„Legacies“: Das steckt in der neuen sixx-Serie aus dem „Vampire Diaries“-Universum – Review

    Kampf gegen eigene und reale Dämonen am Internat für junge Vampire, Hexen und Werwölfe

    Bernd Krannich
    Rezension von Bernd Krannich – 14.11.2019, 18:00 Uhr

    Die Protagonisten von „Legacies“: Vampir MG, Neu-Werwolf Rafael, sein Pflegebruder Landon, Hope sowie Alaric zwischen den Töchtern Lizzie (l.) und Josie – Bild: The CW
    Die Protagonisten von „Legacies“: Vampir MG, Neu-Werwolf Rafael, sein Pflegebruder Landon, Hope sowie Alaric zwischen den Töchtern Lizzie (l.) und Josie

    Als das „Vampire Diaries“-Spin-Off „The Originals“ zum Ende kam, sah es nach dem Finale für das Franchise aus. Doch die Macher um Julie Plec entdeckten in der vorletzten Episode das Potential für einen weiteren Ableger, und produzierten eine Kurzfolge, eine sogenannte Pilot-Presentation. Die konnte den Verantwortlichen beim Sender The CW zu einer Serienbestellung bewegen: Die Serie „Legacies“ war geboren. Mittlerweile läuft sie in den USA in der zweiten Staffel, heute feiert sie bei sixx ihre Deutschlandpremiere.

    „Legacies“ erzählt die Geschichte der mit übernatürlichen Gaben überschütteten Hope Mikaelson (Danielle Rose Russell) vor dem Hintergrund eines Internats für Jugendliche mit übernatürlichen Fähigkeiten: Vampire, Werwölfe und Hexen. Das wird vor den Toren der Kleinstadt Mystic Falls von Alaric Saltzman (Matt Davis) geleitet, der selbst Vater von zaubermächtigen Töchtern ist.

    Kurzkritik

    Obwohl in der neuen Serie zahlreiche Handlungen von „Vampire Diaries“ und „The Originals“ zusammenlaufen, brauchen potentielle Neueinsteiger keine Furcht zu haben – ihnen entgehen allenfalls einige Anspielungen und das wohlige Gefühl bei Cameos bekannter Figuren. Im Kern der Serie stehen vertraute Archetypen aus High-School-Serien und Geheimnisse.

    Ungleiche Schwestern: Josie (Kaylee Bryant) und Lizzie Saltzman (Jenny Boyd)
    Ungleiche Schwestern: Josie (Kaylee Bryant) und Lizzie Saltzman (Jenny Boyd)

    Damit wird natürlich auch eine leicht andere Altersschicht angesprochen, als bei sixx’ Sendeplatzvorgänger „Charmed“. Die Teens sind emotionaler, stärker von ihren Loyalitäten getragen, leichter zu unüberlegten Dummheiten bereit und trotzdem irgendwie der Meinung, dass nur sie die Lösung auf die Probleme ihrer Welt haben.

    Auch auf Kenner des „Vampire Diaries“-Franchise wartet die eine oder andere übernatürliche Überraschung, denn schnell werden Kreaturen ins Zentrum des Interesses gerückt – es dreht sich also nicht alles nur um Vampire, Hexen und Werwölfe.

    Grundsätzlich ist „Legacies“ eine Serie um Teenager und ihre Probleme, ihrer Suche nach der eigenen Identität – nur vor dem Hintergrund übernatürlicher Geschehnisse, bei denen die Konsequenzen oftmals der Tod oder die ewige Verdammnis sein können. Und so steht auf dem Lehrplan der Salvatore Boarding School for the Young & Gifted vor allem die Lektion, wie die jungen Schüler mit dem in ihnen schlummernden, tödlichen Erbe umgehen können, ohne andere zu gefährden. Junge Vampire etwa dürfen hier nicht von menschlichem Blut naschen. Daneben wird Geheimhaltung gelehrt, denn in diesem Franchise wissen die Menschen in der Regel nicht von der Existenz übernatürlicher Kreaturen. So gilt die Salvatore Boarding School den Bewohnern als Ort, an den reiche Familien ihre schwierig zu erziehenden Sprösslinge abgeschoben haben. So erregt es auch kein Aufsehen, dass die Schüler nicht in der Stadt auftauchen: sie werden anscheinend mit straffer Hand und an kurzer Leine erzogen.

    Funken fliegen beim seltenen Kontakt der Salvatore-Schüler mit denen der Mystic Falls High School: Lizzie (Jenny Boyd, r.) und ihre menschliche Nemesis Dana (Katie Garfield).
    Funken fliegen beim seltenen Kontakt der Salvatore-Schüler mit denen der Mystic Falls High School: Lizzie (Jenny Boyd, r.) und ihre menschliche Nemesis Dana (Katie Garfield).

    Wer sowohl Geschichten um Teenager und ihre Suche nach ihrem Platz in der Welt wie auch phantastische Geheimnisse hat, wird von „Legacies“ abgeholt. Abzüge in der B-Note muss es allerdings für die Spezialeffekte geben, die sich nunmal auf dem Niveau eines kleinen Networks und damit B-Movie-Niveau befinden.

