1. Die Vereinigung Dänemarks
Folge 1Um 965 stellt der dänische König Harald Gormsson, besser bekannt als Harald Blauzahn, die Weichen neu. Mit seiner Hinwendung zum Christentum verändert er das Machtgefüge Skandinaviens. Ganz freiwillig schwört König Harald den nordischen Göttern jedoch nicht ab: Im Süden seines Reichs baut der ostfränkische König Otto I. seine Macht beständig aus und wartet nur auf einen passenden Vorwand, um die heidnischen Nordmänner anzugreifen. Nach Haralds Hinwendung zum Christentum erlebt das Wikinger-Königreich eine Zeit der Blüte.Harald gelingt es, die rivalisierenden Kleinkönige, Fürsten und Häuptlinge unter einem Dach zu vereinen und die königliche Zentralgewalt entscheidend zu stärken. Er weitet seinen Machtbereich sukzessive aus und regiert schließlich von Jütland bis nach Schonen sowie über große Teile Norwegens. Durch die Hochzeit mit der Tochter des elbslawischen Abodritenfürsten Mistiwoi sichert er seine Macht zudem nach Südosten hin ab. Auf dem berühmten Runenstein von Jelling, der „Taufurkunde Dänemarks“, hält Harald seine epochalen Errungenschaften fest. Er rühmt sich, „ganz Dänemark und Norwegen gewonnen zu haben“, und schmückt sich als erster nordischer Herrscher mit dem Abbild Jesu Christi. Das neue Selbstbewusstsein des Wikingerkönigs zeigt sich auch in seiner regen Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts: Harald baut die königliche Anlage von Jelling massiv aus und errichtet zwei monumentale Grabhügel. Zudem lässt er Kirchen bauen und Silbermünzen prägen, die er im ganzen Land verteilt. Für Archäologen und Mediävisten sind Harald Blausteins physische Hinterlassenschaften ein echter Glücksfall. Sie erlauben es den Forschenden, den dynamischen Übergang von einer heidnischen zu einer christlichen Gesellschaft im Detail zu rekonstruieren und unseren Blick auf die frühmittelalterlichen Wikingergesellschaften neu zu justieren. Expansion, Machtkämpfe, Eroberungen: Die Dokumentationsreihe „Vikings – Legendäre Könige“ zeigt den Aufstieg der Wikinger und ihren Einfluss auf Europas Geschichte. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 ZDFinfo 2. Der Verrat
Folge 2Nach seiner Taufe führt König Harald Blauzahn Dänemark zu neuer Blüte. Doch der Frieden trügt. Denn entmachtete Stammesfürsten warten auf eine Gelegenheit, ihn zu stürzen. Haralds größter Gegner ist sein Sohn Sven Gabelbart: ehrgeizig, populär und auf Seiten der heidnischen Fürsten. Nach dem Tod Kaiser Ottos II. wittert Sven seine Chance – und greift in Dänemark nach der Macht. Es kommt zum Verrat am eigenen Vater. Es ist das Jahr 987 oder 988 nach Christus. In Dänemark wächst der Widerstand gegen den legendären König Harald Blauzahn.Vor allem die mächtigen Stammesfürsten grollen – wegen hoher Abgaben, kostspieliger Bauprojekte und der fortschreitenden Christianisierung des Landes. Offiziell gilt Dänemark zwar als christlich, doch hinter verschlossenen Türen verehren viele noch immer die alten Götter Thor und Odin. Archäologische Funde belegen, wie pragmatisch viele von Haralds Untertanen mit dem neuen Glauben umgingen. So haben Forschende in Trendgården eine Gussform entdeckt, die es dem Schmied ermöglichte, sowohl Kreuze als auch den Thorhammer in ein und derselben Form herzustellen – der Kunde ist König. Für Harald ist die Christianisierung Dänemarks nicht nur ein religiöses Projekt, sondern auch ein machtpolitisches Programm. Als christlicher Herrscher präsentiert er sich als von Gott eingesetzter König und schwächt so die religiöse und politische Stellung der bisherigen Stammesfürsten. Mit großen Bauprojekten im ganzen Land demonstriert er seine Macht – darunter Ringburgen wie Fyrkat, die zu den eindrucksvollsten Anlagen Skandinaviens zählen und heute Teil des UNESCO-Welterbes sind. Er prägt die Landschaft Dänemarks sichtbar um und macht gleichzeitig die lokalen Häuptlinge im Vergleich zu seiner Herrschaft klein. Nach dem Tod Ottos des Großen im Jahr 973 versucht Harald, den Einfluss des römisch-deutschen Reiches abzuschütteln, und gerät in militärische Auseinandersetzungen mit dessen Nachfolger Otto II. Dessen Gegenmaßnahmen und die folgenden Konflikte schwächen Harald und sein Reich spürbar. Der Blutzoll für sein Volk ist hoch, und die Grundlage von Haralds Herrschaft erodiert. In dieser Situation lösen sich Verbündete wie der norwegische Herrscher Haakon Sigurdsson aus der dänischen Oberhoheit. In Dänemark selbst kommt es zu Umbrüchen, Umbauten und Zerstörungen an königlichen Anlagen, und Haralds Sohn Sven wendet sich gegen seinen Vater und setzt sich schließlich an seine Stelle. Expansion, Machtkämpfe, Eroberungen: Die Dokumentationsreihe „Vikings – Legendäre Könige“ zeigt den Aufstieg der Wikinger und ihren Einfluss auf Europas Geschichte. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 ZDFinfo 3. Der Griff nach England
