TV-Kritik: „Nicht tot zu kriegen“

    von Glenn Riedmeier

    08.03.2017, 20:16 Uhr – Glenn Riedmeier

    TV-Kritik: "Nicht tot zu kriegen" – von Glenn Riedmeier – Bild: RTL/Michael Böhme
    „Nicht tot zu kriegen“ mit Jochen Busse

    Die dritte Runde der RTL-Sitcomoffensive ist eröffnet: Nach dem erfolgreich angenommenen „Magda macht das schon!“ und dem eher durchwachsen gelaufenen „Triple Ex“ kehrt bei RTL nun ein alter Bekannter in einer neuen Rolle zurück: Jochen Busse spielt die Hauptrolle in der schwarzhumorigen Comedyserie „Nicht tot zu kriegen“. Jeweils zwei Folgen der achtteiligen ersten Staffel sind ab dem 9. März donnerstags um 21.15 Uhr auf dem Kölner Sender zu sehen. Regie führten Felix Stienz und Daniel „Rakete“ Siegel.

    Jochen Busse, der in der Vergangenheit bereits mit „7 Tage, 7 Köpfe“ und „Das Amt“ jahrelang erfolgreiche Comedy-Formate für den Sender anführte, verkörpert in der Serie den wohlhabenden Senioren Helmut Kraft. Der griesgrämige Villenbesitzer hat seine Ehefrau überlebt und verlor nun auch noch seinen jüngeren Bruder Paul, dessen Asche er in einer Vase aufbewahrt. Er hat keine Freunde mehr und vergrault nach dem Tod seines Bruders schließlich auch das Hauspersonal. Helmut Kraft wohnt nun völlig allein in seiner 800-Quadratmeter-Villa und wünscht sich auf seine alten Tage mehr Leben – und vor allem Menschen, die nach seiner Pfeife tanzen. „Ich werde schon wieder irgendwelche Idioten finden, die das tun, was ich sage – und nicht wegsterben können“, lautet sein Vorhaben.

    Um dies zu erreichen, hat er einen gleichermaßen genialen wie hinterhältigen Einfall: Er bietet seine große Villa zu einem viel zu günstigen Preis zum Verkauf an. Einzige Bedingung: Er behält lebenslanges Wohnrecht im Dachgeschoss der Villa. „Wenn das alles ist … “, denken sich die beiden Schwestern Dagmar (Caroline Frier, „Alles was zählt“) und Nina (Amelie Plaas-Link, „ … und dann noch Paula“), die ihr Glück kaum fassen können und die Villa zum Spottpreis von 59.000 Euro kaufen. Zusammen mit ihren Partnern Oliver (Tristan Seith, „Im Knast“) und Rasmus (Mathias Harrebye-Brandt, „Die Pfefferkörner“) ziehen sie ein – ohne zu ahnen, worauf sie sich wirklich eingelassen haben. Krafts ehemalige Haushälterin Frau Popova, gespielt von Petra Nadolny („Switch Reloaded“), warnt die Pärchen und versucht sie vergeblich, vom Kauf abzuhalten. Der gerissene Helmut Kraft trickst jedoch sie aus und entlarvt sie als angebliche Diebin.

    Rasmus (Mathias Harrebye Brandt), Nina (Amelie Plaas-Link), Dagmar (Caroline Frier) und Oliver (Tristan Seith)
    Rasmus (Mathias Harrebye Brandt), Nina (Amelie Plaas-Link), Dagmar (Caroline Frier) und Oliver (Tristan Seith)

