Um Gewinner und Verlierer, die Kunst des Scheiterns und neue Herausforderungen geht es in dieser Ausgabe von Westart live. Zu Gast bei Thomas Hermanns sind die Schauspielerin Nina Kunzendorf, der Regisseur Andres Veiel, die Sopranistin Juliane Banse, die Komikerin Enissa Amani und die Jazz-Brüder Julian und Roman Wasserfuhr. Nina Kunzendorf: „Ich bin eine Leisespielerin“: Als Kind träumte sie davon, Bäuerin, Bäckerin oder Hebamme zu werden. Doch das blieb – zum Glück für die Zuschauer – nur ein Traum.
Heute zählt die Schauspielerin, die an der Seite von Joachim Król zwei Jahre als forsche „Tatort“-Kommissarin Conny Mey in Frankfurt ermittelte, zu den beliebtesten und besten ihrer Zunft. Grimme-Preis, Lola, Goldene Kamera, Deutscher und Bayerischer Fernsehpreis – Nina Kunzendorf, 1971 in Mannheim geboren, räumte so ziemlich alle Preise der Branche ab. „Ich bin eine Leisespielerin“, sagt sie über sich, „und ich mag Figuren, die irritieren.“ Am 28. Mai liest sie bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen aus „Wunderbare Jahre“ von Sibylle Berg.
Juliane Banse: Vom Ammersee über die Met an den Rhein: „Was sind die drei schönsten Worte im Leben? Nicht: Ich liebe dich. Sondern: The Met called!“ So witzelte Juliane Banse mit ihren Kommilitoninnen an der Münchner Musikhochschule. Aus dem Scherz wurde Ernst: 2014 gab die in Süddeutschland geborene und in Zürich aufgewachsene Sopranistin an der legendären Metropolitan Opera in New York ihr Debüt. „Das war ein toller Moment, ein Sahnehäubchen auf der Karriere“, schwärmt sie.
Neben ihren Opernrollen ist Juliane Banse auch eine gefragte Liedinterpretin und seit Oktober letzten Jahres Professorin für Gesang an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. In den nächsten Tagen ist sie in NRW bei mehreren Konzerten auf der Bühne zu erleben: am 18. Mai in Dortmund sowie am 19. und 21. Mai in Köln. Vorher verrät die dreifache Mutter bei Westart live, wie sie Familie und Karriere unter einen Hut bekommt. Andres Veiel: „Joseph Beuys hat mich immer schon fasziniert“: Andres Veiel zählt zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmern in Deutschland.
Der gebürtige Stuttgarter interessiert sich seit Jahren für politische und historische Stoffe. Bekannt wurde er mit Filmen wie „Black Box BRD“ über den Bankenmanager Alfred Herrhausen und den RAF-Terroristen Wolfgang Grams oder „Der Kick“, ein „Lehrstück“ über rechtsextremistische Gewalt. Sein jüngstes Werk hat er dem Künstler und Aktivisten Joseph Beuys gewidmet. Der Avantgardist vom Niederrhein habe schon vor über 30 Jahren die richtigen Fragen gestellt.
„Die Gesellschaft ist erstarrt wie das Fett der Beuys’schen Fettecken. Aber wenn man einen Bunsenbrenner darunter hält, lässt sich das Fett wieder gestalten“, sagt der Regisseur. „Beuys“: Die Wiederentdeckung einer politischen Persönlichkeit: Joseph Beuys provozierte gerne – künstlerisch wie politisch. Schon in den 70ern sah er die Finanzkrise voraus, mahnte, dass Geld keine Ware sein dürfe, und forderte jeden Einzelnen auf, sich einzumischen.
Wie aktuell seine Botschaften sind, macht der Dokumentarfilm „Beuys“, eine Koproduktion von WDR, SWR und Arte, deutlich. Für sein Künstlerporträt hat Regisseur Andres Veiel über 400 Stunden Film, 300 Stunden Audiomaterial und mehr als 20.000 Fotos gesichtet, darunter auch bisher unbekannte Fundstücke aus dem Archiv. Am 18. Mai kommt der Film „Beuys“, der auf der Berlinale Weltpremiere feierte und für den Deutschen Dokumentarfilm nominiert ist, in die deutschen Kinos.
Enissa Amani: Ganz schön schlagfertig: Vor ein paar Jahren noch hat sie Gewürze auf einem Kölner Weihnachtsmarkt verkauft, jetzt ist die Deutsch-Iranerin ein Star in der Comedyszene. Ersten Erfolgen in einer Kölner Kneipe folgten Fernsehauftritte bei NightWash und Stefan Raabs „TV Total“. 2015 erhielt sie den Deutschen Comedypreis als beste Newcomerin und 2016 eine eigene Fernsehshow. Nach ihrem furiosen ersten Bühnenprogramm „Zwischen Chanel und Che Guevara“ tourt sie nun mit „Mainblick“ durchs
Land.
