Babylon Berlin – Die Doku – wie die Demokratie unterging
Folge 70 (45 Min.)
Postkarte von Adolf Hitler am Zeitungsstand.Bild: SWR/Faber CourtialBerlin Anfang 1933. In nur wenigen Wochen zerstören die Nationalsozialisten die Weimarer Demokratie. Die demokratischen Institutionen werden ausgeschaltet, politische Gegner und Juden verfolgt, Recht und Gesetz ausgehebelt – die historische Kulisse für die fünfte Staffel der Kult-Serie „Babylon Berlin“. Die Doku zur Serie beleuchtet diese ersten Wochen des NS-Regimes anhand der Schicksale von sieben Menschen und zieht Parallelen zur politischen Situation heute. Während manche wie die Journalistin Gabriele Tergit und der Kommunistenführer Ernst Thälmann schnell zu Opfern des NS-Terrors werden, treiben andere wie der Finanzfachmann Hjalmar Schacht und der neue Berliner Polizeipräsident Magnus von Levetzow den Aufbau der Diktatur voran und machen Karriere. Mit nachkoloriertem Archivmaterial und aufwändigen Animationen erweckt die Dokumentation das damalige Berlin zum Leben. (Text: ARD)Deutsche TV-Premiere Mo. 21.09.2026 Das Erste Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle
Folge 71 (60 Min.)Das teuerste Großprojekt Deutschlands: der neue Stuttgarter Hauptbahnhof. Für die einen: wirtschaftlich unsinnig und voller Fehlplanungen. Für die anderen: ein beeindruckendes Zeugnis deutscher Ingenieurskunst. Nur – Züge fahren dort immer noch nicht. Warum dauert der Bau so lange? Wieso baut die Bahn den Bahnhof überhaupt? Die Doku gibt die Antwort und blickt zurück auf mehr als 30 Jahre Stuttgart 21. Der neue, unterirdische Stuttgarter Hauptbahnhof wird auch dieses Jahr nicht fertig. Probleme beim Tunnelbau, mit der Digitalisierung, dem Brandschutz, den Fluchtwegen. Und dann noch die Proteste: Stuttgart 21 polarisiert. Die Kritiker:innen halten den Bau für wirtschaftlich unsinnig, beklagen viele Fehler schon in der Planung.Die Befürworter:innen schwärmen von der visionären Architektur, vom Aufbruch der Schwabenmetropole ins 21. Jahrhundert, von einer kürzeren Reisezeit. Die Kosten steigen derweil immer weiter. Die Deutsche Bahn ist in Erklärungsnot. Warum hat sie sich dieses Mammutprojekt allen Widrigkeiten zum Trotz überhaupt aufgehalst? Und: Warum zieht sich der Bau so lange hin und steckt voller Probleme? Die Doku blickt zurück auf mehr als 30 Jahre Stuttgart 21, Jahre, die geprägt sind von einschneidenden Ereignissen. Dazu gehört auch der sogenannte „Schwarze Donnerstag“: der Tag, an dem die Polizei mit Wasserwerfern gegen friedliche Demonstrierende vorging. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere Mo. 28.09.2026 Das Erste Vom Paradies in die Hölle – Schwarze Menschen im Nationalsozialismus
Folge 72 (45 Min.)Alina Fritsch (als Miriam Rothschild).Bild: ORF/Hubert Mican / ZDF„Vom Paradies in die Hölle“ erzählt die außergewöhnliche Überlebensgeschichte des afro-karibischen Seemanns Lionel Romney, der 1944 ins KZ Mauthausen deportiert wurde. Jahrzehnte später vertraute er seine Erlebnisse seiner Tochter Mary an, deren Spurensuche – von der Karibik über Italien bis Österreich – den Rahmen des Dokudramas bildet. Der Film offenbart ein verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte und zeigt die Realität Schwarzer Menschen im Nationalsozialismus: Zwischen Verfolgung, Propaganda und dem Kampf ums Überleben.Eine Koproduktion von DOTS & CIRCLES, ORF und BR in Zusammenarbeit mit ARTE; unterstützt von FERNSEHFONDS AUSTRIA, LAND SALZBURG, Documentary Campus. „Vom Paradies in die Hölle“ erzählt die außergewöhnliche Überlebensgeschichte des afro-karibischen Seemanns Lionel Romney, der 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert wurde. Jahrzehnte nach dem Krieg vertraute er seine Erinnerungen seiner Tochter Mary an. Ihre Reise von der Karibik über Italien bis nach Österreich bildet den emotionalen Rahmen des Dokudramas. Lionel, 1912 in Santo Domingo geboren und auf Sint Maarten aufgewachsen, heuert als junger Mann auf einem Frachtschiff an, um die Welt zu sehen. Doch seine Sehnsucht nach Freiheit wird zur tragischen Odyssee: Sein Schiff gerät in die Wirren des Zweiten Weltkriegs, wird beschossen und sinkt. Die Besatzung überlebt, doch Lionel landet in italienischer Gefangenschaft und wird nach Jahren in Lagern schließlich ins KZ Mauthausen deportiert. Dort übersteht er elf Monate, bis amerikanische Truppen das Lager befreien. Der Film rückt ein verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte in den Fokus: die Lebensrealität Schwarzer Menschen im Nationalsozialismus. Diese war geprägt von kolonialen Kontinuitäten, Rassismus, Zwangsarbeit und politischer Willkür. Romney steht stellvertretend für viele, die zu Propagandazwecken missbraucht wurden oder der Verfolgung ausgesetzt waren. Expert:innen wie Clarence Lusane, Katharina Oguntoye, Walter Sauer und Serge Bilé erweitern die historische Perspektive. Archivmaterial und künstlerische Reenactments verweben sich zu einer dichten visuellen Erzählung. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere Mo. 05.10.2026 Das Erste Staatsgeheimnis RAF – Terroristen in der DDR
