Als der Vielvölkerstaat Jugoslawien in den 1990er-Jahren zerfiel, strebte auch die mehrheitlich albanische Bevölkerung im Kosovo nach Unabhängigkeit. Von 1998 bis 1999 eskalierte der Konflikt zwischen der Befreiungsarmee des Kosovo und jugoslawischen sowie serbischen Sicherheitskräften. Während des Krieges kam es zu zahlreichen Massakern an der albanischen Zivilbevölkerung. Um Beweise zu vernichten, wurden die Leichen teilweise verschleppt, verbrannt oder versteckt. Im kleinen Ort Krushë e Vogël ermordeten serbische Streitkräfte über 100 albanische Männer und Jungen.
Qazim Shehu verlor neun Familienmitglieder, darunter seinen damals 16-jährigen Halbbruder Ajvaz. 27 Jahre später kann Qazim ihn endlich beerdigen. Von Augenzeugen des Massakers erfährt er, was seinem Bruder damals zugestoßen ist.
Das Ehepaar Halil und Zyla Ujkani hofft nach wie vor darauf, dass ihre beiden vermissten Söhne noch leben. Xhyle Haziri von der NGO „Die Stimme der Eltern“ kümmert sich um die beiden und viele weitere Angehörige. Nachdem auch ihr Mann im Krieg ermordet wurde, ist sie unermüdlich auf der Suche nach den Vermissten.
Sie tröstet, übt Druck auf Institutionen aus und arbeitet eng mit dem forensischen Anthropologen Dr. Ditor Haliti zusammen, der im Kosovo bereits die Überreste zahlreicher Kriegsopfer gefunden und an die Familien übergeben hat. Der Kampf um Selbstbestimmung ist im Kosovo auch im Jahr 2026 allgegenwärtig. Serbien erkennt die Unabhängigkeit des Landes nach wie vor nicht an. Für unzählige Menschen im Kosovo wird der Krieg erst vorbei sein, wenn alle Vermissten gefunden wurden. (Text: arte)