    Das sind die Protagonisten von „Legacies“

    Im Zentrum von „Legacies“ steht Hope Mikaelson, eine durch ihre Abstammung Auserwählte: In ihr laufen mächtigste Blutlinien der Hexen, der Vampire und der Werwölfe zusammen, sie ist ein Super–Hybrid oder Tribrid – der einzige der Welt. Hopes Großmutter war eine mächtige Hexe, die ihre Familienmiglieder – zum Schutz vor Werwolfangriffen – zu den Ur-Vampiren machte; Hopes Vater Klaus (Joseph Morgan) entsprang aus einem Seitensprung dieser Hexe mit einem jener Werwölfe und war/fühlte sich als Vampir-Werwolf–Hybrid als ein Außenseiter auch in seiner Familie. Kurzum: Hope hat via „Vampire Diaries“ und „The Originals“ eine sehr vorbelastete Familiengeschichte und ist nun allein.

    Wie viel Macht in ihr steckt, ist bisher nicht abzusehen. Zahlreiche Traumata haben sie misstrauisch werden lassen, nur zum Internatsleiter Alaric hat sie eine besondere Beziehung – denn gerade mit den Fähigkeiten, die in ihr schlummern, kann sie immer wieder zur Retterin in der Not werden. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Alaric zwar „der Erwachsene“ der Serie ist, aber inmitten der übernatürlich begabten Jugendlichen eben auch „nur“ ein Normalsterblicher – er muss sich also auf Autorität berufen. Beim Aufkommen von magischen oder sonstigen Phänomenen ist er auf sein Fachwissen und die Hilfe vertrauenswürdiger Schüler angewiesen.

    Hope (Danielle Rose Russell) im Einzeltraining mit Alaric (Matt Davis)
    Hope (Danielle Rose Russell) im Einzeltraining mit Alaric (Matt Davis)

    Alarics besondere Beziehung zu Hope sorgt für Spannungen mit seinen Töchtern, die Zwillinge und Hexen Lizzie (Jenny Boyd) und Josie (Kaylee Bryant). Lizzie ist selbstbezogen und in der Regel sehr aufbrausend, während Josie eher unsicher ist und sich beständig um ihre Schwester sorgt. Da ihre biologische Mutter tot ist und ihre „Ersatzmutter“ Caroline Forbes (Candice King) die Welt auf der Suche nach hilfsbedürftigen, übernatürlichen Jugendlichen durchstreift, fühlen die Schwestern sich vernachlässigt. Zudem wurde Josie gerade von ihrer Freundin verlassen.

    Zum Umfeld der Schulführung gehört noch der junge Vampir Milton Greasley (Quincy Fouse) – der wegen seines nerdigen Vornamens nur MG genannt werden will. Einerseits hat er ein Auge auf die von Selbstzweifeln geplage Lizzie geworfen, andererseits hilft auch er Alaric mit seiner Fähigkeit, das Gedächtnis von Menschen manipulieren zu können – und so das Geheimnis der Schule zu wahren.

    Die Handlung von „Legacies“ beginnt damit, dass Alaric und Hope den Pflegejungen Rafael (Peyton Alex Smith) einsammeln, der just zum Werwolf geworden ist – potentielle Werwölfe werden in der Welt von „Vampire Diaries“ durch ihre Beteiligung am Tod einer anderen Person zum aktiven Werwolf, der sich an Vollmond vom Mensch zum Wolf transformiert.

    Rafaels wohlmeinende, aber gleichsam ahnungslose wie religiöse Pflegeeltern haben einen Überraschungs-Exorzismus angeleiert, der mehr Schaden als Nutzen bringen wird, weswegen Alaric beschlossen hat, einzugreifen. Bei diesem Einsatz trifft Hope erneut auf Rafaels „Pflegebruder“ Landon (Aria Shahghasemi), auf den sie schon in einer der letzten Episoden von „The Originals“ getroffen war, und zu dem sie eine Verbindung spürt.

    Mit Rafael kommt somit auch der „Normalsterbliche“ Landon kurz an die Schule. Nach einer kurzen Befragung zu seinem Pflegebruder soll eigentlich Landons Gedächtnis durch MG gelöscht werden, bevor man ihn wieder in die Welt entlässt. Alleine: Er zeigt sich immun gegen diese Vampirfähigkeit, was Alaric vor eine komplizierte Wahl stellt.

    Als Gefahr für die Sicherheit der Schule mus Landon (Aria Shahghasemi) vorübergehend mit einer unbequemen Lagerstadt vorliebnehmen – erhält aber immerhin netten Besuch … 
    Als Gefahr für die Sicherheit der Schule mus Landon (Aria Shahghasemi) vorübergehend mit einer unbequemen Lagerstadt vorliebnehmen – erhält aber immerhin netten Besuch … 

    Mehr noch: Als Landon schließlich von dannen zieht, hat er Artefakt aus der Schule mitgehen lassen, und tritt Ereignisse los, die nach zehn ruhigen Jahren das Leben dort nachhaltig verändern … 

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten sieben Episoden der Serie „Legacies“.

    Meine Wertung: 3/5

    © Alle Bilder: The CW

    sixx zeigt die Serie „Legacies“ ab dem 14. November immer donnerstags und 20.15 Uhr. Die erste Staffel hat 16 Folgen. In den USA wird bereits die zweite Staffel gezeigt.

    US-Trailer zu „Legacies“

    Über den Autor

    Bernd Krannich

    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von „The Americans“ über „Arrow“ bis „The Big Bang Theory“. Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

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