Versteckte TV-Perlen: „Die Geschichte eines Abends“ – mit Dirk Stermann, Ina Müller, Karoline Herfurth und Co.

    Anarchischer Doku-Talk heute Nacht im NDR

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 08.12.2017, 15:48 Uhr

    „Die Geschichte eines Abends“: Auf dem Hamburger Bunker an der Feldstraße – Bild: NDR/David Diwiak
    „Die Geschichte eines Abends“: Auf dem Hamburger Bunker an der Feldstraße

    In unregelmäßigen Abständen wollen wir auf kleine TV-Perlen hinweisen, die meist an den Rändern des Programms versteckt sind und (zu) wenig Aufmerksamkeit erhalten. Heute Nacht (vom 8. auf den 9. Dezember) strahlt das NDR Fernsehen um 0.10 Uhr eine neue Folge des Formats „Die Geschichte eines Abends“ aus. Seit 2014 werden etwa zwei Episoden dieses experimentellen Anarcho-Talks jährlich gezeigt. Gastgeber Dirk Stermann (bekannt aus „Willkommen Österreich“) trifft sich darin mit vier Gästen, die auf den ersten Blick wenig gemein haben. Sie essen zusammen zu Abend, sprechen in authentischer Umgebung und Atmosphäre miteinander und machen sich anschließend auf in das Hamburger Nachtleben.

    Es gibt keinen geplanten Ablaufplan. Die Sendung dokumentiert in Kinooptik, wie die Gäste tiefe Einblicke in ihre schattigen Seelen geben. Der NDR spricht von einer Nacht mit überraschenden und tiefgreifenden Einsichten, die anarchisch, lustig und manchmal todtraurig sind – „so wie ein guter Abend bei Freunden“. Dirk Stermann fungiert nicht etwa als Moderator, der typische Interview-Fragen gestellt – vielmehr gibt er Gedankenanstöße und sorgt er für eine Gesprächssituation, in der alle Gäste ihre Erfahrungen miteinander austauschen. Der Abend beginnt stets mit einem gemeinsamen Essen, danach begeben sich die Fünf auf einen nächtlichen Streifzug durch den Hamburger Kiez – Parallelen zum langjährigen arte-Format „Durch die Nacht mit … “ sind unverkennbar. Bereits die erste Ausgabe 2014 wurde für den „Grimme-Preis“ nominiert.

    Der Beginn eines unvorhersehbaren Abends (© NDR/David Diwiak)
    Der Beginn eines unvorhersehbaren Abends (© NDR/David Diwiak)

    In der heute Nacht ausgestrahlten Ausgabe treffen aufeinander: Moderatorin und Sängerin Ina Müller („Inas Nacht“), Schauspielerin Karoline Herfurth („Fack ju Göhte“), Fußballtrainer und Ex-Nationalspieler Mario Basler sowie Charakterdarsteller und Theaterschauspieler Ulrich Matthes. Gemeinsam verbringen sie einen schwülen Sommerabend auf St. Pauli in Hamburg. Es wird geredet, viel geraucht und noch mehr getrunken. Versprochen wird ein Abend wie ein Tanz auf dem Drahtseil, irgendwo zwischen hemmungslosem Rausch und schonungsloser Beichte. So gesteht Ina Müller, dass sie der Überzeugung ist, dass ihr Karriereabstieg kommen wird. Ulrich Matthes bereut nie, nach Hollywood gegangen zu sein. Und Mario Basler und Karoline Herfurth tanzen auf dem Dach des Hamburger Bunkers in die Nacht. In künstlerisch anmutenden Szenen, die zwischen die Talksequenzen geschnitten sind, werden die einzelnen Gäste auf skurrile Art näher beleuchtet.

    „Die Geschichte eines Abends“ ist ehrliches, unkonventionelles und transparentes Fernsehen. Bleibt die Frage, weshalb der NDR dieses Format 1) nicht auf einem leichter auffindbaren Sendeplatz zeigt und 2) nicht mehr Ausgaben pro Jahr produzieren lässt. Es wirkt beinahe so, als wolle man diese TV-Perle nicht beschädigen und nach den wohldosierten Ausstrahlungsterminen wieder unbeschadet zurück in die Schatzkiste legen.

    Die aktuelle Ausgabe sowie ältere Folgen liegen im YouTube-Kanal von NDR Doku zum Abruf bereit.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1974) am melden

      https://www.ndr.de/fernsehen/Die-Geschichte-eines-Abends,abend156.html
        hier antworten
      • am via tvforen.demelden

        Danke für den Hinweis, Glenn.
        • am via tvforen.demelden

          Das Format ist bisher komplett an mir vorübergegangen, aber ich habe mir die Sendung gestern - ne, heute! - angeschaut. Es sind mehr so herausgepickte Splitter von denen ich gern hier und da mehr gesehen hätte, aber das war wohl nicht das Konzept der Sendung.
          Gab es nicht mal eine Zeit in der das Rauchen in deutschen Produktionen unter Strafe gestellt schien und man nicht mal im Hintergrund jemand qualmen sah? Die 5 Leute dagegen müssen eine komplette Stange leergemacht haben an diesem Abend lach.
          Mir kam es vor als läge über allem so eine "kleine leise Traurigkeit" um es mit Gundermann auszudrücken, ich kann es nicht anders beschreiben... irgendwie so eine unterschwellige Melancholie. Aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht.
          • am via tvforen.demelden

            Sveta
            >Mir kam es vor als läge über allem so eine "kleine leise Traurigkeit" um es mit Gundermann auszudrücken, ich kann es nicht anders beschreiben... irgendwie so eine unterschwellige Melancholie. Aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht.>

            Ich habe gerade die zweite Sendung (von hinten) duch: Es hat eine feierliche Melancholie.

            Die Sendung ist grandios geschnitten und zusammen gestellt.
            Ich habe was von 7 Std gelesen und dann in 45 min gepackt. Respekt.

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