Dokumentation in 5 Teilen, Folge 1–5

    • Folge 1
      Paris hieß zur Römerzeit Lutetia. Das bedeutet wörtlich übersetzt „Sumpfstadt“. Im Mittelalter überschwemmten Hausmüll und Exkremente die Straßen, denn die Menschen leerten ihre Eimer einfach aus den Fenstern in die Gassen. Latrinen oder Abflüsse gab es nicht. Und bei Regen kehrte man den Matsch aus Müll und Mist in eine Rinne in der Mitte der Chaussee. Um der Situation Abhilfe zu schaffen, versah König Philipp II. im zwölften Jahrhundert schließlich die wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt mit Pflastersteinen. 600 Jahre später stellten dann die Vertreter der ersten Hygienebewegungen ihre verrückten Theorien auf. So wurde der auf dem heutigen Gelände des Forum des Halles gelegene Friedhof Cimétière des Innocents, auf dem seinerzeit Schweine wühlten und Dirnen ihre Dienste anboten, im Jahr 1790 geschlossen.
      Man vermutete damals, dass Anwohner am Gestank der verwesenden Leichen, der sich mit dem der Abfälle des nahe gelegenen Marktes vermischte, erstickt waren. Die verbleibenden Gebeine wurden in Katakomben untergebracht. Noch unter Napoleon I. glich Paris einer mittelalterlichen, von Elendsvierteln durchzogenen Großstadt. Eine Müllabfuhr gab es nicht, und die meisten Pariser tranken das von Metzgern und Färbern verschmutzte Wasser der Seine. Der Präfekt Poubelle hatte die Idee, die Abfälle in drei verschiedenen Tonnen zu sammeln – und so erfand er die erste Mülltrennung der Geschichte. Doch erst Baron Haussmann befreite die Stadt schließlich von ihrer schmutzigen Vergangenheit, lockerte das Stadtbild auf, säuberte die Straßen und verschönerte die Gebäude. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereMo 28.11.2011arte
    • Folge 2
      Kairo ist eine Stadt zwischen Antike und Moderne. In der größten afrikanischen Metropole vermehren sich die Abfälle ebenso schnell wie die rasant wachsende Bevölkerung. Sein modernes Gesicht verdankt Kairo Ismail Pascha, dem einstmaligen Vizekönig von Ägypten. Dieser bewunderte bei einer Paris-Reise zur Weltausstellung 1867 die Errungenschaften des Barons Haussmann im Städtebau und modernisierte die Stadt nach dessen Vorbild. Doch trotz verbesserter Hygienebedingungen blieb Kairo nicht von Epidemien verschont, für die man die hohe Bevölkerungsdichte in den Armenvierteln verantwortlich machte. Im Goldenen Zeitalter der arabischen Welt war Kairo ein Symbol für den blühenden islamischen Urbanismus gewesen, dessen drei Grundprinzipien „Ethik, Hygiene, Sicherheit“ die Stadt vollends erfüllte.
      Moscheen, Paläste, Häuser und Gärten waren mit einem Frisch- und Abwassersystem ausgestattet. Heute türmen sich auf den Mokattam-Hügeln die Abfälle. Hier ist das Reich der Zabbalin, der traditionellen Müllsammler von Kairo, die seit mehr als 50 Jahren bis zu 90 Prozent des städtischen Mülls recyceln. Doch ihre Zukunft ist ungewiss, denn jetzt gehen internationale Müllkonzerne das Kairoer Problem mit professionellen Mitteln an. Anfang der 90er Jahre begann der „Aga Khan Trust for Culture“ mit dem Bau des Al-Azhar-Parks. Anstelle eines seit Jahrhunderten als wilde Müllkippe genutzten Geländes sollte ein grünes Naherholungsgebiet entstehen. Bei den Bauarbeiten entdeckte man unter den Abfällen eine Maueranlage, die Saladinmauer, die unter dem Unrat begraben und daher besonders gut erhalten geblieben war. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereDi 29.11.2011arte
    • Folge 3
      In der Antike galt Rom zu Recht als modernste Stadt der Welt. Nicht zuletzt, weil sie das erste Kanalisationssystem der Geschichte besaß. Latrinen waren seinerzeit prächtige öffentliche Orte, für die man Eintritt bezahlte, an denen man Geschäfte abschloss oder sich zum Diner verabredete. Im Jahr 19 vor Christi Geburt erbauten Kaiser Augustus und sein Ädil Agrippa das Aquädukt Aqua Virgo, das die ersten öffentlichen Bäder mit Wasser versorgte. Sie restaurierten auch die unter Lucius Tarquinius Priscus geschaffene „Cloaca Maxima“ und errichteten hunderte Springbrunnen. Da die römischen Verwaltungsexperten bereits wussten, dass schlechte Hygienebedingungen zu Krankheiten führen, verboten sie das Abladen von Abfällen, toten Tieren, Menschenleichen und Exkrementen in den Straßen der Stadt. Heute scheint sich die römische Mentalität gewandelt zu haben.
