Fernsehfilm in 5 Teilen, Folge 1–5

    • Folge 1

      1949. Grafenberg im Märkischen kurz vor der Gründung der DDR. Hier lebt Michel Hollmann und arbeitet beim Straßenbau. Sein Lebensinhalt sind seine Frau Lotte und die beiden Kinder Gerda und Heinz, für die er eine Laube zum ‚Nest‘ umbaut. In Grafenberg wohnen auch die Geschwister: Bruder Karl, der Bürgermeister, und Schwägerin Edith, die in einem Textilwerk arbeitet mit Sohn Jürgen. Edeltraut, seine Schwester, hat den Lampenfabrikanten Berthold Bennert geheiratet und führt ein gut situiertes Leben. Auch sie haben einen Sohn: Harald. Zur Familie gehören weiterhin Schwester Hanna und Schwager Hermann, der Fischer auf einem der märkischen Seen ist und einen hartnäckigen Privatkrieg gegen den alten Stegewald und dessen vermeintliche kürfürstliche Fischrechte führt. Sie leben ihr Leben mit ihren großen und kleinen Konflikten, mit unterschiedlichen Intentionen und bleiben dennoch stets miteinander verbunden. Wege trennen sich, führen wieder zusammen, verlieren sich… In Michel Hollmanns Leben und dem seiner weit verzweigten Verwandtschaft widerspiegelt sich individueller und gesellschaftlicher Wandel, Familiengeschichte wird zur Zeitgeschichte. Zunächst aber hat Michel ganz privaten Kummer: Die Straße, an der er arbeitet, soll nicht weitergebaut werden und in der Brigade gibt es heiße Debatten um das Warum. Verärgert nimmt Michel mit seinem Kollegen Prosske einen Job bei Alfred Stegewald an. Zu Hause gibt es ebenfalls Debatten. Gerda hat das Lauben-Leben satt und will nach Westberlin zu Tante Elli und in ihrem Modegeschäft arbeiten. Vergeblich seien die Bemühungen, aus der Laube ein Haus zu machen. Eines Tages ist Gerda weg. Auf der Geburtstagfeier seines Schwagers Bernhard treffen die unterschiedlichsten Gäste – mit unterschiedlichsten Lebens- und Politikauffassungen aufeinander. Michel entlädt seinen ganzen aufgestauten Ärger. Einen Geburtstag ganz anderer Art gibt es außerdem: Am 7. Oktober 1949 wird die DDR gegründet. (Text: MDR)

    • Folge 2

      1953. Adam Weise, ehemaliger Teilhaber von Bernhard Bennert, kommt nach Grafenberg, um mit ihm über die Zukunft der Lampenfabrik zu sprechen. Er glaubt, ‚dass wir Zeiten entgegengehen, auf die wir vorbereitet sein sollten‘. Bennert ist nicht gewillt, sich auf krumme Touren und ein hohes Risiko einzulassen. Zwischen Albert Stegewald und Hermann Prohl gibt es nach wie vor Streit um die von Stegewald beanspruchten kurfürstlichen Fischrechte im Mühlenfließ, die dieser laut Ministerbeschluss schließlich verliert. Michel Hollmann, der mit Wolfgang Prosske für Stegewald arbeitet, steigt aus, als er für Schiebergeschäfte in den Westteil der Stadt missbraucht wird. Er geht zurück zum Straßenbau. Prosske bleibt in Westberlin und operiert zusammen mit Strelitz, der enge Kontakte zu den Amerikanern hat, gegen die neue Ordnung in Grafenberg. Lotte will im Kammgarnwerk, in dem ihre Schwägerin Edith in der Betriebsleitung arbeitet, als Kindergärtnerin arbeiten. Wie hier rumort es auch auf der ‚langen Straße‘. Kurzsichtige Ministerratsbeschlüsse und Normerhöhungen, die aufgrund von Mangelwirtschaft dazu führen, dass die Arbeiter weniger statt mehr verdienen, lösen Unzufriedenheit aus. Michel bewegt ein ganz anderes Problem: Seine mit viel Schweiß gebaute Laube soll einem Anschlussgleis für den Straßenbau weichen. Auch als Bruder und Bürgermeister von Grafenberg kann und will ihm Karl nicht helfen. Am 17. Juni 1953 erreicht Michel die Nachricht, dass auf Karl geschossen wurde. Als Täter wurde Prosske erkannt, der aber im allgemeinen Tumult flüchten konnte. (Text: MDR)

