Alexandra Brandner war seit 2019 für die Anfertigung der Kostüme bei „The Masked Singer“ zuständig.
Bild: ProSieben
Gestern kündigte ProSieben die nächste Staffel von „The Masked Singer“ an (fernsehserien.de berichtete). Diese wird – im Gegensatz zu allen bisherigen – jedoch nicht mehr als Live-Show produziert, sondern voraufgezeichnet. Das ist allerdings nicht die einzige Veränderung: Alexandra Brandner, die seit Staffel 1 als Gewandmeisterin für die Anfertigung der aufwendigen Kostüme verantwortlich war, ist nicht mehr Teil der Musik-Rateshow – ganz offensichtlich aus Kostengründen. Dies offenbarte Brandner in einem emotionalen Facebook-Video, in dem sie vor allem den Umgang mit ihr kritisierte, der von wenig Wertschätzung geprägt sei.
Was mich natürlich nachdenklich macht, ist, wenn man nach sechs Jahren entsorgt wird wie ein alter Putzlappen. Dann macht mich das natürlich sehr nachdenklich über das, wie man in unserer Gesellschaft eigentlich miteinander umgeht oder wie wir miteinander umgehen, beschreibt Brandner in dem Video. Es ist sehr traurig, dass man mit einem Menschen, der sich da voll eingesetzt hat und der eigentlich maßgeblich am Erfolg auch beteiligt war und immer versucht hat, wirklich das Schönste optisch für den Zuschauer rauszuholen, so umgeht.
Erhalte News zu The Masked Singer direkt auf dein Handy. Kostenlos per App-Benachrichtigung.Kostenlos mit der fernsehserien.de App.
Alle Neuigkeiten zu The Masked Singer und weiteren Serien
deiner Liste findest du in deinem
persönlichen Feed.
Insbesondere kritisiert die Kostümbildnerin, dass man keinen Respekt und keine Wertschätzung mehr vor der Arbeit des anderen hat, dass ein Team und die Liebe zur Arbeit nichts mehr wert ist. Es fehle der Mut, vom Sender genauso wie von der Produktionsfirma, dass man einfach mal den Telefonhörer in die Hand nimmt und sagt: Du, Alex, wir müssen sparen, deine Kostüme sind uns zu teuer, und wir brauchen jetzt einfach jemanden Billigen, der das günstiger macht.
Das sei aber nicht passiert. Im Gespräch mit fernsehserien.de bestätigt Alexandra Brandner, dass sich bis zum heutigen Tag niemand von ProSieben und auch nicht von der Produktionsfirma EndemolShine Germany bei ihr gemeldet habe. Dass eine neue Staffel kommt, für die schon in wenigen Wochen die Aufzeichnungen stattfinden, habe Brandner durch die gestrige Pressemitteilung erfahren. Daraufhin haben sich hunderte Leute bei ihr gemeldet und ihr geschrieben, dass sie schon gespannt auf die neuen Kostüme von ihr seien. Brandner musste diese dann darüber aufklären, dass die Masken nicht mehr von ihr kommen werden.
„Wir haben uns Tag und Nacht kaputtgearbeitet.“
Die Kostüme der vierten Staffel ProSieben/Willi Weber
Die Enttäuschung ist groß: Wir waren ‚The Masked Singer‘. Wir haben die Sendung mit unseren Kostümen mitaufgebaut. Tolle junge Leute, die irrsinnig kreativ sind, haben sich sechs Jahre lang Tag und Nacht kaputtgearbeitet. Das haben wir aber gern gemacht, weil wir die Sendung einfach geliebt haben, so Brandner im Gespräch mit fernsehserien.de.
Insbesondere zeigt sich die Gewandmeisterin darüber enttäuscht, dass niemand auf sie zugegangen sei. Man hätte mit uns darüber sprechen können, wie man das günstiger machen könnte. Das machen wir schließlich auch in anderen Ländern so. Unter anderem fertigt Alexandra Brandner die Kostüme für die „The Masked Singer“-Adaptionen in Belgien, den Niederlanden und Frankreich an. Die deutschen Kostüme werden zudem auch ins Ausland verkauft, insbesondere in der russischen Variante werden die deutschen Masken nahezu 1:1 kopiert.
„Mit uns hat niemand gesprochen.“
Die Kostüme der dritten Staffel ProSieben/Marc Rehbeck
Die Gewandmeisterin hält es für die falsche Entscheidung, ausgerechnet an der Qualität der Kostüme zu sparen. Alexandra Brandner ist nun mal eine Marke, die für höchste Handwerkskunst und schönste Kostüme steht. Meine Firma steht für höchste Qualität und wunderbare Optik. Davon kann und werde ich nicht ablassen. Bereits in der Vorjahresstaffel wurde die Anzahl der Kostüme, die sie anfertigen durfte, reduziert. Nun ist Brandner ganz raus. Sie befürchtet, dass bei der kommenden Staffel die möglicherweise minderwertigeren Kostüme dennoch mit ihrem Namen in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie dafür gar nicht mehr verantwortlich ist. Auch aus diesem Grund ist Brandner an die Öffentlichkeit gegangen, um für Klarheit zu sorgen.
