„The 100“-Rückblick: Ist Staffel 7 ein würdiger Abschluss für die Serie? – Review

    Die Sci-Fi Serie in der Retrospektive

    Rezension von Jana Bärenwaldt – 02.10.2020, 19:00 Uhr

    Promo-Bild zur fünften Staffel von „The 100“

    Passenderweise 100 Episoden hat es gebraucht, um die Geschichte von „The 100“ zu erzählen. Dabei hat die Serie einen lange Bogen geschlagen, der im Finale der siebten Staffel seinen Höhepunkt fand. Showrunner Jason Rothenberg hatte bereits im Vorfeld der Staffel angekündigt, dass das Ende einer Geschichte zugleich ihre Moral darstellt. Was sagt das Ende also über die Moral der Serie aus und führt die siebte Staffel zu einem gelungenen Abschluss?

    „The 100“ begann mit 100 jugendlichen Straftätern, die von der Ark auf die Erde geschickt wurden, um herauszufinden, ob diese erneut zur Heimat der Menschheit werden könnte. Die Erde erwies sich jedoch nicht als unbewohnt und die ersten Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Dabei stießen die Jugendlichen vor allem schnell an die Grenzen ihrer eigenen Moralvorstellungen und der Frage was sie zu tun bereit sind um zu überleben.

    Was in der ersten Staffel von „The 100“ noch wie ein typisches Teenie-Drama von The CW anmutete, entwickelte sich im Laufe der Staffeln zu einer packenden Sci-Fi Show, die durch stets spannende Handlungsstränge und vielschichtige Charaktere überzeugen vermochte. Stellvertretend für die anderen standen dabei stets Clarke (Eliza Taylor) und Bellamy (Bob Morley) im Zentrum der Serie, als Kopf und Herz.

    Bellamy (Bob Morley) und Clarke (Eliza Taylor) verband eine besondere Beziehung. The CW

    Die Serie scheute sich dabei nicht, ihre Figuren vor schmerzhafte, unmöglich erscheinende Entscheidungen zu stellen. Spätestens seit dem Tod von Finn (Thomas McDonell) durch die Hände von Clarke und dem Genozid in Mount Weather – begangen von Clarke und Bellamy – als tragischem Höhepunkt von Staffel zwei, wurde klar, wie düster die Serie sein kann. Auch der Selbstmord von Jasper (Devon Bostick) in der vierten Staffel zeigte eindringlich, dass nicht alle Geschichten ein Happy End haben.

    Aber „The 100“ setzte auch in positiver Hinsicht neue Maßstäbe. Mit Clarke etablierte The CW eine Protagonistin, die nicht nur stark und mutig war, sondern auch für die überzeugende Repräsentation eines LGBTQ+ Charakters sorgte. Eine der beliebtesten Beziehungen ist bis heute die von Clarke und Lexa, Commander der Grounder, in Staffel drei.

    Überzeugen konnte die Serie überdies mit beeindruckenden Charakterentwicklungen, wobei vor allem Octavia (Marie Avgeropoulos) und Murphy (Richard Harmon) hervorgehoben sein sollen. Octavia entwickelte sich von dem Mädchen unter dem Flur zu einer Anführerin, die alle Stämme der Grounder unter sich vereinte und mit ihrer dunkelsten Seite in Berührung kam. In den letzten beiden Staffeln konnte sie mit ihrer Vergangenheit schließlich Frieden schließen.

    Murphy startete als wohl eine der unbeliebtesten Figuren der Serie und entwickelte sich nach und nach zu einem regelrechten Fan-Liebling. Sein Charakter, der zunächst nichts als das eigene Überleben im Sinn hatte, beendete seine Reise als Held, wenn auch immer noch mit dem gleichen zynischen Humor.

    Murphy (Richard Harmon) und Emori (Luisa D’Oliveira) haben eine lange Reise hinter sich. The CW

    Im Laufe der Serie wurde die Erde dreimal vollkommen zerstört und die Reise führte die Figuren nach 125 Jahren Kryoschlaf in Staffel 6 schließlich auf ein anderes Planetensystem. Dort wartete in der finalen Staffel die bisher größte Herausforderung auf sie: Bill Cadogan (John Pyper-Ferguson), seine Jünger und deren Glaube an Transzendenz. Die Prämisse der Staffel war ambitioniert und sorgte für einige Veränderungen.

    In einer Welt, die in den vorherigen Staffeln mehr an ein postapokalyptisches Setting angelehnt war und das Überleben der Gruppe rund um die 100 fokussierte, wurde auf einmal ein neues Planetensystem, samt neuen Gruppen von Menschen, Glaubensrichtungen, Wurmlöchern, Anomalie-Steinen und einer höheren Spezies, die über die Transzendenz der Menschheit entscheidet.

