Sorgt „Rolling“ mit Ross Antony für Bewegung am Sat.1-Vorabend? – Review

    „Das Quiz mit der Münze“ bietet Mischung aus Glücksspiel und Gameshow

    Glenn Riedmeier
    Rezension von Glenn Riedmeier – 10.05.2021, 19:48 Uhr

    Ross Antony präsentiert „Rolling – Das Quiz mit der Münze“ – Bild: Sat.1/Willi Weber
    Ross Antony präsentiert „Rolling – Das Quiz mit der Münze“

    Sat.1 und sein Vorabend – das ist seit Jahren eine komplizierte Beziehung. Nachdem es der Bällchensender unter anderem mit Doku-Soaps und Realityshows probierte, setzt er inzwischen vor allem auf Gameshows. Doch auch hier blieben bislang die großen Erfolge aus: „Genial daneben – Das Quiz“ kam auch nach zwei Jahren auf keinen grünen Zweig und wurde nach 389 Folgen eingestellt, „5 Gold Rings“ mit Steven Gätjen überlebte gar nur drei Monate. Einzig am „Buchstaben Battle“ mit Ruth Moschner hält Sat.1 weiterhin fest, obwohl auch dieses Format allenfalls mittelprächtig läuft. Verstärkung kommt nun in Gestalt von Ross Antony: Ab sofort präsentiert er montags bis freitags um 18 Uhr „Rolling – Das Quiz mit der Münze“.

    Es handelt sich hierbei um die deutsche Adaption der britischen Vorlage „Rolling In It“, die auf eigenwillige Weise Glücksspiel und Quiz kombiniert. Pro Ausgabe treten drei Teams, jeweils ein Promi und ein Normalo-Kandidat, gegeneinander an. In der ersten Folge bestehen die Teams aus Moderatorin Mareile Höppner & Tom, Comedian Simon Pearce & Farhoud sowie Parodist Matze Knop & Adriana.

    Die Kandidatenteams der Premierenfolge Sat.1/​Screenshot

    Im Mittelpunkt der Show steht ein riesiges Arcade-Spiel mit zehn möglichen Slots, die sogenannte „Rolling-Machine“. Eine große Münze wird auf das Spielbrett gerollt, um zu bestimmen, um welche Summe gespielt wird. Die Beträge rangieren zu Beginn von 250 bis 1.000 Euro. Anschließend gilt es, eine Wissensfrage richtig zu beantworten. Es handelt sich hierbei um Multiple-Choice-Fragen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads („Welcher Baum wird in der Nacht zum 1. Mai traditionell als Liebesbeweis vor eine Tür gestellt?“, „Welche der folgenden Familliennamen gehört laut Statistik nicht zu den zehn häufigsten in Deutschland?“).

    Sat.1/​Screenshot

    Das jeweilige Team berät sich und entscheidet sich anschließend für eine der drei Antwortmöglichkeiten. Ist die Antwort korrekt, wandert der zuvor errollte Betrag in den eigenen Jackpot und das Team kann entscheiden, ob es nochmal spielen möchte. Bei einer falschen Antwort ist automatisch das nächste Team an der Reihe.

    Beim Rollen der Münze besteht allerdings auch immer die Gefahr, dass sie auf einem der Ereignisfelder landet. Dadurch kann das Spiel eine unerwartete Wendung nehmen: Entweder wird der erspielte Betrag halbiert – oder es droht der komplette Bankrott. Landet die Münze auf dem Feld „Steal“ wird das Konto eines gegnerischen Teams geplündert. In jeder der insgesamt 15 Runden können die Teams ihre Gewinnsumme erhöhen, doch genauso gut können sie auch alles verlieren.

    Sat.1/​Screenshot

    Im weiteren Spielverlauf erhöhen sich die möglichen Gewinnsummen – im Bestfall sind dann 10.000 Euro möglich, sofern die Münze auf diesem Slot landet. Doch in den späteren Runden erhöht sich auch die Anzahl der gefährlichen Bankrott-Felder. Das Kandidatenduo mit der höchsten Summe auf dem Konto kommt schließlich ins Finale.

    Der größte Unterschied zu den Vorgängern „Genial daneben – Das Quiz“ und „5 Gold Rings“ ist das Glücksspiel-Element. Wenn sich die Münze ihren Weg zu einem der zehn Slots bahnt, erinnert dies stark an Bowling. Jeder Münzwurf hat einen entscheidenden Einfluss auf das Spiel und die Teams sind entsprechend aufgeregt. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Runden kaum – abgesehen von den wechselnden Gewinnsummen und den Ereignisfeldern in den Slots wiederholt sich das Prinzip Münzrollen und Quizfrage immer wieder aufs Neue. Wirklich aufregend ist das nicht und die Show plätschert unspektakulär vor sich hin. Etwas mehr Abwechslung oder 30 statt 60 Minuten Sendezeit täten der neuen Show gut.

    Schlagerstar Ross Antony, der mit „Rolling“ sein Debüt als Gameshow-Moderator gibt, wirkt auf seltsame Art gehemmt und kann sein Potenzial als liebenswert-hibbeliger Entertainer nicht richtig ausspielen. Er ist nicht so überdreht, wie man ihn eigentlich kennt, sondern konzentriert sich stark darauf, den Ablauf der Show zu erklären und die Fragen vorzulesen. Dennoch ist Ross Antony eine gute Wahl als Gastgeber, da er mit den Kandidaten mitfiebert und nicht einfach nur roboterhaft und passiv seinen Job erledigt, wie so manch anderer Moderator.

    Sat.1/​Screenshot

    In der Finalrunde kommt dann noch etwas mehr Spannung auf: Denn das Team mit der höchsten erspielten Summe erhält erst jetzt die Chance, mit einem Münzwurf das erspielte Geld auch wirklich zu gewinnen. Hierzu muss der Normalo-Kandidat ohne Hilfe seines prominten Spielpartners zunächst innerhalb einer Minute so viele Quizfragen wie möglich richtig beantworten. Für jede korrekte Antwort wird ein Slot in „Gewinn“ umgewandelt, jede falsche Antwort führt zu einem „Bankrott“-Slot auf der Bahn. Mit dem finalen Münzwurf entscheidet sich schließlich, ob die Kandidaten mit dem Gewinn oder aber mit leeren Händen nach Hause gehen.

    Ob sich „Rolling“ als tägliches Format eignet, das wird sich zeigen. Leicht wird es mit dem Erfolgsformat „Wer weiß denn sowas?“ als Konkurrenzprogramm im Ersten nicht. In Großbritannien liefen beim Sender ITV bisher nur fünf Ausgaben im wöchentlichen Rhythmus am Wochenende – allerdings existiert dort mit „Tipping Point“ schon seit 2012 eine vergleichbare Sendung im täglichen Nachmittagsprogramm. Der große Wurf ist Sat.1 auch mit „Rolling“ nicht gelungen, aber wer Lust auf eine halbwegs unterhaltsame Spielshow nach Feierabend hat, kann bedenkenlos reinschauen.

    Sat.1/​Willi Weber

    „Rolling – Das Quiz mit der Münze“ läuft seit dem 10. Mai montags bis freitags um 18 Uhr in Sat.1.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

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