      Die größte europäische Müllkippe liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum der italienischen Hauptstadt entfernt, so dass der Gestank – je nach Windrichtung – sogar die Nasen im Vatikan belästigt. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereMi 30.11.2011arte
    • Folge 4
      Die Geschichte der vor 2.000 Jahren von den Römern gegründeten Stadt erlebte viele Katastrophen. Im Jahr 1665/​66 tötete die Große Pest rund 20 Prozent der Bevölkerung Londons, der große Brand von 1666 legte einen Großteil der Stadt in Schutt und Asche, und im Zweiten Weltkrieg zerstörten deutsche Bomben die englische Hauptstadt. London steht für die heruntergekommenen Arbeiterviertel, die der Schriftsteller Charles Dickens beschreibt, und die stinkende, dunstig-schwarze Themse der impressionistischen Maler. Aber auch das erste Abwassersystem der modernen Welt entstand in der britischen Hauptstadt. Und hier wurde von einem englischen Dichter das Water Closet erfunden. Im viktorianischen Zeitalter war der Londoner Osten, das berühmte East End, ein wirtschaftliches und soziales Ghetto. Schafherden zogen durch die Straßen zum Schlachthof.
      Von dort aus floss das Blut den Rinnstein herab, und Menschen stapften durch den Matsch aus Müll und Exkrementen. Dann brach die Cholera über die Stadt herein. Und als während der Hitzewelle im Sommer 1858 im Westminster-Palast ein Fenster geöffnet wurde, beschloss die Regierung Ihrer Majestät, dass dem „Großen Gestank“ in der Hauptstadt ein Ende gesetzt werden musste. Die Ansteckungsgefahr war so groß, dass die Honoratioren schon die Stadt verließen. Daraufhin einigte sich das Parlament endlich auf einen Gesetzentwurf und stellte 3.000.000 britische Pfund für den Bau einer Kanalisation zur Verfügung. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereDo 01.12.2011arte
    • Folge 5
      Der New Yorker Stadtteil Manhattan liegt zu 33 Prozent auf Mülldeponien, die noch aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die Niederländer errichteten das berühmte Viertel damals, indem sie mit Hilfe ihrer Deichbaukenntnisse die sumpfigen Gebiete zwischen den einzelnen Inseln befestigten. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts galt Barren Island, die erste Müllkippe New Yorks, als weltweit größte Deponie für Industrieabfälle. Die Anwohner der Müllinsel lebten bis 1936 mit dem Unrat, dessen giftige Ausdünstungen noch bei den reichen Grundeigentümern auf der anderen Seite der Bucht Krankheiten und Erstickungstode auslösten. Damals wurde Industriemüll noch mit Hilfe von Säure entsorgt. Ende der 30er ragte der Müllberg Rikers Island etwa 50 Meter über der Flushing Bay auf.
      Dort ließ der „große Baumeister“ Robert Moses im Jahr 1939 die New World’s Fair erbauen. Dazu legte er die 90 Mülldeponien der Stadt zum größten von Menschenhand geschaffenen Objekt der Geschichte zusammen. 1948 entstand im Stadtbezirk Staten Island die Müllkippe Fresh Kills, auf der sich bis zur ihrer Schließung im Jahr 2001 mehr als 50 Jahre New Yorker Stadtgeschichte sammelten. Ein weiteres Phänomen ist die kriminelle Seite der Abfallbeseitigung. So wurden die New Yorker Abfälle schnell zu heißer Ware. Und trotz der Bemühungen unter Präsident Roosevelt, der Kriminalität Einhalt zu gebieten, gehörten Müll und Mafia in New York noch lange zusammen. (Text: arte)
      Deutsche TV-PremiereFr 02.12.2011arte

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