„Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“: KI-generierte Folgen in kommender Woche

Veränderte Dramaturgie, alternative Urteile bis hin zu Gender-Swap

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 03.09.2026, 13:10 Uhr

„Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“ – Bild: RTL
„Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“

Im Frühjahr kündigte RTL einen Vorstoß in Künstlicher Intelligenz an: Ganze Episoden der Gerichtsshow „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“ entstanden rein durch den Einsatz von KI. Jetzt liegen die Ausstrahlungstermine für die ersten fünf dieser Folgen vor. RTL bezeichnet sie als „KI-Meilenstein“ und wird sie schon in der kommenden Woche ab dem 7. September um 15:55 Uhr zeigen.

Aus bereits existierenden Folgen der Gerichtsshow mit Ulrich Wetzel sind durch generative KI neue Episoden mit veränderter Dramaturgie, neuen Darstellern und alternativen Urteilen entstanden. RTL Deutschland und die Produktionsfirma Constantin Entertainment wollen dadurch „ein starkes Zeichen“ setzen und sichtbar machen, welche neuen Möglichkeiten KI für Storytelling und Produktion eröffnet. Der Einsatz sowie vor allem die Konsequenzen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz sorgen in der Film- und Fernsehbranche für gespaltene Reaktionen und Sorge. RTL wiederum sieht beim Einsatz von KI auch Chancen.

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In einem mehrstufigen Produktionsprozess seien laut RTL Figuren, Handlungsverläufe und Urteile auf Basis bereits produzierter Episoden neu entwickelt worden. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem Verfahren für Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen. Aus einer freigesprochenen Angeklagten wurde eine verurteilte Täterin, aus einem Mutter-Sohn-Verhältnis ein Geschwisterverhältnis – oder auch: Ein anderer Täter gesteht die Tat und verändert damit das Urteil. In einer Folge wechselt gar ein kompletter Gender-Swap der Hauptfigur die Perspektive auf die gesamte Geschichte. RTL betont: Jede Folge wurde redaktionell verantwortet und juristisch geprüft.

links: Ausschnitt aus Original-Folge; rechts: echter Darsteller mit KI in Original-Folge integriertRTL/​Constantin Entertainment

Die fünf KI-generierten „Strafgericht“-Folgen werden als „Praxistest unter realen Produktions- und Programmbedingungen“ bezeichnet. RTL Deutschland und Constantin Entertainment wollen damit erproben, wie sich bestehende Inhalte mithilfe von KI kreativ weiterentwickeln und zusätzliche Auswertungsmöglichkeiten erschließen lassen. Die dafür notwendigen Rechte seien mit den beteiligten Talents geklärt worden. Dies verdeutliche, „wie durch verantwortungsvollen KI-Einsatz neue Geschäftsmodelle für Broadcaster, Kreative und Produktionspartner entstehen können“. Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend und würden sichtbar machen, an welchen Stellen Prozesse und Technologie weiter verbessert werden müssen. „Redaktionelle Verantwortung, Rechteklärung und Qualitätskontrolle bleiben dabei konsequent beim Menschen.“

Die KI-Folgen von „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“ sind Teil der Initiative „RTL bringt KI on Air“. Das erklärte Ziel besteht darin, neue kreative Möglichkeiten zu erschließen, Produktionsabläufe weiterzuentwickeln und gemeinsam mit Produktionspartnern verantwortungsvoll Erfahrungen für den künftigen Einsatz von KI im Entertainment zu sammeln. Schon jetzt setzt RTL KI in unterschiedlichen Bereichen der Content-Wertschöpfung ein: von KI-gestützter Postproduktion und Virtual Production über die Jugendschutz-KI Merm:ai:d und gezielten Support für Journalisten im „Newsroom of the Future“ bis hin zum Einsatz in Vermarktung und On-Air-Elementen.

