Familie von Johannes Heesters will „Goldene Kamera“ aus Protest zurückgeben

     … und Heesters’ Vergangenheit „lückenlos“ aufklären

    Jutta Zniva – 05.04.2012, 08:20 Uhr

    Die Goldene Kamera – Bild: Hörzu
    Die Goldene Kamera

    Aus Protest über einen Bericht der „Bild“-Zeitung vom 28. März über die – dokumentiert – steigenden Film- und Theatergagen von Johannes Heesters während der Nazi-Zeit will die Familie des 2011 verstorbenen Schauspielers und Sängers die Goldene Kamera, mit der Heesters 2002 für sein Lebenswerk geehrt worden war, an den Axel-Springer-Verlag zurückgeben.

    Heesters’ Witwe Simone Rethel sagte laut „dapd“-Meldung der „Bunten“, sie habe sich in Rücksprache mit den Töchtern ihres verstorbenen Mannes entschlossen, den von der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ vergebenen Film- und Fernsehpreis wegen der „diffamierenden Berichterstattung“ in der „Bild“-Zeitung zurückzugeben. Man sehe Heesters’ Lebenswerk stark beschädigt und ihn durch Falschbehauptungen verunglimpft. Rethel kündigt laut „SZ“-Kurzmeldung außerdem die „lückenlose Aufklärung“ der Vergangenheit ihres Mannes an.

    Ein Sprecher des Axel-Springer-Verlags erklärte laut einer Meldung auf orf.at, der „Bild“-Bericht über die steigenden Gagen des Schauspielers habe Heesters’ Lebenswerk nicht infrage gestellt und Heesters auch nicht in die Nähe der Nazis gerückt. Es seien lediglich Fakten aus den Akten des Bundesarchivs wiedergegeben worden.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Eine Katastrophe, was diese irren Zeitungen, an der Spitze die "Bild", dauernd zu schnattern haben. Wie alte Waschweiber. Sollen doch nun endlich Ruhe geben. Kotzt die "BILD-Schmierfinken" das weibische Gezeter nicht
      selber an ? Dabei stimmt nur der erste und der letzte Buchstabe der Zeitung, alles andere ist erdachte "LÜGE". Und niemand macht die Kerlchen der "BILD" dingfest.
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        Mit Heesters will ich nichts zu tun haben.

        Aber ich fand die Seite in der BILD total verblödet:
        Abgedruckt wurden nur die Einkünfte der Schauspieler im Reich, sonst nix.
        Das Blatt ist irgendwie nur was für die Leute, die sich selbst keine Gedanken machen, sondern gerne vorgekaute Sachen nachplappern.

        Darunter auch die Einkünfte eines Volksschauspielers im Reich, der (und das war gar nicht kommentiert) in einem KZ von den Russen 1946 umgebracht wurde.
        • am via tvforen.demelden

          M.D.Krauser schrieb:
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          > Das Blatt ist irgendwie nur was für die Leute,
          > die sich selbst keine Gedanken machen, sondern
          > gerne vorgekaute Sachen nachplappern.

          Ich gebe zu, ich habe, was das betrifft, Vorurteile, aber der BILD glaube ich nichtmal die Fußballergebnisse.
        • am via tvforen.demelden

          Sehr investigativ fand ich vor allem, dass die BILD endlich mal publik machte, dass Ingrid Bergman für "Casablanca" 50.000 Reichsmark erhalten hat...
          Soviel zum Thema BILD und seriöser Journalismus...
        • am via tvforen.demelden

          Mein Gott, laßt ihn doch in Frieden Ruhen!
          Es gibt auch heute Leute die recht zweifelhaft ihr Geld verdienen .
          Nur wird das vertuscht und nicht weiter kommentiert.
          Geben Diktatoren die Hand, und lassen sich dabei noch filmen.
          Ist das denn toll?
          Mit Sicherheit nicht.
          Was dieser Bericht überhaupt sollte, verstehe ich nicht.
          Nun ist er tot und kann sich nicht mehr wehren.
          Ich verstehe die Familie voll und ganz !!!
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          Das Hacken kommt anscheinend neu in Mode ...
        • am via tvforen.demelden

          dermichel schrieb:
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          > Sehr investigativ fand ich vor allem, dass die
          > BILD endlich mal publik machte, dass Ingrid
          > Bergman für "Casablanca" 50.000 Reichsmark
          > erhalten hat...
          > Soviel zum Thema BILD und seriöser
          > Journalismus...

