Drehstart für Justiz-Drama „Ferdinand von Schirach – Glauben“ von TVNOW

    Bestsellerautor arbeitet die Wormser Missbrauchsprozesse auf

    Ralf Döbele – 08.09.2020, 10:30 Uhr

    „Ferdinand von Schirach – Glauben“: Das Team vor und hinter der Kamera: (v.l.) Daniel Prochaska (Regie), Hauptdarsteller Peter Kurth und Narges Rashidi, Jan Ehlert (Produzent) und Ferdinand von Schirach (Buch)

    In Berlin haben die Dreharbeiten für ein Prestige-Projekt des Streaming-Anbieters TVNOW begonnen. Seit dem 25. August entsteht in der Hauptstadt das Justiz-Drama „Ferdinand von Schirach – Glauben“, für das der Bestseller-Autor erstmals selbst unter die Drehbuchautoren gegangen ist. Das Format ist Teil einer großen Offensive von Serien-Eigenproduktionen, die das Profil des Anbieters der RTL-Gruppe schärfen soll (fernsehserien.de berichtete).

    Von Schirach arbeitet in dem Drama einen der größten Justizskandale der Bundesrepublik auf, die Wormser Missbrauchsprozesse. Dabei sollen Themen wie Hysterie in den Sozialen Medien, kollektive Wut und Hunger nach Rache behandelt werden. Während das eigentliche Geschehen in den Neunziger Jahren für Schlagzeilen sorgte, wird die Handlung hier in die Gegenwart verlegt.

    Die Serie spielt in der westdeutschen Kleinstadt Ottern, wo ein Kinderarzt bei einem Mädchen Spuren einer Vergewaltigung diagnostiziert. So beginnt eine Entwicklung, die in einem Missbrauchsprozess von bislang ungekanntem Ausmaß enden wird. Hauptkommissarin Laubach (Désirée Nosbusch) übernimmt die Ermittlungen und Staatsanwalt Cordelis (Sebastian Urzendowsky„Babylon Berlin“) erhebt schließlich Anklage gegen 26 Bewohner der Kleinstadt, die beschuldigt werden, einen Kinderporno-Ring betrieben zu haben.

    Als der alkoholkranke Berliner Strafverteidiger Schlesinger ( Peter Kurth„Die Protokollantin“), der im Auftrag der kriminellen Geldeintreiberin Azra (Narges Rashidi„Gangs of London“) einen der Angeklagten vertritt, kommt er Falschaussagen und suggestiven Befragungsmethoden auf die Spur. Er muss feststellen, dass er gegen die Mühlen der Justiz selbst ins Felde zieht – und dass es das Verbrechen, das seinem Mandanten vorgeworfen wird, nie gegeben hat.

    Der reale Justizskandal von Worms umfasste zwischen 1993 und 1997 drei Strafprozesse vor dem Landgericht Mainz. Damals waren 25 Männer und Frauen aus der Umgebung von Worms des massenhaften Kindesmissbrauchs und der Bildung eines Pornorings angeklagt. Letztendlich wurden 24 der Angeklagten freigesprochen, eine ältere Dame war in der Haft bereits zuvor verstorben.

    Das Wesentliche dieser Verfahren war das Versagen aller gesellschaftlichen und rechtlichen Institutionen, der Presse und der Öffentlichkeit, so Ferdinand von Schirach zu seinem neuen Projekt. Die allgemeine Empörung, der ungebremste Hass und die furchtbare Hysterie damals ist den heutigen gesellschaftlichen Zuständen sehr ähnlich. Es lag deshalb für mich nahe, aus den Wormser Missbrauchsprozessen eine Serie zu machen, die in der Gegenwart spielt und alle neuen Elemente aufnimmt, mit denen wir heute leben müssen.

    Produziert wird „Ferdinand von Schirach – Glauben“ von MOOVIE mit Jan Ehlert als Produzent und Oliver Berben als Executive Producer. Regie führt Daniel Prochaska.

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