Streicht die ARD gesellschaftskritische Primetime-Dokus? (Update)

    Mehr Entspannung für die Menschen am Montagabend

    Michael Brandes – 14.01.2010

    Streicht die ARD gesellschaftskritische Primetime-Dokus? (Update) – Mehr Entspannung für die Menschen am Montagabend – Bild: ARD

    Der ARD-Primetime droht ein weiteres Seichtgebiet. Montags um 21:00 Uhr gingen zuletzt überwiegend anspruchsvolle Reportagen zu aktuellen, gesellschaftsrelevanten Themen über den Sender, zuletzt zum Beispiel „Der Amoklauf von Winnenden“. Wie nun das Fernsehblog der „F.A.Z.“ in einem lesenswerten Beitrag berichtet, haben die 45-Minuten-Dokus offenbar ihren Quotenauftrag nicht erfüllt und müssen darum weichen. Vermutlich wird man ihnen künftig im Nachtprogramm begegnen.

    Zwar soll der Sendeplatz weiterhin für Dokus reserviert bleiben, der Schwerpunkt wird künftig jedoch vor allem auf „History“-Beiträgen und Porträts liegen. Im Februar fällt der Sendeplatz zunächst der Karneval-Berichterstattung zum Opfer, danach sind unter anderem Dokus zum 80. Geburtstag von Helmut Kohl und zum diesjährigen Afrika-Schwerpunkt der ARD eingeplant sowie bewährte Reihen wie „Mein Deutschland“ und „Legenden“.

    Die journalistische Qualität der Reportagen sei zwar sehr zufriedenstellend, so ARD-Programmdirektor Volker Herres, jedoch brauche das Programm „auch am Montag eine angemessene Akzeptanz, was angesichts des Gegenprogramms bei ZDF und auf RTL keine leichte Aufgabe ist“. Gerade in der Primetime gebe es „eine Grenze nach unten, die nicht unterschritten werden sollte“.

    Den Grund für die nach ARD-Empfinden mangelnde Zuschauer-Akzeptanz benannte Herres vor zwei Wochen in der „Süddeutschen Zeitung“: Der Montag sei „mit Dokumentationen nur sehr schwer erfolgreich zu bespielen, weil gerade am Montagabend viele Menschen sich beim Fernsehen vor allem entspannen möchten“.

    Update (15.01.)
    Die ARD bestreitet inzwischen die Kernaussage des „Fernsehblog“-Artikels und ließ durch ihre Pressestelle klarstellen: „Das Erste streicht keine ihrer gesellschaftskritischen Dokumentationen am Montag, 21:00 Uhr. Im Interview mit faz.net sagte Voker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen: ‚Wir werden den Montag mit aktuellen Dokumentationen bespielen, wenn uns dies journalistisch geboten erscheint.‘“

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      Nur weiter den Ast absägen, auf dem man sitzt! Für was brauchen wir noch ein sog. "öffentlich-rechtliches Fernsehen", wenn man nur noch nach der Quote schielt? Wie wäre es, auch den Montag mit überziehungsverdächtigen sog. Volksmusiksendungen vollzukleistern? Dann wär's doch ne Superquote. Warum kommt man da nicht von selbst drauf ! :-).
      • am via tvforen.de

        >Den Grund für die nach ARD-Empfinden mangelnde Zuschauer-Akzeptanz benannte Herres vor zwei Wochen in der "Süddeutschen Zeitung": Der Montag sei "mit Dokumentationen nur sehr schwer erfolgreich zu bespielen, weil gerade am Montagabend viele Menschen sich beim Fernsehen vor allem entspannen möchten".

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        ...besser einlullen lassen...

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