          Wie? Was?
          Reichsmark erhalten für "Casablanca"?
          Das ist doch sicher aus dem Zusammenhang gerissen, oder wie habe ich das zu verstehen?
          Haben die etwa keinen einzigen in der Redaktion, der den Film gesehen hat? (Abgesehen davon, dass ihre Gage bestimmt in US-Dollar ausgezahlt wurde.)
        • am via tvforen.demelden

          worum gehts? ;-)
        • am via tvforen.demelden

          Ich hätte mir die BILD wirklich aufheben sollen...
          Rechts neben dem Bericht waren einige Schauspieler aufgelistet und wieviel RM sie für welchen Film erhalten haben. Und unter anderem wird dort auch Ingrid Bergman für Casablanca gelistet. Auf der Internet-Seite steht das auch noch. Ganz am Ende der Seite unter der Rubrik "Das verdienten Hitlers Filmstars" und dann auf Seite 2.
        • am via tvforen.demelden

          dermichel schrieb:
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          > Ich hätte mir die BILD wirklich aufheben
          > sollen...
          > Rechts neben dem Bericht waren einige Schauspieler
          > aufgelistet und wieviel RM sie für welchen Film
          > erhalten haben. Und unter anderem wird dort auch
          > Ingrid Bergman für Casablanca gelistet. Auf der
          > Internet-Seite steht das auch noch. Ganz am Ende
          > der Seite unter der Rubrik "Das verdienten Hitlers
          > Filmstars" und dann auf Seite 2.


          Ich habe mir die betreffende Internetseite mal herausgesucht... Abgesehen davon, daß ich bezweifle, daß der Verfasser des Artikels, dieser Herr John Puthenpurackal, überhaupt eine Ahnung hat vom deutschen Film der 30er und 40er Jahre, finde ich seine Argumentation, oder sagen wir besser seine suggerierende Formulierungsweise sehr fragwürdig (naja, Bild-Zeitungs-Niveau eben).
          Heesters und Rühmann "hätten Kasse gemacht". Na und? Heesters hätte in einer arisierten Villa gelebt. Problem? Er hätte anfangs nur 6000 Reichsmark bekommen. Ja, und? Das ist nun mal normal im Filmgeschäft, daß ein wenig bekannter Schauspieler weniger Gage bekommt als ein Star. Später war Heesters ein Star. Was hätte er tun sollen? Hätte er sagen sollen : "Nein, danke! Wir haben Krieg, ich nehme keine 40.000 RM pro Film." ? Sofern er das Geld nicht irgendwie in Sachwerte anlegen konnte, war es nach Kriegsende eh nicht mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde.
          Der ganze Artikel ist einfach nur auf die üblichen Bild-Zutaten aufgebaut. Andeutungen, Verdrehungen und dergl.


          Zu Ingrid Bergman möchte ich mal behaupten, daß da einfach der Filmtitel "Casablanca" in völlig falschem Zusammenhang auftaucht. Die Liste der Einkünfte bezog sich auf das Jahr 1939, vermutlich die Filmaktivitäten des Jahres 1938 berücksichtigend. Denn 1938 drehte Ingrid Bergman auf dem Weg nach Hollywood bei der UFa den Spielfilm "Die vier Gesellen" an der Sete von Hans Söhnker. Es war ihr einziger deutscher Vorkriegsfilm. Vermutlich hat sie dafür die 50.000 RM erhalten, auch wenn ich die Summe anzweifle.
          Der Fimtitel "Casablanca" steht bei ihr als bekanntester Film in KJlammern. Wobei ich auch sagen muß, daß die anderen "bekanntesten" Filme auch nicht aus dem Jahre 1938 stammen und bei einigen Schauspielern auch nicht wirklich die "bekanntesten" sind.

