Beatrice Egli: „Viele geben nicht offen zu, dass sie darauf stehen“

    Interview über den Schlagerboom, ihre neue Kuppelshow und ihre Auszeit in Australien

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 14.06.2019, 13:30 Uhr

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    Beatrice Egli in Australien – Bild: Universal Music
    Beatrice Egli in Australien

    Beatrice Egli gewann 2013 „Deutschland sucht den Superstar“ und hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Castingsiegern im Geschäft etablieren können. Ihr ist das Kunststück gelungen, dass sie eigentlich nicht mehr mit der Castingshow in Verbindung gebracht wird, denn sie zählt heute zu den erfolgreichsten Schlagersängerinnen überhaupt – doch die permanente Arbeit im Rampenlicht ging nicht spurlos an ihr vorbei. Anfang des Jahres gönnte sie sich deshalb eine mehrmonatige Auszeit und erfüllte sich den Traum einer Reise nach Australien.

    Nun ist Beatrice Egli wieder gestärkt zurück – und hat einige Neuigkeiten im Gepäck. Im Rahmen der feierlichen Eröffnung der neuen Streaming-Playlist Herzstück von Amazon Music sprach fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier mit der Sängerin darüber, weshalb sie mit ihren körperlichen Kräften fast am Ende war. Bemerkenswert tiefgründig erörtert sie, welche Erkenntnisse sie während ihrer Auszeit in Australien über sich selbst gewonnen hat. Darüber hinaus erläutert Egli, weshalb sie die neue Kuppelshow „Schlager sucht Liebe“ (ab 16. Juni sonntags um 19.05 Uhr bei RTL) moderiert, ob sie sich vorstellen könnte, die Nachfolge von Carmen Nebel anzutreten, wie sie sich den anhaltenden Schlagerboom erklärt und was die Fans auf ihrem neuen Album „Natürlich!“ erwartet, das an ihrem Geburtstag (21. Juni) erscheint.

    fernsehserien.de: Liebe Frau Egli, Anfang des Jahres haben Sie sich eine längere Auszeit in Australien gegönnt. Mit der Reise haben Sie sich einen lange gehegten Traum erfüllt. Woher kommt Ihre Faszination für dieses Land?

    Beatrice Egli: Australien ist ein Land mit unendlichen Weiten. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal den Wunsch verspürt, einmal ganz weit weg zu sein – und weiter weg als Australien geht ja nicht. Dieser Wunsch ist geblieben, bis ich ihn mir Anfang diesen Jahres endlich erfüllen konnte. Mich hat es in die Ferne gezogen, um mal Abstand von allem zu bekommen.

    Beatrice Egli machte einen Road Trip durch Australien
    Beatrice Egli machte einen Road Trip durch Australien

    Wie haben Sie Ihre Reise verbracht? Wurden Ihre Erwartungen an Australien erfüllt?

    Beatrice Egli: Ja, absolut! Mich hat fasziniert, wie abwechslungsreich das Land ist. Melbourne ist zum Beispiel ganz anders als Sydney. Meine Reise begann im Camper, zusammen mit einem befreundeten Ehepaar und zwei Kindern. Danach habe ich mir ein Auto gemietet und war drei Wochen lang alleine im Outback unterwegs. Ich bin einfach losgefahren, ohne zu wissen, wohin es mich verschlägt. Ich habe gezeltet, im Auto geschlafen und nur ab und zu in Hotels übernachtet. Ich wollte bewusst keinerlei Luxus – bis auf genügend Getränke im Auto. Die waren dringend notwendig auf den langen Strecken, bei denen Hunderte von Kilometern einfach nichts kommt! Es war auch richtig erholsam, mal auf Facebook und Instagram zu verzichten und unerkannt ein ganz normales Leben zu führen – nicht als Sängerin Beatrice, sondern als Schweizer Mädchen auf Reisen.

    Es war zu lesen, dass Sie Ende 2018 mit Ihren körperlichen Kräften am Ende waren. Wie ist es dazu gekommen und weshalb ging es Ihnen damals gar nicht so gut?

