Gefangen im Kopf: Leben mit Zwangsstörung
Folge 195 (27 Min.)
Tamino (r.) tritt mit einem Messer vor seinen Vater (l.), um seine Zwangsgedanken zu mindern.Bild: Jürgen Thelen / ZDFZwangsstörungen bestimmen jeden Schritt und jeden Gedanken im Alltag, ohne dass man das von außen erkennt. Zwei junge Menschen kämpfen darum, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Der 26-jährige Tamino ist seit Jahren von dem Gedanken besessen, seinem Vater etwas anzutun. Die 24-jährige Phoebe hat einen Putzzwang. Jede Abweichung von der Ordnung in der Wohnung ist für sie kaum auszuhalten. In der Therapie lernen sie, ihre Zwänge loszulassen. Der Film begleitet Tamino an Orte, an denen seine Zwänge entstanden sind und bis heute getriggert werden: auf dem Schulweg, auf dem Fußballplatz seiner Kindheit, in seinem familiären Umfeld.Ein zentraler Moment ist eine Expositionsübung, der sich Tamino gemeinsam mit seinem Vater stellt. Dabei spricht er die Bilder aus, die ihn immer wieder heimsuchen – und nimmt ihnen Schritt für Schritt ihre Macht. Eine Übung, die für beide eine emotional große Herausforderung ist, die von Taminos Therapeutin aber empfohlen wird. Einen weiteren Zugang findet Tamino über Musik: In selbst geschriebenen Rap-Texten verarbeitet er seine Zwangsgedanken und macht das Unsichtbare hörbar. Wie wird sein Vater bei einem Auftritt reagieren, wenn er hört, wie Tamino seine Dämonen beschreibt? Ordnung und Sauberkeit geben Phoebe das Gefühl von Kontrolle in einem Leben, das früh von traumatischen Erfahrungen geprägt wurde. In ihrer Wohnung hat jedes Teil seinen festen Platz. Sobald ihre Zwillinge schlafen, beginnt für Phoebe ein stundenlanges Zwangsritual – oft bis zur völligen Erschöpfung. Der Film zeigt, wie sehr ihr Alltag von ihren Zwängen bestimmt ist. Ihre Familie versucht zu unterstützen, Halt zu geben und Räume zu schaffen, in denen Phoebe langsam lernen kann, Kontrolle abzugeben – doch die Hoffnung, dass sich Phoebes Zustand verbessert, schwindet langsam. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere So. 08.03.2026 ZDF Jung, krank, in Rente
Folge 196 (27 Min.)Lena geht mit Mitte 20 in Rente. Fabian mit Anfang 30. Beide nicht freiwillig: Sie sind schwer krank. Nun kämpfen sie darum, gesund zu werden – und das Rentnerdasein hinter sich zu lassen. Lena arbeitete als Assistentin im OP, ihr Traumberuf. Das taube Gefühl in ihren Armen schiebt sie auf Verspannungen. Doch es ist Multiple Sklerose. Fabian arbeitete im Management einer Hochschule. Nach einer Coronainfektion wird bei ihm ME/CFS festgestellt. Lena (29) arbeitete in Duisburg, Fabian (34) in Bonn. Beide beziehen wegen ihrer Krankheit Erwerbsminderungsrente.Aber was, wenn es wieder besser geht? Zunächst kann davon bei Fabian keine Rede sein. Er verliert durch die Krankheit die Fähigkeit, sich zu bewegen und zu sprechen, ist ans Bett gefesselt. Erst nach monatelangem Training schafft er es, eine Minute auf der Bettkante zu sitzen. Zwei Jahre dauert es, bis er aus eigener Kraft wieder das Haus verlassen kann. Lena stürzt es in eine tiefe Krise, nicht mehr arbeiten zu können. „Der schlimmste Tag meines Lebens war nicht die Diagnose, sondern der Tag, an dem ich meinen Spind im Krankenhaus ausräumen musste.“ Lena ist berufsunfähig. „Als herauskam, dass ich nicht mehr arbeiten kann, dass noch nicht mal mehr eine Umschulung möglich ist, habe ich mich unnütz gefühlt. Unnütz und unbrauchbar.“ Fabian will nach einem langen Trainingsprogramm nun wieder zurück in seinen Beruf. Lena beginnt, auf TikTok ihre Geschichte zu erzählen. Die vielen positiven Reaktionen helfen ihr. Auch dank eines neuen Medikaments findet sie die Kraft, sich um ihre pflegebedürftige Mutter zu kümmern. Und hat sogar einen Job in Aussicht. Rentner zu bleiben: Das ist für beide keine Option. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere So. 15.03.2026 ZDF Leben nach der Gewalt
