„Timeless“: Trio jagt bei Netflix Zeitreise-Terroristen und die Wahrheit

    Sympathische Hauptfiguren heben Zeitreiseserie deutlich über den Durchschnitt

    "Timeless": Trio jagt bei Netflix Zeitreise-Terroristen und die Wahrheit – Sympathische Hauptfiguren heben Zeitreiseserie deutlich über den Durchschnitt – Bild: NBC
    Sind die Hauptdarsteller in „Timeless“: (V.l.) Malcolm Barrett, Matt Lanter und Abigail Spencer in 1930er-Kostümen

    Seit dem heutigen Dienstag (1. Mai 2018) ist bei Netflix in Deutschland die aktuelle US-Serie „Timeless“ zu sehen, eine von drei in der letzten Season in den USA gestarteten Zeitreise-Serien. Die Produktionsgeschichte von „Timeless“ ist dabei fast so abenteuerlich, wie die Handlung der Serie selbst. In den USA läuft aktuell die zweite Staffel. Allerdings sieht es so aus, als wäre dann wegen Quotenmangel wirklich Schluss.

    Im Zentrum von „Timeless“ steht Historikerin Lucy Preston (Abigail Spencer, „Rectify“). Die hat gerade einen beruflichen Rückschlag erlitten: Ihr wurde eine „wissenschaftliche Festanstellung“ („Tenure“) verwehrt. Für sie aus zwei Gründen besonders schmerzhaft: Einerseits führt sie mit ihrer Arbeit das Werk ihrer genialen, mittlerweile invaliden Mutter Carol (Susanna Thompson, „Arrow“) weiter. Andererseits ist Lucy überzeugt, dass ein enger Freund seinen Einfluss für sie hätte nutzen können, dies aber zu ihrem Unverständnis nicht getan hat.

    In dieser Situation wird sie von der NSA in Gestalt von „Special Agent in charge“ Denise Christopher (Sakina Jaffrey) zwangsrekrutiert und mit einer aberwitzigen Geschichte konfrontiert: Es gibt eine Zeitmaschine, die von einem wirtschaftlich erfolgreichen Genie namens Connor Mason (Paterson Joseph) mit seiner Firma entwickelt wurde. Diese Zeitmaschine wurde nun von Terroristen entwendet. Lucy (als Fachfrau für Geschichte), der Soldat Wyatt Logan (Matt Lanter, „90210“) und Rufus Carlin (Malcolm Barrett) als Mitarbeiter der Entwicklerfirma (und in der Rolle des „Piloten“) sollen in einem Prototyp der Zeitmaschine – der gleichzeitig als „Rettungskapsel“ eingeplant war – ebenfalls in die Vergangenheit reisen, den Terroristenführer Garcia Flynn (Goran Visnjic, „Emergency Room“) finden und eliminieren. Rufus ist für das „in die Vergangenheit reisen“ zuständig, Lucy für das „Finden“ und Wyatt für das „Eliminieren“. Mehr als drei Leute haben in der kleinen Zeitmaschine nicht Platz.

    Dabei ist es möglich, die „Aufenthaltszeit“ einer Kapsel zu orten, jedoch nicht ihren Aufenthaltsort. Das Ziel-Datum des Terroristen macht das in diesem Fall allerdings sowieso eindeutig: Er ist zu dem Tag gesprungen, als der Zeppelin Hindenburg bei der Ankunft in New York in einer Feuerkatastrophe verging.

    Das einander nicht ganz grüne Temponauten-Team landet in den 1930er Jahren und macht dort unterschiedliche Erfahrungen. Wissenschaftler Rufus Carlin als Schwarzer erlebt unangenehme Begegnungen mit der damaligen Rassentrennung und dem allgemein akzeptierten Rassismus. Daneben müssen die drei mit vielerlei Problemen von Zeitreisen umgehen. Einerseits den „alltäglichen“ Dingen wie feineren Unterschieden in Sprache und Ausdrucksweise. Daneben mit Fragen bezüglich des Eingriffs in die Zeit: Sei es eine moderne Pistole, die Soldat Wyatt Logan dabei hat (und die nicht in die Hände der Bewohner dieser Zeit gelangen darf) oder der Rettung von Menschen im Umfeld der Zeppelin-Katastrophe, die historisch gesehen schon lange tot sind.

    Der komplexe Aufbau von „Timeless“ in einem Schaubild

    Daneben kommt Lucy zu der Erkenntnis, dass Terroristen-Führer Garcia Flynn überraschender Weise durchaus bewusst ist, wer sie ist – und dass er ein Buch in ihrer Handschrift besitzt, das Lucy (bisher jedenfalls noch) nicht geschrieben hat.