Folge 3Nachdem Sven Gabelbart seinen Vater Harald Blauzahn entmachtet hat, stabilisiert er seine Herrschaft in Dänemark. Doch sein eigentliches Ziel liegt jenseits der Nordsee: der englische Thron. Schon in den 990er-Jahren greift Sven gezielt in englische Machtkämpfe ein. Als der englische König „Æthelred der Unberatene“ ein Massaker an Dänen anordnet, sinnt Sven Gabelbart auf Rache: Er reagiert mit einer Invasion und erobert England. Die dänische Eroberung Englands ist ungewöhnlich gut dokumentiert. Eine der wichtigsten Quellen ist das „Encomium Emmae Reginae“, ein lateinisches Auftragswerk aus dem 11. Jahrhundert.Das Manuskript, heute in der British Library, schildert den Aufstieg des Wikingerherrschers detailliert und bildet eine zentrale Grundlage der Forschung. Objektiv ist diese Quelle jedoch nicht. Denn die Auftraggeberin, Emma von der Normandie, ist gleich mit zwei involvierten Monarchen verheiratet gewesen: Zunächst heiratet sie den englischen König Æthelred der Unberatene. Nach dessen Tod ehelicht sie Knut den Großen, einen Sohn des dänischen Herrschers Sven Gabelbart und späterer König von England. Emma von der Normandie zeigt, wie aus den dänischen Plünderern erst Eroberer und schließlich Könige von England werden, die das politische Gleichgewicht in Nordeuropa maßgeblich beeinflussen. Als auch Emmas zweiter Ehemann Knut stirbt, nutzt Emma ihren Einfluss, um die Zukunft Englands in ihrem Sinne zu beeinflussen. Expansion, Machtkämpfe, Eroberungen: Die Dokumentationsreihe „Vikings – Legendäre Könige“ zeigt den Aufstieg der Wikinger und ihren Einfluss auf Europas Geschichte. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 ZDFinfo 4. Die Eroberung
Folge 4Als Sven Gabelbart stirbt, wird sein Sohn Knut zu dessen Nachfolger in England. Doch dann fällt die Krone zurück an „Æthelred der Unberatene“. Knut weicht nach Dänemark aus. 1015 segelt König Knut von Dänemark mit einer großen Flotte nach England. Nach harten Kämpfen gegen die angelsächsischen Herrscher erzwingt er einen Frieden mit Edmund II. Die beiden teilen das Königreich England untereinander auf. Nach der Entscheidungsschlacht von Assandun behält Edmund II. die Kontrolle über Wessex im Süden Englands, während Knut die Herrschaft über die nördlichen Landesteile übernimmt.Die Teilung des englischen Königreichs ist jedoch nur von kurzer Dauer. Bereits im November 1016 stirbt Edmund II., nur wenige Monate nach seiner Thronbesteigung im April desselben Jahres. Knut der Große hat endlich sein Ziel erreicht: Er wird alleiniger Herrscher über ganz England. Die Ereignisse rund um die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Dänen und Engländern sowie die anschließende Machtübernahme durch Knut sind in der Chronik „Encomium Emmae Reginae“ aus dem 11. Jahrhundert ausführlich beschrieben. Für die Forschung sind sie von unschätzbarem Wert. Auffallend ist jedoch, dass sie die dänischen Herrscher durchweg positiv darstellen, während der britische König Edmund II. eher schlecht wegkommt. Der Grund ist einfach: Die Auftraggeberin des Manuskripts ist keine Geringere als Königin Emma von der Normandie, die nach ihrer Hochzeit mit König Æthelred den dänischen Herrscher Knut der Große heiratet. Die Auftragsschrift zielt darauf ab, das Image ihrer Familie positiv darzustellen. Historiker bewerten es daher heute als ein „propagandistisches Werk“ zugunsten der dänischen Könige in England. Ebenso bemerkenswert ist, was die Chronik nicht erwähnt. Dazu gehört etwa das sogenannte St.-Brice’s-Day-Massaker von 1002, das unter Æthelred II. gegen die dänische Bevölkerung verübt wurde. Ebenso werden Niederlagen, Zerstörungen und Gewalt im Zusammenhang mit Knut dem Großen entweder abgeschwächt dargestellt oder ganz ausgeblendet. Expansion, Machtkämpfe, Eroberungen: Die Dokumentationsreihe „Vikings – Legendäre Könige“ zeigt den Aufstieg der Wikinger und ihren Einfluss auf Europas Geschichte. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 ZDFinfo 5. Das Nordseereich
