Beatrice Egli: „Viele geben nicht offen zu, dass sie darauf stehen“

    Interview über den Schlagerboom, ihre neue Kuppelshow und ihre Auszeit in Australien

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 14.06.2019, 13:30 Uhr

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    Beatrice Egli moderiert ‚Schlager sucht Liebe‘ MG RTL D / Bernd-Michael Maurer
    Beatrice Egli moderiert ‚Schlager sucht Liebe‘ MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

    Ab dem 16. Juni sind Sie auch wieder im Fernsehen zu sehen. RTL strahlt nach auffallend langer Wartezeit die neue Kuppelshow „Schlager sucht Liebe“ aus. Sie wurden als Moderatorin dieses Formats verpflichtet, was mich zunächst durchaus überrascht hat. Wie würden Sie die Sendung beschreiben?

    Beatrice Egli: Ich bin als Kupplerin im Auftrag der Liebe unterwegs (lacht)! So facettenreich wie die Liebe ist auch dieses Format. Wir haben unterschiedlichste Generationen an Schlagersängerinnen und -sängern, die auf der Suche nach der Liebe sind. Es ist spannend zu sehen, wie und wo sie ihre potenziellen Partner kennenlernen. Und ich gebe es zu: Ich schaue gerne in fremde Wohnungen, um zu sehen, wie andere Leute leben (lacht)! Ich habe die fertigen Folgen schon gesehen und konnte nicht aufhören zu gucken. Die Sendung ist wirklich ein Riesenspaß! Für mich ist sie auch deshalb etwas Besonderes, weil ich seit „DSDS“ nach sechs Jahren zum ersten Mal wieder etwas bei RTL mache – und das sogar als Moderatorin.

    Sie selbst hätten prinzipiell auch bei „Schlager sucht Liebe“ als Kandidatin mitmachen können. Wäre das für Sie infrage gekommen? Welche Eigenschaften schätzen Sie an potenziellen Partnern?

    Universal Music
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    Beatrice Egli: Mit der Liebe ist es nie leicht, egal ob man prominent ist oder nicht. Für mich persönlich käme es nicht infrage, im Fernsehen auf Partnersuche zu gehen. Ich bin jemand, der sein Privatleben gerne schützt und im Stillen genießt. Bei einem Mann schätze ich es, wenn er viel Humor hat, damit man gemeinsam lachen kann. Ich finde es aber genauso wichtig, dass man über sich selbst lachen kann. Ansonsten sind mir Ehrlichkeit, Leidenschaft und Romantik wichtig, die man vor allem auch im Alltag lebt.

    Kuppelshows haben nicht unbedingt den besten Ruf, wenn man etwa an „Schwiegertochter gesucht“ denkt, wo die Kandidaten vorgeführt werden. In welche Richtung geht „Schlager sucht Liebe“?

    Beatrice Egli: Klar sagen alle immer: Wie kann man sich so etwas ansehen? Aber letztendlich gucken es trotzdem viele, weil es einfach interessant ist zu sehen, wie sich Menschen verlieben – oder eben auch nicht. Ich kann sagen: „Schlager sucht Liebe“ ist wirklich eine tolle Sendung geworden. Von Kaputtlachen über traurig bis herzerwärmend ist alles dabei! Und zum schlechten Ruf – das ist eigentlich wie mit der Schlagermusik. Viele geben nicht offen zu, dass sie darauf stehen – aber mitsingen können sie die Songs dann doch (lacht)! Ich stehe seit ich 14 bin auf der Bühne und singe Schlager. Ich musste mir schon alle möglichen Sprüche anhören und noch vor sechs Jahren sagte man mir bei „DSDS“: „Wie, du singst Schlager? Das hört doch keiner.“ Und was ist passiert? Der Schlager boomt jetzt schon seit Jahren.

    Absolut, manche gingen von einem vorübergehenden Trend aus, doch der Schlagerboom hält jetzt schon lange an und spricht auch immer mehr junge Leute an. Wie erklären Sie sich das?

    Beatrice Egli: Der Schlager ist einfach mit der Zeit gegangen. So wie sich Pop heute anders anhört als vor 30 Jahren, hört sich auch Schlager heute anders an als noch in den 80er Jahren. Klar geht es immer noch viel um die Liebe, aber die Sprache ist zeitgemäßer und die Produktion moderner geworden. Mich freut besonders, dass gerade der Schlager so generationenverbindend ist. Auf meinen Konzerten sind von den Großeltern bis zu den Kids alle vertreten.

    SRF/Mirco Rederlechner
    SRF/Mirco Rederlechner

    Der Musikmarkt an sich hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Immer weniger Leute kaufen sich CDs, stattdessen wurde Streaming immer populärer. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

    Beatrice Egli: Da bin ich zwiegespalten. Einerseits ist es natürlich toll, mit einem Klick Zugriff auf so viel Musik zu haben, aber ich empfinde es auch als gefährlich, weil Musik oft nur noch nebenbei konsumiert wird, ohne wirklich hinzuhören.