Bei Westart live erzählt die scharfzüngige „Vollblut-Tussi“ (Enissa Amani über sich selbst), wie sie ihre Leidenschaft für Literatur, Marx und Comedy verbindet. Julian und Roman Wasserfuhr: Zwei Brüder, der Jazz und das Bier: Der eine spielt Trompete, der andere Klavier. Doch die Brüder Julian und Roman Wasserfuhr teilen nicht nur ihre Liebe zum Jazz, sondern auch zum Bier. Zu Hause sind sie Hückeswagen im Bergischen Land. Dort brauen sie im Keller ihres Elternhauses ihr eigenes „Schnaff-Bier“.
Und im Probenraum entstehen die Ideen für ihre Musik. Für das kürzlich erschienene Album „Landed in Brooklyn“ haben sich die beiden Musiker aus ihrem beschaulichen Heimatort ins Mutterland des Jazz aufgemacht und zusammen mit den US-Jazzgrößen Donny McCaslin, Tim Lefebvre und Nate Wood ihre fünfte CD eingespielt. Anfang Juni sind sie bei der Jazz Rally in Düsseldorf zu Gast. Zuvor stehen Julian und Roman Wasserfuhr gemeinsam mit der Sopranistin Juliane Banse bei Westart live auf der Bühne.
„Verstehen Sie Schulz?“: Martin Häuslers Porträt des Kanzlerkandidaten: Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gilt als letzter Stimmungstest vor der Bundestagswahl im Herbst 2017. Mit der Nominierung von Martin Schulz ging ein Ruck durch die SPD. Doch was ist eigentlich der „Schulz-Effekt“ und wie viel ist von ihm geblieben? Das fragt Westart live am Tag nach der Wahl den Journalisten Martin Häusler. Für sein Anfang Mai erschienenes Buch „Verstehen sie Schulz“ führte er lange Gespräche mit dem SPD-Kanzlerkandidaten und traf in dessen Heimat im Aachener Grenzgebiet mit Geschwistern, Freunden, Weggefährten und Kritikern zusammen.
Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: Hommage an Bjørn Melhus: Mal Superheld, mal Elvis-Verschnitt: Bjørn Melhus ist bekannt dafür, dass er jede seiner Figuren in seinen Filmen selbst spielt. Dem Medienkünstler und Geschichtenerzähler widmen die diesjährigen Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen eine ganze Werkschau. Zu sehen ist auch sein neuestes Werk „Moon Over Da Nang“ über den Vietnamkrieg, die Mondlandung und die vietnamesische Stadt Da Nang von heute.
Der 15-Minüter läuft im deutschen Wettbewerb und wird in Oberhausen uraufgeführt. Westart live hat Bjørn Melhus in seinem Atelier in Berlin besucht. Fotoausstellung „Ende der Schonzeit“: Hattingen im Wandel: In Hattingen ging es 1987 heiß zu. Beim sogenannten Hüttenkampf gegen die Stilllegung der Henrichshütte traten Frauen in den Hungerstreik, Zehntausende demonstrierten gegen den Niedergang der Montanindustrie und den Verlust ihres Arbeitsplatzes.
Mittendrin war der Fotograf Horst Dieter Zinn. Der gebürtige Bochumer dokumentierte damals unter dem Titel „Eine Heimat geht bankrott“ für die Zeitschrift „Geo“ die Proteste. 30 Jahre später hat er die Stadt und ihre Bewohner erneut in den Blick genommen. Rund 50 Fotos sind im Rahmen der Ausstellung „Ende der Schonzeit“ im LWL-Industriemuseum Henrichshütte zu sehen. Sie zeigen wie sich der Ort, die Menschen und auch der Blick des Fotografen geändert haben.
Jane Birkin: Auf Tour mit Gainsbourg: Er war die Liebe ihres Lebens. Fast zwanzig Jahre waren Jane Birkin und Serge Gainsbourg privat und auf der Bühne ein Paar. Mit dem Stöhnklassiker „Je t’aime … moi non plus“, den die BBC boykottierte und der Vatikan verbot, gelangten sie 1969 an die Spitze der Charts und wurden weltberühmt. Seit Jahrzehnten singt Jane Birkin die weltbekannten Chansons des 1991 gestorbenen Musikers und Songwriters.
Derzeit ist die 70-jährige britische Sängerin und Schauspielerin mit ihrem neuen Album „Birkin/Gainsbourg: Le Symphonique“ auf Tournee. Am 20. und 21. Mai ist sie zu Gast bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen, wo sie gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Westfalen auftreten wird. Westart live hat Jane Birkin in Paris besucht. Inside Hazel Brugger: „Mal still, mal wild, aber immer sehr komisch“ – so beschreibt sie sich selbst auf ihrer Homepage. Und wer sie erlebt hat, weiß: Hazel Brugger trifft immer ins Schwarze. Seit kurzem lebt die Schweizer Slam-Poetin und Kabarettistin in Köln. Doch das Metropolenleben nervt sie kolossal. Raus heißt deshalb die Devise. Dieses Mal zieht es sie nach Issum und Westart live schaut ihr beim Denken zu. (Text: WDR)
Deutsche TV-PremiereMo. 15.05.2017WDR
Sendetermine
So. 21.05.2017
08:30–09:50
08:30–
Mo. 15.05.2017
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