Folge 197 (25 Min.)Markus (32) wurde in Wuppertal von einer Gruppe alkoholisierter junger Männer zusammengeschlagen. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen.Bild: ZDF und Ben KnabeImmer wieder werden Menschen Opfer unerwarteter, grundloser Gewalt. Ein Schutz ist nicht möglich. Wie lebt man damit weiter? Markus (32) wird nachts an einer Tankstelle in Wuppertal von einer Gruppe berauschter Jugendlicher halb totgeschlagen. Annabelle (33) wird in Mainz nach einem Stadtfest von einer halb vollen Bierflasche schwer verletzt, die ein Mann in ihre Gruppe wirft. Das Glas der auf sie geworfenen Bierflasche durchtrennt Annabelles Sehne, acht Wochen kann sie nicht laufen. Trotz OP, Reha und Physiotherapie hat sie bis heute chronische Schmerzen. Weil die selbstständige Friseurmeisterin das dauernde Stehen nicht mehr aushält, löst sie ihren Laden auf.Inzwischen arbeitet sie an der Oper Frankfurt nebenbei als Schauspielerin – in Rollen, die sie physisch bewältigen kann. Sie sagt: „Es hat sich in meinem Leben seit der Tat wirklich alles verändert.“ Die Jugendlichen schlugen Markus zu Bode, traten auf seinen Kopf ein. Beide Kiefer sind gebrochen, zehn Tage lang kann er nichts sehen, fast wäre er dauerhaft erblindet. Markus ist klar geworden, dass er an der Wuppertaler Tankstelle genauso gut hätte sterben können. Er hat beschlossen, sein Leben neu aufzustellen. Inzwischen hat er sich mit einem Tattoostudio selbstständig gemacht. Und geheiratet. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere So. 22.03.2026 ZDF Kirche ersteigern, Hof retten, Leben im Umbau
Folge 198 (27 Min.)Ein ungewohnter Anblick: Handstand auf dem Altar – wenn eine alte Kirche zum kreativen Raum wird.Bild: ZDF und ifageZwei Paare ziehen zusammen und kaufen sich Mammutprojekte: eine ehemalige Kirche, einen sanierungsbedürftigen Hof. All-in, kaum Puffer, kein Plan B. Eine Entscheidung, die alles verändert. Kat und Kiljan ersteigern eine Kirche im Harz – und machen daraus einen Ort für Akrobatik. Julia und Max sanieren einen Hof von 1866, der voller DDR-Geschichte steckt. Ein Leben zwischen Stadt und Land, Vergangenheit und Zukunft, Einheimischwerden und Baustelle. Bei Kat und Kiljan beginnt alles mit einer Mail mitten in der Nacht: Ein Auktionshaus teilt mit, dass ihnen nun eine Kirche gehört.In diesem Moment liegen sie in ihrem Van in Serbien – wie zwei Nomaden reisen sie von einem Akrobatik-Festival zum nächsten. Das ändert sich jetzt radikal. Plötzlich ist da ein riesiger Raum, der ihnen gehört – ihr erstes gemeinsames Zuhause ohne Räder. Bisher war ihr Leben geprägt von Einfachheit und Freiheit. Doch nun haben sie eine neue Vision: Die leere Kirche soll wieder mit Leben gefüllt werden, sie soll ein Ort für Akrobatik, Kultur und Gemeinschaft werden. Die Herausforderungen sind groß: Was, wenn das Geld knapp wird oder Schimmel im Gemäuer lauert? Was, wenn die riesige Kirche zum Klotz am Bein wird? Während die ersten Workshops laufen, wird die Kirche zur Daueraufgabe, der Kalender ist voll. Bringen Kat und Kiljan die Kraft und Lebensenergie auf, um dranzubleiben und durchzuhalten? Julia und Max leben noch im Übergang. Sie fahren hin, arbeiten, bauen, fahren zurück, schlafen, und schon geht es wieder hin. Bisher sanieren sie ihren neuen alten Hof in Eigenarbeit. Julia ist noch mitten im Studium, hat gerade ihr erstes Staatsexamen geschafft – eigentlich ein Moment zum Durchatmen. Stattdessen steht sie im Staub, voller Ideen, ungeduldig, reißt Wände ein. Max dagegen ist die Ruhe in Person, hält die Linie. Aber dieser Hof ist kein kleines Wochenendprojekt. Wann wird aus dem Pendeln ein echtes Ankommen? Und was, wenn das Geld, die Geduld oder die Leichtigkeit kippt, bevor der Traum Wirklichkeit wird? (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere So. 29.03.2026 ZDF Jerusalem: Auf der Suche nach den Wurzeln
- Alternativtitel: Der Ort der Auferstehung - ein Ort für mich?
