„Survivor“ bei VOX: Kein Trash, sondern hochwertige Abenteuer-Realityshow – Review

    Neuauflage startet heute Abend

    Glenn Riedmeier
    Rezension von Glenn Riedmeier – 16.09.2019, 13:59 Uhr

    Die Kandidaten beim Pfahlsteh-Wettbewerb – Bild: TVNOW / Richard Hübner
    Die Kandidaten beim Pfahlsteh-Wettbewerb

    Vor fast einem Jahr kündigte VOX an, den international erfolgreichen Realityshow-Hit „Survivor“ zurück ins deutsche Fernsehen zu bringen. Jetzt ist es soweit: Ab heute (16. September) kämpfen insgesamt 18 Spieler auf einer einsamen Insel um eine halbe Million Euro. 13 Folgen sind immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen. Auf dem Streamingportal TVNOW wird die jeweils aktuelle Folge immer schon eine Woche vor der linearen Ausstrahlung bereitgestellt.

    Die wagemutigen Teilnehmer leben weit entfernt von jeglicher Zivilisation und unter extremen Bedingungen auf einer unbewohnten und naturbelassenen Insel. Sie werden in zwei Teams aufgeteilt und müssen in diversen Wettkämpfen gegeneinander antreten. Die Mitglieder des Gewinnerteams erhalten Immunität, während das Verliererteam nach einer verlorenen Challenge ein Mitglied aus den eigenen Reihen wählt, das daraufhin die Insel verlassen muss. Im weiteren Verlauf der Staffel werden die verbleibenden Kandidaten schließlich in ein Team zusammengeführt. Waren sie vorher noch Gegner, müssen sie fortan zusammenarbeiten. Im Finale bestimmt eine Jury, bestehend aus den ausgeschiedenen Teilnehmern, den endgültigen Gewinner der Staffel.

    Das sind die 18 Kandidaten, die 39 Tage lang alles geben wollen, um am Ende als einziger „Survivor“ übrigzubleiben:

    Team 1: Ingo, Sissy, Abdallah, Christian, Juliane, Holger, Bärbel, Jonah und Melanie (v.l.n.r.)Bild: TVNOW / Richard Hübner
    Team 1: Ingo, Sissy, Abdallah, Christian, Juliane, Holger, Bärbel, Jonah und Melanie (v.l.n.r.)Bild: TVNOW / Richard Hübner

    Bärbel (40) ist Film- und Medienwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Fernsehen und lebt derzeit in England, wo sie als Studiengangleiterin für Medienwissenschaften und Kommunikationswissenschaft an der Universität Coventry arbeitet. Sie bezeichnet sich als Super-Fan der Abenteuershow: „Ich habe alle Folgen der Staffeln aus den USA, Australien und Neuseeland gesehen! Ich habe ein tiefes Wissen rund um gutes Fernsehen und ‚Survivor‘.“ Auch der 30-jährige Chirurg Abdallah aus Berlin sagt: „Ich gucke ‚Survivor‘ seit meinem neunten Lebensjahr und habe nie eine Folge verpasst.“ Er hat bereits Survival-Erfahrung in Brasilien gesammelt, auf einer unbewohnten Insel der Malediven sowie im australischen Outback. „Kein anderer Spieler kennt ‚Survivor‘ und die unterschiedlichen Taktiken so gut wie ich.“

    Die restlichen Mitglieder der ersten Gruppe sind: Sissy (21), Japanologie-Studentin aus Frankfurt am Main (Hessen); Ingo (44), Oberarzt aus Marburg (Hessen); Juliane (40), Performance- und Personality-Coach aus Frankfurt am Main (Hessen); Jonah (23), Masterabsolvent BWL aus Neumünster; Melanie (36), Erzieherin aus Bremen; Holger (60), Dachdeckermeister aus Wiesbaden (Hessen) und Christian (39), Beamter aus Langenfeld (NRW).

