Nordschleswig statt Neckar Hier wär’s auch schön, zu leben: Kim und Melanie Goos erinnern sich genau an den Moment, als sie zum ersten Mal in Dänemark, genauer in Sonderburg, am Wasser standen und Kim Goos diesen Satz sagte. Der Abstecher nach Dänemark war spontan, die Familie aus der Nähe von Heidelberg machte damals in Damp Urlaub. Von da an reifte die Idee, auszuwandern. Konkret wurde es vor dreieinhalb Jahren. Der Zufall führte sie in ihrem Dänemarkurlaub auf den Hof von Lene und Carsten Møller.
Aus den Gastgebern wurden Freunde und nach einem Besuch der deutschen Schule im nahen Felsted war klar: Hier sollte Sohn Elyas zur Schule gehen. Das neue Wohnhaus hat die Familie gleich im Ort gefunden. Heute leben sie in dem Dorf mit rund 1000 Einwohnern und haben sich schon gut integriert. Anfangs arbeiteten Kim und Melanie noch in ihren ursprünglichen Berufen und pendelten nach Flensburg. Mittlerweile sind sie auch beruflich in Dänemark angekommen: Melanie arbeitet im örtlichen Kindergarten, Kim hat ein Fitnessstudio gegründet.
Sprache als Schlüssel zur Integration Skøjteløber heißt Wasserläufer, Elyas kennt schon viele der Namen der Tiere in dem Spiel, das sie spielen. Im Dänischunterricht in der Deutschen Schule in Felsted müssen die Kinder der Zugezogenen aus Deutschland erst einmal einen Wortschatz aufbauen. Das machen wir spielerisch, erklärt Lehrerin Kerstin Michaelis. „Irgendwann löst sich der Knoten und sie merken, Dänisch ist cool, das macht Spaß.“ Von 42 Kindern, die die kleine Schule zurzeit besuchen sind 28 Zugezogene.
„Eine Herausforderung für die Integration, die sie an ihrer Schule aber meistern“, sagt Schulleiterin Viola Matthiesen. Wichtig sei, dass die Eltern von Anfang an mit eingebunden werden und dass die Kinder auch mit den in Dänemark geborenen Kindern viel Dänisch sprechen. Die spielen eine große Rolle beim Dänischlernen. „Man muss ihnen viel erklären“ sagt Schüler Adrian über die Neuen. „Aber das macht man so unter Freunden.“ Krav Maga im ehemaligen Supermarkt Kim Goos ist gelernter Optiker.
Den Selbstverteidigungssport Krav Maga hatte er schon in der alten Heimat am Neckar als Trainer unterrichtet. Dänemark sollte auch beruflich ein Neuanfang werden. Auch wenn er als Optiker auf der deutschen Seite der Grenze hätte weiterarbeiten können: „Ich wollte nicht mehr irgendwo angestellt sein“, sagt Kim Goos. Sein alter Trainer ermutigte ihn, den Schritt zu wagen, ein eigenes Studio zu eröffnen. Dass das dann so ein Erfolg werden würde, hat die Familie Goos selbst überrascht.
Die angemieteten Räume im nahen Tingleff wurden bald zu klein. Doch im selben Ort stand schon länger ein ehemaliger Supermarkt leer. Seit Frühjahr 2026 laufen hier die Kurse für Functional Fitness, Zumba und Krav Maga. Die Kursteilnehmenden kommen aus allen Altersgruppen und: aus der deutschen Minderheit, auch Zuzügler sind darunter. Aber mittlerweile kommen auch Dänen. Noch wird vor Ort bei Bedarf übersetzt. „Aber ich will irgendwann auch selbst auf Dänisch unterrichten“ sagt Kim Goos entschlossen. (Text: NDR)