          Sehr kurios ist ja, daß in allen Filmdokumentationen über die Karriere von Ingrid Bergman ihr deutsches Film-Intermezzo, in dem sie übrigens sehr gut deutsch spricht, geflissentlich ausgelassen wird.
        • am via tvforen.demelden

          Kommt davon wenn man querliest...
        • am via tvforen.demelden

          Na ja, so einfach ist es nun aber auch nicht. In einer "arisierten Villa" gelebt zu haben bedeutet, persoenlichen Vorteil aus der Ermordung einer juedischen Familie gezogen zu haben. Und sowohl Ruehmann als auch Heesters waren sehr eng mit nationalsozialistischen Regierungsmitgliedern verbandelt. Auch damals "Musste" man nicht mit Goebbels Tee trinken. Dass es auch anders ging zeigen Schauspieler wie Theo Lingen oder Hans Moser, ganz zu schweigen von Kuenstlern wie Thomas Mann, Erich Kaestner etc. etc.

          Den Bildzeitungsartikel habe ich nicht gelesen. Er interessiert mich auch nicht. Aber jetzt jeden Filmschaffenden, der sich bei den Nazis bequem eingerichtet hat, durch die rosarote Brille zu sehen, tut denen unrecht, die sich anders verhalten und eine kritische Distanz zu den Nazis bewahrt haben.

          Rosalia
        • am via tvforen.demelden

          Wen willst Du denn jetzt verurteilen?

          Hier mal ein paar Beispiele von Mitwirkenden an Propaganda- und Vorbehaltsfilmen.

          Rudolf Platte "Hitlerjunge Quex"

          Georg Thomalla, Beppo Brem "Stukas"

          Heinz Engelmann "U-Boote westwärts"

          Wolfgang Liebeneiner, Regisseur von "Ich klage an"

          Gisela Schlüter und Brigitte Mira als "Liese und Miese"

          Ich habe es schon mal geschrieben, der Bildschirm wäre sehr leer.
        • am via tvforen.demelden

          Rosalia schrieb:
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          > Na ja, so einfach ist es nun aber auch nicht. In
          > einer "arisierten Villa" gelebt zu haben bedeutet,
          > persoenlichen Vorteil aus der Ermordung einer
          > juedischen Familie gezogen zu haben. Und sowohl
          > Ruehmann als auch Heesters waren sehr eng mit
          > nationalsozialistischen Regierungsmitgliedern
          > verbandelt. Auch damals "Musste" man nicht mit
          > Goebbels Tee trinken. Dass es auch anders ging
          > zeigen Schauspieler wie Theo Lingen oder Hans
          > Moser, ganz zu schweigen von Kuenstlern wie Thomas
          > Mann, Erich Kaestner etc. etc.
          > > Den Bildzeitungsartikel habe ich nicht gelesen.
          > Er interessiert mich auch nicht. Aber jetzt jeden
          > Filmschaffenden, der sich bei den Nazis bequem
          > eingerichtet hat, durch die rosarote Brille zu
          > sehen, tut denen unrecht, die sich anders
          > verhalten und eine kritische Distanz zu den Nazis
          > bewahrt haben.
          >
          > Rosalia




          Liebe Rosalia, ohne irgendeine Maßnahme dieser Verbrecher von damals in Schutz nehmen zu wollen, bedeutet "arisiert" nicht gleich ermorden. Es hieß, seinen Besitz enteignet zu bekommen ohne einen angemessenen finanziellen Ausgleich. Und da Du den Artikel nicht gelesen hast, noch einmal für Dich: Er ist in typischer Bild-Manier geschrieben, Stimmungsmache hoch 3 und für mich daher unglaubwürdig. Ich habe jetzt keine Lust, nachzuprüfen ob Herr Heesters gewußt hat, ob die Villa vorher in jüdischem Besitz war oder nicht. Vielleicht hat er sogar mit dem Kauf der Villa ermöglicht, daß die Vorbesitzer Deutschland verlassen konnten.
          Was verstehst Du unter verbandelt? Und woher willst Du wissen, wer mit wem Tee trinken mußte und wer nicht. Was haben denn Theo Lingen und Hans Moser getan, was Heesters nicht getan hat?
          Bitte Vorsicht mit negativen Urteilen über Menschen in einer Zeit, die uns zum Glück erspart geblieben ist. Wer von uns, und es ist seltsam, daß man diese Frage immer wieder stellen muß, kann denn von sich behaupten, er hätte unter den Bedingugen nicht auch ähnlich gehandelt und "mit den Wölfen geheult". Hätte Marlene Dietrich nicht schon 1930 (!!!) ihre Karriere in Hollywood richtig erst starten können, wer weiß, wie sie sich in Nazi-Deutschland verhalten hätte.

