The Fosters – Review

    TV-Kritik zur Dramedyserie von ABC Family – von Marcus Kirzynowski

    Rezension von Marcus Kirzynowski – 01.07.2013, 11:14 Uhr

    Stef (Teri Polo, 2. v. l.) und Lena (Sherri Saum, 3. v. l.) und ihre moderne Patchwork-Familie.

    Die Fosters sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch – nun ja, einem sehr modernen Bilderbuch. Die Eltern sind ein lesbisches Paar: Stef (Teri Polo) ist eine weiße Polizistin, ihre Partnerin Lena (Sherri Saum) eine afro-amerikanische Lehrerin. Bei ihnen leben: Brandon (David Lambert), der 16-jährige leibliche Sohn Stefs aus deren geschiedener Ehe sowie die adoptierten mexikanischen Geschwister Jesus (Jake T. Austin) und Mariana (Cierra Ramirez). In der Pilotfolge nehmen die beiden Frauen die 16-jährige Callie (Maia Mitchell) frisch aus dem Jugendknast als Pflegekind mit nach Hause, am Ende der Folge kommt noch deren kleiner Bruder Jude (Hayden Byerly) hinzu. Die beiden sollen eigentlich nur ein paar Tage bleiben, bis sich neue Pflegeeltern für sie gefunden haben; der erfahrene Zuschauer weiß aber natürlich sofort, dass sie ihnen und uns dauerhaft erhalten bleiben.

    „A new kind of family“ ist der aktuelle Senderclaim von ABC Family, dem Kabelsender, bei dem „The Fosters“ in den USA läuft. Und diesen Slogan haben die Serienschöpfer wirklich wörtlich genommen: Ihre Protagonisten sind die idealtypische moderne Patchwork-Familie, in der nicht nur Kinder verschiedener leiblicher Eltern leben, sondern die einzelnen Mitglieder auch noch unterschiedliche Hautfarben haben und die Familienoberhäupter ein gleichgeschlechtliches Paar sind. Das wird einerseits als erfrischende Normalität dargestellt, ist andererseits aber in dieser Häufung auch ein bisschen dick aufgetragen. Dazu trägt auch der sprechende Name der Familie bei, denn „foster parents“ sind im Englischen Pflegeeltern. Dass ausgerechnet die Polizisten-Mum dann auch noch ein straffällig gewordenes Mädchen aufnimmt, macht die Ausgangssituation nicht glaubwürdiger. Man vergisst diese Überkonstruktion aber schnell, da die Familie trotz aller dramaturgisch erforderlichen Reibungen und Probleme von Anfang an überraschend harmonisch wirkt. Spätestens am Ende der dritten Folge, wenn sich die ganze Gemeinschaft zum abendlichen Monopoly-Spielen versammelt, möchte man als Zuschauer am liebsten auch am Wohnzimmertisch Aufnahme finden.

    Wir erkunden diesen ungewöhnlichen Haushalt zunächst mit den Augen Callies, des jüngsten (und kurz darauf nur noch zweitjüngsten) Neuzugangs. Geprägt durch ihre Erfahrungen mit einem prügelnden Vater und wechselnden Pflegefamilien, ist die toughe Teenagerin erst einmal misstrauisch, was all die gezeigte Harmonie und Fürsorge betrifft. Auf der anderen Seite sind auch ihre neuen Stiefgeschwister ihr gegenüber reserviert, weil eine Jugendliche mit quasi krimineller Vergangenheit nicht so recht in die heile Welt des (Ersatz-)Elternhauses zu passen scheint. Sehr schnell merken aber alle, inklusive den Zuschauern, dass Callie ihr Herz am rechten Fleck hat und andere Familienmitglieder viel größere Geheimnisse haben. Da ist etwa Mariana, die sich per Internet regelmäßig mit ihrer leiblichen Mutter verabredet (die sie und ihren Bruder als kleine Kinder einfach zurückgelassen hat) und ihr Geld mitbringt. Und das muss sie schließlich erst einmal auftreiben. Bei Brandon, dem ältesten Sohn, sind es eher typische Teenagersorgen, mit denen er sich herumschlagen muss. Seine Freundin sieht es nämlich gar nicht gerne, dass er sich mit seiner etwa gleichaltrigen neuen ‚Schwester‘ blendend zu verstehen scheint.