    Team 2: Dania, Björn, Christin, Karin, Stephan, Olav, Marcel, Lara und Stefan (v.l.n.r.)Bild: TVNOW / Richard Hübner
    Team 2: Dania, Björn, Christin, Karin, Stephan, Olav, Marcel, Lara und Stefan (v.l.n.r.)Bild: TVNOW / Richard Hübner

    Auch das zweite Team kann mit echten „Survivor“-Experten aufwarten. Die 35-jährige Musicaldarstellerin Lara wurde im niederländischen Huizen geboren und lebt seit 2014 in Deutschland. Sie hat über 30 Staffeln der amerikanischen Version gesehen. Die 28-jährige Dania bezeichnet sich ebenfalls als großen Fan der Show. Sie ist von Wittenberg (Sachsen-Anhalt) nach Schweden ausgewandert, wo sie als Risk Controllerin arbeitet.

    Das zweite Team besteht darüber hinaus aus: Christin (30), Polizeibeamtin aus Berlin; Karin (49), Lehrerin aus Überlingen (Baden-Württemberg); Stefan (34), Ludothekar aus Wien (Österreich), Marcel (33), Feuerwehrmann aus Hamburg; Björn (38), Hauptfeldwebel aus Schortens (Niedersachsen), Stephan (33), Investmentbanker und Unternehmer aus Markkleeberg (Sachsen) und Olav (50), Unternehmer und Student aus München (Bayern).

    Schon allein die lobenswert vielfältige Kandidatenauswahl zeigt, dass sich „Survivor“ ganz klar von trashigen Inselshows wie „Love Island“ oder „Bachelor in Paradise“ abgrenzen will. Würde die Sendung bei RTL II laufen, sähe das Teilnehmerfeld vermutlich völlig anders aus. Untermauert wird der positive Eindruck von hochwertig gefilmten Bildern, billig wirkt hier nichts. Auch auf einen Off-Sprecher mit typisch hämischen Kommentaren wird dankenswerterweise verzichtet. Stattdessen lernt man die Kandidaten allein durch ihr Handeln und ihre eigenen Statements überraschend schnell kennen.

    Als Zuschauer sollte man sich von dem etwas zu dick aufgetragenen, monumentalen Opening in der Auftaktfolge nicht abschrecken lassen. Denn schon bald wird klar: Bei „Survivor“ geht es nicht um die sonst üblichen banalen Zickenkriege und Liebeleien. Die von Florian Weber moderierte „Survivor“-Neuauflage ist kein niveauloser Trash, sondern eine waschechte Abenteuer-Realityshow. Fans von Formaten wie „Der Bachelor“ sind hier vermutlich fehl am Platz – wer allerdings Lust auf eine spannende Show voller Strategie und Taktik hat, dürfte seine Freude haben. Für die Kandidaten gilt es, Teamgeist zu beweisen, doch letztendlich kämpft jeder für sich selbst. Sie müssen sich ohne fremde Hilfe Nahrung, Wasser, Feuer und Schlafplätze beschaffen und bei den Challenges körperliche und psychische Grenzen überwinden. Nur wer in der Lage ist, sich in dieser Extremsitutation perfekt anzupassen, die anderen Kandidaten auf seine Seite ziehen und mit seiner sozialen Kompetenz und der richtigen Strategie bestehen kann, hat eine Chance auf das Preisgeld.

    Wie wichtig für VOX der „Survivor“-Start ist, lässt sich an der aufwendigen Marketing-Kampagne erkennen. Vergangene Woche fand in Köln vor dem Schokoladenmuseum eine „Wer kann am längsten auf einem Pfahl stehen?“-Challenge statt, die auch Teil der ersten Folge ist. Die Zuschauer konnten per Livestream den Wettkampf mitverfolgen. Mehr als 27 Stunden hielt es Solanny aus Sankt Jakob im Rosental in der Nähe von Klagenfurt (Österreich) aus – ohne Schlaf, Nahrung, Toilette und Pause. Als Siegerin des Wettbewerbs erhielt sie eine Wildcard für die potenzielle zweite „Survivor“-Staffel.

