10 verschollene Zeichentrickserien der 90er

Erinnerungen an verschwundene Cartoon-Raritäten

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 13.02.2026, 16:00 Uhr

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6. Shnookums & Meat (1995)

Die wohl durchgeknallteste und gleichzeitig untypischste Zeichentrickserie aus dem Hause Disney dürfte „Shnookums & Meat“ sein. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Disney-Produktionen zeichnet sich diese Serie durch ein extrem hohes Tempo und turbulente Cartoon-Gewalt aus. Die titelgebenden Charaktere, die Katze Shnookums und der Hund Meat, liefern sich wilde Verfolgungsjagden und gehen sich gegenseitig an die Kehle. Neben Geschichten mit dem Duo gibt es in der Serie noch zwei andere Charaktere mit eigenen Segmenten: Der tierische Superheld Pith Possum nimmt zusammen mit Waschbär Opediah den Kampf gegen das Verbrechen von Possum City auf. Cowboy Tex Tinstar wiederum schwingt in einer brüllend komischen Western-Satire seine Colts. Gerüchte besagen, dass „Shnookums & Meat“ die Disney-Antwort auf die gleichermaßen verrückte Nickelodeon-Erfolgsserie „Die Ren & Stimpy Show“ sein sollte. RTL besorgte 1996 die deutsche Erstausstrahlung der 13-teiligen ersten (und einzigen) Staffel. Seit 2000, als die Serie zum letzten Mal bei Super RTL lief, sind „Shnookums & Meat“ völlig aus dem deutschen Fernsehen verschwunden (und auch nicht auf Disney+ verfügbar).

7. Freakazoid! (1995⁠–⁠1997)

Im glorreichen Zeitalter der 90er-Jahre–Warner-Bros.-Cartoons-schickte Steven Spielberg nach „Tiny Toon Abenteuer“ und „Animaniacs“ als dritte Animationsserie „Freakazoid!“ an den Start. Diese stellt so etwas wie den Höhepunkt surrealen Wahnsinns dar. Hauptfigur ist Dexter Douglas, eigentlich ein schüchterner Teenager, der aber durch einen Computerfehler die Fähigkeit erlangt, sich in den irrwitzigen Superhelden Freakazoid! zu verwandeln. Eine richtige Handlung im engeren Sinne gibt es nicht wirklich, stattdessen bietet die Serie ein Feuerwerk an Slapstick, Parodien und Anspielungen auf die Popkultur. In der Folge „Relax-O-Vision“ wird sich über übertriebene Zensur lustig gemacht, indem Actionszenen immer wieder durch entspannende Bilder unterbrochen werden. Zudem wird wiederholt die vierte Wand durchbrochen und der Titelheld spricht das imaginäre Publikum vor dem Fernseher direkt an. „Freakazoid!“ ist eine der Serien, die im Kinderprogramm liefen, deren Humor sich aber in Wirklichkeit an Erwachsene richtete. 24 Folgen in zwei Staffeln wurden produziert, die in Deutschland erstmals ab 1997 auf ProSieben liefen. Seit der jüngsten Ausstrahlung im Jahr 2012 auf dem Pay-TV-Sender Boomerang ist die Serie verschollen – und bislang leider auch nicht auf HBO Max verfügbar.