          Gerade Schauspieler, deren "Handwerkzeug" die gesprochene Sprache ist und nicht so leicht wie bei Schriftstellern einfach schriftlich zu übersetzen ist, sind an ihre Heimat gebunden. Wobei Heesters wiederum ein Sonderfall ist, weil er ja "der Ausländer" war, der in Deutschland Karriere machen wollte. Ja, vielleicht hat er es sich, wie Du sagst "bequem" eingerichtet, aber das tun Menschen nun mal, wenn sie nicht zum Helden geboren sind. Und nicht nur Heesters, sondern viele Unterhaltungskünstler, die nun mal auch ein bißchen weltfremd sind und sich lieber um ihre Kunst und Karriere kümmern als um Politik, haben sich so verhalten.

          Ich könnte jetzt die verschiedensten Filmgrößen aufzeigen und sagen, wie und warum sie sich so oder so verhalten haben in der Nazizeit und bei jedem könnte man feststellen, er hatte seine Vorteile, weil er "die Schnauze" gehalten hat. Deswegen einen Joachim Gottschalk, der sich mit seiner jüdischen Frau umgebracht hat, vielleicht zum Helden zu stilisieren und andere, die geschwiegen haben, aus welchen Gründen auch immer, zu verurteilen, ist dann doch etwas zu billig.
          Kritische Distanz drückt sich nicht immer offen und für alle Welt sichtbar aus.


          Und wenn dann ein Zeitungsschreiber, dem offensichtlich nur daran gelegen ist, eine Sensationsschlagzeile zu fabrizieren und aus dem Zusammenhang gerissen darauf herumzuhacken, was der senile 105-jährige Heesters unbeholfen über Hitler gesagt hat, und daß er als Filmstar viel Geld verdient hat, weil er Liebling der Nazis war, dann wird mir einfach nur übel.
          Da wir ja im Aktuellen Forum die Diskussion über einen anderen deutschen Diktator bzw. dessen unbelehrbare Witwe hatten... es wird sicherlich auch Leute geben, die nach einem persönlichen Treffen mit Egon und Margot sagen würden, daß die beiden reizend und charmant gewesen seien.
        • am via tvforen.demelden

          Theo Lingen und Hans Moser waren beide mit juedischen Frauen verheiratet und haben sich, unter grossem persoenlichem Risiko, schuetzend vor ihre Frauen gestellt. Heinz Ruehmann hingegen konnte sich nicht schnell genug von seiner juedischen Frau trennen, nicht ohne vorher noch Goebbels wissen zu lassen, wie froh her ist, dieses juedische Weib los zu sein (nachzulesen in Goebbels persoenlichem Tagebuch). Dabei war ich natuerlich nicht, aber es gibt schon Quellen, die belegen, dass verschiedene deutsche Schauspieler mehr oder weniger Naehe zum Naziregime gesucht haben. Und ja, Ruehmann hat persoenlich und freundschaftlich mit Nazigroessen verkehrt, was andere Schauspieler nicht gemacht haben.

          Was die Frage angeht, wie man sich selbst in so einer Situation verhalten haette: Ich weiss es nicht. Keiner kann vorhersagen, wie sich jemand in einem totalitaeren Regime verhaelt. Oft findet man, dass Menschen, die vorher eine grosse Klappe haben, ploetzlich den Mund halten und sich zu Opportunisten entwickeln, waehrend andere, von denen man es nicht erwartet, ueber sich selbst hinauswachsen und echte Groesse an den Tag legen. Ich weiss nicht, was ich gemacht haette. Ich HOFFE jedoch, dass ich eher ein Theo Lingen anstatt ein Heinz Ruehmann gewesen waere. Von den wirklichen Helden wie Sophie Scholl oder Dietrich Bonhoeffer will ich hier mal gar nicht reden. Aber nur, weil wir unsere eigene Schwaeche nicht vorhersagen koennen, kann ich diese Schwaeche doch nicht zum Massstab meiner Beurteilung machen.

          Ausserdem taete man denen, die wirklich Mut bewiesen haben, Unrecht, wuerde man alle ueber einen Kamm scheren.

