Versteckte TV-Perlen: „Privatkonzert“ mit Stephanie Stumph und Wigald Boning

    Neue Wohnzimmerkonzerte im MDR

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 22.06.2019, 13:53 Uhr

    Zu Gast bei Stephanie Stumph und Wigald Boning: Wingenfelder und Chris Thompson – Bild: MDR/DW/Marcel Schroeder
    Zu Gast bei Stephanie Stumph und Wigald Boning: Wingenfelder und Chris Thompson

    In unregelmäßigen Abständen wollen wir auf kleine TV-Perlen hinweisen, die meist an den Rändern des Programms versteckt sind und (zu) wenig Aufmerksamkeit erhalten. Bereits im vergangenen Jahr machten wir auf „Privatkonzert“ aufmerksam, eine Koproduktion der Deutschen Welle und des MDR. Heute (22. Juni) und am kommenden Samstag (29. Juni) laufen die vorerst letzten Folgen. Da sich die Sendung in der zweiten Staffel sogar steigern konnte, weisen wir gerne noch einmal darauf hin.

    In der zweiten Staffel begrüßt Songwriterin, Moderatorin und Schauspielerin Stephanie Stumph zusammen mit Musiker und Komiker Wigald Boning pro Ausgabe mehrere Künstler zu ganz besonderen Wohnzimmerkonzerten im Haus Schminke in Löbau, das mit seiner besonderen Architektur als eines der bemerkenswertesten Wohnhäuser des 20. Jahrhunderts gilt. In intimer Talk-Atmosphäre geben nationale und internationale Musiker Einblicke in ihre Karrieren und präsentieren live sowohl eigene Titel als auch Songs anderer Interpreten.

    Stephanie Stumph mit Sebastian Krumbiegel, Marla Glen und Wigald Boning
    Stephanie Stumph mit Sebastian Krumbiegel, Marla Glen und Wigald Boning

    Keine große Showbühne in einer großen Halle – stattdessen eine gemütliche Wohnzimmerstimmung im kleinen Rahmen. Die Musik kommt nicht aus der Konserve, sondern wird stets live gespielt, hautnah und unplugged. Als Hausband sind The Ruffcats am Start. Stumph und Boning stimmen ebenfalls mit ein und feiern gemeinsam mit ihren Gästen die Musik. Während Boning des Öfteren die Auftritte mit Querflöte und Saxophon begleitet und originelle instrumentale Duftnoten hinterlässt, überzeugte Stumph bereits als Duettpartnerin für Sebastian Krumbiegel, Sotiria und DJ Ötzi – und legte während Ray Wilsons Auftritt auf dem Boden liegend eine legendäre Luftgitarren-Performance hin.

    Der besondere Reiz der Sendung besteht in der Kombination der musikalischen Gäste, die auf den ersten Blick wenig miteinander gemeinsam haben. Beim „Privatkonzert“ werden kulturelle und musikalische Grenzen überschritten. Jede Folge ist anders. Mal laut und ausgelassen, mal leise und intim – aber stets qualitativ hochwertig. So kann es auch mal vorkommen, dass auf der Wohnzimmercouch herumgesprungen wird. „Das ‚Privatkonzert‘ ist wild, anarchisch und nicht so durchchoreographiert wie manch andere Sendung! Man weiß vorher nicht, was so alles passieren wird. Es gibt nur einen groben Leitfaden, aber keine festen Regeln“, beschreibt Stephanie Stumph das Konzept im fernsehserien.de-Interview. Zahlreiche tolle Gäste waren bereits da, darunter Nico Santos, Melanie C, Marc Almond, Kathy Sledge, Max Mutzke und Marla Glen. Auch Kelly Family-Mitglied Angelo Kelly war mit seiner Familie zu Gast. „Angelos wohlerzogene Kinder haben sich nicht mal getraut, die Füße aufs Sofa zu legen, obwohl ich sie mehrfach aufgefordert habe, es sich doch mal bequem zu machen“, erinnert sich Stumph lachend.

    Angelo Kelly war zusammen mit seiner Familie zu Gast
    Angelo Kelly war zusammen mit seiner Familie zu Gast

    In der Folge vom 22. Juni sind ab 23.50 Uhr der Brite Chris Thompson und die Brüder Kai und Torsten Wingenfelder zu Gast, die bis 2008 Mitglieder der Band Fury in the Slaughterhouse waren. Chris Thompson hingegen ist mit Manfred Mann’s Earth Band bekannt geworden. Nach einem noch etwas angespannten Gesprächsstart lockert sich die Stimmung im Verlauf des Abends spürbar und die Wingenfelder-Brüder erläutern, weshalb Fury in the Slaughterhouse in den USA als echte Rockband galt, während sie in Deutschland kein allzu gutes Image hatte. Chris Thompson erörert hingegen die Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischem Publikum. In wohl keiner anderen Sendung können Unterhaltungen und musikalisches Fachsimpeln derart in die Tiefe gehen. Auf der Wohnzimmerbühne gibt es unter anderem die Hits „You’re The Voice“ und „Time To Wonder“ zu hören.

    Ivy Quainoo und Sophie B. Hawkins zu Gast bei Stephanie Stumph und Wigald Boning
    Ivy Quainoo und Sophie B. Hawkins zu Gast bei Stephanie Stumph und Wigald Boning

    Am 29. Juni sind dann die erste „The Voice of Germany“-Gewinnerin Ivy Quainoo und Sophie B. Hawkins zu Gast. Hawkins spielt afrikanische Trommel und setzt sich an den Flügel. In neu arrangierter Form präsentiert sie ihre größten Hits „Damn! I Wish I Was Your Lover“ und „Right Beside You“. Außerdem sprechen die beiden Sängerinnen über ihre Musikkarrieren und ihre besonderen Erfahrungen in New York City.

    Am 10. August strahlt das MDR Fernsehen um 00.05 Uhr noch ein Best of mit den Highlights der zweiten Staffel aus. Spice Girl Melanie C performt „First Day of My Life“, Marc Almond ist mit seiner 80er-Jahre-Hymne „Tainted Love“ dabei, Nico Santos gibt „Rooftoop“ zum Besten und Kathy Sledge präsentiert den Mega-Hit „We Are Family“. In den Talks erfahren die Zuschauer, wie Ray Wilson zu Genesis kam, wie oft Gabriel Kelly ins Fitnessstudio geht und warum spanische Songtexte oft nicht jugendfrei sind.

    Wigald Boning begleitet Melanie C mit der Querflöte
    Wigald Boning begleitet Melanie C mit der Querflöte

    Besonderes Lob verdient das Gastgeberduo. Wigald Boning kann beim „Privatkonzert“ wie in kaum einer anderen Sendung sein vielfältiges musikalisches Talent unter Beweis stellen und auch auf Stephanie Stumph wirkt das Format perfekt zugeschnitten. Als Interviewerin überzeugt sie mit ehrlichem Interesse und spontanem Humor, und während der musikalischen Darbietungen überträgt sich ihre Begeisterung und Freude unmittelbar auf die Zuschauer. Es wäre daher mehr als wünschenswert, dass diese TV-Perle in dieser Besetzung mit einer dritten Staffel fortgesetzt wird.

    Vergangene Folgen sind in den Mediatheken der ARD und der Deutschen Welle nachträglich abrufbar.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

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