Folge 73 (90 Min.)Die DDR gewährte in den 1980er Jahren zehn Top-Terroristen Unterschlupf. Die Staatssicherheit gab den RAF-Aussteigern eine neue Identität, ein neues Leben. Während blutige Attentate die Bundesrepublik erschütterten – und Ermittler fieberhaft nach der RAF fahndeten – versuchten die Aussteiger, in der DDR ein bürgerliches und unauffälliges Dasein zu führen. Der Film rollt diesen Cold Case neu auf. – Hier wurden die RAF-Aussteiger 1980 von der Stasi zu DDR-Bürgern gemacht.Bild: rbb/LOOK! FilmproduktionDie DDR gewährte in den 1980er Jahren zehn Top-Terroristen Unterschlupf. Die Staatssicherheit gab den RAF-Aussteigern eine neue Identität, ein neues Leben. Während blutige Attentate die Bundesrepublik erschütterten – und Ermittler fieberhaft nach der RAF fahndeten – versuchten die Aussteiger, in der DDR ein bürgerliches und unauffälliges Dasein zu führen. Der Film rollt diesen Cold Case neu auf. Ab Spätsommer 1980 gehen zehn junge Leute von West nach Ost, tauchen unter in der DDR. Im konspirativen „Objekt 74“ des Ministeriums für Staatssicherheit bei Briesen werden sie zu DDR-Bürgern „ausgebildet“.Sie erhalten gefälschte Papiere und neue Identitäten. Sie gehören zu den meistgesuchten Personen der Bundesrepublik Deutschland. Unter ihnen ist die damals 30-jährige Silke Maier-Witt, die seit 1977 Mitglied der Roten Armee Fraktion war, zur zweiten Generation der RAF zählte und zu den Entführern des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer gehörte. Silke Maier-Witt und einige andere RAF-Mitglieder wollten schließlich aussteigen, das Leben im Untergrund war gefährlich, das Morden brutal. Der aktive Teil der zweiten Generation kann mit den zögerlichen Zweiflern nichts anfangen, sie sind Ballast für die Bewegung. Man will sie loswerden, in irgendein sozialistisches Land. Über Kontakte zur Stasi landen sie schließlich – überraschend – in der DDR. Ein scheinbar sicherer Rückzugsort. Aus Silke Maier-Witt wird Angelika Gerlach, aus einer im Westen mit Steckbrief gesuchten Top-Terroristin wird im Osten eine unscheinbare Krankenschwester. Dass die DDR zehn RAFlern Unterschlupf und ein bürgerliches Leben im eigenen Land gewährt, ist ein Staatsgeheimnis. Ein Bekanntwerden der Stasi-RAF-Kollaboration hätte zu schweren innerdeutschen Verwerfungen geführt. Das kann sich die DDR nicht leisten, denn sie ist auf finanzielle Unterstützung aus Bonn angewiesen. Deshalb setzt die Stasi alles daran, dass die Ex-Terroristen im eigenen Land nicht auffliegen. Eine RAF-Attentatsserie Mitte der 80er Jahre, zu der die Ermordung des Ministerialdirektors im Auswärtigen Amt Gerold von Braunmühl am 10. Oktober 1986 gehört, erhöht den Druck auf die Stasi, ihre „Schützlinge“ noch besser zu verstecken. Maier-Witt wird mit neuem Namen und neuer Identität als Sylvia Beyer nach Neubrandenburg „versetzt“. Als 1989 die Mauer fällt, weiß sie aber, dass das Versteckspiel aus ist. Im Frühsommer 1990 wird sie verhaftet. Die Zeit des Asyls im Arbeiter- und Bauernstaat ist für die Ex-Terroristen zu Ende. Silke Maier-Witt kooperiert bei der Aufklärung. Sie wird nach fünf Jahren Haft zur Bewährung entlassen. Der preisgekrönte Filmemacher Claus Räfle rekonstruiert die Umstände, die zur Aufnahme der zehn RAF-Aussteiger in der DDR führten. Er erzählt am Beispiel von Silke Maier-Witt vom Leben im DDR-Alltag, vom Versuch, hier unauffällig heimisch zu werden, von den Ermittlungen westdeutscher Behörden und den Verschleierungstaktiken der Stasi. Claus Räfle redet mit Experten und Zeitzeugen – und mit Silke Maier-Witt. Wie schon in seinem Doku-Drama „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ (2017), das von Juden in der Zeit des Nationalsozialismus handelt, spürt Claus Räfle erneut einer Ausnahmesituation nach, die mit einem Identitätswechsel verbunden ist. Die Dokumentation verwebt Interviews und Archivmaterial mit KI-animierten Szenen (von Helmut Fischer und Parviz Balucci). So entsteht ein zeitgeschichtlicher Doku-Thriller. (Text: ARD) Deutsche TV-Premiere Mo. 12.10.2026 Das Erste