8. Little Rosey (1990)

Eine der ungewöhnlichsten Zeichentrickserien der 1990er dürfte „Little Rosey“ sein. Denn hierbei handelt es sich um einen Cartoon von Sitcom-Star Roseanne Barr. Im Mittelpunkt steht das titelgebende achtjährige Mädchen namens Rosey. Die in animierter Form erzählten Geschichten sollen lose auf Roseanne Barrs eigener Kindheit basieren. Neben Rosey gehören ihr bester Freund Buddy, ihre jüngeren Schwestern Tess und Nonnie, ihr kleiner Bruder Tater, ihre Eltern sowie zwei Wissenschaftsnerds als Antagonisten zu den wiederkehrenden Figuren. Buddy und Tess weisen dabei eine frappierende optische Ähnlichkeit zu den Figuren Dan und Jackie aus der Sitcom „Roseanne“ auf. In den einzelnen Folgen warten auf Rosey Herausforderungen wie ein Rechtschreibwettbewerb, Familienurlaub und allgemein die lästigen Vorschriften ihrer Eltern. Sie löst die Probleme mithilfe ihrer Fantasie und Vorstellungskraft. „Little Rosey“ ist eine inzwischen nahezu vergessene Serie, die hierzulande nur zwischen den Jahren 1991 und 1997 auf den Sendern Premiere, Tele 5 und Nickelodeon lief. Angesichts des inzwischen äußerst negativen öffentlichen Images von Roseanne Barr ist ein Wiedersehen mit der Zeichentrickserie höchst unwahrscheinlich.

9. Die Chipmunks geh’n zum Film (1990)

In den 1980ern und 1990ern erhielt so mancher Hollywood-Blockbuster einen Ableger als Zeichentrickserie. Was lag da näher, als Filmhits mit ebenso populären Cartoonfiguren zu verschmelzen? Heraus kam die Serie „Die Chipmunks geh’n zum Film“, ein Spin-off von „Alvin und die Chipmunks“. Die Streifenhörchen Alvin, Simon und Theodore, die für ihren quietschigen Gesang berühmt-berüchtigt sind, laden die Zuschauer in dieser Serie zu Filmabenden ein – und schlüpfen pro Folge selbst in ikonische Filmrollen. So sucht anstelle von Indiana Jones Alvin als „Daytona Jones“ die Perle der Weisheit und Simon wird zum Superhelden „Batmunk“. „Captain Dirk“ und seine zwei Mitstreiter erleben in einer „Star Trek“-Parodie Weltraumabenteuer – und zu dritt werden die Chipmunks Zeuge der Ankunft des Außerirdischen „S.T.“ auf der Erde. Die 13-teilige Serie lief ab 1993 auf ProSieben – und zuletzt 2006 im Pay-TV auf dem Sender Junior. Spätestens seit der computeranimierten Neuauflage „Alvinnn!!! und die Chipmunks“ von 2015 ist „Die Chipmunks geh’n zum Film“, ebenso wie die Mutterserie „Alvin und die Chipmunks“ von 1983, von der Bildfläche verschwunden.

10. Doug /​ Disney’s Doug (1991⁠–⁠1999)

„Doug“ ist im Vergleich zu anderen Zeichentrickserien des Senders Nickelodeon eine eher ruhige, nachdenkliche Produktion, die Coming-of-Age-Themen anspricht. Im Mittelpunkt steht der elfjährige Linkshänder Doug Funnie, der mit seinen Eltern, seiner großen Schwester Judy und dem Hund Porkey in die Kleinstadt Bluffington gezogen ist. Dort lernt er seinen besten Freund Skeeter kennen und verliebt sich in das Mädchen Patti Mayonnaise – er ist jedoch zu schüchtern, um ihr seine Liebe zu gestehen. Dougs Gegenspieler ist der rüpelhafte Punker Roger Klotz. In seinem Tagebuch bringt Außenseiter Doug mit viel Fantasie seine Herausforderungen zu Papier, die sich in seinem Leben als Fast-Teenager so stellen. Bei „Doug“ trat der äußerst seltene Fall ein, dass eine Eigenproduktion eines Senders zum Konkurrenten wechselte. Denn nachdem Nickelodeon die Serie nach vier Staffeln im Jahr 1994 beendete, sicherte sich Konkurrent Disney die Rechte und produzierte unter dem Titel „Der nigelnagelneue Doug“ bzw. „Disney’s Doug“ zwischen 1996 und 1999 noch drei weitere Staffeln, in denen Doug dann ein Jahr älter ist. Insbesondere die Disney-Staffeln sind in Deutschland verloren gegangen – zuletzt liefen diese 2008 auf Toon Disney. Die jüngste Ausstrahlung der Nickelodeon-Staffeln erfolgte 2016 auf Junior. Weder die Nickeloden- noch die Disney-Folgen gibt es im Streaming. Sie wurden auch nicht auf DVD veröffentlicht.