          Rosalia
        • am via tvforen.demelden

          Rosalia schrieb:
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          > Theo Lingen und Hans Moser waren beide mit
          > juedischen Frauen verheiratet und haben sich,
          > unter grossem persoenlichem Risiko, schuetzend vor
          > ihre Frauen gestellt. Heinz Ruehmann hingegen
          > konnte sich nicht schnell genug von seiner
          > juedischen Frau trennen, nicht ohne vorher noch
          > Goebbels wissen zu lassen, wie froh her ist,
          > dieses juedische Weib los zu sein (nachzulesen in
          > Goebbels persoenlichem Tagebuch). Dabei war ich
          > natuerlich nicht, aber es gibt schon Quellen, die
          > belegen, dass verschiedene deutsche Schauspieler
          > mehr oder weniger Naehe zum Naziregime gesucht
          > haben. Und ja, Ruehmann hat persoenlich und
          > freundschaftlich mit Nazigroessen verkehrt, was
          > andere Schauspieler nicht gemacht haben.
          >
          > Was die Frage angeht, wie man sich selbst in so
          > einer Situation verhalten haette: Ich weiss es
          > nicht. Keiner kann vorhersagen, wie sich jemand
          > in einem totalitaeren Regime verhaelt. Oft findet
          > man, dass Menschen, die vorher eine grosse Klappe
          > haben, ploetzlich den Mund halten und sich zu
          > Opportunisten entwickeln, waehrend andere, von
          > denen man es nicht erwartet, ueber sich selbst
          > hinauswachsen und echte Groesse an den Tag legen.
          > Ich weiss nicht, was ich gemacht haette. Ich
          > HOFFE jedoch, dass ich eher ein Theo Lingen
          > anstatt ein Heinz Ruehmann gewesen waere. Von den
          > wirklichen Helden wie Sophie Scholl oder Dietrich
          > Bonhoeffer will ich hier mal gar nicht reden.
          > Aber nur, weil wir unsere eigene Schwaeche nicht
          > vorhersagen koennen, kann ich diese Schwaeche doch
          > nicht zum Massstab meiner Beurteilung machen.
          >
          > Ausserdem taete man denen, die wirklich Mut
          > bewiesen haben, Unrecht, wuerde man alle ueber
          > einen Kamm scheren.
          >
          > Rosalia


          Oh, das Tagebuch von Goebbels... eine sehr glaubhafte Quelle! ;-) Nachweisbare Tatsache ist, daß die Ehe von Heinz Rühmann mit seiner ersten Frau längst zerrüttet war, er hatte ein Verhältnis mit Leny Marenbach, er sorgte mit seiner Scheidung dafür, daß seine erste Frau einen Schweden heiraten konnte, um somit Deutschland verlassen zu können. Er soll sie auch weiterhin unterstützt haben. Nebenbei, ich mag Rühmann gar nicht so besonders, seine Schauspielkunst halte ich für überschätzt. Er war sicherlich eine ehrgeizige Rampensau. Aber wenn Du so willst, hat er mit der Ehe mit Hertha Feiler auch nicht gerade den Weg des geringsten Widerstands gewählt, die als sog. Vierteljüdin eingestuft war, was sicherlich das Leben in Nazideutschland nicht einfacher machte. Vielleicht hat ja Rühmann deswegen immer wieder die Machthaber kontaktiert.

          Es ist übrigens erwiesen, daß viele Filmschaffende mit Einfluß zum Ende hin die Produktion von Filmen in die Länge zogen, um die z.T. massenhaft gebrauchten Komparsen am Filmset zu halten, damit die nicht wieder zurück an die Front mußten. Es wurden Szenen immer und immer wiederholt, manchmal sogar ohne Film in der Kamera, nur um die Dreharbeiten zu verlängern.

          Übrigens soll es auch unter Künstlers Eifersüchteleien geben, die auch mal in Verleumdung von Kollegen gipfelt.
          Warum und weshalb und in welchem Maße welcher Schauspieler die Nähe der Herrschenden suchte, ist vermutlich schwer zu klären, aber sicherlich nicht so pauschal zu beurteilen, wie Du es tust.

