Guido Hammesfahr: „Peter Lustig war ein sehr offener und humorvoller Mensch“

    Interview über „Löwenzahn“-Jubiläum, Abschied von Helmut Krauss und gutes Kinderfernsehen

    Glenn Riedmeier – 15.05.2020, 10:00 Uhr

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    Guido Hammesfahr (l.) und Peter Lustig (r.)

    An diesem Wochenende zelebriert das ZDF den runden Geburtstag eines echten Kinderklassikers: „Löwenzahn“. Das 40-jährige Jubiläum wird gefeiert mit einem neuen Vierteiler aus Südafrika, ausgewählten Klassiker-Episoden sowie einer Abschiedsfolge von dem im August 2019 verstorbenen Helmut Krauss, der die Serie jahrzehntelang als Hermann Paschulke begleitet hat. Zu sehen ist das Jubiläumsprogramm am Samstag- und Sonntagmorgen (16./17. Mai) im ZDF, in der Nacht werden darüber hinaus ab 4 Uhr morgens ausgesuchte Klassiker mit Peter Lustig gezeigt – zahlreiche Folgen sind zudem auch in der ZDFmediathek abrufbar.

    Anlässlich des Jubiläums sprach fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier mit Schauspieler Guido Hammesfahr, der vor 14 Jahren in die Fußstapfen von Peter Lustig trat und seitdem bei „Löwenzahn“ als Hauptdarsteller Fritz Fuchs zu sehen ist. Er erläutert, was für ihn das Erfolgsgeheimnis der Sendung ist, welches Verhältnis er zu Peter Lustig und Helmut Krauss hatte, und was für ihn gutes Kinderfernsehen auszeichnet.

    fernsehserien.de: Lieber Herr Hammesfahr, „Löwenzahn“ wird 40 Jahre alt und ist bis heute eine der beliebtesten Kindersendungen überhaupt. Wie fühlt es sich an, ein prägender Teil dieser Sendung zu sein?

    Guido Hammesfahr: Wenn ich für die Sendung drehe, gehe ich voll in meiner Rolle auf und mache mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken darüber, welche Bedeutung das hat. Ich bekomme ja keine direkte Reaktion des Publikums wie etwa im Theater, aber ich merke, dass die Resonanz sehr gut ist. Mich freut besonders, dass gerade in der aktuellen Corona-Situation die „Löwenzahn“-Seite im Internet wahnsinnig oft angeklickt wird – vor allem von Kindern, die zu Hause sitzen und nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Unsere Sendung hat noch einmal eine ganz andere Relevanz bekommen, weil sie Natur-, Umwelt- und Technikthemen behandelt und die Zuschauer fernab von Corona unterhält und informiert.

    Guido Hammesfahr als Fritz Fuchs ZDF/Christiane Pausch

    Auch unabhängig von der aktuellen Situation ist „Löwenzahn“ wirklich ein Dauerbrenner. Was ist für Sie das Erfolgsgeheimnis dieser Sendung?

    Guido Hammesfahr: Ich glaube, das Besondere ist, dass wir immer eine Geschichte drumherum erzählen. Es gibt viele andere erfolgreiche Magazine oder Journale, die ebenfalls solche Themen aufgreifen, aber dadurch, dass sie bei „Löwenzahn“ in eine Geschichte eingebaut sind, nehmen wir die Kinder auf eine ganz andere Art an die Hand. Es gibt in jeder Folge eine bestimmte Problemstellung und die Kinder finden die unterschiedlichsten Dinge gemeinsam mit Fritz Fuchs beziehungsweise früher mit Peter Lustig heraus. Sie lernen zusammen mit den Hauptakteuren dazu – und das ohne erhobenen Zeigefinger. Wir machen keinen Frontalunterricht. Es hat sich als Erfolgsprinzip erwiesen, dass man Wissen besser und nachhaltiger vermitteln kann, wenn es in eine Geschichte eingebunden ist.

    „Löwenzahn“ ist zwar vorrangig eine Sendung für Kinder, aber es gibt auch viele erwachsene Fans. Wie erklären Sie sich das?