Es bleibt zu hoffen, dass diese verschollenen Zeichentrickserien der 1990er vielleicht doch noch irgendwann und irgendwo den Weg zurück ins deutsche Fernsehen bzw. zu Streamingdiensten finden. Fortsetzung folgt …

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Über den Autor

Glenn Riedmeier ist seit Anfang 2013 als Journalist bei fernsehserien.de tätig und dort vorrangig für den nationalen Bereich zuständig. Er schreibt News rund um das aktuelle Fernsehgeschehen und verfasst Kritiken, vor allem zu relevanten Starts aus der TV-Unterhaltung. Darüber hinaus führt er Interviews mit bekannten TV-Persönlichkeiten. Unter anderem sprach er bereits mit Bastian Pastewka, Jürgen Domian, Stephanie Stumph, Fritz Egner, Jochen Bendel, Beatrice Egli, Collien Ulmen-Fernandes, Carolin Kebekus und Torsten Sträter. Des Weiteren verfasst er zu besonderen Anlässen wie Jubiläen von TV-Sendern oder -Formaten ausführliche Rückblicke und Specials – aus einem nostalgischen und zugleich kritisch-informierten Blickwinkel. Schon seit frühester Kindheit war der 1985 geborene Münchner vom Fernsehen fasziniert. Am Wochenende stand er freiwillig früh auf, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Seine Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben. Darüber hinaus begeistert er sich für Gameshows wie „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“ und ist mit hoher Expertise gleichzeitig Fan und kritischer Beobachter der deutschen Schlagerwelt. Auch für Realityformate wie „Big Brother“ und „Die Verräter“ hat er eine Ader – auf rein krawalliges Trash-TV kann er dagegen verzichten. Im Comedy-Bereich begeistert er sich vor allem für Sitcoms, Stand-up-Comedy und Late-Night und hält diesbezüglich auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den USA offen.

Lieblingsserien: Meister Eder und sein Pumuckl, Eine schrecklich nette Familie, Twin Peaks, 24

Kommentare zu dieser Newsmeldung

  • am via tvforen.de

    da fällt mir im moment nur "grimms märchen" ein, das mir viel besser wie simsala grimm gefallen hatt.....saint seya lief ja nie im deutschen tv, deswegen zählt es wohl nicht
    • am

      Cool das vergessenes auch gebracht wird. Ja das stimmt, sind nirgends aufzutreiben, kein TV, kein streaming Dienst. Es ist wirklich sehr sehr schade das viele Cartoons in Vergessenheit geraten. 
      Natürlich auch das in Deutschland wenig auf DVD erscheint. Einige kurz und dann zu hohrenden Preisen. 
      Suche schon Jahrelang einige alte Cartoons, auch auf VHS aber hoffnungslos.




      Bobobobs
      Captain Planet
      Dr. Zigbags/ Dr. Pickels Horroshow
      Feuerstein kids /Lachparade
      Die Abenteuer des Teddy Ruxpin


      und weitere ... 


      Mit freundlichen Grüßen "T"
      • (geb. 1972) am

        Toller Artikel. Gerade mit "Widget der kleine Weltraumwächter" verbinde ich so viele tolle Erinnerungen.
        Vermutlich wird diese Serie, wie viele andere auch, in einem Archiv vor sich hinfaulen. Schade um so viele alte Serien...
        • (geb. 1978) am

          Das weckt viele schöne Erinnerungen, aber wenn ich daran denke, dass die vor so langer Zeit liefen fühle ich mich auf einmal sooooo alt.

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