    Damit hatte sich „The 100“ vor allem in der siebten Staffel einiges vorgenommen und nicht immer ist die Serie dabei den selbst angesetzten Maßstäben dabei gerecht geworden. Die erste Hälfte der finalen Staffel entwickelte sich ungewohnt langsam und warf oft mehr Fragen auf, als sie beantwortete. Das lag auch daran, dass viele der Fragen erst in den letzten Episoden beantwortet wurden, z.B. nach dem Verbleib von Gaia (Tati Gabrielle) und dem eigentlichen Ziel von Cadogan.

    Clarke (Eliza Taylor) und ihre Freunde sehen sich auf Bardo ihrer bisher größten Bedrohung gegenüber. The CW

    Der größte Schockmoment der Staffel und zugleich aber auch der größte Kritikpunkt war unbestreitbar der Tod von Bellamy durch die Hände von Clarke, nachdem er ohnehin bereits für den Großteil der Staffel abwesend gewesen war. Keine Episode von „The 100“ hat jemals zuvor so viel Gegenwind von Fans und Kritikern gleichermaßen erhalten. Der Showrunner hatte zwar im Vorfeld in Interviews schon angegeben, dass Morley selbst sich eine Auszeit erbeten hatte, das Resultat in der Story war trotzdem niederschmetternd und es erscheint zweifelhaft, ob dies wirklich die einzige Lösung gewesen wäre.

    Bellamys Tod durch Clarke hätte der dramatischste Höhepunkt der gesamten Serie sein sollen, stattdessen war es eine kurze, gehetzt wirkende Szene ohne jede Notwendigkeit oder Logik innerhalb der Geschichte. Der Tod von Bellamy hing wie ein Schatten über den finalen Episoden der Serie, was auch daran lag, dass er nie einen richtigen Abschied geschweige denn ein Begräbnis erhielt. Eine Moral aus der Geschichte um Clarke und Bellamy, die stets im Kern der Serie stand, sollte man wohl lieber nicht ziehen, zumindest nicht basierend auf ihrem Ende.

    Bellamy (Bob Morley) kurz vor seinem Tod. The CW

    Nichtsdestotrotz hat „The 100“, abgesehen von Bellamy, auch in der finalen Staffel wieder eine spannende Geschichte erzählt, die jedoch auch unmissverständlich auf ein Ende hinauslief. Denn dort angekommen wurde über die Zukunft der Menschheit entschieden. Dass am Ende die Waffen nieder gelegt wurden, alle Menschen die nächste Stufe durch Transzendenz erlangten und Clarke und ihre Freunde glücklich auf der Erde wiedervereint wurden, ist wohl ein Happy End, dass man für „The 100“ nicht vermutet hätte. Und trotzdem ist es ein schönes Ende einer Geschichte mit der hoffnungsvollen Moral, dass Menschen sich eben doch ändern können.

    Ob es für diese Moral allerdings all den neuen Plot-Elementen inklusive Transzendenz bedurft hätte, sei dahingestellt. Ein bisschen seltsam mutet es schon an, dass eine Serie, die alle spirituellen Vorgänge bisher immer mit einer wissenschaftlichen Grundlage erklären konnte, am Ende ihre Figuren zu Wesen des Lichts erhebt. Eine bewusste Entscheidung von allen Beteiligten gegen die Transzendenz, wie damals auch gegen die Stadt des Lichts, wäre in vielerlei Hinsicht passender gewesen. Für ein abschließendes Urteil wären zudem genauere Erläuterungen über den Vorgang der Transzendenz hilfreich gewesen.

    Zusammengenommen ist das Finale von „The 100“ aber trotz einiger kleinerer und größerer Stolpersteine ein würdiger Abschluss für die Serie, das den Kreis schließt, indem die Serie dort endet, wo alles begann: Mit einer kleinen Gruppe von Überlebenden auf der Erde, die die Hoffnung auf eine bessere Zukunft vereint. Die Erde ist also am Ende erneut zur Heimat für die Menschen geworden, auch wenn es dieses Mal die letzte Generation sein wird.

    Ein letztes Mal auf der Erde wiedervereint. The CW

    Auch wenn den Figuren von „The 100“ kein Nachwuchs mehr vergönnt ist, nachdem sie sich gegen Transzendenz entschieden haben, so könnte die Serie selbst noch ein Spin-Off hervorbringen. Die Entscheidung für die Prequel-Serie „The 100: Second Dawn“, die bereits in der achten Folge der siebten Staffel angetestet wurde, steht bisher immer noch aus.

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

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