          Und es ist ja wohl ein Unterschied, ob man ein idealistischer Geistlicher oder auch Student ist, oder ein Durchschnittsmensch, der sich zufällig aber nun mal doch durch seinen Beruf als Künstler in exponierter Stellung befindet. Wie bekannt ist, hatten die Nazigrößen so alle ihre speziellen Lieblinge, die vielleicht, ohne daß sie es an die große Glocke gehängt haben, sich dadurch speziell für bedrohte Kollegen oder Angehörige und Freunde eingesetzt haben, indem sie die Nähe der Mächtigen, insbesondere ihres Bewunderers, suchten. Die zweite Frau von Göring, die ehemalige Schauspielerin Emmy Sonnemann z.B. erreichte auf Bitten von Filmgrößen bei ihrem Hermann so manche angeleierte und im Stillen durchgeführte Rettungsaktion.
          Diktatoren mögen es nämlich gar nicht, wenn gegen ihre Prinzipien verstoßende Ausnahmen gemacht werden.
          Wer natürlich von der Kanzel wettert oder Flugblätter verteilt und dafür hingerichtet wird, ist ein Held. Ein Schauspieler, der zum diktatorischen Herrscher des Landes zum Tee geht, ein Opportunist. Ganz einfache Rechnung, die Du da aufmachst.
        • am via tvforen.demelden

          "Und es ist ja wohl ein Unterschied, ob man ein idealistischer Geistlicher oder auch Student ist, oder ein Durchschnittsmensch, der sich zufällig aber nun mal doch durch seinen Beruf als Künstler in exponierter Stellung befindet."

          Und das genau ist fuer mich kein Unterschied. Viele "normale Buerger" sind der NSDAP beigetreten, weil sie sich finanzielle oder soziale Vorteile erhofft haben. Und andere "normale Buerger" haben das eben nicht gemacht. Manche Schauspieler haben die Naehe der Nais gesucht, und manche haben Distanz gewahrt. Manche Pfarrer waren im Widerstand, und andere Pfarrer haben sich "Deutsche Christen" genannt und von der Kanzel gepredigt, dass Hitler ein von Gott ausgwaehlter Fuehrer ist. Manche Studenten warfen Flugblaetter, und andere verrieten den Flugblattwerfer. Mit dem Beruf oder der gesellschaftlichen Stellung hat das wirklich gar nichts zu tun.

          Rosalia
        • am via tvforen.demelden

          Ausserdem: Warum sollte das Tagebuch von Goebbels keine wahrheitsgemaesse Quelle sein? Goebbels konnte nicht davon ausgehen, dass diese Notizen jemals veroeffentlich wuerden. Er hat nur fuer sich selbst geschrieben. Warum sollte er da luegen? Ich bin jedenfalls in keinem Schriftstueck von mir so ehrlich wie in meinem Tagebuch.

          Rosalia
        • am via tvforen.demelden

          Rosalia schrieb:
          -------------------------------------------------------
          > "Und es ist ja wohl ein Unterschied, ob man ein
          > idealistischer Geistlicher oder auch Student ist,
          > oder ein Durchschnittsmensch, der sich zufällig
          > aber nun mal doch durch seinen Beruf als Künstler
          > in exponierter Stellung befindet."

          > Und das genau ist fuer mich kein Unterschied.

          Doch, das ist der Unterschied. Bin ich idealistisch genug, um meinen Tod zu riskieren, wenn ich mich offen gegen die Herrschenden stelle oder nicht!

          > Viele "normale Buerger" sind der NSDAP
          > beigetreten, weil sie sich finanzielle oder
          > soziale Vorteile erhofft haben. Und andere
          > "normale Buerger" haben das eben nicht gemacht.

          Das ist normal!

          > Manche Schauspieler haben die Naehe der Nais
          > gesucht, und manche haben Distanz gewahrt.


          Warum und weshalb können wir m.M. nach nicht beweisen, es sei denn ein Schauspieler wäre PG (=Parteigenosse) geworden, und selbst das ist kein Beweis für seine wirklich Gesinnung und seine Motive, wie ich schon oben schrieb.

