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  • Kasachstan – Land zwischen den Kontinenten

    45 Min.
    Kasachstan gleicht einem endlosen Ozean aus Steppengras. Mit einer Ausdehnung von fast 2800 Kilometern von West nach Ost ist das neuntgrößte Land der Erde das geografische Herz Zentralasiens, ein Land der Extreme und Kontraste. Die ehemalige Sowjetrepublik besteht aus scheinbar grenzenlosen Wüsten, kargen Hochebenen und sanften Steppen, die sich an die mächtigen Bergketten im Süden schmiegen. Gerade in diesen Bergen offenbart Kasachstan eine ganz andere, kaum bekannte Seite: tosende Gebirgsbäche, glasklare Seen und grüne Wälder, wie man sie eher in den Alpen vermuten würde. Kasachstan ist reich an Bodenschätzen, Uran, Öl und Gas, und war zu Zeiten des Eisernen Vorhangs für Besucher aus der westlichen Welt weitgehend unzugänglich. Vielleicht gilt es auch deshalb bis heute als eines der geheimnisvollsten Länder der Erde. Ein Ort, an dem sich die Geschichte des Kalten Krieges, die Mythen der Steppe und der Aufbruch einer neuen Generation begegnen. Der Ural: Grenze zwischen Orient und Okzident Im äußersten Westen Kasachstans bahnt sich ein Fluss seinen Weg in Richtung Kaspisches Meer: der Ural. Er markiert die geografische Grenze zwischen Europa und Asien. Brücken gibt es hier nur wenige, oft sind es einfache Fähren, die Menschen und Fahrzeuge von einem Kontinent zum anderen bringen. Nurbolat und Yerbol sind die Fährleute zwischen Orient und Okzident. Ihre hölzerne Fähre betreiben sie mit „zwei KS“ (Kasachenstärke), denn einen Motor gibt es nicht. Mit purer Muskelkraft ziehen sie das Boot über den Fluss. Für ihr Dorf sind sie unersetzlich: Die nächste Brücke liegt sieben Stunden entfernt. Die geheimnisvollen Riesenkugeln von Torysh Das Ustjurt-Plateau im Westen Kasachstans gehört zu den wildesten und am wenigsten erforschten Regionen Zentralasiens. Gewaltige Felsen ragen wie versteinerte Finger in den Himmel, schneeweiße Klippen glühen im Licht der untergehenden Sonne. Diese Landschaft, ebenso spektakulär wie das Death Valley in den USA, ist fast unbekannt. Das wohl größte Rätsel aber birgt das Torysh-Tal, das Tal der runden Steine. Hier liegen Tausende kugelförmige Felsen verstreut in der Steppe mit bis zu vier Meter im Durchmesser, rund geschliffen von Jahrmillionen. Vergleichbare Formationen gibt es nur in Neuseeland oder den USA. Die Geologen Bekbolat Tolegenuly und Yerlan sind unterwegs, um die Steine zu vermessen und herauszufinden, ob Kasachstan tatsächlich die größten Naturkugeln der Welt besitzt. Für sie ist jeder dieser Felsen ein Stück geologischer Geschichte und ein Symbol für die Urkräfte, die das Land geformt
    haben. Semipalatinsk: die verbotene Stadt Einer der unheimlichsten Orte Kasachstans liegt im Nordosten des Landes: Semipalatinsk, einst streng geheimes Testgelände der sowjetischen Atomwaffenprogramme. Zwischen 1949 und 1989 wurden hier mehr als 450 Nuklearversuche durchgeführt, mehr als an jedem anderen Ort der Welt. Ganze Seen wurden in die Landschaft gesprengt, Explosionen erschütterten den Boden, manche zehnmal stärker als die Bombe von Hiroshima. Zurück blieb eine kontaminierte, verstummte Landschaft. Heute kehrt langsam Leben zurück. Die Wissenschaftlerin Maira Abenova dokumentiert die schrittweise Erholung der Natur, eine fragile Wiedergeburt nach Jahrzehnten der Zerstörung. In den stillen Ebenen rund um Semipalatinsk wachsen wieder Gräser, singen Vögel, und doch hallt das Echo der Vergangenheit in jedem Windstoß nach. Die Wiege des Apfels Kaum jemand weiß, dass die Heimat des Apfels nicht in Europa, sondern in Kasachstan liegt. In den grünen Tälern des Tian-Shan-Gebirges, des „Himmelsgebirges“, wächst bis heute der wilde Urapfel Malus sieversii, der als Ahnherr aller heutigen Apfelsorten gilt. Hier, im milden Klima zwischen Flüssen, Wäldern und Hochweiden, fand die Natur über Jahrtausende ideale Bedingungen, um Vielfalt hervorzubringen. Azhar Zhandossova, Direktorin des Apfelmuseums in Almaty, sucht in den Bergtälern nach diesen uralten Bäumen. Für sie ist der Apfel nicht nur ein Stück Naturgeschichte, sondern ein Symbol der Verbindung zwischen Mensch und Landschaft, zwischen Ursprung und Zukunft. Vegas der Kasachen Ganz anders, fast surreal, wirkt der Ort Kapchagay nördlich von Almaty. Seit 2006 versucht man hier am Ufer eines Stausees, ein kasachisches Las Vegas zu errichten mit Neonlichtern und Casinos. Kasach Vegas, wie es im Volksmund heißt, ist heute der Inbegriff moderner Lebenslust. Hier feiern junge Menschen, die in einem neuen, selbstbewussten Kasachstan aufgewachsen sind, Junggesellenabschiede, Karaoke-Partys und Träume vom westlichen Lifestyle. Die 31-jährige Elvira hat das Filmteam eingeladen, sie und ihre Freundinnen bei ihrer Junggesellinnenfeier zu begleiten. Alle haben studiert, sind berufstätig, unabhängig. Sie stehen für ein Land im Wandel zwischen Tradition und Moderne, zwischen Nomadenzelt und Neonlicht. Land zwischen den Kontinenten Kasachstan ist mehr als Steppe, mehr als Öl und Wüste. Es ist ein Land, das sich neu erfindet zwischen der Erinnerung an seine sowjetische Vergangenheit und dem Streben nach einer modernen Zukunft. Wer hier unterwegs ist, spürt, dass Kasachstan nicht nur geograpfisch, sondern auch kulturell und emotional eine Brücke zwischen den Kontinenten ist. (Text: NDR)
    Deutsche TV-Premiere Do. 26.11.2026 NDR

Sendetermine

Sa. 28.11.2026
13:15–14:00
13:15–
Do. 26.11.2026
20:15–21:00
20:15–
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