The Newsroom – Review

    Neue HBO-Serie von Aaron Sorkin überzeugt auf ganzer Linie – von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Rezension von Ralf Döbele – 27.06.2012, 08:28 Uhr

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    Die Crew des Senders ACN in Aaron Sorkins „Newsroom“
    Die Crew des Senders ACN in Aaron Sorkins „Newsroom“

    Was so eine glatzköpfige, goldene Statue nicht alles bewirken kann! Bevor er für das Drehbuch zu „The Social Network“ 2011 den Oscar erhielt, war Aaron Sorkin unter Fernsehfans schon längst legendär. „The West Wing“ gilt zurecht als eine der besten Serien aller Zeiten. Auch seine kommerziell weniger erfolgreichen Formate „Sports Night“ (1998) und „Studio 60 On The Sunset Strip“ (2006) haben bis heute viele Fans. Doch erst nach der Oscarverleihung im vergangenen Jahr schien Sorkin endgültig als Garant für Drehbücher hoher Qualität anerkannt worden zu sein. Nicht länger war er der Sonderling, der manisch gesamte Staffeln von „The West Wing“ herunterschrieb und dabei zu exzentrischen Anfällen neigte.

    Die Bestellung des Piloten zu „The Newsroom“ durch HBO fiel dann auch direkt mitten in den Oscar-Hype. Sorkin, der in seinen anderen Formaten ebenfalls das Geschehen hinter den Kulissen von bekannten Institutionen aufrollte, würde dieses Mal in die Abläufe bei der Herstellung eines Nachrichtenmagazins eintauchen. Doch Sorkin wäre nicht Sorkin, wenn er sich mit dem bloßem Beobachten und Wiederkäuen von Abläufen zufrieden geben würde. „The Newsroom“ ist zu einer Art Weckruf für das Publikum und die amerikanische Nachrichtenbranche geworden, die sich seit Jahren in einem desolaten, von Meinungsmache geprägten Zustand befindet. Gerade dieses Levitenlesen ist vielen US-Kritikern im Vorfeld sauer aufgestoßen. Dabei verkennen Sie, dass Aaron Sorkin und HBO hier vermutlich den besten Piloten seit dem Start von „Breaking Bad“ abgeliefert haben.

    Die Story

    Warum ist Amerika das beste Land der Welt?“ – Eigentlich hätte Will McAvoy (Jeff Daniels) die Frage der verwöhnten College-Studentin einfach nur mit einer Platitüde abbürsten können. Doch jahrelang aufgestauter Frust bricht sich bei dem bekannten Moderator einer Kabelnachrichtensendung ausgerechnet jetzt die Bahn, hier in der Podiumsdiskussion an einem New Yorker College. McAvoys wütender Redeschwall lässt sich kaum stoppen, kann aber auf einen Nenner gebracht werden: Amerika ist nicht das beste Land der Welt. Das war es einmal, könnte es wieder sein, wenn sich alle mal zusammenreißen und nicht nur ständig leere Worthülsen von sich geben würden. McAvoy und sein Kabelsender ACN stecken dank YouTube bereits Minuten später in einem riesigen Skandal.

    Als Will zwei Wochen später aus seinem zeitlich gut gewählten Urlaub in den Newsroom zurückkehrt, muss er feststellen, dass fast sein gesamtes Team fehlt. Es ist Don Keefer (Thomas Sadoski), seinem früheren Produzenten, zu einem neuen News-Format für ACN gefolgt. Doch Charlie Skinner (Sam Waterston), der Senderpräsident mit Hang zum Alkohol, hat bereits eine Nachfolgerin angeheuert – und bei der handelt es sich ausgerechnet um die angesehene Kriegsberichterstatterin Mackenzie McHale (Emily Mortimer), die mit Will auf eine bewegte, gemeinsame Vergangenheit zurückblicken kann.

    Zunächst wehrt sich der Anchorman mit Händen und Füßen gegen die Zusammenarbeit, doch Mackenzie versucht sich mit ihrem Idealismus durchzusetzen: wenn Will schon die Nase voll hat von Platitüden, warum dann nicht wieder eine Nachrichtensendung produzieren, die relevant, gut recherchiert und intelligent ist? Dafür im Gepäck hat sie auch ihren eigenen, jungen Produzenten Jim Harper (John Gallagher jr.), der an diesem Tag, dem 20. April 2010, als erster in der Redaktion erkennt, dass im Golf von Mexiko auf der Ölplattform Deep Water Horizon eine Umweltkatastrophe bislang ungeahnten Ausmaßes ihren Lauf nimmt. Die Berichterstattung über das Desaster wird für das neue Team zur Feuerprobe.

    Der Look

    Das wunderschöne Design und die Kameraarbeit in „The Newsroom“ als elegant zu bezeichnen käme einer gewaltigen Untertreibung gleich. Für den Look wurden blasse Grün- und Blautöne gewählt, die aber nie in ein Farbfilter-Übermaß abgleiten oder kalt und abstoßend wirken. Im Gegenteil, die Redaktion verströmt eine natürliche Wärme, wird zu einem Arbeitsplatz, an dem man sich nur zu gerne aufhalten würde. Insgesamt erinnert die Atmosphäre in „The Newsroom“ viel stärker an Kinodramen wie „Margin Call – Der große Crash“ als an aktuelle Serien. Man ist als Zuschauer hautnah am Geschehen, auch ohne dass die Wackelkamera, die bei vielen dokumentarisch angehauchten Serien übertrieben oft zum Einsatz kommt, die Bilder zu stark dominiert. Vor allem als serieller Vielseher darf man von dieser Leistung massiv beeindruckt sein.

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