    • Folge 3

      1957. Die Verbindungsstraße von Grafenberg zum neuen Reifenwerk ist fertig. Während die meisten seiner Kollegen zur nächsten Großbaustelle weiterziehen, will Michel Hollmann Grafenberg nicht verlassen. Statt neue Straßen zu bauen, bessert er nun alte aus. Die Kinder von Michel, Karl und Edeltraut sind groß geworden. Heinz bewirbt sich an der Kunsthochschule, wird aber wegen seines modernistischen Stils abgelehnt. Auf Bruno Milkers Rat und Empfehlung hin geht er erst einmal zum Talsperrenbau. Harald geht zur NVA. Zur großen Enttäuschung seiner Eltern will er Flieger werden und nicht die Firma übernehmen. Jürgen zieht mit seiner Freundin Karin Rose nach Berlin, um Jura zu studieren. Gerda arbeitet in Köln für ein Männer-Magazin. Edith, die in Köln an der 3. Rheinischen Textilmesse als Vertreterin der Mitteldeutschen Textilindustrie weilt, besucht Gerda. Tante und Nichte trennen Welten. Edith wird gleichzeitig mit deutsch-deutscher Wirtschaftsrealität konfrontiert. Auf politischen Druck hin zieht die Messeleitung aus Sicherheitsbedenken ihre Standgenehmigung zurück. Die am Stand verwendete Landkarte mit der verbindlich eingezeichneten Oder-Neiße-Grenze stellt angeblich ein Sicherheitsrisiko dar. Streit, Enttäuschungen und einen Todesfall gibt es zur gleichen Zeit in Grafenberg: Lotte hat Spaß am Berufsleben und wird immer selbstbewusster. Michels Laubenmentalität gefällt ihr immer weniger. Eine Ehekrise zeichnet sich ab, als er beim Straßenbau kündigt, weil ihm eine Weiterbildung nicht schmeckt. Gerda besucht zusammen mit Tante Elli ihre Eltern und Michel und Lotte erkennen schmerzlich, dass ihre Tochter, obwohl sie das erhoffte Glück im Westen nicht gefunden hat, nicht nach Grafenberg zurückkehren will. Die Bennerts verlieren ein Vermögen, als eine erneute Währungsreform verkündet wird, bei der jeder nur 300 DDR-Mark tauschen darf, und Opa Prohl ertrinkt bei einem Streit mit Stegewald. (Text: MDR)

