Schlag den Star – Die Premiere der Neuauflage mit Elton

    Die Premiere der Neuauflage mit Elton – von Glenn Riedmeier

    Elton moderiert das neue „Schlag den Star“

    Seit dem Ende von „Wetten, dass..?“ 2014 sowie dem Rückzug von Stefan Raab aus dem TV-Geschäft und dem damit verbundenen Ende von „Schlag den Raab“ im vergangenen Jahr ist die deutsche Samstagabendunterhaltung um einige Highlights ärmer geworden. Lange war unklar, wie ProSieben die entstandene Lücke der unzähligen weggefallenen Raab-Formate schließen will und ob einzelne Produktionen auch ohne die Mitwirkung des Moderators fortgesetzt werden. Im Februar ließ der Sender dann die Katze aus dem Sack und überraschte mit der Nachricht, dass der „SdR“-Ableger „Schlag den Star“ in überarbeiteter Form zurückkehren wird. Der ehemals kleine Bruder von „Schlag den Raab“ sollte nun zum Hauptevent werden und künftig live am Samstagabend ausgestrahlt werden.

    Bislang von Stefan Raab selbst präsentiert, trat am Samstag, 9. April 2016, sein ehemaliger Showpraktikant Elton in die Fußstapfen seines früheren Chefs und moderierte die XXL-Show zum ersten Mal. Stand „Schlag den Star“ bisher immer als aufgezeichnete Variante und mit deutlich weniger Spielrunden im Schatten der Muttersendung, wurde sie nun deutlich aufgepeppt. Wie früher bei „Schlag den Raab“ können bestensfalls 15 Spiele bestritten werden. Größter Unterschied: Es tritt nicht ein Normalbürger gegen einen Prominenten an, sondern zwei Promis spielen gegeneinander um die Gewinnsumme von 100.000 Euro. Dieses abgeänderte Konzept wurde 2014 eingeführt. Zuvor glich das Format „Schlag den Raab“ mit einem Wettkampf zwischen Promi und Normalbürger. In der Premierenausgabe der Neuauflage duellieren sich der ehemalige Gewichtheber Matthias Steiner und der Schauspieler Henning Baum (bekannt als „Der letzte Bulle“).

    Als die altbekannte Titelmelodie erklingt und der Blick auf das nahezu unveränderte Studio fällt, stellt sich zu Beginn der Show ein wohliges Gefühl der Vertrautheit ein – auch wenn einem dabei unweigerlich wieder in den Sinn kommt, wie sehr die Abwesenheit von Stefan Raab in den letzten drei Monaten bereits spürbar war. Umso schöner, dass mit Elton als Moderator und Kommentator Frank Buschmann zwei alte Bekannte aus dem Raab-Universum im Einsatz sind. Nach der Begrüßung werden die Kontrahenten Henning Baum und Matthias Steiner zügig vorgestellt und im Studio empfangen. Vorteil gegenüber „Schlag den Raab“: Die meist zähe Vorstell- und Abstimmphase über Raabs Gegner während der ersten 45 Minuten fällt bei „Schlag den Star“ weg. Innerhalb weniger Minuten geht es schon mit dem ersten Spiel los.

    Elton

    Das altbewährte Konzept wird erfreulicherweise unverändert übernommen: Sportspiele wechseln sich mit Quizrunden und kreativen Geschicklichkeitsspielen ab. Elton, der mit „Elton vs. Simon“ und „Elton zockt LIVE“ bereits einige Live-Erfahrung gesammelt hat, macht seine Sache ordentlich und muss sich nicht hinter seinen indirekten Vorgängern Matthias Opdenhövel und Steven Gätjen verstecken. Ihm ist zwar die Nervosität hin und wieder anzumerken und er könnte ruhig etwas mehr freche Spitzen in Richtung der Kandidaten abfeuern, dafür ist er stets natürlich und kein Moderationsroboter, von denen das deutsche Fernsehen ohnehin genug hat.

    Als problematischer hat sich da schon die Wahl der beiden prominenten Kandidaten für die Premiere entpuppt. Baum und Steiner sind zwei ehrgeizige Kontrahenten, die in der Show auch Kampfgeist beweisen. Beiden fehlt jedoch ein Unterhaltungsgen, so dass sie die Spiele überwiegend konzentriert, professionell und wortkarg bestreiten. Amüsante Momente, wie es sie etwa bei „Schlag den Raab“ gab, weil Raab beim Verlesen der Regeln wieder einmal nur halb zugehört hat oder sich ungerecht behandelt fühlt, sind kaum vorhanden. Baum und Steiner verhalten sich kameradschaftlich und bringen ihren gegenseitigen Respekt durch Fairplay zum Ausdruck. Dem Unterhaltungswert tut dies jedoch nicht allzu gut: So offenbart die Show trotz origineller Spielideen unschöne Längen und plätschert zumeist vor sich hin. Echte Spannung will erst gegen Ende aufkommen. Hin und wieder sorgt Steiner für lausbübische Erheiterung, doch insgesamt fehlt der Biss und die Atmosphäre wirkt unangenehm kühl.

    Die Tatsache, dass die Show nun wie das große Vorbild live ist und nicht mehr aus der Konserve kommt, wirkt sich positiv auf die Sendung aus. Die Zuschauer erleben somit nicht nur kleine, allzu menschliche Pannen mit – es bleibt auch bis zum Schluss offen, welcher Kandidat nun das Rennen macht. Lobenswert ist darüber hinaus, dass mit Jamie-Lee Kriewitz und der britischen Newcomerin Fleur East zwei Musicacts die Show bereichern (im Prinzip ein Muss für eine richtige Samstagabendshow) und ihr somit zusätzliches Flair verleihen.

    Schlussendlich bleibt zu sagen: Auch wenn die Premierenfolge nicht vollends überzeugen konnte, wäre eine langfristige Fortsetzung über die zwei momentan noch geplanten Ausgaben hinaus unbedingt wünschenswert – allein, um das Feld der Samstagabendunterhaltung nicht gänzlich den Pilawas, Hirschhausens, Kerners und Pflaumes dieser Welt zu überlassen. Bei der Auswahl der Kandidaten sollte künftig darauf geachtet werden, dass es sich möglichst um polarisierende Teilnehmer handelt, die nicht auf den Mund gefallen sind, an denen sich die Zuschauer reiben können und die eine mehr als vierstündige Show aus Unterhaltungsaspekten auch tragen. Darüber hinaus sollte ProSieben darüber nachdenken, zum ursprünglichen Konzept zurückzukehren, bei dem ein Normalbürger gegen einen Prominenten antritt. Auf diese Weise würde man als Zuschauer wieder stärker emotional involviert sein und mehr mitfiebern als es bei einem Promi-Promi-Duell der Fall ist, bei dem letztendlich egal ist, wer gewinnt.


    © Alle Bilder: ProSieben/Christian Brodack

    10.04.2016, 01:31 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

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