3sat
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