Inga Leschek, Chief Content Officer RTL Deutschland: Erstmals zeigen wir im täglichen Grid, was generative KI heute schon leisten kann und was sie für die Zukunft des Erzählens bedeutet. Mit ‚Das Strafgericht‘ gehen wir bewusst einen ersten aufgeschlossenen Schritt und machen die Möglichkeiten von KI für unser Publikum direkt erlebbar. Zugleich sehen wir ganz klar: Gute Geschichten entstehen auch künftig durch Ideen, Erfahrung und redaktionelle Verantwortung. Technologie erweitert unsere kreativen Werkzeuge. Das Ziel ist damit künftig schneller und effizienter Inhalte umzusetzen und für Streaming und Broadcast zu veröffentlichen.

Otto Steiner, Geschäftsführer Constantin Entertainment: Wir haben mit diesen fünf Folgen technisches und kreatives Neuland betreten, das es in dieser Form im deutschen Broadcast und Streaming noch nicht gab. Aus einer bestehenden Folge eine völlig neue Geschichte zu entwickeln mit neuen Figuren, neuen Wendungen, teilweise sogar einem kompletten Gender-Swap der Hauptfigur ist ein Meilenstein für die Produktionsbranche. Gleichzeitig haben wir viel darüber gelernt, wie sich Qualität, kreative Idee und neue Technologie am besten miteinander verbinden lassen. Wir sind stolz, mit RTL Deutschland diesen Schritt als Erste gegangen zu sein.

Max Orgonyi, Chief Transformation & AI Officer RTL Deutschland: Wir als RTL haben das Ziel, führend im Einsatz von KI in der Medienbranche zu sein. Bis 2030 werden wir über 150 Millionen Euro Wert mit KI generieren. Dabei entstehen neue Geschäftsmodelle – sowohl für uns als Broadcaster und Streamer als auch für Kreative und Produktionspartner. Der Pilot mit Constantin Entertainment ist ein tolles Beispiel: Es entsteht etwas zwischen neuer Folge und Wiederholung. Und wir stehen erst am Beginn der Möglichkeiten dieser neuen Technologie.

Kommentare zu dieser Newsmeldung

  • am via tvforen.de

    Gescripte Gerichtsshows heißt noch lange nicht, dass man sich da benehmen kann, wie die Axt im Walde. Die meisten Zuschauer haben noch nie eine Gerichtsverhandlung, die mitunter sehr öde sein kann, miterlebt und glauben tatsächlich, dass ist, nach Gerhard Polt, Fast wia im richtigen Leben.
    • am via tvforen.de

      RTL verarscht sein Publikum: Bei der linearen Ausstrahlung wird die KI-Bearbeitung nicht gekennzeichnet. Stattdessen wird das recycelte Machwerk einfach als "neue Folge" bezeichnet.

      https://www.dwdl.de/magazin/107722/rtl_experimentiert_mit_ki__und_laesst_den_hinweis_darauf_weg_/
      • (geb. 1987) am

        Heute die 2. KI-Folge gesehen. Im Gegensatz zur gestrigen KI-Folge fand ich diese schon deutlich besser abgestimmt. Ein paar kleinere Fehler sind immer noch drin, aber langsam schwindet der Unterschied zu echten Folgen.
        Es ist noch Luft nach oben, aber es steckt anscheinend Potenzial drin die KI-Folgen immer besser zu machen.
        Die Frage bleibt, ist das jetzt beängstigend, da KI ja immer weiter entwickelt - und vermutlich immer besser wird? Ist das der Start für Seelenloses "Ersatzfernsehen" für günstige TV-Produktionen?
        Oder könnten sich da auch Chancen auftun, geliebte Serien kostengünstig am Laufen zu halten?
        Sicherlich werden die Meinungen da auseinander gehen, aber letztendlich werden wir uns alle an den Gedanken gewöhnen müssen, dass dies wohl die Zukunft sein wird und der Beginn der KI-Fernsehära.
        • (geb. 1987) am

          Habe die erste KI-Folge gesehen und mir ist neben einiger sprachlicher Fehler einiges aufgefallen.

