Seit Urzeiten kämpft der Mensch – mal bewusst, mal unbewusst – gegen die großen Raubtiere der Welt. Für unsere Vorfahren ging es ums nackte Überleben, wenn sie gegen Konkurrenten um Nahrung und Lebensraum in die Schlacht zogen. Heute wird die ungezügelte Wildnis häufig als Gefahrenquelle empfunden, als Unsicherheitsfaktor in einer zivilisierten Welt. Doch was passiert, wenn eine Art in einem funktionierenden Ökosystem verschwindet? Der zweite Teil von „Tatort Erde“ zeigt Beispiele für die unbändige Macht vom „Räuber“ Mensch. Im Yellowstone National Park, weltweit Symbol für ursprüngliche Wildnis, gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Im Vergleich mit Fotos aus früherer Zeit sieht man die gravierenden Veränderungen. Eine der offensichtlichsten ist das Verschwinden der weitläufigen Pappelwälder. Ein Phänomen, das Bill Ripple und Eric Larson seit Jahren beschäftigt. Untersuchungen des Waldbestandes im Herzen der geschützten Wildnis zeigen den Biologen, dass die meisten der Bäume über 70 Jahre alt sind. Die Keimlinge der heutigen Riesen gediehen in den Dreißigerjahren, in einer Zeit, in der die Wölfe aus dem Park verdrängt wurden. Es scheint also einen Zusammenhang zu geben zwischen dem „Pappelsterben“ und dem Verschwinden der Wölfe. Für die beiden Biologen ist die Situation klar: Nachdem die Raubtiere aus Yellowstone verdrängt wurden, brach das ökologische Gleichgewicht zusammen. Elche und Wapitis konnten sich massiv vermehren und haben Wiesen und Wälder abgeweidet. Selbst der junge Baumnachwuchs fiel ihnen zum Opfer. Doch Hoffnung ist in
Sicht. Die Wiederansiedelung der Wölfe vor etwa drei Jahrzehnten sorgt mittlerweile dafür, dass sich die Natur erholt. Das Comeback des Wolfs hat das Gleichgewicht wieder hergestellt. Ein anderes Beispiel kommt aus Jamaika. Discovery Bay, eine Bucht im Norden des Landes, strotzte vor Jahren von Leben. Doktor- und Papageienfische, Barsche und Haie durchpflügten farbenprächtige Korallenbänke. Doch diese Vielfalt existiert nur noch auf Fotos. Durch Überfischung ist auch hier das ökologische System zusammengebrochen. Algen überziehen heute das Riff. Die Wissenschaftler sehen eine Kettenreaktion. Erst nahm die Zahl der großen, dann die der kleineren Fische ab. Nur noch wenige grasen Algen von den empfindlichen Korallen und schaffen es nicht, deren ungezügeltes Wachstum in Schach zu halten. Auch in St. Lucia kennt man dieses Phänomen. Hier hat man vor etwa einem Jahrzehnt in bestimmten Gebieten den Fischfang verboten. Erste Erfolge sind in Sicht. Einige Fische sind zurückgekehrt, und hinter den Grenzen der Schutzgebiete fangen die Fischer wieder größere Exemplare. Der zweite Teil der Reihe „Tatort Erde“ berichtet von der Abhängigkeit einiger Lebensräume von den großen Raubtieren unseres Planeten. Wunderschöne Naturaufnahmen und historische Bilder verdeutlichen, wie das ökologische Gleichgewicht durch die Vernichtung einzelner Arten aus dem Gleichgewicht geraten kann. Ein kurzweiliger Bilderbogen über das Zusammenspiel von Tieren und Pflanzen, der trotz bedenklich stimmendem Tenor doch Optimismus versprüht. „Tatort Erde“, Folge 3 und 4, werden am Montag, 28. Juni, ab 17:15 Uhr ausgestrahlt. (Text: ZDFneo)