    Schon kurz nach dem Vertragsabschluss stellen die vier Freunde fest, dass der günstige Kaufpreis einen erheblichen Haken hatte. Denn der ursprünglich so harmlos erschienene Helmut Kraft entpuppt sich als absolutes Ekelpaket, der mitnichten ein zurückgezogenes Leben im Dachgeschoss führen will. Er betrachtet die beiden Pärchen als sein neues Personal, das für ihn den Haushalt erledigen soll und erwartet, dass um 17.20 Uhr das Abendessen auf dem Tisch steht. Dies wurde auch im Kleingedruckten des Vertrags festgehalten, in dem steht: „Die Käufer verpflichten sich hiermit, den Wünschen und Forderungen von Helmut Kraft nachzukommen. Ansonsten ist Kraft berechtigt, den Kaufvertrag jederzeit und ohne Kündigungsfrist aufzulösen. Der bezahlte Kaufbetrag wird als Entschädigung Krafts einbehalten.“ Die beiden Paare sitzen in der Falle und das Leben im heißersehnten Traumhaus stellt sich nun als echte Nervenprobe heraus. Es beginnt ein Kräftemessen und ein Kampf der Generationen.

    Headautorin Stefanie Ren hat Jochen Busse die Hauptrolle des Helmut Kraft auf den Leib geschrieben. Der langjährige Theaterschauspieler mimt den berechnenden und ausgefuchsten Villenbesitzer absolut glaubwürdig. Helmut Kraft ist sich seiner Bösartigkeit völlig bewusst und hat großen Spaß daran, seinen Mitmenschen das Leben schwer zu machen. Sein Handeln ist stets von einer bedrohlichen Hintergrundmusik untermalt, so dass man beinahe das Gefühl hat, es mit einem typischen Disneyfilm-Bösewicht zu tun zu haben. Doch keine Sorge, Jochen Busse stimmt keinen obligatorischen Schurken-Song an. Weshalb Helmut Kraft eigentlich so garstig ist, bleibt in den ersten beiden Folgen noch unbeantwortet.

    Aus der Hauptdarstellerriege sticht vor allem Caroline Frier positiv hervor, die als Friseurmeisterin Dagmar überzeugt und eine charismatische Identifikationsfigur darstellt. Die übrigen drei Hauptfiguren bleiben in den ersten beiden Folgen dagegen noch ziemlich blass und eindimensional. Dagmars Freund Oliver ist der gemütliche, stämmige Typ, der vor allem sein Feierabendbier vor dem Fernseher liebt. Dagmars jüngere Schwester Nina „macht irgendwas mit Medien“, ist das Küken der Gruppe und hat regelmäßige Gefühlsschwankungen. Zudem kriselt es in ihrer Beziehung mit dem Finnen Rasmus, der mehrere Sprachen beherrscht und eine Leidenschaft für das Kochen besitzt.

    Der Humor von „Nicht tot zu kriegen“ ist nicht so platt und gefällig wie bei „Magda macht das schon!“, aber dennoch massentauglicher als beim unmittelbaren Vorläufer „Triple Ex“. Die erste, rund 23-minütige Folge der PRO TV-Produktion kommt äußerst temporeich daher. Sie stellt Helmut Kraft vor, der seine Villa zum Kauf anbietet und endet mit der Vertragsunterzeichnung der vier Freunde. Schon in der zweiten Episode stellen die vier Käufer fest, dass sie offenbar einen großen Fehler gemacht haben und versuchen, aus dem Vertrag herauszukommen. Es kristalliert sich heraus, dass dies der Aufhänger für die nächsten sieben Folgen sein wird. Und so wird das Tempo bereits in Folge 2 deutlich heruntergefahren. Inwiefern diese Prämisse tatsächlich eine ganze Serie mit eventuell sogar mehreren Staffeln tragen kann, wird sich herausstellen. Nach dem ersten Eindruck hätte der Stoff vielleicht eher als Filmkomödie getaugt. Dennoch können Jochen-Busse-Fans und Freunde des schwarzen Humors definitiv einen Blick riskieren.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie.

    Meine Wertung: 3,5/5


    © Alle Bilder: RTL

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • BlackOak am 11.03.2017 13:56 via tvforen.de

      Hmm..Bei mir war relativ schnell das Interesse verflogen. Komische und abstruse Story mit einem wie immer nervig agierenden Busse. Keine Lust auf mehr...

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