37 Grad

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    • Außer Kontrolle – Leben mit Parkinson

      Folge 806

      Seit 17 Jahren leidet der bayrische Liedermacher Fredl Fesl an Parkinson. Auch Gisela Steinert aus Sulzbach ist daran erkrankt. Sie war 36 Jahre alt, als sie die Diagnose Parkinson erhielt. Bereits 2006 gewährten beide in einer „37°“ -Sendung bewegende Einblicke in ihr Leben. Damals begann Fredl Fesl eine Konzerttour. Es sollte seine letzte werden. Gisela Steinert lief einen Halbmarathon. Auch für sie war es der letzte lange Wettkampf. Beide gehören zu den über 250.000 Menschen in Deutschland, die an Parkinson erkrankt sind. Nicht nur alte Menschen sind davon betroffen, auch bei vielen Jüngeren wird die Krankheit inzwischen diagnostiziert. Parkinson ist heimtückisch, verläuft schleichend und führt unaufhaltsam in den Tod. Was 2006 möglich war, geht acht Jahre später nicht mehr. Die Krankheit hat beiden ihr altes Leben geraubt – Fredl Fesl kann nicht mehr musizieren, Gisela Steinert nur noch selten joggen. Ihr Alltag ist ein Hürdenlauf. Allein eine Flasche zu öffnen, braucht mitunter Minuten, ein unebener Boden wird zur Stolperfalle, ein Touchscreen zum unüberwindbaren Hindernis. Fredl Fesl und Gisela Steinert sind auf die Hilfe und das Verständnis ihrer Angehörigen angewiesen. Eine Herausforderung für alle. Beide haben sich inzwischen neue, kleinere Aufgaben gesucht. Fredl Fesl schreibt an seiner Biographie. Nebenher bastelt er eine Schunkelhilfe. Das Werkeln und Spinnen mag er nicht aufgeben, auch wenn die Kraft oft nur für wenige Minuten reicht. Dann verkrampfen die Muskeln, dann kommt die Müdigkeit. Vor drei Jahren hat er deshalb einen medizinischen Eingriff, eine tiefe Hirnstimulation vornehmen lassen. Mit Elektroden werden nun gezielt einzelne Hirnregionen angeregt. „Es gibt Lichtblicke, zum Glück. Aber die werden kürzer. Die Krankheit wird siegen“, konstatiert Fesl. Auch Gisela Steinert hat sich ein neues Ziel gesetzt, sie beginnt eine Tangotanztherapie. Sie soll ihr helfen, ihren Körper besser zu kontrollieren. Außerdem berät sie junge Parkinsonpatienten – und moderiert eine Sendung im Radio. Für ihr Engagement hat sie 2008 das Bundesverdienstkreuz erhalten. „Eigentlich ist mein Leben außer Kontrolle. Aber ich halte mich an dem fest, was ich noch kann. Das gibt mir Kraft, um andere Dinge loszulassen“, erklärt sie. Es ist Kraft, die sie auch braucht, wenn andere sich auf der Straße über ihre merkwürdigen Bewegungen lustig machen. Auch dann kann sie sich auf die Unterstützung ihres Mannes Ralf verlassen, muss ihn sogar oft zurückhalten, die gaffenden Leute zur Rede zu stellen. „Man kann diese Krankheit nicht verstecken“, sagt Gisela Steinert. „Sie ist öffentlich, sie ist weit verbreitet.“ 2014 lassen sich Gisela Steinert und Fredl Fesl erneut für „37°“ porträtieren. Bemerkenswert offen erzählen beide der Autorin Annette Baumeister von ihrem täglichen Kampf um Normalität und zeigen ihren Alltag in der Familie. Sie teilen Momente des Glücks und sprechen über Depressionen. „Sie werden es nicht glauben, aber unser Leben ist trotz Krankheit noch lebenswert“, stellt Gisela Steinert fest. Und Fredl Fesl ergänzt: „Jeder Schritt zählt – auch der zurück“. (Text: ZDF)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 01.04.2014 ZDF
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      Di 20.05.2014
      23:55–00:25
      23:55–3sat
      Mi 02.04.2014
      03:25–03:55
      03:25–ZDF
      Di 01.04.2014
      22:15–22:45
      22:15–ZDF NEU

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