          Am krassesten ist mir das bei der KI-Staatsanwältin aufgefallen. Ganz oft gab es die gleiche Einblendung (ich meine die mit dem 3x Augen blinzeln). Auch wenn der KI-Angeklagte oder KI-Richter gesprochen hat, hat die KI oft in wo anders hingeschaut. Oder der KI-Anwalt spricht und die ganze Zeit wird der KI-Angeklagte eingeblendet, der gerade gar nichts sagt. Auch lustig, z.B. bei der Zeugin, die das Kissen auf den Boden gelegt hatte und als das Kissen eingeblendet wurde hat ihr das linke Bein komplett gefehlt 😂
          Ich habe schon im voraus geahnt, dass solche Dinge passieren, heute wurde es bestätigt!

          Ist euch auch was besonders aufgefallen?
          • am

            Am Ende retten sie auf diese Weise "Unter Uns". Aus den mehr als 3 Jahrzehnten Material, lassen sich sicher nochmal ein paar Jahrzehnte zusammenschustern. 😂
            • (geb. 1969) am

              Gestört, sage ich nur. Hauptsache Geld sparen und den Managern und Anteilseignern noch mehr Geld zukommen lassen. Würg! Solche Sendungen werde ich mir gezielt nicht anschauen.
              • (geb. 1982) am

                Vielleicht wird bald das komplette TV-Programm KI-generiert sein. Selbst sogenannte Reality-Shows könnte man nach Belieben noch trashiger, skandalöser - oder hie und da etwas politisch korrekter - machen. Unheimlich! Wobei: Wenn es klar gekennzeichnet wird, vielleicht auch ganze Sender, die KI-Inhalte zeigen, und man dafür vielleicht mehr Geld hat um wieder richtig gutes Fernsehen zu machen, dann okay. Ich möchte einfach wissen, was ich aufgetischt bekomme! Und ich möchte die Wahl haben, also bitte mindestens genauso viel Programm ohne KI!
                • am

                  Von KI gefällte Urteile. Noch halten wir das nur für "Scripted Reality", aber eigentlich bereitet es uns nur darauf vor, was uns vermutlich in einigen Jahren erwartet.
                  Immer mehr Leute reichen Klagen mit Hilfe von KI ein. Als ob unsere Gerichte nicht jetzt schon maßlos überfordert wären... Die "logische" Konsequenz? KI wird auch genutzt, um die ganzen Fälle abzuarbeiten und später Urteile zu fällen.
                  Wer glaubt, dass die Gerichte alleine mit menschlicher Kraft in der Lage sein werden, weitere Fluten an Prozessen durchzuführen, der glaubt auch noch dran, dass Jeff Bezos, Elon Musk und Co. unsere Retter sind, die für die Menschheit nur das beste wollen...

                  Dass RTL solche Praktiken schon jetzt "alltagstauglich" machen möchte, halte ich für hochgradig gefährlich.
                  • (geb. 1963) am

                    Ich schaus mir trotzdem nicht an. Auch die Folgen die "natürlich" gedreht wurden, sind nur gescriptete Reality, also keine Realität. Wie die allermeisten dieser  Art von Sendungen. Deshalb schau ich mir das nie an. Auch nicht, wenn jetzt offen ehrliche KI-generierte "Wirklichkeit" gezeigt wird.
                    • am

                      Willkommen in der Fernsehhölle. Und das wird nur der Anfang sein. 🤪
                      • am via tvforen.de

                        Ich finds ja faszinierend dass die KI günstiger ist als da jede Woche zwei Laiendarstellern ein Salamibrot und 50 Euro Aufwandspauschale hinzustellen.
                        • am via tvforen.de

