BBC erwägt Neustart von BBC Three als linearer Sender

    Budget für Programme unter dem Label des Senders wird verdoppelt

    Bernd Krannich – 20.05.2020, 17:30 Uhr

    Mit leichter, Corona-bedingter Verspätung hat die öffentlich-rechtliche britische Rundfunkanstalt BBC ihren Jahresbericht („Annual Plan“) vorgelegt – eine Mischung aus Rückblick und Ausblick mit einer Weichenstellung für die folgenden zwei Jahre. Darin enthalten eine Überraschung: Die öffentliche Anstalt unter dem scheidenden Director General Tony Hall erwägt den Neustart des „Jugendsenders“ BBC Three als linearer Sender. Bis dahin wäre es aber noch ein weiter Weg.

    Als erste Maßnahme und in Reaktion auf den überragenden Erfolg von BBC-Three-Serien wie „Fleabag“, „Killing Eve“ und aktuell „Normal People“ soll folgen, dass das Budget für Projekte unter dem BBC-Three-Banner verdoppelt wird – auf zwischen 60 und 80 Millionen Pfund.

    BBC Three: Online – und zurück?

    Unter Hall war BBC Three im Jahr 2014 – auch unter dem Spardruck konservativer britischer Regierungen – zu einer Einstellung des linearen Programms verurteilt worden, was mit dem Start eines linearen Angebots einhergehen sollte. Das wurde 2016 auch vollzogen, unter teils großen Protesten. Im Konzert der BBC-Sender hatte BBC Three einerseits die jüngeren Erwachsenen als Zuschauer anvisiert und andererseits auch neuen Talenten vor und hinter der Kamera eine Bühne geben sollen, sich auszuprobieren und dabei die britische Medienlandschaft um Innovationen zu bereichern.

    Im Zuge des Gangs online wurden BBC One und BBC Two dazu verpflichtet, den bei BBC Three gestarteten Formaten auch linear eine Heimat zu geben, was aber nie auf populären Sendeplätzen geschah.

    Analysten gehen davon aus, dass die BBC insgesamt durch die Streichung des linearen BBC-Three-Programms Zuschauer der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen an YouTube und Netflix verloren hat. Das führte laut Deadline auch schon zu einer Warnung der Telekommunikations-Aufsichtsbehörde OFCOM, dass die BBC ihren gesetzlichen Auftrag in dieser Altersklasse nicht erfülle.

    In einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar sprach Hall davon, dass es entscheidend für die Zukunft des öffentlichen Rundfunks in Großbritannien sei, die Verbindung zu den jungen Zuschauern zu stärken.

    Wie es zu einer Rückkehr von BBC Three als linearer Sender kommen kann, ist aktuell noch offen. Das liegt auch daran, dass Hall seine Absichtserklärung einem noch nicht bestimmten Nachfolger als Erbe überlässt. Hall hatte Anfang des Jahres seinen Abschied „im Sommer“ verkündet, da er eine neue, schwierige Periode für die BBC kommen sah, die langfristig von einem neuen Kopf geführt werden sollte. Mit der Regierung steht ein Kampf um die Verteidigung der Rundfunksteuer an (die die Regierung gerne in eine „Gebühr“ umwandeln würde, was die Nichtzahlung weniger schwerwiegend machen würde). Ende 2027 endet der immer auf zehn Jahre erteilte staatliche Auftrag an die BBC („Royal Charter“). Immer in der Mitte einer solchen Charter – also diesmal 2022 – steht ein Review der bisherigen Leistung der BBC durch die Regierung an – was auch Verhandlungen über die nächste Charter einleitet. All diese langfristigen Geschehnisse sah Hall bei seiner Entscheidung Anfang des Jahres in jüngeren Händen sinnvoller aufgehoben.

    BBC Four auf der Schlachtbank?

    Aktuell wird spekuliert, dass das sich seit Kurzem abzeichnende Ende von BBC Four in der bisherigen Form als Pfad erweisen könnte. Das BBC-Four-Budget soll nach unbestätigten Berichten teilweise die Quelle für die Budget-Aufstockung für BBC Three sein. Daneben könnte BBC Four dafür ausgeblutet werden, Einnahmeausfälle während Corona zu kompensieren. Die BBC wird über eine Rundfunk-Steuer finanziert. Während Corona hat man es ausgesetzt, diese Steuer bei säumigen Zahlern einzutreiben. Zudem wurde eine Streichung der Rundfunksteuer-Befreiung für Haushalte mit Briten über 75 Jahren aufgeschoben.

    Die BBC rechnet damit, dass die Pandemie sie 125 Millionen britische Pfund an Einnahmen in diesem Jahr kosten wird. Daneben weist man darauf hin, dass dadurch, dass die Rundfunksteuer in den vergangenen Jahren nicht entsprechend der Inflation angehoben wurde, ebenfalls weniger Geld zur Verfügung steht. Und schließlich hat die BBC von der konservativen britischen Regierung für die anstehende fünfjährige Phase einen harschen Sparkurs aufgebrummt bekommen, der Einsparungen von 800 Millionen Pfund umfasst.

    Die BBC hatte für BBC Four angekündigt, dass der Sender zu einem reinen „Wiederholungs-Kanal“ werden könnte, während einige Programm des Senders bei BBC Two eingegliedert werden sollen.

    Was auch immer geschieht: Auch die Regulierungsbehörde OFCOM müsste einer Wiederbelebung eines linearen BBC Three zustimmen.

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