    Im nächsten Jahr endet die Show „Willkommen bei Carmen Nebel“, in der Sie selbst regelmäßig zu Gast sind. Wenn das ZDF auf Sie zukommen sollte und Interesse an Ihnen als Nachfolgerin von Carmen Nebel hätte – könnten Sie sich das vorstellen?

    Beatrice Egli: Das Moderieren ist wirklich etwas, das ich in den letzten Jahren immer mehr für mich entdeckt habe und gerne mache. Es wird in diesem Jahr diesbezüglich auch noch mehr von mir zu sehen geben. Grundsätzlich bin ich erst mal offen und freue ich mich über jede Anfrage. Aber natürlich muss es auch zu mir passen und eine Sendung sein, hinter der ich auch stehen kann. Das ist mir wichtig.

    Auf Ihrer „Wohlfühlgarantie“-Tour haben Sie auch Ihr schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt und sind in die Rolle von vier unterschiedlichen Frauenfiguren geschlüpft. Würden Sie als ausgebildete Schauspielerin generell gerne mehr in dieser Richtung machen?

    Beatrice Egli: Sehr gerne würde ich mich in der Schauspielerei mehr ausleben. Im August kommt erst mal „Playmobil – Der Film“ in die Kinos, in dem ich eine Zauberfee synchronisieren durfte! In den USA wird sie von Meghan Trainor gesprochen und ich fühle mich geehrt, dass ich diese Aufgabe in der deutschen Fassung übernehmen durfte. Allgemein habe ich im Schauspielbereich noch viele Träume und Ziele. Ein großer Traum von mir ist immer noch, einmal bei „Rosamunde Pilcher“ mitzuspielen!

    Universal Music
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    Als prominente Person der Öffentlichkeit liest man nicht nur nette Dinge über sich. Wie gehen Sie mit Schlagzeilen über sich um?

    Beatrice Egli: Es ist schon lustig zu sehen, was so alles über einen geschrieben wird. Während meiner Australienreise wurde zum Beispiel gemunkelt, dass dort ich einen Surfer geheiratet haben könnte (lacht)! Mit Kritik kann ich mittlerweile gut umgehen, solange sie konstruktiv ist. Was mich hingegen wirklich ärgert ist, wenn unwahre Dinge verbreitet werden. Am meisten getroffen hat es mich, als eine Zeitung mal behauptet hat, ich sei so arrogant und abgehoben geworden, dass ich keine Autogramme mehr geben würde. Das hat mich wirklich verletzt, weil es einfach erstunken und erlogen war. Ich habe sogar am Tag davor noch stundenlang Autogramme gegeben. Umso dankbarer war ich meinen Fans, die mich verteidigt haben und es richtiggestellt haben. Meine Stimme allein wäre da nicht ausreichend gewesen.

    Wenn Sie die vergangenen sechs Jahre seit Ihrem „DSDS“-Sieg Revue passieren lassen – gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden oder gar bereuen?

    Beatrice Egli: Nein, ich habe auf meiner Reise in Australien für mich erkannt, dass das, was in der Vergangenheit passiert ist, zum jeweiligen Zeitpunkt genau richtig war. Alles hat mich auf den Weg gebracht, auf dem ich mich heute befinde. Ich bin davon überzeugt, dass einen eher die Dinge stärker machen, über die man stolpert. Das stellt man aber meistens erst im Nachhinein fest.

    Abschließend hätte ich noch ein paar Entscheidungsfragen an Sie. Entscheiden Sie sich aus zwei Begriffen bitte jeweils für den, der Ihnen mehr zusagt:

    Gummibärchen oder Schokolade? BE: Schokolade

    Sommer oder Winter? BE: Sommer

    Strand oder Berge? BE: Oh, das ist schwierig, da kann ich mich nicht entscheiden.

    Schlager oder Rock? BE: Schlagerrock!

    Tournee oder Fernsehshow? BE: Tournee

    Serien oder Filme? BE: Filme

    Disko oder Spieleabend? BE: In der Disko Spieleabend!

    Pippi Langstrumpf oder Pumuckl? BE: Pippi Langstrumpf

    Elton oder Bernhard Hoëcker? BE: Elton

    Schweiz oder Australien? BE: Schweiz

    Vielen Dank für das sympathische Interview und alles Gute für die Zukunft!

    Das neue Album „Natürlich!“ von Beatrice Egli erscheint am 21. Juni, auch als limitierte Deluxe-Version. Die neue Sendung „Schlager sucht Liebe“ ist ab dem 16. Juni sechs Wochen lang sonntags um 19.05 Uhr bei RTL zu sehen. Die komplette Staffel inklusive einer Bonusfolge wird ab dem 16. Juni im Premiumbereich von TVNOW vorab zur Verfügung gestellt.

    Universal Music
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    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

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