• Folge 17 (30 Min.)
    Dänischunterricht in der Deutschen Privatschule Feldstedt. – Bild: NDR
    Dänischunterricht in der Deutschen Privatschule Feldstedt.
    Nordschleswig statt Neckar Hier wär’s auch schön, zu leben: Kim und Melanie Goos erinnern sich genau an den Moment, als sie zum ersten Mal in Dänemark, genauer in Sonderburg, am Wasser standen und Kim Goos diesen Satz sagte. Der Abstecher nach Dänemark war spontan, die Familie aus der Nähe von Heidelberg machte damals in Damp Urlaub. Von da an reifte die Idee, auszuwandern. Konkret wurde es vor dreieinhalb Jahren. Der Zufall führte sie in ihrem Dänemarkurlaub auf den Hof von Lene und Carsten Møller. Aus den Gastgebern wurden Freunde und nach einem Besuch der deutschen Schule im nahen Felsted war klar: Hier sollte Sohn Elyas zur Schule gehen. Das neue Wohnhaus hat die Familie gleich im Ort gefunden. Heute leben sie in dem Dorf mit rund 1000 Einwohnern und haben sich schon gut integriert. Anfangs arbeiteten Kim und Melanie noch in ihren ursprünglichen Berufen und pendelten nach Flensburg. Mittlerweile sind sie auch beruflich in Dänemark angekommen: Melanie arbeitet im örtlichen Kindergarten, Kim hat ein Fitnessstudio gegründet. Sprache als Schlüssel zur Integration Skøjteløber heißt Wasserläufer, Elyas kennt schon viele der Namen der Tiere in dem Spiel, das sie spielen. Im Dänischunterricht in der Deutschen Schule in Felsted müssen die Kinder der Zugezogenen aus Deutschland erst einmal einen Wortschatz aufbauen. Das machen wir spielerisch, erklärt Lehrerin Kerstin Michaelis. „Irgendwann löst sich der Knoten und sie merken, Dänisch ist cool, das macht Spaß.“ Von 42 Kindern, die die kleine Schule zurzeit besuchen sind 28 Zugezogene. „Eine Herausforderung für die Integration, die sie an ihrer Schule aber meistern“, sagt Schulleiterin Viola Matthiesen. Wichtig sei, dass die Eltern von Anfang an mit eingebunden werden und dass die Kinder auch mit den in Dänemark geborenen Kindern viel Dänisch sprechen. Die spielen eine große Rolle beim Dänischlernen. „Man muss ihnen viel erklären“ sagt Schüler Adrian über die Neuen. „Aber das macht man so unter Freunden.“ Krav Maga im ehemaligen Supermarkt Kim Goos ist gelernter Optiker. Den Selbstverteidigungssport Krav Maga hatte er schon in der alten Heimat am Neckar als Trainer unterrichtet. Dänemark sollte auch beruflich ein Neuanfang werden. Auch wenn er als Optiker auf der deutschen Seite der Grenze hätte weiterarbeiten können: „Ich wollte nicht mehr irgendwo angestellt sein“, sagt Kim Goos. Sein alter Trainer ermutigte ihn, den Schritt zu wagen, ein eigenes Studio zu eröffnen. Dass das dann so ein Erfolg werden würde, hat die Familie Goos selbst überrascht. Die angemieteten Räume im nahen Tingleff wurden bald zu klein. Doch im selben Ort stand schon länger ein ehemaliger Supermarkt leer. Seit Frühjahr 2026 laufen hier die Kurse für Functional Fitness, Zumba und Krav Maga. Die Kursteilnehmenden kommen aus allen Altersgruppen und: aus der deutschen Minderheit, auch Zuzügler sind darunter. Aber mittlerweile kommen auch Dänen. Noch wird vor Ort bei Bedarf übersetzt. „Aber ich will irgendwann auch selbst auf Dänisch unterrichten“ sagt Kim Goos entschlossen. (Text: NDR)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 19.05.2026 ARD MediathekDeutsche TV-Premiere Sa. 18.07.2026 NDR
  • 30 Min.