Folge 199 (30 Min.)Jerusalem ist der Ort, um den die Bibel kreist, die Stätte der Kreuzigung und der Auferstehung. Aber auch der Ort des Alten Testaments und der Thora der Juden in der Jerusalem „Zion“ heißt. Hannah (26), Theologin und Archäologin, beschreibt Jerusalem als „Ort permanenter Gleichzeitigkeit, so schön, dass es kaum auszuhalten ist“. Josef, junger Jude aus Stuttgart, hilft als Freiwilliger in einem israelischen Hospital. Er sucht in Jerusalem seine Identität. Hannah (26) studiert in Tübingen Theologie und biblische Archäologie.Sie verbringt ihr Studienjahr in Jerusalem. Das Fernsehteam begleitet sie zur Grabeskirche, den Ort, an dem die Frauen am Ostersonntag das Grab leer fanden, wie die Bibel erzählt. Sie reist nach Emmaus Nicopolis, den Ort, der viele Christen zum Osterspaziergang motiviert, bei dem nach dem Lukasevangelium der auferstandene Jesus zwei Jüngern begegnete. Und die Reportage zeigt sie bei Grabungen in Galiläa, in den Dörfern, in denen der Wanderprediger Jesus sein Leben lang wirkte. Hannah hat keinen klassischen Bildungsweg hinter sich. Nach dem Hauptschulabschluss erkämpfte sie sich ihr Abitur. Josef (19) ist ein Jude aus Stuttgart. Er verbringt ein Freiwilligenjahr in Jerusalem. Im Alynhospital betreut er Menschen mit Atemproblemen, Muskelschwund und teilweiser Lähmung. Besonders eng arbeitet er mit Mohammed, einem Patienten im Rollstuhl. Josef lebt nur wenige Kilometer von Yad Vashem entfernt, er ist oft bei Familienangehörigen, erlebt mit ihnen in der Altstadt Jerusalems das pulsierende Leben des Shuk, bevor der Sabbat beginnt. Josef wollte Israel nicht nur besuchen, sondern wirklich erleben. Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland haben sein Bedürfnis verstärkt, sich mit seiner jüdischen Identität und Israel auseinanderzusetzen. Eine Reihe enger Freundinnen und Freunden von Hannah und Josef eröffnet weitere Horizonte: wie Daniel, ein evangelischer Christ und Freund von Josef. Oder Rebecca, eine deutsche Jüdin, die sich in Israel freier fühlt als in Berlin. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere So. 05.04.2026 ZDF Männer unterm Messer – Schönheit für ein neues Ich
Folge 200 (25 Min.)Das Selbstbewusstsein von Paul und Marlon leidet unter ihrem Aussehen. Eine Schönheitsoperation soll das Selbstvertrauen stärken. Beide erhoffen sich Vorteile in Beruf und Privatleben. Die Zahl der Schönheits-OPs in Deutschland hat sich seit 2010 verdreifacht. 2024 waren es mehr als 600.000 Eingriffe. Der Männeranteil liegt bei gut elf Prozent. Ihre Probleme: zu große Nase, Männerbrust, ein undefinierter Bauch und alternde Augenpartien. Für Paul spielt das Thema Schönheit eine große Rolle. Er ist Dermatologe und arbeitet in seiner Praxis auch mit Botox und Fillern.Er achtet sehr auf sein Äußeres, treibt viel Sport und versucht, einen gesunden Lebensstil zu führen. Schönheitsbehandlungen sind für ihn und sein Umfeld Normalität. Seine Höckernase ließ er sich bereits 2024 zum ersten Mal operieren, ist mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden. Für Paul hat sich das Problem dadurch nur „verschlimmbessert“. Sein Selbstbewusstsein hat stark gelitten. Jetzt lässt er sich ein zweites Mal operieren und hofft auf ein versöhnliches Ende mit dem Thema „Schönheits-OPs“. Er will sich endlich wieder wohlfühlen und gern in den Spiegel schauen. Die Nasen-OP soll den Abschluss eines beruflichen und privaten Umstrukturierungsprozesses bilden. Marlon ist Einzelhandelskaufmann und leidet seit seiner Jugend unter einer Männerbrust. Das „Problem“ liegt in der Familie – auch sein Vater und sein Bruder haben eine Gynäkomastie. Sein Bruder ließ sich das überschüssige Brustgewebe vor knapp zwei Jahren entfernen und dient Marlon als „Vorbild“. Trotz einer Gewichtsabnahme von zehn Kilogramm und regelmäßigem Fitnesstraining ist die Brust unverändert geblieben. Der Zustand ist für ihn frustrierend, belastet seine Psyche und nimmt ihm die Trainingsmotivation. Sogar im T-Shirt ist die Brust zu sehen. Auf Fotos sieht er sich nicht gern. Kommentare von Freunden treffen ihn, denn sein Aussehen ist ihm im Gegensatz zum Großteil seines Umfeldes sehr wichtig. Von der OP erhofft sich Marlon mehr Selbstvertrauen, ein erfüllendes Datingleben und ein besseres Gefühl im Urlaub am Strand. „37°Leben“ begleitet die beiden jungen Männer auf ihrem persönlichen Weg und ist bei den OPs dabei. Kommt es zur Versöhnung mit dem eigenen Ich? (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere So. 12.04.2026 ZDF