Weshalb ProSieben und EndemolShine Germany nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten wollten, darüber kann sie nur spekulieren. Ich weiß nicht, was der Grund ist. Vielleicht lag es daran, dass ich von der Qualität her nicht runtergehen wollte. Die Entscheidung muss schon vor vielen Monaten getroffen worden sein, weil die Sendung und die Anfertigung der Kostüme mit langfristigen Planungen verbunden ist. Aber mit uns hat niemand gesprochen.
Enttäuscht ist sie insbesondere von ProSieben. Gerade dieser Sender stellt sich gerne als so durchsichtig, vorbildlich und woke dar, legt Wert auf Green Production und will allen immer zeigen: ‚Wir sind die Guten‘. Dass ausgerechnet ProSieben dann so wenig Rückgrat beweist, findet die Kostümbildnerin bezeichnend. Man hat uns bewusst geschasst, aus welchen Gründen auch immer. Jetzt brauche ich aber auch keine Entschuldigung mehr, stellt Brandner gegenüber fernsehserien.de klar.
(v. l.) Hase, Faultier und Göttin in der zweiten „The Masked Singer“-Staffel ProSieben/Willi Weber
Sie stellt sich die Frage: Ist das die Zukunft für uns, dass man jemanden, der einem eigentlich ja als Team auch ganz nah war, so entsorgt? Das ist wohl das Ergebnis unserer heutigen Gesellschaft. Und das finde ich echt schade. Dennoch blickt Alexandra Brandner optimistisch in die Zukunft: Das Gute ist, wenn sich eine Tür schließt, machen sich zwei andere auf.
Breites Spektrum an Aufträgen
Alexandra Brandner arbeitet seit 1995 als selbständige Gewandmeisterin. Sie fertigte unter anderem Kostüme für die Salzburger Festspiele, das Léhar Festival und die Bayreuther Festspiele an. Auch für das Filmepos „Der Herr der Ringe“ fertigte sie Rüstungen an. Darüber hinaus hat ihr Atelier Kostüme und Ausstattungen für zahlreiche Fernseh- und Medienproduktionen sowie Unternehmen realisiert sowie Projekte für Museen, Werbekampagnen und Eventproduktionen. Insgesamt deckt Brandners Arbeit ein breites Spektrum ab – von historischen Opern- und Theaterkostümen über Fantasy-Rüstungen bis hin zu technisch aufwendigen TV-Kostümen und Maskottchen. 2020 erhielt sie für ihre Kostüme bei „The Masked Singer“ den Deutschen Fernsehpreis.
Inzwischen führen Alexandra Brandner und ihr Team vorwiegend Produktionsaufträge für andere Länder aus. Dort sei der Umgang im Vergleich zu Deutschland auf Augenhöhe und von Respekt geprägt. Unter anderem fertigt Brandner Kostüme für große Werbe- und Gamingfirmen und Filmproduktionen an. Zudem stattet sie Promis für Auftritte auf dem Roten Teppich aus.
Dass ProSieben fortan auf die Künste von Alexandra Brandner verzichtet, dürfte mit dem anhaltenden Spardruck und den Produktionskosten in nicht geringem Maße zusammenhängen. Zudem müssen in der kommenden „The Masked Singer“-Staffel aufgrund eines abgeänderten Konzepts sogar 16 Kostüme hergestellt werden, da nicht wie bisher neun Promis, sondern 16 mitwirken. Wer nun anstelle von Brandner für die Anfertigung der Kostüme verantwortlich sein wird, ist noch nicht bekannt.
Eine entspreche Anfrage an ProSieben haben wir gestellt und den Sender auch um eine Begründung für das Ende der Zusammenarbeit mit Alexandra Brandner gebeten. Folgende Antwort erhielten wir diesbezüglich am Dienstagnachmittag: ProSieben erneuert ‚The Masked Singer‘ für diesen Herbst an vielen Stellen. Mehr Masken, mehr Enthüllungen, neuer Show-Modus. Dazu arbeitet die Produktionsfirma wie auch schon in der Vergangenheit mit wechselnden Kreativ-Teams und Kreativ-Werkstätten zusammen. Auf eine namentliche Erwähnung von Alexandra Brandner oder Worte des Dankes hat der Sender verzichtet.