Collien Ulmen-Fernandes: „Niemand kann voraussehen, ab wann man wieder ein einigermaßen normales Leben führen kann“

    Interview über Corona-Familiendoku, Ausstieg bei „The Masked Singer“ und zweites Ja-Wort

    Glenn Riedmeier – 24.04.2020, 14:24 Uhr

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    Collien Ulmen-Fernandes beim Dreh zu „Familien allein zu Haus“

    Die anhaltende Corona-Krise stellt die Menschen vor ganz neue Herausforderungen. In einer neuen ZDFneo-Produktion steht im Mittelpunkt, wie insbesondere Familien mit dem Lockdown umgehen. Wie kommen Eltern mit der Situation klar, dass Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen geschlossen sind und sie zum Teil im Homeoffice arbeiten müssen, während das Alltagsleben, Freunde treffen, Großeltern besuchen oder ins Kino gehen momentan nicht möglich ist? Diesen und mehr Fragen geht Collien Ulmen-Fernandes in dem Social Factual „Familien allein zu Haus“ auf den Grund, das kurzfristig am Samstag, 25. April um 19:30 Uhr bei ZDFneo ausgestrahlt wird. Schon ab 10 Uhr wird die Sendung in der ZDFmediathek bereitgestellt.

    Gedreht wurde unter Berücksichtigung der geltenden behördlichen Corona-Regelungen. Drei Familien – eine aus Niedersachsen, eine aus Hamburg und eine in Italien lebend – filmten und dokumentierten mit fest installierten Kameras ihren neuen Alltag in Zeiten der Pandemie. Eltern und Kinder hielten ihre Eindrücke des Tages in einem persönlichen Videotagebuch fest.

    Collien Ulmen-Fernandes sprach mit fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier über das kurzfristig ins Leben gerufene Projekt und darüber, wie sie selbst mit der Corona-Krise umgeht. Darüber hinaus erläutert die Schauspielerin und Journalistin, ob sich der Dreh neuer „jerks.“-Folgen verzögert, weshalb sie nicht in der zweiten Staffel von „The Masked Singer“ mitwirkt und wie es dazu kam, dass sie und ihr Mann Christian Ulmen sich ein zweites Mal das Ja-Wort gegeben haben.

    fernsehserien.de: Liebe Frau Ulmen-Fernandes, wie ist die Idee zu dem Projekt „Familien allein zu Haus“ entstanden?

    Collien Ulmen-Fernandes: Wir befanden uns eigentlich in der Vorbereitung zu einer anderen Sendung und haben während unserer Telefonkonferenzen festgestellt, dass wir nur noch über Corona und die derzeitige Situation reden. Im Hintergrund war immer irgendein Kind zu hören, das irgendetwas wollte. Dann haben wir uns darüber unterhalten, wie es eigentlich mit dem Homeschooling läuft, welche Apps benutzt werden usw. Ich habe irgendwann vorgeschlagen, ob wir nicht genau darüber eine Sendung machen wollen. Das fanden alle Beteiligten sofort total gut und so hat man ganz kurzfristig diese Produktion ins Leben gerufen. Ich freue mich auch darüber, dass ZDFneo so spontan gesagt hat: „Ja, das machen wir.“

    ZDF/Oliver Fuchs

    Wie ist denn der aktuelle Stand? Sind die Dreharbeiten schon abgeschlossen oder wird die Sendung noch fertig produziert?

    Collien Ulmen-Fernandes: Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es die Dokumentation noch nicht in voller Gänze. [Anm: Das Interview wurde am Dienstagnachmittag geführt.] Wir befinden uns noch mitten im Arbeitsprozess. Das wird mit ganz heißer Nadel gestrickt, so dass wir den Zuschauern am Samstag das fertige Werk präsentieren können.

    Welche Eindrücke haben Sie während der Dreharbeiten gewonnen? Welche Sorgen und Nöte haben die Familien am häufigsten geschildert?

    Collien Ulmen-Fernandes: Wir begleiten drei verschiedene Familien mit höchst unterschiedlichen Gemütszuständen – von Lagerkoller bis Zusammenrücken. Eine deutsche Familie in Rom ist viel härter und schon deutlicher länger dieser Situation ausgesetzt als wir in Deutschland. Dort ist ziemlich Land unter. Die Eltern sind zu zweit mit einem Kleinkind und dürfen nicht spazieren gehen. Sie haben es versucht, wurden von der Polizei angehalten und zurückgeschickt. Beide Elternteile sind beruflich mit Homeoffice und stundenlangen Videokonferenzen überfordert und müssen nebenbei das Kind unterhalten. Bei einer Familie mit drei Kindern in Hamburg herrscht ebenfalls Lagerkoller.

