• Staffel 35, Folge 11 (52 Min.)
    Bei der „Disco Demolition Night“ wurden Disco-Schallplatten öffentlich zerstört. Disco stand für eine Mode und kulturelle Strömung, gegen die sich insbesondere Rock-Fans wehrten. – Bild: Chicago Sun-Times Media Inc./​All rights reserved
    Bei der „Disco Demolition Night“ wurden Disco-Schallplatten öffentlich zerstört. Disco stand für eine Mode und kulturelle Strömung, gegen die sich insbesondere Rock-Fans wehrten.
    In den 70er Jahren erlebten die USA einen tiefgreifenden Kulturwandel, den der rasante Aufstieg der Discomusik zusätzlich beschleunigte. Disco entstand ab 1974 aus Funk, Phillysound und lateinamerikanischen Rhythmen. Zunächst war sie vor allem in Schwulenclubs zu Hause. Den Durchbruch im Mainstream brachte 1977 der Film „Saturday Night Fever“ mit John Travolta: Von da an wurde Disco zur Lieblingsmusik vieler Amerikaner und verdrängte den Rock von seiner Spitzenposition. Dabei war Disco mehr als ein Musikstil; sie wurde auch zum Ausdruck einer Pride-Bewegung diskriminierter Minderheiten. Viele Rockfans hielten Disco dagegen für seicht und oberflächlich. „Disco war elektronische Musik, und Discofans mochten Clubs, in die man nicht reinkam, wenn man nicht schick genug angezogen war“, sagte Lee Abrams, Erfinder des Rundfunkformats „Album Oriented Rock“ (AOR). „Rocker hingegen mochten Riesenkonzerte mit echten Drummern und echten Gitarristen. Ihre Uniform war Jeans und T-Shirt. Rocker fanden Disco vor allem deshalb blöd, weil sie sich bedroht fühlten.“ Ihren Höhepunkt erreichten diese Spannungen am 12. Juli 1979 bei der „Disco Demolition Night“ während eines Baseballspiels in Chicago. Rund 50.000 Rockfans waren eigens dafür angereist. Bereits während des ersten Spiels flogen Disco-LPs wie Frisbees von den Rängen, mehrere Menschen wurden getroffen und verletzt. Als die Veranstalter zwischen den beiden Spielen eine Kiste mit Disco-Alben sprengten, stürmten die meist weißen Disco-Gegner das Spielfeld, zertrampelten den Rasen und beschädigten die Technik. Erst die Polizei brachte die Lage wieder unter Kontrolle. „Disco sucks! – Amerikas erster Kulturkampf“ handelt deshalb von weit mehr als Musik. Die Dokumentation zeigt, wie die mächtige Anti-Disco-Bewegung eine kulturelle Spaltung offenlegte, die auch von Rassismus und Homophobie geprägt war.
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