    Die 16-jährige Callie (Maia Mitchell) wird von den Fosters aufgenommen.
    Was in schriftlicher Form alles reichlich klischeehaft klingen mag, wirkt durch die temporeiche Inszenierung und die sympathischen Darsteller überwiegend äußerst unterhaltsam und teilweise wirklich herzerwärmend. Auch wenn die Zielgruppe der Serie (und des Senders) eher Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 25 Jahren und darüber hinaus noch mittelalte Frauen mit eigenen Kindern sein dürften, kann sich ihrem Charme auch ein kinderloser männlicher Rezensent kaum entziehen. Dazu variieren die Autoren altbekannte Motive einfach viel zu geschickt. Das Grundkonzept der Serie erinnert stark an die kurzlebige 80er-Jahre-Comedy „Rags to Riches“, die als „Full House“ bei Tele 5 und RTL lief (nicht zu verwechseln mit der Sitcom gleichen deutschen Ausstrahlungstitels). In dieser adoptierte ein egozentrischer reicher Junggeselle fünf Waisenmädchen, die ebenfalls aus verschiedenen Familien und Ethnien stammten. Neu ist an „The Fosters“ vor allem der emanzipatorische Ansatz. Während in Deutschland nicht nur die CDU/CSU beim Gedanken an ein Adoptionsrecht für homosexuelle Partner noch den Untergang des Abendlandes heraufziehen sieht, scheint man in den USA doch schon zehn Schritte weiter zu sein, präsentieren uns die Autoren hier doch das aus zwei sich liebenden Frauen bestehende Elternpaar als Normalität. Und nicht nur das: Die Art, wie sie die Erziehung insbesondere der Pflege- und Adoptivkinder mit schwieriger früher Kindheit angehen, ist überwiegend vorbildhaft.

    Auf schauspielerischer Ebene können alle Leistungen überzeugen. Nicht nur die von Sherri Saum und Teri Polo, die bisher meist auf die Rolle der „Frau an seiner Seite“ festgelegt war (sei es als Gattin des neuen Doktors in „Ausgerechnet Alaska“, als Kandidatenehefrau in „The West Wing“ oder als Schwiegertochter in den „Meine Frau, … “-Kinofilmen), sondern vor allem die der jugendlichen Darsteller. Eine solche Serie steht und fällt naturgemäß mit der Ausstrahlung der Kinderfiguren und hier haben die für die Besetzung Verantwortlichen hervorragende Arbeit geleistet. Vor allem Maia Mitchell punktet mit ihrer Mischung aus Härte und Verletzlichkeit, aber auch alle anderen Kids wirken sympathisch und natürlich.

    „The Fosters“ ist modern inszeniert, mit solider Kameraarbeit, schönen Bildern von der kalifornischen Küste und vielen aktuellen Popsongs. In stilleren Momenten ist der Einsatz von Instrumentalmusik etwas zu penetrant, das muss wohl als Zugeständnis an ein Mainstreampublikum gewertet werden. Die Serie mag ein ‚Guilty Pleasure‘ sein, macht aber handwerklich fast alles richtig und bleibt dabei glaubwürdiger als fast alles, was bei den großen US-Network-Sendern zur Zeit zu sehen ist.

    Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Folgen von „The Fosters“.

    Meine Wertung: 3,5/5

    Marcus Kirzynowski
    © Alle Bilder: ABC Family

    Über den Autor

    Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit „Ein Colt für alle Fälle“, „Dallas“ und „L.A. Law“ auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für fernsehserien.de und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

    Lieblingsserien: Six Feet Under, Emergency Room, The West Wing

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