                          Wetzel, Hold, Salesch & Co müssten eigentlich ja am besten wissen, wie es bei richtigen deutschen Gerichten zugeht. Ich habe schon einigen Gerichtsverhandlungen beigewohnt, aber Geschrei, Gekeife, Beleidigungen, Drohungen, Gebrüll und etliches mehr, wie in diesen "Reality-Shows" habe ich nicht erlebt. Diese Richter sollten doch am besten wissen, wie eine Gerichtsverhandlung in der Realität aussieht. Die Salesch, zu Anfangszeiten am Amtsgericht urteilt über kleine Zivilklagen und verurteilt nun innerhalb von einer Stunde (einschl. Werbung) nun u. a. auch Mordfälle. Ein unvoreingenommener Richter, wie Hold es sein sollte, der später auch noch als eine Art Detektiv ermittelt, ist mehr als unglaubwürdig. Kein Wunder also, dass es unendlich lange dauert, wenn Termie für Prozesse, mangels Richter, auf sich warten lassen.
                          Zu Beginn einer Verhandlung sitzt eine eingeschüchterte Person auf der Anklagebank und schon beim ersten Zeugen erahne ich fast immer, dass der Dreck am Stecken hat. Wenn schon ich, als totaler Nichtjurist, erahnen kann, wohin die Reise geht, frage ich mich, was für schlampige Ermittlungen die Staatsanwaltschaft geführt hat. Für Geld wirft man hier alle Skrupel über Bord. (Übertreibung ein) Ich verstehe, dass mit der Pension eines Obergerichtsrates oder Direktor eines Gerichtes kaum über die Runden kommt. (Übertreibung aus) Und das soll Reality sein? Wer sich solch einen Schwachsinn ansieht, sollte mal wirklich zu echten Gerichtsverhandlungen gehen.
                          • am via tvforen.de

                            Es sind Shows (!) und es geht nicht darum, realgetreue Gerichtsverhandlungen zu zeigen, sondern um Unterhaltung. Klar, dass das nicht so abläuft wie in echten Gerichten.
                            In der Anfangszeit von Salesch startete man mit echten Fällen, war damit aber nicht sehr erfolgreich, also folgte der Umstieg auf Laiendarsteller und gescriptete Fälle.
                        • am

                          „ein starkes Zeichen“ setzen und sichtbar machen, welche neuen Möglichkeiten KI für Storytelling und Produktion eröffnet." Dass sie es sichtbar machen, werde ich als positiv bewerten. Nur ändert das für mich persönlich nichts daran, dass ich sowas in keinster Weise, sei es von RTL oder sonst wem, unterstützen werde, indem ich mir sowas anschauen werde. Nicht überall wird damit so offen umgegangen. Das muss schleunigst geändert werden. Ich als Konsument möchte entscheiden, inwieweit ich die Nutzung von KI im Bereich Unterhaltung akzeptiere.
                          • am via tvforen.de

                            Schon dreist von RTL, so einen Schwachsinn auch noch als Innovation zu verkaufen. Deren Meinung von ihrem Publikum ist ja noch geringer als ich ohnehin schon dachte.

                            Leid tut es mir vor allem für die Statisten und Nachwuchsschauspieler, denen jetzt die Möglichkeit genommen wird, vielleicht mal 50 Euro neben dem Studium oder der Ausbildung dazuzuverdienen und sich auszuprobieren.

                            Der eigentliche Verlierer ist aber Ulrich Wetzel. Unfassbar, dass er das zulässt und sich dafür hergibt. Hoffentlich wird er dann bald in seinem 'richtigen' Job auch von einer KI ersetzt. Für mich ist er unten durch. So menschenverachtende Leute wie Wetzel braucht es wirklich nicht im Nachmittagsprogramm.
                            • am via tvforen.de

                              Es ist doch klar, dass das für diesen Nachmittagsschrott gemacht wird, und warum auch nicht? Wenn man damit quasi (fast) umsonst jede Menge neue Folgen einfach nach Belieben am PC erschaffen kann anstatt sie mühsam und teuer echt zu drehen, spart das soviel Geld, ja, unvermeidlich, das ganze - und auch alternativlos!

                              Wer sich das ernsthaft anschauen will, merkt eh nicht, was oder wen er da sieht! Das könnte letzten Endes auch Anime oder die Augsburger Puppenkiste sein, im Prinzip völlig egal:-)

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