    Guido Hammesfahr: Das hat bestimmt viel mit ritualisiertem Fernsehverhalten zu tun. Junge Studierende, die nicht mehr bei den Eltern zu Hause wohnen, schalten am Sonntagmorgen immer noch gerne ein, weil es für sie ein Stück von Zuhause ist. Wir bieten ja auch ein Stück heile Welt. Es gibt zwar ein zu bewältigendes Problem und auch einen Spannungsaufbau – aber es geht immer gut aus. Und natürlich kann man auch als Erwachsener bei „Löwenzahn“ noch das eine oder andere erfahren, das man vorher nicht wusste.

    Fritz Fuchs (Guido Hammesfahr, r.) und Nachbar Paschulke (Helmut Krauss, l.) versuchen, mit der Kamera einen Blitz einzufangen. ZDF/Antje Dittmann

    Vor 14 Jahren sind Sie in die Fußstapfen von Peter Lustig getreten, der das Format über viele Jahrzehnte geprägt hat. Wie schwierig war es damals für sie, die Nachfolge anzutreten? Hatten Sie Angst vor negativen Reaktionen?

    Guido Hammesfahr: Es war zunächst einmal eine große Überraschung für mich, dass ich für diese Aufgabe ausgewählt wurde. Ich habe mich nicht dafür beworben, sondern wurde von der Produktionsfirma angerufen, nachdem eine Casterin die Empfehlung gab: „Guckt euch den mal an.“ Ich war zuvor überhaupt nicht im Kinderfernsehen aktiv, sondern bin beispielsweise als Kommissarassistent oder im Comedybereich bei „Ladykracher“ mit Anke Engelke tätig gewesen. Im Frühsommer fand das Casting statt, im Oktober fiel die Entscheidung und im November habe ich das erste Mal für „Löwenzahn“ gedreht. Ich habe mich damals gar nicht mit der Frage nach den großen Fußstapfen auseinandergesetzt. Dafür blieb nicht viel Zeit, weil ich viel zu sehr mit meiner Rolle beschäftigt war. Das kam erst versetzt, nachdem es ein Presseecho und Reaktionen auf die ersten Sendungen gab. Ich bin sehr froh, dass es gutgegangen ist und wir so viele Zuschauer abholen konnten.

    v. l. n. r.: Hermann Paschulke (Helmut Krauss), Peter Lustig und Fritz Fuchs (Guido Hammesfahr) ZDF/Antje Dittmann

    In welchem Verhältnis standen Sie zu Peter Lustig? Gab es hin und wieder Kontakt? Was war er für ein Typ?

    Guido Hammesfahr: Wir haben uns ganz gut verstanden und uns auch einige Male gesehen – bei den ZDF-Sommerfesten oder auch bei der Produktionsfirma, wo Peter Lustig ein paar Mal zu Besuch vorbeikam. Eine besondere Folge „Löwenzahn“ haben wir auch zusammen gedreht, die im Rahmen des Jubiläums noch einmal gezeigt wird. Peter Lustig war ein sehr offener und humorvoller Mensch und wir hatten immer viel Freude, wenn wir uns gesehen haben. Das Verhältnis war überhaupt nicht von Missgunst oder Skepsis geprägt. Er sagte: „Ich habe meinen Teil gemacht, jetzt bist du dran.“ Es waren Begegnungen auf Augenhöhe.

    Als Peter Lustig ausgestiegen ist, verschwand auch sein klassischer Satz „Ihr könnt jetzt abschalten“ aus „Löwenzahn“. Gab es Überlegungen, den Satz mit Ihnen zu übernehmen?

    Guido Hammesfahr: Nee, das war mir von Anfang an klar. Das war Peters Satz und ich wollte mir einen eigenen Satz überlegen. Der Spruch „Ich weiß ja nicht was ihr macht, aber Keks und ich, wir drehen noch ne Runde!“ ist mir spontan eingefallen und ich finde, der passt sehr gut. Der Hund muss ja schließlich auch mal raus – und Fritz muss raus in die Welt (lacht)!

    Auf der nächsten Seite erläutert Guido Hammesfahr, welche Erinnerungen er mit Helmut Krauss verbindet und was für ihn gutes Kinderfernsehen auszeichnet.

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