    Auch wenn das Trio die Pläne der Terroristen nicht ganz durchkreuzen kann und ihnen Garcia Flynn durch die Lappen geht, können sie die Integrität der Zeit halbwegs wahren und die schlimmsten Auswirkungen des Eingriffs in die Zeit verhindern. Allerdings wird ihnen durch die Begegnung mit Flynn klar, dass die Terroristen durchaus größere Ziele verfolgen und gezielt diverse Veränderungen herbeiführen wollen, um größere geschichtliche Entwicklungen bereits im Keim zu ersticken.

    Wie bei Zeitreise-Serien üblich gibt es subtile Veränderungen in der Geschichte – eine davon betrifft Lucys Familie, so dass sie ein Interesse daran hat, weiter Teil des Teams zu sein. Wyatt hingegen hat zwar seinen Auftrag, kokettiert aber damit, seine einst ermordete Frau mit der Zeitreisetechnologie zu retten. Pilot Rufus schließlich sieht sich etwas gefangen zwischen Pflicht und Chance: Einerseits ist er der einzige verbliebene, der die Zeitkapsel steuern kann. Andererseits wird er durch seinen Arbeitgeber (und früheren Mentoren) unter Druck gesetzt, als dessen Spion bei den Zeitreisen zu wirken – und wenn den irgendwann ein anderer Pilot zur Verfügung stünde, der das „Rettungsboot“ steuern könnte, wäre Rufus plötzlich entbehrlich …

    Zwischen der zusammenwachsenden Crew der kleinen Zeitmaschine, den Hintergründen des Feldzugs von Terroristen Garcia Flynn, der NSA, dem Unternehmer Mason sowie Flynns erklärten Feinden, wegen denen er die Zeitmaschine überhaupt erst gestohlen hat, entsteht ein temporales Schachspiel – bei dem jeder seine Geheimnisse hat und häufig nicht klar ist, wer wirklich „Gut“ und wer „Böse“ ist.

    In Sachen moderner, massentauglicher Fernsehunterhaltung liefert „Timeless“ starke Frauenfiguren und unterhaltsame Episoden, wobei die einzelnen Folgen gut auch alleine geschaut werden können – jeweils geht es um eine Zeitsprung. Daneben liefert „Timeless“ Einblicke in die – allerdings vornehmlich US-amerikanische – Geschichte und verleiht dabei ansonsten nur in Schlagworten bekannten Ereignissen einen Hintergrund, blickt in die Lebenswirklichkeit der Beteiligten.

    Gerade letzteres sorgte dafür, dass es nach der Absetzung von „Timeless“ durch NBC nach der ersten Staffel eine Bewegung gab, die eine Verlängerung forderte. Allerdings hatte sich „Timeless“ nicht als der Zuschauermagnet erwiesen, den NBC sich bei der Bestellung – und Budgetierung – erhofft hatte. Schließlich einigten sich NBC und Serienproduzent Sony Pictures TV doch noch auf eine Fortsetzung. Die in den USA nun allerdings wiederum zu schwache Quoten einfährt, weswegen das Schicksal von „Timeless“ nun besiegelt scheint.

    Insgesamt ist „Timeless“ unterhaltsam, im besten Sinn. Die Geschichten sind abwechselnd, hinreichend spannend und zudem informativ. Weil die Serie allerdings auf vielen Hochzeiten tanzt – Charakterdrama, Verschwörungsthriller und eben aufwändig inszenierte Ausflüge in die Geschichte – bleibt sie auf allen Ebenen „durchschnittlich“.

    Viele US-Zuschauer haben allerdings besonders die Hauptfiguren ins Herz geschlossen: Lucy, Rufus und Wyatt suchen allesamt für sich den Weg zwischen ihren alten Loyalitäten und dem Umgang mit den Dingen, die nun vor ihnen enthüllt wurden. Und letztendlich sind die Sympathien, die man selbst die Protagonisten entwickelt, der Scheidepunkt, wo man sich entweder in „Timeless“ verliebt oder sich zwischendrin zu fragen beginnt „was läuft denn sonst noch so“.

    01.05.2018, 18:29 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von "The Americans" über "Arrow" bis "The Big Bang Theory". Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • skop am 03.05.2018 00:31

      gute Serie, aber hier wird völlig außer Acht gelassen, dass es sich um ein Kopie der spanischen Serie „El Ministerio del Tiempo“ handelt, was einen faden Beigeschmack hinterläßt,.
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      • Kop am 02.05.2018 18:12

        Danke
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        • Wunschlisten-Bernd am 02.05.2018 10:56

          @Kop: "Wie heißen die anderen 2 Zeitreiseserien?"

          Das waren "Time After Time" bei ABC und die Comedy "Making History" bei FOX - dazu kam aus Kanada noch das recht gute "Travelers".
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          • Kop am 02.05.2018 09:45

            Wie heißen die anderen 2 Zeitreiseserien?
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