    • Folge 4

      1961. Michel hat nun doch seinen Gummifacharbeiter gemacht und arbeitet inzwischen wie Sohn Heinz im Reifenwerk. Schon wartet auf ihn eine weitere Qualifizierung. Die aber will er nur akzeptieren, wenn endlich auch Joachim Gärtner sein Fernstudium zum Ingenieur antreten kann. Seine Verwicklung in die Ereignisse vom 17. Juni 1953 hat das bisher verhindert. Karin ist schwanger. Ein Kind passt nicht in ihre und vor allem Jürgens Lebensplanung. Als sie und Jürgen auf dem Weg zu einem Arzt in Westberlin sind, geraten sie in eine Kontrolle und Jürgen verleugnet Karin. Das ist das Ende ihrer Beziehung. Fassungslos sieht Karl eine andere Seite seines Sohnes. Michel bringt Karin bei seinem Schwager Hermann, inzwischen Vorsitzender in der Fischereigenossenschaft, unter – den Paragrafen 218 hält er für nicht mehr zeitgemäß. Die wirtschaftliche Situation spitzt sich dramatisch zu. Nicht nur die Grenzgänger, sondern auch die zunehmende Facharbeiterabwanderung macht dem Staat und den Betrieben zu schaffen. Dr. Bennert bekommt wieder einmal Besuch von seinem einstigen Teilhaber Adam Weise. Für den stehen das Ende der DDR und damit die Reprivatisierung der Volkseigenen Kombinate unmittelbar bevor. Vergeblich versucht er, mit Bennert einen Deal abzuschließen. Harald sieht im Fortbestand des Lampenwerks seines Vaters keine Zukunft. Er möchte in der zivilen Luftfahrt arbeiten. Gerda verbringt ihren Urlaub bei ihren Eltern in Grafenberg und verliebt sich in Joachim Gärtner. Ausgelassen feiern sie am 12. August seinen Geburtstag. Zur gleichen Zeit ruft die Parteileitung des Reifenwerks die Kampfgruppe zusammen. Um null Uhr sollen die Grenze und Grenzübergänge zum Westen und Westberlin gesichert werden. Gerda geht am Morgen des 13. August nach Westberlin zurück. Ihren Koffer lässt sie mit dem Versprechen, zurückzukommen, bei Joachim. Ein tödlicher Grenzzwischenfall lässt Michel von seinem Schwur, ‚nie mehr ein Gewehr anzufassen‘, abweichen. Er meldet sich zur Kampfgruppe. (Text: MDR)

    • Folge 5

      Grafenberg im 800-Jahr-Fieber. Viel ist seit dem 13. August 1961 passiert. In Epilogen ziehen gravierende Ereignisse durch Köpfe und Herzen so mancher am Fest Beteiligten. Joachim Gärtner erinnert sich an das Jahr 1970, in dem er fast das Reifenwerk verlassen hätte und nach Leuna gegangen wäre. Damals sollte auf Beschluss der Leitung unbedingt ein neues Werk gebaut werden. Er aber wollte kein neues Werk, denn das alte bedurfte lediglich der Modernisierung, um gewinnbringend zu arbeiten. Außerdem: wohin mit den neuen Leuten? Wohnungen waren immer noch Mangelware. Auch er, Gerda und die Zwillinge wohnten damals in beengten Verhältnissen. Wieder einmal hat ihm damals Michel mit seinem gesunden Menschenverstand beiseite gestanden. Aus der Firma ‚Bennert & Sohn‘ ist 1972 der VEB Lampenwerke geworden – mit Bernhard als Geschäftsführer. Harald ist als Pilot bei der ‚Interflug‘ und hat eine ungarische Stewardess geheiratet. Sein Cousin Jürgen ist Jurist in der Handelsvertretung der DDR in Mexiko. Seine große Liebe Karin hat er an Heinz, der jetzt als Pressezeichner arbeitet, verloren. Hermann Prohl muss auch im fortgeschrittenen Alter, trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung seinen Ingenieur-Ökonom machen, um Vorsitzender der Genossenschaft bleiben zu können. Bruno Milker ist im Ruhestand und schreibt eine Chronik. Nicht alles, so resümiert er, ist auf dieser ‚langen Straße‘ richtig entschieden worden. Man wusste es nicht besser. Michel Hollmann, inzwischen Parteimitglied, wird 1974 als ‚Millionenmichel‘ landesweit bekannt. In einer Zeitungsreportage ‚Wer greift mit nach den Millionen‘ listet er Mängel auf, die der Produktivität und Arbeitsmoral abträglich sind. Und seinen Traum von der Laube im Grünen, zu der man jetzt Datsche sagt, hat er sich auch erfüllt. Ob er dort aber Ruhe hat, bleibt fraglich. Man spricht bereits von einer neuen Straße zu einem neuen Reifenwerk… (Text: MDR)

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