    In der Dokumentation kommen auch Psychologen und Pädagogen als Experten zu Wort. Welche Tipps geben sie Familien, um die Zeit etwas angenehmer zu gestalten?

    Collien Ulmen-Fernandes: Unsere Psychologin hat der Hamburger Familie geraten, einen Tagesplan zu erstellen und darin auch spaßige Aktivitäten einzutragen – also von wann bis wann zum Beispiel mit den Kindern Gesellschaftsspiele gespielt werden. Die Familie hat daraufhin kurzerhand die Koffer gepackt und ist „in den Urlaub gefahren“ – in den eigenen Garten, wo sie gezeltet haben. Das hat die Familie tatsächlich näher zusammengebracht, weil sie die Krise als Chance nutzen.

    Die Experten geben also auch Ratschläge für die Zuschauer, die sich in einer ähnlichen Situation befinden?

    Collien Ulmen-Fernandes: Auf jeden Fall. Ich selbst hatte im Vorfeld total viele Fragen und bin mit einem großen Fragenkatalog in die Interviews gegangen. Wir reden mit einem Hirnforscher, mit einer Psychologin, mit einer Pädagogin aus dem schulischen Bereich und mit einem Zukunftsforscher. Mit der Genderforscherin Stevie Schmiedel, mit der wir schon für „No More Boys and Girls“ zusammengearbeitet haben, spreche ich außerdem über die Geschlechterrollen in diesen Zeiten. Wir behandeln das Thema sehr umfangreich und bringen sämtliche Facetten zur Sprache.

    Collien Ulmen-Fernandes im Gespräch mit einem Experten per Videocall.ZDF/Oliver Fuchs

    Im letzten Jahr lief bei ZDFneo Ihre Dokumentation „Generation Helikopter-Eltern?“. Reagieren solche Eltern nicht noch heftiger auf die derzeitige Ausnahmesituation?

    Collien Ulmen-Fernandes: Ja, auch dieses Thema streifen wir. Unser Experte Dr. Ralph Dawirs aus „Generation Helikopter-Eltern?“ ist auch wieder dabei. Beim Homeschooling sind die Kinder natürlich ihren Eltern schutzlos ausgeliefert. Wenn die ihre Kinder dazu bewegen wollen, immer mehr und mehr und noch mehr zu machen, ist es wichtig für die Kinder, im Austausch mit den Lehrern zu bleiben, um die übereifrigen Eltern etwas auszubremsen (lacht). Das ist für alle Beteiligten keine leichte Situation.

    Wie ist das denn bei Ihnen persönlich? Sie sind ja selbst Mutter – inwiefern beeinträchtigt die Tatsache, dass Ihre Tochter jetzt nicht zur Schule gehen kann, Ihren Alltag?

    Collien Ulmen-Fernandes: Das ist auch für uns etwas schwierig. Wenn ich vor einer Telefonkonferenz für meine Tochter ein Arbeitsblatt ausdrucke und sie bitte, das zu bearbeiten, ist nach einer Dreiviertelstunde nichts passiert, außer dass sie einen Smiley draufgemalt hat. Das Homeschooling ist nichts, was man mal eben so nebenbei machen kann. Mein Mann und ich haben festgestellt, dass wir neben ihr sitzen bleiben, jede Aufgabe mit ihr durchgehen und sie motivieren müssen, weil sie sonst nichts für die Schule macht. Parallel müssen wir aber auch arbeiten und ein gewisses Pensum erfüllen. Deshalb lief das bei uns mit dem Homeschooling erst mal nur semi-gut (lacht).

    Teilen Sie die Zeit mit Ihrem Mann Christian Ulmen auf?

    Collien Ulmen-Fernandes: Ja, wir wechseln uns ab. Letzte Woche war ich für das Homeschooling zuständig, diese Woche Christian. Ich bin sehr froh, dass wir uns da abwechseln können (lacht)! Es ist auch sehr wichtig, gerade in Zeiten der Krise diesbezüglich nachzuverhandeln, weil es eben leider all zu oft der Fall ist, dass die Arbeit mit den zu Hause gebliebenen Kindern an den Müttern hängenbleibt. Es müssen in diesen Zeiten alle Aufgaben auf den Tisch gelegt und gegebenenfalls neu verteilt werden, damit nicht ein Partner mit der so genannten Care-Arbeit alleine gelassen wird.

    Collien Ulmen-Fernandes versucht, Homeoffice, Homeschooling und Haushalt unter einen Hut bringen. ZDF/Oliver Fuchs

    Auf der nächsten Seite erläutert Collien Ulmen-Fernandes, ob sich der Dreh neuer „jerks.“-Folgen verzögert, weshalb sie nicht in der zweiten Staffel von „The Masked Singer“ mitwirkt und wie es dazu kam, dass sie und ihr Mann sich ein zweites Mal das Ja-Wort gegeben haben.

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