    Beatrice Egli brauchte eine Auszeit
    Beatrice Egli brauchte eine Auszeit

    Beatrice Egli: Ich habe in den vergangenen sechs Jahren seit „DSDS“ quasi durchgearbeitet. Es waren wunderschöne Jahre, für die ich auch sehr dankbar bin. Aber sie waren intensiv und haben auch körperlich an mir gezehrt. Im Herbst 2018 war ich auf großer Tour – und ich war kurz davor, die letzten Termine abzusagen. Aber das hätte mir das Herz gebrochen. Bei der Tour war ich von A bis Z involviert und wir haben schon das ganze Jahr über so viel Energie in die Planung gesteckt. Aber dann hat mich die Grippe erwischt, die ich über die ganze restliche Tour mitgeschleppt habe. Mein Körper war echt am Ende und unmittelbar vor den Auftritten wusste ich oft nicht, wie ich das jetzt schaffen soll. Es gab Momente, in denen ich geweint habe. Aber als ich dann auf der Bühne stand, habe ich so viel vom Publikum zurückbekommen und konnte die Schmerzen ignorieren. Ich bin an mein körperliches Limit gegangen, aber es ist unglaublich, welche Kraft Liebe – in dem Fall Liebe zu meinem Job und den Fans – besitzt!

    Das klingt wirklich so, als wäre eine Auszeit dringend nötig gewesen.

    Beatrice Egli: Ja, ich darf ein tolles Leben führen und ich bin unendlich dankbar für alles, was ich bisher schon erleben durfte. Aber trotz aller Leidenschaft und Liebe habe ich auch eine Seele, die dringend eine Pause brauchte. In meinem Job ist man ständig unterwegs und man kommt nie irgendwo richtig an. Und nach sechs Jahren war ich irgendwann an einem Punkt, an dem ich mich gefragt habe: Ist das wirklich noch das, was ich machen möchte? Mache ich das Richtige für mich?

    Haben Sie die Antwort in Australien gefunden?

    Beatrice Egli: Es hätte passieren können, dass ich dort feststelle, dass ich nicht mehr zurück will. Ehrlich gesagt hatte ich Angst davor, dass es zu einem solchen Gefühl kommen könnte. Aber zum Glück kam es anders. Nach sechs Wochen habe ich meinen Produzenten Joachim Wolf kontaktiert und gesagt: „Mir fehlt die Musik!“ Ich habe gemerkt, wie sehr die Musik zu meinem Leben gehört. Und dann haben wir in Australien begonnen, die Songs für das neue Album zu entwickeln.

    Bei dem ersten neuen Song „Terra Australia“ handelt es sich sogar um eine regelrechte Hymne auf Australien. Der Song ist hervorstechend und man spürt, dass der Text wirklich etwas mit Ihnen zu tun hat. Sie singen darin, dass Sie in Australien zu sich selbst gefunden haben. Und tatsächlich: Sie sind ja ohnehin für Ihre positive Ausstrahlung und Ihr Lächeln bekannt – doch seit Sie aus Australien zurück sind, wirken Sie noch viel glücklicher und zufriedener. Können Sie beschreiben, was die Reise mit Ihnen gemacht hat?

    Beatrice Egli: Die Reise hat wirklich etwas mit mir gemacht und es ist gar nicht so leicht zu beschreiben, was das genau war. Ich habe die Zeit genutzt, um zu reflektieren und mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Das war nicht nur schön, denn auch ich habe Seiten an mir, die ich nicht toll finde. Ich hatte die Vorstellung, dass alles anders ist, wenn ich weit weg bin. Aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, spielt die Entfernung gar keine Rolle. Man bleibt immer man selbst, egal wo man sich auf diesem Erdball befindet. Für mich war die Reise aber wichtig, um wieder zu mir selbst finden. Ich bin nie irgendwo richtig sesshaft geworden – auch jetzt nicht. Ich habe momentan keinen festen Wohnsitz. Ich habe schon vor der Tour meine Wohnung in der Schweiz aufgelöst und den Großteil meiner Sachen verkauft oder verschenkt. Ich bin auf der Suche nach einem neuen Nest. Aber ich genieße es, komplett neu anfangen zu können. Momentan ist alles möglich.

    Auf der nächsten Seite erläutert Beatrice Egli, wie sie bei ihrem ersten Auftritt nach ihrer Rückkehr nach Deutschland emotional überwältigt wurde und was die Fans auf ihrem neuen Album erwartet.

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