Folge 5Als Knuts älterer Bruder Harald II. stirbt, gerät der dänische Thron in Gefahr. Knut, der inzwischen König von England ist, reist in sein Geburtsland zurück, um die Krone zu sichern. Dort erobert er Norwegen und wird Herrscher über ein mächtiges Nordseereich – das größte christlich geprägte Wikingerreich der Geschichte. Er hat mehr erreicht als jeder Jelling-Herrscher vor ihm. Bedeutenden Anteil daran hat seine Frau, Emma von der Normandie. Um seine Macht zu festigen, beruft Knut im Jahr 1018 eine große Versammlung in Oxford ein. Dort ordnet er die politischen Verhältnisse seines neuen Reiches.Er setzt Abgaben und Steuern fest, reduziert die Wikingerflotte und erlässt eine neue Rechtsordnung. Auch entlässt er einen Teil seiner Krieger – ein deutliches Signal, dass er nicht der Eroberer bleiben, sondern als König regieren will. Eine wichtige Rolle bei dieser politischen Annäherung spielt seine Ehefrau, Emma von der Normandie. Emma, die zuvor mit Æthelred II. verheiratet gewesen ist, verfügt über enge Verbindungen zu Adel und Kirche. Ihre Stellung verleiht Knuts Herrschaft zusätzliche Legitimität und Kontinuität. Wie sehr diese Politik auf Ausgleich und königliche Großzügigkeit zielte, betont das „Encomium Emmae Reginae“, eine Chronik, die Emma bei einem Mönch in Flandern in Auftrag gibt. Das Werk zeichnet das Bild eines erfolgreichen und weisen Herrschers, der durch Klugheit, Freigebigkeit und politische Umsicht überzeugt – während sie seine Missetaten verschweigt. Mit der Geburt ihres Sohnes Hartheknut sichert Emma schließlich auch die dynastische Zukunft – zumindest vorläufig. Expansion, Machtkämpfe, Eroberungen: Die Dokumentationsreihe „Vikings – Legendäre Könige“ zeigt den Aufstieg der Wikinger und ihren Einfluss auf Europas Geschichte. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 ZDFinfo 6. Der Bruderkampf
Folge 6Als Knut der Große 1035 stirbt, entbrennt ein Erbstreit. Sowohl seine Frau Emma als auch seine frühere Partnerin Ælfgifu wollen ihre Söhne auf den Thron bringen. Die Macht soll geteilt werden: Ælfgifus Sohn Harald erhält die Gebiete nördlich der Themse. Emmas Sohn Hartheknut soll südlich des Flusses regieren. Da Hartheknut in Dänemark ist, kann er nicht verhindern, dass sich sein Stiefbruder Harald ganz England einverleibt. Emma muss handeln. Sie streut Gerüchte, dass Haralds Mutter in Wahrheit nicht Ælfgifu sei, sondern eine Dienerin. Zusätzlich kontaktiert sie ihre beiden Söhne in der Normandie, Edward und Alfred Ætheling, die aus erster Ehe mit König Æthelred stammen.Auch sie sind waschechte Prinzen und haben als solche einen Anspruch auf den Thron. Doch der Schachzug ist riskant. Edward und Alfred nehmen das Risiko dennoch auf sich. Sie sind Prinzen im Exil und warten nur auf eine Gelegenheit, die Macht zu ergreifen. 1036 setzen sie nach England über. Während Edward den Versuch vorzeitig abbricht, erreicht Alfred die Küste von Dover. Er will sich auf den Weg zu seiner Mutter machen, gerät jedoch in Gefangenschaft, wird geblendet und stirbt. Emma bleibt allein zurück. Hartheknut ist in Dänemark gebunden und kann ihr nicht zu Hilfe kommen. Sie sieht also keinen anderen Ausweg, als ins Exil nach Flandern zu gehen und dort ihre Rache vorzubereiten. Schon bald nehmen ihre Pläne Gestalt an. Hartheknut macht sich mit einer Armada auf den Weg nach England, um für seine Mutter die englische Krone zurückzugewinnen. Doch das Schicksal nimmt ihm die Arbeit ab: Harald I. stirbt, gerade einmal 24-jährig, noch bevor Hartheknuts Schiffe England erreichen. Hartheknut wird König von England, und Emma, die zweifache Queen, wird Königinmutter. Ihr Glück ist jedoch nicht von langer Dauer. Expansion, Machtkämpfe, Eroberungen: Die Dokumentationsreihe „Vikings – Legendäre Könige“ zeigt den Aufstieg der Wikinger und ihren Einfluss auf Europas Geschichte. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 ZDFinfo