    „Survivor“ ist ein echter Dauerbrenner unter den Realityshows. In den Vereinigten Staaten ist das Format seit 2000 auf Sendung – jedes Jahr laufen im Herbst und Frühling je eine Staffel. Im Frühjahr 2019 lief dort so die sage und schreibe 38. Staffel. Auch in Frankreich, Italien und 15 anderen Ländern erfreut sich die Abenteuershow seit vielen Jahren Beliebtheit. In Deutschland hingegen sprang der Funke bislang nie so recht über. Unter dem Titel „Das Inselduell“ versuchte sich Sat.1 erstmals 2000 an einer Adaption von „Survivor“, wenige Monate später folgte RTL II mit „Expedition Robinson“. Ein Jahr später kam der nächste Versuch namens „Gestrandet – Zeig, was in dir steckt!“, ebenfalls bei RTL II. Die vorerst letzte deutsche Version war 2007 auf ProSieben zu sehen, nun unter dem Originaltitel „Survivor“, doch auch diese Adaption überlebte nur eine Staffel. Als Produktionsfirma der neuen deutschen VOX-Adaption fungiert Banijay Productions Germany.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Was hat Vox da für eine Schnarchnase als Moderator und Serien Host eingestellt? Also die Redaktion hätte sich mal mehr von dem amerikanischen Original angucken sollen. Es fehlt an Spannung und die Kommentare des Host sind wie als wenn er gleich einschläft. Weiß nicht, ob sich einer wirklich mal mit Mark Burnetts Original beschäftigt hat. Aber ich denke es muss jemand her, der sowohl das Publikum als auch die Kandidaten mehr mit sich reißen kann und in den Bann zieht, jemand den man auf der Strasse anspricht und der auch mal ein wenig die Dynamik mit kleinen Sätzen oder Kommentaren bei den einzelnen Survivors auslöst. Auch bei der Teilnehmer Auswahl fehlt es total an Sympthie Trägern, Menschen den man einen Sieg gönnen würde und welche die mal echt eine vernünftige Gruppendynamik und Zusammenhalt aufbauen, der hinterher enttäuschend von anderen Spielern aufgebrochen wird, weil jeder irgendwann nur noch an sich denkt.

      Es reicht nicht einfach nur 18 Leute in der Wildnis auszusetzen und ab und zu zu spielen einzuladen. Es ist erst durch jemanden wie Jeff Probst, dass diese Show so erfolgreich wurde. Die Stimme und auch die Art und Weise wie der Showhost bei Vox auftritt sind echt einschläfernd. Er schafft es nicht mal Spannung bei den Spielen rüber zu transportieren oder diese anzuheizen. Hoffe Vox lernt daraus für eine weitere Staffel und sucht sich jemanden der mehr Authentizität und gleichzeitig ein psychologisches und abenteuerliches Geschick besitzt.

      Hoffe auch dass Vox das nächste mal Kandidatinnen und Kandidaten sucht, die schon von vornherein mehr Dynamik und Spielbegeisterung mitbringen.

      VOX so habt ihr Survivor etwas versaut und nicht begriffen, aufgewärmt, schlecht kopiert und nicht verstanden. Kein Wunder dass es nie geschafft wird, das Format in Deutschland dauerhaft zu etablieren, wenn man nicht kapiert, was die Sendung ausmacht.
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        Ist halt Survivor für Deutsche, mit einem schwachen Moderator...
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        • (geb. 1967) am melden

          deswegen hatte man ja auch die "super quote", Müll bleibt eben Müll, egal ob hohes oder tiefes Niveau.
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            bitte was? KEIn Trash??? Trash auf selbst definiertem "hohen Niveau" :-)
            Auf jeden Fall ein Schuss in den Ofen
            • am via tvforen.demelden

              tiramisusi schrieb:
              -------------------------------------------------------
              > bitte was? KEIn Trash??? Trash auf selbst
              > definiertem "hohen Niveau" :-)
              > Auf jeden Fall ein Schuss in den Ofen

              Wenn ich mich recht erinnere hat es die Sendergruppe als "DAS Fernsehevent des Jahres" beworben, auf das natürlich wiedereinmal "ganz Deutschland" gewartet hatte. *grins

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