    Grænzenlos – mit Simone Mischke (NDR) und Anders Køpke Christensen (TV Syd)
    Plattdeutsch eine Bühne bieten Was es ihr bedeutet, auf Plattdeutsch Theater zu spielen? Das ist für Anja Berger in einem Wort zusammenzufassen: Heimat. Sie ist eine der vielen Ehrenamtlichen, die sich an der Niederdeutschen Bühne Flensburg engagieren. Sie alle sind hier unverzichtbar. Zwar bekommt die NDB Zuschüsse von der Stadt Flensburg, doch die wurden gerade stark gekürzt. Zurzeit wird ein Klassiker aus den 1970er-Jahren einstudiert: „Kinner Kinner“ von Irmgard Wempner. Gastregisseurin Sandra Keck ist selbst Profischauspielerin am Ohnsorg-Theater in Hamburg. Dass die plattdeutsche Sprache im Theater präsent ist, sei wichtig, sagt sie. Den Muttersprachlern müsse man eine Plattform bieten und auch jungen Leute zeigen: Kommt ins Plattdeutsche Theater, auch wenn ihr vielleicht nicht jedes Wort versteht. Eine alte Weltsprache Im Alltag hat keiner der Studierenden im Seminar von Robert Langhanke bisher viel Platt gesprochen. Einige lernen es wie eine Fremdsprache neu. „Meine Großeltern haben immer Platt gesprochen, aber nicht mit mir“, erzählt Lene Kramp. Jetzt durch das Studium habe sich das geändert. Das Studienfach steht an der Europa-Universität Flensburg jedem offen, nicht nur Germanistik-Studierenden, auch wenn sie die größte Gruppe stellen. Wer Plattdeutsch spricht, kann übrigens skandinavische Sprachen meist leichter lesen, sagt Dozent Robert Langhanke. Denn in der Hansezeit hat Platt dort viele Spuren hinterlassen. „Man sagt ja auch: Platt ist eine alte Weltsprache. Da ist was dran.“ Æ Sproch – aber keine eigene Sprache Sønderjysk war im Mittelalter die Umgangssprache im Landesteil Schleswig bis nach Eckernförde. Ausgenommen Nordfriesland, da wurde Friesisch gesprochen. Heute wird es in verschiedenen Varianten noch im Süden Dänemarks gesprochen. Auch Moderator Anders Køpke Christensen spricht es mit Begeisterung, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Die Sprecher nennen Sønderjysk æ sproch: die Sprache. Aber: Sønderjysk gilt „nur“ als Dialekt des Dänischen, hat daher nicht denselben Schutzstatus wie Plattdeutsch. Um den Erhalt kämpfen Engagierte in Vereinen und privat. Zum Beispiel ist gerade eine VM i Synnejysk (Weltmeisterschaft im Südjütländischen) auf die Beine gestellt worden, bei der es neben Sprache auch um Geschichte und Kultur geht. Jugendliche und Erwachsene stellen sich dem Wettbewerb, das Finale ist im Oktober in Apenrade. Eine Großmutter namens Frank Bylderup-Bov ist eine Gemeinde mit knapp 1300 Einwohnern acht Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Sønderjysk ist hier noch Alltagssprache. Sogar die meisten Kinder an der Schule können es, erzählen Jeppe und Noah, während sie auf ihren Mofas sitzen. Zwischen Hochdänisch und Sønderjysk zu wechseln ist für die beiden ganz natürlich. Frank Petersen, bei dem sie das Schrauben an den Mofas gelernt haben, fühlt sich hingegen komisch, wenn er Hochdänisch spricht. „Ich muss dann mehr nachdenken, was ich sage.“ Das muss er nicht, wenn er in die Rolle von Bestemoe Frank (Großmutter Frank) schlüpft und seine Videos auf Sønderjysk aufnimmt. Was als Spaß begann, hat ihm schon 35.000 Follower auf TikTok gebracht. „Ich habe Bekannte oben in Aalborg, die klopfen jetzt schon Sprüche auf Sønderjysk“, erzählt er nicht ohne Stolz. (Text: NDR)
    Deutsche TV-Premiere Sa. 08.08.2026 NDR

Mehr Spoiler…

Hol dir jetzt die fernsehserien.de App