          >Manche Pfarrer waren im Widerstand, und andere Pfarrer
          > haben sich "Deutsche Christen" genannt und von der
          > Kanzel gepredigt, dass Hitler ein von Gott
          > ausgwaehlter Fuehrer ist. Manche Studenten warfen
          > Flugblaetter, und andere verrieten den
          > Flugblattwerfer. Mit dem Beruf oder der
          > gesellschaftlichen Stellung hat das wirklich gar
          > nichts zu tun.

          Nee, das hat damit zu tun, daß es Menschen gibt, die bereit sind, ihr Leben für andere zu opfern und andere nicht und daß es auch Leute gab, die überzeugte Nazis waren... und andere nicht.
          Sorry, aber ich finde immer noch, daß Du hier die Pauschalkeule gegen die schwingst, die sich nach Deiner Meinung nach nicht deutlich genug von den Nazis distanziert haben. Das finde ich überheblich!
          Schreib das doch mal über Schauspieler (oder andere Prominente), die unter Ulbricht und Honecker gearbeitet haben! Ich tue es wohlweislich nicht!
        • am via tvforen.demelden

          Honecker und die DDR ist ein anderes Thema, und dieser reflexhafte Themenwechsel, wenn ueber den Nationalsozialismus gesprochen wird, ist so alt, dass ich dazu wohl nichts mehr sagen muss. ("Eh, wenn dir das hier nichtpasst, geh doch nach drueben!)

          Ueberheblichkeit? Ich habe vorher ausgefuehrt, dass ich mir nicht anmasse, eine Sophie Scholl gewesen zu sein. Ich weiss nicht, was ich getan haette, hoffe aber, dass ich bei meiner Entscheidung ehtischen und nicht finanziellen Grunsaetzen gefolgt waere. Sich eine Meinung ueber die Handlungsweisen anderer, auch Toter, zu bilden ist nicht ueberheblich, sondern kann dazu dienen, ueber sich selber nachzudenken.

          Diese Haltung "Scheiss egal wer was gemacht hat, jeder wird schon irgendwie seine peroenlichen Gruende gehabt habe, und die kenne ich eh nicht" finde ich viel ueberheblicher, vor allem denen gegeueber, die ihr Leben geopfert haben.

          Rosalia
      • am via tvforen.demelden

        recht hat sie!!!
        • am via tvforen.demelden

          Ja, finde ich auch! Dieser Bericht war schäbig.

          Keiner von uns allen kann sich freisprechen wie er/sie damals zu Hitlers Zeiten reagiert und agiert hätte. Heesters hat damals aus heutiger Sicht bestimmt Fehler gemacht, aber er hat es bestimmt nicht verdient, dass nach seinem Tod so über ihn berichtet wird.
        • am via tvforen.demelden

          na vor allem ist es doch scheinheilig, wenn der Springer-Verlag dem Mann einerseits grosskotzig Bambis verleiht und ihn nach seinem Tod dann so in die Pfanne haut.

          Die Arbeit und das Können von Leni Rieffenstahl, Gustav Gründgens, Elisabeth Flickenschild und vielen anderen zweifelt auch keiner an - auch wenn sie mal neben Hitler standen oder auf die "Gottbegnadetenliste" von Hitler und Göbbels gesetzt wurden - so auch
          * Wolf Albach-Retty (1906–1967)
          * Hans Albers (1891–1960)
          * Karl Dannemann (1896–1945), Maler und Filmschauspieler
          * O. W. Fischer (1915–2004)
          * Willy Fritsch (1901–1973)
          * Johannes Heesters (1903–2011), Schauspieler und Sänger, von Goebbels auf der Liste der unverzichtbaren Schauspieler für die Filmproduktion genannt, mit dem Zusatz „Ausländer“[38]
          * Hans Holt (1909–2001)
          * Attila Hörbiger (1896–1987)
          * Paul Hörbiger (1894–1981)
          * Eugen Klöpfer (1886–1950)
          * Viktor de Kowa (1904–1973)
          * Ferdinand Marian (1902–1946)
          * Harry Piel (1892–1963), Schauspieler und Regisseur
          * Heinz Rühmann (1902–1994)


          http://de.wikipedia.org/wiki/Gottbegnadeten-Liste

          Schaut man genau dahinter, wie viele dieser Künstler - zB Hans Albers - ihre "Gottesbegnadung" nutzten, um auch mal die Schnauze aufzumachen oder Leuten zu helfen, stellt sich die Sache ganz anders dar.

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